Warten im Rollstuhl
Berlin (kobinet) Behinderte protestieren gegen den schlechten Service des Telebus-Fahrdienstes, berichtet heute die Berliner Zeitung in einem dreispaltigen Beitrag unter der Überschrift "Warten im Rollstuhl".
Vor dem Roten Rathaus machte der Rollstuhlfahrer Ilja Seifert die Probe aufs Exempel. Der Vorsitzende des Berliner Behindertenverbands ließ die Telefonnummer 26 10 23 00 wählen - den Anschluss des Sonderfahrdienstes Berlin, der Aufträge für den Telebus entgegennehmen soll. Doch der Anrufer kam einfach nicht durch. "Sehen Sie, so ist es fast immer", rief Seifert unter dem Beifall von fast 100 Rollstuhlfahrern, die gestern für die Verbesserung des Fahrdienstes demonstrierten. Nach dem Vertrag, den der Senat mit der Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Taxibesitzer (WBT) abgeschlossen hat, sollte jeder Anrufer nicht länger als 90 Sekunden warten, bis in der Mobilitätszentrale jemand abnimmt und sich um ihn kümmert. Seifert ironisch: "Diese Zahl sollten wir besser nach oben korrigieren - auf 90 Minuten."
Als Telebusfahrten noch unter öffentlicher Regie organisiert wurden, wurden täglich 620 Fahrten vermittelt, zitiert das Blatt WBT-Vorstand Dietmar Schmidt. Schmidt sei sich bewusst, dass es "Anlaufschwierigkeiten" gab. Sie hatten damit zu tun, dass die Mobilitätszentrale anfangs die Daten der rund 4.000 regelmäßigen Telebusnutzer aktualisieren musste, was Telefonate in die Länge zog und Leitungen blockierte. "Vorgestern haben wir die Mitarbeiterzahl von sechs auf sieben aufgestockt", so Schmidt. Ab Ende August gebe es eine Notrufnummer. "Ein Fahrgastbeirat wird im Herbst eingerichtet", kündigte die Staatssekretärin Petra Leuschner (Linkspartei) an. "Wir nehmen die Bedenken ernst." Doch die Behinderten sollten nicht vergessen, dass ihr Fahrdienst während der vergangenen fünf Jahre 65 Millionen Euro gekostet hat: "Für das arme Berlin ist das viel Geld." sch
Quelle: Rehacare
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