Kreta 1989 – Samariaschlucht
Ich bin mit meinem Vater 1989 von Hannover aus nach Kreta geflogen. Wir hatten uns die wärmste Zeit im Juli ausgesucht. Von Airport Hannover ging es in etwa drei Stunden nach Heraklion auf Kreta.
Ein Bekannter meines Vaters hatte Bekannte auf der Insel. Ein ehemaliger Bürgermeister eines Ortes nahe bei Rethymnon. Wir sollten dem Herrn dort ein Geschenk übergeben. Der ehemalige Bürgermeister hatte einen deutschen Fallschirmjäger im zweiten Weltkrieg zu sich aufgenommen und gesund gepflegt. Dieser Fallschirmjäger war der Schwiegervater des Bekannten meines Vaters.
Mein Vater und ich, wir waren während unseres Aufenthaltes mehrmals bei der Familie des einundneunzig jährigen ehemaligen Bürgermeisters zu Gast. Der Sohn hatte eine Metzgerei im Ort und wir haben ein paar mal bei den Leuten zu Mittag gegessen. Es gab mehrmals Lammfleisch, dass sehr dunkel, fast schwarz aussah.
Da ich selbst nicht gerade sprachbegabt bin, war die Verständigung sehr schwierig. Mit Schulenglisch und Händen und Füßen habe ich mich mit dem kleinen Sohn (13 Jahre alt) unterhalten. Er hat mir irgendwann dann die Waffensammlung unter einem Bett gezeigt, weil ich gefragt habe, warum die Schornsteine der Nachbarhäuser so viele kleine Löcher haben. Die Schornsteine waren einfach nur oben Blechrohre und sahen schon aus wie ein Sieb. Der ältere Bruder hatte öfters dort Schießübungen gemacht. Man konnte sehen, dass die Waffen, die sie da hatten schon etwas älter waren, aber noch funktionsfähig.
Wir hatten in einem Hotel in Rethymnon Quatier bezogen. Ein kleines Hotel mit Sandstand, also direkt am Meer. Die Zimmer waren ordentlich, überhaupt machte dieses Hotel einen sehr guten Eindruck, es ging fast familier zu.
Nachdem wir eine Woche schon dort waren, hatte ich die verrückte Idee, mit normalen Linienbussen zur Samariaschlucht zu fahren und sie zu durchwandern. Meinem Vater war es nicht recht, dass ich dann diesen Wahnsinn durchgezogen habe.
In Rethymnon bin ich dann einfach in einen Linienbus nach Hania gestiegen. Bei der Militärbasis der Amerikaner bei Hania wurde unser Bus plötzlich angehalten. Es war eine Straßensperre der griechischen Kriminalpolizei. Bewaffnete Beamte durchsuchten die Linienbusse, andere Ausländer im Bus sagten mir, es wären zwei Mörder in Heraklion aus dem Gefängnis ausgebrochen.
Ich habe erst darüber nachgedacht und bin dann doch in den Linienbus in Hania zur Samariaschlucht gestiegen.
Die Samariaschlucht ist 18 km lang, bis zum eisernen Tor sind es 15 km. Die Schlucht ist sehr steinig, es geht von 1500 Höhenmeter auf Meeresspiegel hinunter. An dem Tag sind fünftausend Leute durch die Schlucht gelaufen, ich habe sechs Stunden bis zum Schiffsanleger gebraucht. Drei Stunden Fahrt waren es mit Linienbussen (Mercedes 50er Jahre Modelle) zum Eingang der Schlucht und die Rückfahrt waren vier Stunden, da ich zwischendurch eine Stunde Aufenthalt hatte.
Am nächsten Tag im Hotel in Rethymnon mußte ich mich dann erstmal schwer ausruhen, ich lag fast nur im Hotelpool. Im Meer baden ging nicht, da die Steine im Wasser mit Öl benetzt waren. Die Öltanker aus dem persischen Golf wuschen damals vor der Küste ihre Tanks aus. Zumindest surfen ging, man mußte sich allerdings anschließend die Beine mit Petrolium abwaschen.
Dann wurde es sehr windig, der Wüstensturm Scirocco nahte. Das Meer tobte, der Wüstensturm brachte rötlichen Sand mit, die Autos waren damit benetzt. Der Surflehrer des Hotels hat es dann trotz aller Warnungen gewagt mit einem Sturmsegel hinauszufahren. Man hat ihn dann mit einem Motorboot herausgeholt, er konnte unmöglich auf dem Surfbrett stehen.
Als der Sturm vorbei war, haben wir noch eine Tour mit einem Geländemoped durch die Berge bei Hania gemacht und sind dann mit Geschenken des ehemaligen Bürgermeisters für den Bekannten meines Vaters nach hause geflogen.
Während meines Unternehmens - Samariaschlucht - habe ich nicht bewußt über Gefahren für Leib und Leben nachgedacht! In der Schlucht hätten giftige Schlangen und Skorpione sein können. Dass ich nicht darüber nachgedacht habe, lag wohl daran, dass sehr viele Leute an dem Tag durch die Schlucht wanderten und teilweise sogar in Badelatschen. Nur mein Vater war in Sorge und wartete am Ende der Schlucht, ich bin dann trotzdem allein mit dem Linienbus zurück nach Rethymnon gefahren.
