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  #1  
Alt 28.02.2008, 03:33
JensGB JensGB ist offline
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Registriert seit: 23.06.2007
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Unglücklich Auch Reiseerlebnisse verändern einen behinderten Menschen

Kreta 1989 – Samariaschlucht


Ich bin mit meinem Vater 1989 von Hannover aus nach Kreta geflogen. Wir hatten uns die wärmste Zeit im Juli ausgesucht. Von Airport Hannover ging es in etwa drei Stunden nach Heraklion auf Kreta.
Ein Bekannter meines Vaters hatte Bekannte auf der Insel. Ein ehemaliger Bürgermeister eines Ortes nahe bei Rethymnon. Wir sollten dem Herrn dort ein Geschenk übergeben. Der ehemalige Bürgermeister hatte einen deutschen Fallschirmjäger im zweiten Weltkrieg zu sich aufgenommen und gesund gepflegt. Dieser Fallschirmjäger war der Schwiegervater des Bekannten meines Vaters.
Mein Vater und ich, wir waren während unseres Aufenthaltes mehrmals bei der Familie des einundneunzig jährigen ehemaligen Bürgermeisters zu Gast. Der Sohn hatte eine Metzgerei im Ort und wir haben ein paar mal bei den Leuten zu Mittag gegessen. Es gab mehrmals Lammfleisch, dass sehr dunkel, fast schwarz aussah.
Da ich selbst nicht gerade sprachbegabt bin, war die Verständigung sehr schwierig. Mit Schulenglisch und Händen und Füßen habe ich mich mit dem kleinen Sohn (13 Jahre alt) unterhalten. Er hat mir irgendwann dann die Waffensammlung unter einem Bett gezeigt, weil ich gefragt habe, warum die Schornsteine der Nachbarhäuser so viele kleine Löcher haben. Die Schornsteine waren einfach nur oben Blechrohre und sahen schon aus wie ein Sieb. Der ältere Bruder hatte öfters dort Schießübungen gemacht. Man konnte sehen, dass die Waffen, die sie da hatten schon etwas älter waren, aber noch funktionsfähig.
Wir hatten in einem Hotel in Rethymnon Quatier bezogen. Ein kleines Hotel mit Sandstand, also direkt am Meer. Die Zimmer waren ordentlich, überhaupt machte dieses Hotel einen sehr guten Eindruck, es ging fast familier zu.
Nachdem wir eine Woche schon dort waren, hatte ich die verrückte Idee, mit normalen Linienbussen zur Samariaschlucht zu fahren und sie zu durchwandern. Meinem Vater war es nicht recht, dass ich dann diesen Wahnsinn durchgezogen habe.
In Rethymnon bin ich dann einfach in einen Linienbus nach Hania gestiegen. Bei der Militärbasis der Amerikaner bei Hania wurde unser Bus plötzlich angehalten. Es war eine Straßensperre der griechischen Kriminalpolizei. Bewaffnete Beamte durchsuchten die Linienbusse, andere Ausländer im Bus sagten mir, es wären zwei Mörder in Heraklion aus dem Gefängnis ausgebrochen.
Ich habe erst darüber nachgedacht und bin dann doch in den Linienbus in Hania zur Samariaschlucht gestiegen.
Die Samariaschlucht ist 18 km lang, bis zum eisernen Tor sind es 15 km. Die Schlucht ist sehr steinig, es geht von 1500 Höhenmeter auf Meeresspiegel hinunter. An dem Tag sind fünftausend Leute durch die Schlucht gelaufen, ich habe sechs Stunden bis zum Schiffsanleger gebraucht. Drei Stunden Fahrt waren es mit Linienbussen (Mercedes 50er Jahre Modelle) zum Eingang der Schlucht und die Rückfahrt waren vier Stunden, da ich zwischendurch eine Stunde Aufenthalt hatte.
Am nächsten Tag im Hotel in Rethymnon mußte ich mich dann erstmal schwer ausruhen, ich lag fast nur im Hotelpool. Im Meer baden ging nicht, da die Steine im Wasser mit Öl benetzt waren. Die Öltanker aus dem persischen Golf wuschen damals vor der Küste ihre Tanks aus. Zumindest surfen ging, man mußte sich allerdings anschließend die Beine mit Petrolium abwaschen.
Dann wurde es sehr windig, der Wüstensturm Scirocco nahte. Das Meer tobte, der Wüstensturm brachte rötlichen Sand mit, die Autos waren damit benetzt. Der Surflehrer des Hotels hat es dann trotz aller Warnungen gewagt mit einem Sturmsegel hinauszufahren. Man hat ihn dann mit einem Motorboot herausgeholt, er konnte unmöglich auf dem Surfbrett stehen.
Als der Sturm vorbei war, haben wir noch eine Tour mit einem Geländemoped durch die Berge bei Hania gemacht und sind dann mit Geschenken des ehemaligen Bürgermeisters für den Bekannten meines Vaters nach hause geflogen.

Während meines Unternehmens - Samariaschlucht - habe ich nicht bewußt über Gefahren für Leib und Leben nachgedacht! In der Schlucht hätten giftige Schlangen und Skorpione sein können. Dass ich nicht darüber nachgedacht habe, lag wohl daran, dass sehr viele Leute an dem Tag durch die Schlucht wanderten und teilweise sogar in Badelatschen. Nur mein Vater war in Sorge und wartete am Ende der Schlucht, ich bin dann trotzdem allein mit dem Linienbus zurück nach Rethymnon gefahren.


Geändert von JensGB (28.02.2008 um 05:56 Uhr).
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  #2  
Alt 28.02.2008, 06:44
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
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Beiträge: 10.991
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Hallo Jens,

danke, dass Du uns teilhaben lässt. Dieser Urlaub war eine wichtige Zeit für Dich.

Ich glaube alles, was wir erleben verändert auch. Egal, ob es gute oder schlechte Erlebnisse sind. Jedes Erlebnis prägt einen Menschen.

Liebe Grüsse

Mary
__________________
... schön Dich zu lesen ...


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  #3  
Alt 28.02.2008, 07:25
Nancy
 
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Hallo Jens,

vielen Dank für diesen Bericht. Auch in mir wurden Erinnerungen an Kreta wach. Wir waren im August 06 dort, ebenso in einem Hotel gleich am feinen Sandstrand. Immer wenn ich etwas von Griechenland lese, bekomme ich 'Heimweh' , denn ich war seit meiner Jugend mehr als über 25 mal dort. Nicht immer auf Kreta, auch andere Inseln und Ecken sind sehr schön. In Griechenland ist es einfach überall schön.....


Kalimera (das heisst auf griechisch: guten Morgen)
und liebe Grüsse
Nancy
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  #4  
Alt 28.02.2008, 08:00
JensGB JensGB ist offline
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Registriert seit: 23.06.2007
Ort: 32825 Blomberg
Beiträge: 33
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Kalimera Nancy & Mary

Ich habe in der Samariaschlucht ganz schön mit mir selbst kämpfen müssen, der lange steinige Weg, die 18 Kilometer. Ein Kampf, so wie im ganzen Leben.
Ich bin nur dieses eine mal in Griechenland gewesen, sonst in vielen anderen europäischen Ländern, auch zweimal in Marokko.
Ich hatte das Glück auf Kreta Einheimische in einem Dorf direkt kennenzulernen, auch wenn die Verständigung schwierig war.
Ebenfalls liebe Grüsse!

Geändert von JensGB (28.02.2008 um 08:55 Uhr).
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  #5  
Alt 28.02.2008, 08:48
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evma evma ist offline
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ich danke dir ,das du uns an deine urlaubserlebnise hast teilhaben lassen.und wünsche dir das du noch häufig reisen machen kannst
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  #6  
Alt 28.02.2008, 08:58
JensGB JensGB ist offline
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Wenn ich könnte! Zum Kämpfen gehört Energie, genauso wie zum Laufen und die fehlt einfach! Die Energie wird mir durch die Psychopharmaka entrissen. Man sagt ja auch, man ist durch die Medikamente kaltgestellt, ausgebremst.

Grüsse, Jens

Geändert von JensGB (28.02.2008 um 09:12 Uhr).
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  #7  
Alt 28.02.2008, 10:35
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evma evma ist offline
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Zitat:
Zitat von JensGB
Wenn ich könnte! Zum Kämpfen gehört Energie, genauso wie zum Laufen und die fehlt einfach! Die Energie wird mir durch die Psychopharmaka entrissen. Man sagt ja auch, man ist durch die Medikamente kaltgestellt, ausgebremst.

Grüsse, Jens


du darfst nicht aufgeben,und wirst sehen irgendwann kannst du wieder reisen.nur gebe nicht auf.
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  #8  
Alt 28.02.2008, 17:25
JensGB JensGB ist offline
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Ort: 32825 Blomberg
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Ich muß eben Abstriche machen! Der Preis für die Behandlung der Psychose ist, dass ich keine Energie mehr zum Laufen habe. Je mehr Medikamente man bekommt, auf Grund der Psychose, um so weniger Leistung bringt man. Ich bekomme nach jetzt 25 Jahren eine hohe Dosis an Psychopharmaka, also bringe ich auch keine Leistung mehr.
Um laufen zu können müßte ich eine starke Energie und damit Leistung aufbringen können.
Ich bin heute ziemlich ausgeschaltet, aufgeben tue ich ja nicht. Immerhin schreibe ich hier diese Zeilen und gehe mit dem Computer um.
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  #9  
Alt 28.02.2008, 17:35
Nancy
 
Beiträge: n/a
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Zitat:
Immerhin schreibe ich hier diese Zeilen und gehe mit dem Computer


Hallo Jens,

es ist auch sehr wichtig, dass Du den Kontakt zu Menschen aufrecht erhälst.

Ich kann mit vorstellen, dass die Medikamente Dich matt setzen. Nicht nur die Nebenwirkungen, auch die Langzeitschäden gehen mächtig auf die Kondition.


Liebe Grüsse
Nancy
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  #10  
Alt 29.02.2008, 00:38
JensGB JensGB ist offline
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Registriert seit: 23.06.2007
Ort: 32825 Blomberg
Beiträge: 33
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Auch wenn ich für den Alltag Hilfe brauche, ich lebe eigentlich ganz gut. Auch wenn es die Einschränkung mit dem Laufen gibt und ich nur an Unterarmgehstützen laufen kann, so haben sich doch wieder neue Freiheiten ergeben, da der Kopf jetzt meist frei ist, von unnötigen Gedanken.
Im Teufelskreis der Gedanken, während der Depressionen konnte ich nichtmal Artikel in Zeitungen lesen, die Gedanken schweiften ständig ab.
Kontakte mit Menschen ergeben sich im Moment im Internet.
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