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Alt 16.07.2008, 07:38
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Standard adhs

Turbulenter Start

Quirlige Kinder: Nicht jeder Wirbelwind leidet unter ADHSIst Ihr Kind oft verträumt und unkonzentriert, gleichen Zimmer, Wohnung und Schultasche eher einem Schlachtfeld, startet der Morgen regelmäßig turbulent und chaotisch, werden Hausaufgaben zur stundenlangen Qual und geht vieles trotz bester Absichten immer wieder schief? Es muss nicht an einer misslungenen Erziehung liegen, sondern möglicherweise am so genannten hyperkinetischen (von "hyper" = über und "kinesis" = Bewegung) Syndrom. Im Volksmund heißt das Zappelphilipp, Fachleute bezeichnen die Störung als Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) oder auch als Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS).Kleine Energiebündel

Viele Namen für eine Störung, welche die Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) so beschreibt: "ADHS ist ein Störungsbild mit der Kombination von Aufmerksamkeitsschwäche, überschießender Impulsivität und oft extremer Unruhe (Hyperaktivität)." Die Symptome können bei Kindern unterschiedlich stark ausgeprägt sein, und es müssen auch nicht immer alle Anzeichen gleichzeitig auftreten.






ADHS-Kinder stören extrem in der Schule, lösen Aufgaben langsam und unsystematisch, sind schnell ablenkbar und vertragen kaum Frustrationen. Nicht jedes hyperaktive Kind zappelt ständig, aber alle Kinder fallen aus dem Rahmen - sowohl in der Schule, als auch im häuslichen Umfeld. Meist ist ihr Verhalten störend und bereitet Eltern, Erziehern und nicht zuletzt den Kindern und Jugendlichen selbst erhebliche Schwierigkeiten.


Auch Erwachsene betroffen




ADHS gibt es in allen Altersgruppen. Früher nahm man an, dass sich die Störungen im Laufe der Pubertät auswachsen. Dies ist leider nicht der Fall, ein Teil der Kinder wird die Erkrankung auch im Erwachsenenalter nicht los. Allerdings verändert sich das Erscheinungsbild. In der Pubertät verliert sich die überschießende Motorik meist, anstelle davon tritt eher Schusseligkeit, Vergesslichkeit oder Unorganisiertheit auf.


Keine Modeerkrankung

ADHS ist keine moderne Zivilisationskrankheit, verursacht durch falsche Erziehung, falsche Ernährung oder exzessiven Computer- und Videokonsum, wie Wissenschaftler heute wissen. Auch Marion Caspers-Merk, die Drogenbeauftragte des Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) betont: "ADHS ist keine Modeerkrankung." Betroffen seien zwei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen, Jungen etwa fünfmal häufiger als Mädchen. In Deutschland sind das etwa 500.000 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren.

Der BVKJ geht sogar von einer noch höheren Zahl aus: "Schätzungsweise zehn Prozent aller Kinder leiden zumindest unter milden Formen von ADHS, die Hälfte ist behandlungsbedürftig." Demnach gäbe es wohl kaum eine Schulklasse ohne einen Zappelphilipp. Aber nicht jedes aktive oder quirlige Kind hat automatisch ein ADHS-Syndrom. Wichtig ist deshalb eine genaue Diagnostik von einem erfahrenen Kinderarzt bzw. Kinder- und Jugendpsychiater.


ADHS unbehandelt - die Folgen

ADHS ist keine Erkrankung, die sich einfach "auswächst". Bei Rund einem Drittel der Kinder verschwinden die Symptome mit den Jahren, der Rest behält sie jedoch ein Leben lang. Wird die Störung nicht behandelt, könne das für die betroffenen Kinder lebenslange Folgen haben, berichtet der BVKJ:
  • Sie schaffen die Schule nicht und erreichen oft nicht den Beruf, die ihren geistigen Fähigkeiten entspricht.
  • Es gelingt ihnen nicht, soziale Beziehung aufzubauen und zu erhalten.
  • Ein Drittel der ADHS-Patienten ist von Jugendstraffälligkeit bedroht.
  • Für Unfälle besteht ein sechsfach erhöhtes Risiko; unter allen Patienten mit Schädelhirnverletzungen sind Patienten mit ADHS vor allem durch selbstverschuldete und schweren Schädelhirnverletzungen überrepräsentiert.
  • Als Erwachsene bestehen Folgerisiken, beispielsweise für psychische Erkrankungen, Fibromyalgiesyndrom, Herzinfarkt, Depression, Angststörungen, Substanzmissbrauch oder Abhängigkeitserkrankungen (Nikotin, Alkohol, Opiate).
Quellen
* Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (www.kinderaerzteimnetz.de);
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  #2  
Alt 16.07.2008, 07:43
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Gene beteiligt

Warum manche Kinder an ADHS erkranken und andere nicht, ist bislang nicht genau geklärt. Forscher vermuten aber, dass die Gene eine wichtige Rolle spielen. Der Grund: In vielen Fällen leiden Eltern, Geschwister oder andere Verwandte ebenfalls an ADHS. Auf 20 bis 30 Prozent schätzt der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) das Risiko, an ADHS zu erkranken, wenn ein Elternteil an der Störung leidet. Als weitere Ursachen werden unter anderem Umweltgifte oder Nahrungsmittelallergien diskutiert. Nikotin, Alkohol und Drogen während der Schwangerschaft sowie ein Sauerstoffmangel bei der Geburt erhöhen das Risiko, an ADHS zu erkranken.Signalstörung im Kopf

Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei ADHS-Kindern die Informationsverarbeitung zwischen verschiedenen Abschnitten im Gehirn nicht richtig funktioniert. Ursache dafür sind Störungen im Stoffwechsel der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Beide sind wichtig für Aufmerksamkeit, Antrieb und Motivation. Bei ADHS-Kindern übertragen diese Neurotransmitter die Informationen zwischen den Gehirnzellen nur noch eingeschränkt. Betroffen sind die Stammganglien und das Frontalhirn - Gehirnabschnitte, die für Aufmerksamkeit, Ausführung und Planung, Konzentration und Wahrnehmung verantwortlich sind.
Fehlende Filter




ADHS-Kinder können sich deshalb schwer konzentrieren und Wichtiges nicht von Unwichtigem unterscheiden, sie sind vergesslich, aggressiv und unruhig. "Da alle Eindrücke ungefiltert auf sie einstürzen, stehen sie ständig unter großer Anspannung", erklärt der Verband. Bei einem Drittel tritt keine Hyperaktivitätauf, sie sind ruhig und verträumt.

Eine Rolle spielen - wenngleich nicht als Krankheitsursache - die äußeren Umstände wie beengte Wohnverhältnisse, wenig emotionale Zuwendung, das Erziehungsverhalten der Eltern, hektische Umwelt (Lärm, fehlende oder nicht durchschaubare Strukturen), Bewegungsmangel, Zeitdruck, hoher Fernseh- und Computerkonsum. Schlechte Erziehung oder negative Kindheitserfahrungen seien als eigentliche Ursachen auszuschließen, so der BVKJ.
Anzeichen unterschiedlich



ADHS gilt als angeborene Störung, die sich schon vor dem sechsten Lebensjahr bemerkbar macht. Die Erkrankung kommt in allen Altersgruppen vor, allerdings zeigt sie sich bei Säuglingen anders als bei Kleinkindern, Jugendlichen oder Erwachsenen.
Säuglingsalter

  • langdauernde Schreiphasen
  • motorische Unruhe
  • Ess- und Schlafprobleme
  • Ablehnung von Körperkontakt
  • Misslaunigkeit
    Kleinkindalter (einschließlich Kindergarten)
    • plan- und rastlose Aktivität
    • schnelle, häufige und unvorhersagbare Handlungswechsel
    • geringe Ausdauer bei Einzel- und Gruppenspiel
    • ausgeprägte Trotzreaktionen
    • unberechenbares Sozialverhalten
    • Teilleistungsschwächen beim Hören, Sehen, Fein- und Grobmotorik
    • vermehrte Unfallgefahr
    • auffallend früher Spracherwerb oder auch verzögerte Sprachentwicklung
    • keine beständigen Freundschaften
    • Grundschulalter



      • Regeln in Familie, Spielgruppe und Klassengemeinschaft werden nicht akzeptiert
      • Stören im Unterricht, wenig Ausdauer, starke Ablenkbarkeit, emotionale Instabilität, geringe Frustrationstoleranz, Wutanfälle, aggressives Verhalten, schlechte Schrift, chaotisches Ordnungsverhalten
      • andauerndes Reden, Geräuscheproduktion, überhastetes Sprechen (Poltern)
      • unpassende Mimik, Gestik und Körpersprache
      • Ungeschicklichkeit, häufige Unfälle
      • Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechenschwäche, Lernleistungsprobleme mit Klassenwiederholungen, keine dauerhaften sozialen Bindungen, Außenseitertum
      • niedriges Selbstbewusstsein
      Adoleszenz
      • Unaufmerksamkeit
      • Null-Bock-Mentalität, Leistungsverweigerung
      • oppositionell-aggressives Verhalten
      • stark vermindertes Selbstwertgefühl, Ängste, Depressionen
      • Kontakte zu sozialen Randgruppen
      • häufiger Verkehrsunfälle
      • Neigung zu Delinquenz, Alkohol, Drogen
      Erwachsenenalter
      • Schusseligkeit, Vergesslichkeit
      • Mühe, Aufgaben zu planen und zu Ende zu bringen
      • Unbeständigkeit von beruflichen und sozialen Bindungen
      • Ängste, Depression, Jähzorn, Neigung zu Delinquenz, Alkohol, Drogen
      Positive Eigenschaften
      • Ideenreichtum
      • künstlerische Kreativität
      • Begeisterungsfähigkeit
      • Hilfsbereitschaft
      • Gerechtigkeitssinn
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  #3  
Alt 16.07.2008, 07:53
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evma evma ist offline
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Fachkompetenz gefragt

ADHS zeigt sich in sehr unterschiedlichen Erscheinungsbildern, und nicht immer sind alle Anzeichen der Störung gleichzeitig vorhanden. Schwierig ist die Abgrenzung von Verhaltensweisen, die altersgemäß sind. Außerdem müssen andere Ursachen wie Stoffwechselstörungen, Anfallsleiden, Tic-Störungen, Tourette-Syndrom oder eine Zwangsstörung ausgeschlossen werden. Deshalb sollten nur erfahrene Spezialisten, beispielsweise Kinder- und Jugendärzte oder Kinder- und Jugendpsychiater, die Diagnose ADHS stellen. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern, Erziehern und anderen Betreuern.

Es gibt drei Untergruppen der Störung (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, DSM):
  • Vorwiegend hyperaktiv-impulsiv: "Zappelphilipp"
  • Vorwiegend aufmerksamkeitsgestört: "Träumsuse" (tatsächlich auch häufiger bei Mädchen)
  • Misch-Typ: aufmerksamkeitsgestört und hyperaktiv
Alle drei Gruppen entwickeln soziale Störungen als Folge ihrer Probleme. Manche Kinder widersetzen sich außerdem jeder Führung, in Kombination mit Hyperaktivität resultiert das in erheblichen Aggressionen.


Erste Schritte
  • Beobachten und beschreiben Sie das Verhalten Ihres Kindes: Gibt es aktuelle kritische Ereignisse, die Ursache des Verhaltens sein könnten? Wann treten die Aufmerksamkeitsstörungen auf, zu welcher Tageszeit, an bestimmten Wochentagen?
  • Halten Sie Rücksprache mit den Betreuern Ihres Kindes: Kindergarten, Schule, Hort, Großeltern.
  • Besprechen Sie die Probleme mit einem Kinder- und Jugendarzt.
  • Knüpfen Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen.
Diagnose




Für die Diagnose ADHS müssen unter anderem folgende Kriterien erfüllt sein (Leitlinie Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V.):

1. Symptome

a) Mindestens sechs der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit treten seit wenigstens sechs Monaten auf und sind keine altersgemäße Entwicklungsphase:
  • Beachtet Einzelheiten nicht genau oder macht Flüchtigkeitsfehler.
  • Hat Mühe, sich längerfristig zu konzentrieren.
  • Scheint oft nicht zuzuhören, wenn direkt angesprochen.
  • Führt oft Anweisungen nicht vollständig aus oder beendet Aufgaben nicht.
  • Hat Mühe, Aufgaben und Tätigkeiten planvoll abzuwickeln.
  • Vermeidet, übernimmt nur ungern oder verweigert oft Aufgaben, die anhaltende Konzentration erfordern.
  • Verliert Dinge wie Spielzeug oder Hausaufgabenheft, die für bestimmte Aufgaben notwendig sind.
  • Wird leicht durch unwesentliche Reize abgelenkt.
  • Ist oft vergesslich bei Alltagstätigkeiten.
b) Mindestens sechs der folgenden Symptome von Hyperaktivität-Impulsivität treten seit wenigstens sechs Monaten auf und sind keine altersgemäße Entwicklungsphase:
  • Zappelt oder windet sich auf dem Stuhl.
  • Sitzt ungern und verlässt oft den Sitzplatz, auch wenn Sitzen erwartet wird.
  • Rennt oft herum oder klettert überall hoch in unpassenden Situationen. Jugendlichen oder Erwachsenen sind ruhelos.
  • Ist beim Spielen meist sehr laut.
  • Ist umtriebig oder benimmt sich oft wie von einem Motor angetrieben.
  • Redet oft übermäßig viel.
  • Platzt oft mit der Antwort heraus, bevor Fragen komplett gestellt sind.
  • Hat oft Mühe zu warten, bis er/sie an der Reihe ist.
  • Unterbricht oder stört oft andere bei Unterhaltungen oder Spielen.
2. Einige dieser Symptome waren bereits vor dem siebten Lebensjahr vorhanden.

3. Die Symptome treten nicht nur daheim oder in der Schule, sondern in mindestens zwei verschiedenen Umgebungen auf.

4. Es muss eine deutliche Beeinträchtigung im sozialen, Lernleistungs- oder beruflichen Bereich vorliegen.


Diagnostische Verfahren

Anamnese: Familiensituation, Erkrankungen in der Familie - auch Verhaltensauffälligkeiten und Lern-Leistungs-Karriere-Besonderheiten, Alkohol-, Nikotin-, Drogenmissbrauch, psychiatrische Erkrankungen, Schwangerschaft, Geburt, Entwicklung, Vorerkrankungen, derzeitige sonstige Beschwerden.

Befragung der Eltern und anderer Bezugspersonen zu Sozial-, Lern-, Leistungsverhalten, Persönlichkeitsstruktur; Fremdbeurteilung von Sozial- und Lernverhalten, Leistungen auch durch Zeugnisse.

Klinischer Untersuchungsbefund: Unverzichtbar, um einen umfassenden Eindruck vom Patienten zu erhalten. Schließt andere Verhaltensursachen wie Juckreiz bei Ekzemen oder Allergien bzw. Hör- und Sehschwäche aus. Untersucht Koordination und beurteilt das Verhalten bei der Untersuchung (Kooperationsfähigkeit, Gestik, Mimik, Sprache, Geräusche).

Verhaltensbeobachtung: Während der Untersuchungen und der Anamnese.

Videoaufzeichnungen: Optional. Hilfreich zur diagnostischen Beurteilung. Kann auch den Eltern die Auffälligkeit in Mimik, Gestik und Körpersprache oder die Aufmerksamkeitsabbrüche zeigen. Macht auch die elterliche Reaktion deutlich und demonstriert später einen Therapieerfolg.

ADHS-spezifische Fragebogentests: Sie erfassen bestimmte diagnosetypische Verhaltensweisen.

Testpsychologische Untersuchungen: Wichtig, um die ADHS-Symptomatik von anderen Krankheiten abzugrenzen, beispielsweise verringerter Intelligenz oder Legasthenie. Nach Möglichkeit wird mit Vorbefunden verglichen, beispielsweise der Einschulungsuntersuchung. Ansonsten werden Lehrer zur intellektuellen Leistungsfähigkeit und zum Aufmerksamkeitsverhalten befragt. Schulmappe und Hefte (Ordnung, Führung, Schrift, Einteilung) geben auch Hinweise auf Störungen.

Apparative Diagnostik: EEG-Untersuchungen sind erforderlich, wenn der Verdacht auf ein Anfallsleiden besteht.


Individuell behandeln

Verhaltenstherapie: Wichtiger Baustein bei kleinen KindernZiel der Therapie ist es, den Kindern ein möglichst normales Leben und Entwicklung zu ermöglichen. Eltern, Betreuer, Lehrer oder Ärzte spielen bei der Behandlung von ADHS-Kindern eine wichtige Rolle. Je nach Erscheinungsbild der Störung und dem Schweregrad der Beeinträchtigung kommen medizinische, pädagogische, psychologische oder psychotherapeutische Maßnahmen in Frage. Welche Therapie gewählt wird und wo sie ansetzt (beim Kind, bei den Eltern, in der Schule - meist überall nötig), müssen Ärzte individuell entscheiden. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten ist hier gefragt. Bei der Therapiewahl spielen auch äußere Umstände eine Rolle, z. B. die Verfügbarkeit von Therapeuten vor Ort oder die Entfernungen zu geeigneten Einrichtungen. Voraussetzung für die richtige Therapie ist eine ausführliche Diagnostik von Fachärzten. Klar ist auf jeden Fall, dass die Störung nicht heilbar ist.







Therapie-Bausteine

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sind folgende Ansatzpunkte für die Behandlung wichtig:
  • Aufklärung und Beratung der Eltern, des Kindes/Jugendlichen und des Erziehers bzw. des Klassenlehrers.
  • Elterntraining, Familie miteinbeziehen (einschl. Familientherapie), um die Symptomatik in der Familie zu vermindern.
  • Kindergarten/Schule: Kooperation mit Erziehern und Lehrern.
  • Kognitive Therapie des Kindes/Jugendlichen (ab dem Schulalter): Impulsives und unorganisiertes Verhalten ändern (Selbstinstruktionstraining), Anleitung des Kindes/Jugendlichen, wie sich das Problemverhalten ändern lässt.
  • Medikamentöse Therapie zur Verminderung der Symptome in der Schule (im Kindergarten), in der Familie oder in anderen Umgebungen.
Welche Bausteine eingesetzt oder kombiniert werden (Multimodale Therapie), hängt vom Alter des Kindes und der Ausprägung der Krankheit ab.
  • Vorschulalter: In erster Linie wird ein Elterntrainig sowie eine Aufklärung der Umwelt durchgeführt. Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen, ist eine medikamentöse Therapie zu erwägen. Eine kognitive Therapie ist altersbedingt nicht durchführbar.
  • Schulkinder und Jugendliche: Grundlage der Therapie ist die Aufklärung und Beratung der Kinder und Eltern sowie das Elterntraining. Sind Kind oder Umwelt schon erheblich beeinträchtig sind, ist eine sofortige medikamentöse Therapie zu empfehlen. Ansonsten ist das Selbstinstruktionstraining die erste Maßnahme. Ist das Kind trotz Therapie extrem unruhig oder aggressiv, sind zusätzlich Medikamente sinnvoll.
Verhaltenstraining




Die Beratung der Eltern, Angehörigen und anderen Bezugspersonen gehört ebenso zur Therapie wie psychotherapeutische und psychosoziale Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen der kleinen Patienten. Mittels einer Psychotherapie sollen ADHS-Kinder lernen, mit der Ablenkbarkeit und Gereiztheit umzugehen. Elterntraining und Verhaltenstherapie stehen bei Kindern unter sechs Jahren an erster Stelle. Nur wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, sollte eine Therapie mit Medikamenten erwogen werden. Besonders wichtig, so die Bundesärztekammer, sei die Kombination aus psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung. "Kinder mit ADHS, die ein ängstliches, sozial auffälliges Verhalten zeigen, sollten sowohl verhaltenstherapeutisch, als auch mit Medikamenten behandelt werden", rät Prof. Dr. Gerd Lehmkuhl von der Universitätsklinik Köln.

Das Elterntraining ist eine gute Ergänzung zu professionellen Therapieangeboten. Klare Umgangsregeln sollen es den Eltern ermöglichen, besser mit ihren hyperaktiven Kindern zurechtzukommen. Viele betroffene Eltern suchen auch Hilfe bei Elterninitiativen. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft ihnen aus der Abgrenzung und bewahrt sie vor Schuldgefühlen. Oft schaffen Eltern erst mit dem Rückhalt dieser Gruppen den wichtigen Schritt, ihr hyperaktives Kind so zu akzeptieren, wie es ist.


Medikamente

Bei den eingesetzten Medikamenten handelt es sich nicht etwa um Beruhigungsmittel, sondern um Substanzen, welche die Aktivität fördern. Methylphenidat ist ein Psychostimulans aus der Gruppe der Amphetamine, das die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn freisetzt. Bei ADHS-Kindern sind zu wenig Botenstoffe aktiv, so dass die Informationen zwischen den Gehirnzellen nur noch eingeschränkt funktioniert. Stehen durch Methylphenidat mehr Botenstoffe zur Verfügung, klappt auch die Nachrichtenübertragung im Gehirn wieder besser.

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft ist Methylphenidat für die Behandlung von ADHS bei Kindern geeignet und ermöglicht ihnen ein einigermaßen normales Leben. Bei 70 bis 90 Prozent der Kinder, so der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte, mindere es Unaufmerksamkeit und Ruhelosigkeit und steigere die Konzentration. Manche ADHS-Kinder nehmen zuerst Medikamente, weil eine Psychotherapie erst dann möglich wird. Der Wirkstoff fällt jedoch unter das Betäubungsmittelgesetz. Bei sachgemäßer Anwendung sind die Risiken von Betäubungsmitteln (Btm) gering. Bei missbräuchlicher Anwendung können sie jedoch die Gesundheit gefährden. Um Missbrauch zu verhindern, dürfen Ärzte Betäubungsmittel nur für einen begrenzten Zeitraum und nur auf einem speziellen Rezeptformular (Betäubungsmittelrezept) verschreiben.

Methylphenidat wirkt sofort, schon nach einer Stunde ist eine deutliche Wirkung erkennbar. Kinder sollten die Medikamente aber nicht nur sporadisch einnehmen. Um die Störung dauerhaft zu stabilisieren, ist eine regelmäßige Therapie wichtig. Am Anfang wird die geringste wirksame Dosis ermittelt, indem man die Wirkstoffmenge langsam steigert. Die Dosis ist bei jedem Kind individuell verschieden: Sie kann von einer gering dosierten Tablette bis hin zu drei hoch dosierten Tabletten am Tag reichen. Für Kinder, die eine ganztägige Stabilisierung brauchen, eignen sich Tabletten, die einmalig morgens eingenommen werden. Sie setzen den Wirkstoff kontinuierlich über den ganzen Tag frei. Der Vorteil: Die regelmäßige Tabletteneinnahme wird nicht so leicht vergessen.

Die Behandlung mit Methylphenidat ist eine Langzeittherapie. Sie kann sich über Jahre bis ins Erwachsenenalter hinein ziehen. Alle zwölf Monate sollte die Therapie unterbrochen werden, um den Krankheitsverlauf zu beurteilen und gegebenenfalls den Medikamentenbedarf neu zu ermitteln.

Experten warnen aber, Vorschulkinder unkontrolliert medikamentös zu behandeln. Für den Einsatz von Methylphenidat bei Kindern unter sechs Jahren lägen bisher nur geringe Erfahrung vor, erklärt der BVKJ. Die Substanz macht nicht abhängig, sofern sie richtig angewendet und dosiert wird. Neben diesen Stimulanzien werden auch andere psychisch wirksame Mittel (Neuroleptika), Antidepressiva und Beruhigungsmittel zur Behandlung eingesetzt. Eine Reihe wissenschaftlicher Fragestellungen wie die der Langzeitwirkung von Methylphenidat, sind noch unbefriedigend beantwortet.

Andere Therapieverfahren wie bestimmte Diäten (ohne Getreide- und Kuhmilchprodukte, Fleisch, Phosphate oder Farbstoffe) oder die Einnahme hochdosierter Vitaminpräparate haben sich nach Angaben des Verbandes bislang nicht durchgesetzt.
Mit den kleinen Wirbelwinden klar zu kommen, raubt auch den Eltern manchmal den letzten Nerv. Sie müssen ein wenig experimentieren, um herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Dennoch gibt es einige allgemeine Tipps für den Umgang mit ADHS-Kindern
Struktur ins Chaos

ADHS-Kinder sind kaum in der Lage, Ordnung in das tägliche Chaos zu bringen. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man Dinge strukturiert, große Aufgaben in kleine zerlegt und dabei nicht so schnell den Überblick verliert. Wichtig sind klare Zeit- und Aufgabenpläne, transparente Regeln und Hinweise zum Zeitablauf. Kinder mit ADHS müssen die umgebenden Situationen möglichst klar einschätzen können, um sich selbst zu organisieren. Dazu gehören auch ausreichend und regelmäßig Schlaf, Essen, Trinken sowie Ruhezeiten und Pausen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind möglichst keine Überraschungen erlebt, denn das lieben ADHS-Kinder gar nicht. Beziehen Sie es in die Planung mit ein und kündigen Sie Veränderungen rechtzeitig an.
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  #4  
Alt 16.07.2008, 07:55
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Belohnen

Belohnen bewirkt viel mehr, als wenn Sie mit Ihrem Kind schimpfen oder es bestrafen. Führen Sie ein Belohnungssystem ein, mit dem Ihr Kind sich bestimmte Vergünstigungen erarbeiten kann. Überlegen Sie, welches Verhalten Sie bei Ihrem Kind gerne sehen würden. Stellen Sie für diese Handlungen Bonuspunkte in Aussicht. Eine Belohnung kann alles mögliche sein, überlegen Sie, was Ihr Kind am liebsten hat. Stellen Sie einen Plan auf, wofür Sie die Bonuspunkte vergeben, und wogegen Ihr Kind wie viele eintauschen kann.


Ermutigen




Ermutigen sie das Kind immer wieder, etwas durchzuziehen. Helfen sie durch Zwischenstopps, dass es immer wieder versucht (und vielleicht auch schafft), sein Vorhaben zu Ende zu bringen. Nur allzu leicht verlieren Kinder mit ADHS ihr Ziel aus den Augen. Machen Sie Ihrem Kind öfters Mut, denn es vergisst die eigenen Erfolgserlebnisse sehr schnell. Unterstützen Sie Ihr Kind beim Aufbau von Freundschaften, denn ADHS ist häufig auch ein Handicap für das Knüpfen und Aufrechterhalten von sozialen Kontakten dar (Ängste, Egozentrik).


Interaktion

Reagieren sie schnell, wenn ihnen etwas am Verhalten des Kindes nicht passt. Wenn sie zu lange warten, weiß das Kind nicht mehr, wofür es belohnt oder bestraft wird. Akzeptieren Sie die Eigenheiten ihres ADHS-Kindes. Bekämpfen Sie nicht die negativen Seiten, sondern versuchen Sie, besser mit den unerwünschten Verhaltensweisen umzugehen. Vergessen Sie nie, dass es sich bei den störenden Verhaltensweisen nicht um Charaktereigenschaften handelt, sondern um Symptome und Auswirkungen einer neurobiologischen Grundstörung.


Feiraum

Schränken Sie Ihr Kind nicht ein, ermöglichen Sie ihm möglichst viele soziale Kontakte zu Gleichaltrigen, etwa in außerschulischen Aktivitäten, Sportvereinen, Musikschulen, Kirchengemeinden etc. Dies fördert die Integration in einer stabiles soziales Netz und gewährleistet wichtige Lernerfahrungen. Ermöglichen Sie ihrem Kind, Judo (oder bei Nichtgefallen eine andere Kampfsportart) zu erlernen. Aber auch Geräteturnen, Tischtennis und andere Zweiersportarten sowie Jogging, Schwimmen, Radfahren helfen Kindern (und Erwachsenen) mit ADHS, ihren Neurotransmitter- Haushalt im Gehirn zu stabilisieren.


Fördern

Versuchen Sie, Begabungen Ihres Kindes zu erkennen und fördern Sie diese konsequent (musische, gestalterische, sportliche oder wissenschaftliche Begabungen). Sie ermöglichen damit Ihrem Kind Erfolgserlebnisse, die es für den Aufbau von Selbstvertrauen dringend braucht.


Selbst cool bleiben

Schaffen Sie sich selbst Auszeiten. Sorgen Sie für ausreichende Freizeit- und Sozialaktivitäten als Ausgleich. Integrieren sie das Teilproblem ADHS als einen Aspekt unter vielen positiven und negativen Erfahrungen bzw. Problembereiche, aber machen Sie esnicht zum alleinigen Schwerpunkt ihrer Aktivitäten. Reflektieren Sie immer wieder die Basisproblematik der ADHS, um das Erlebte und Vorgefallene auf der Grundlage sachlicher Informationen und Zusammenhänge angemessen bewerten zu können. Dann bleiben irrationale Reaktionen Ihrerseits aus. Sie ersparen sich den "Verlust weiterer Nerven" und Ihrem Kind erneute negative Erlebnisse und Erfahrungen. Lesen Sie regelmäßig Bücher und Texte zu ADHS und diskutieren Sie mit anderen Interessierten über diese Themen.



Quellen
www.adhs.ch;
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