Ich bin kein Engel.
Ich bin einfach ein Mensch.
Ein Mensch, der sich in einem permanentem Entwicklungsprozess befindet,
der lernt, Fehler macht, reflektiert, lacht, weint, leidet, erlebt, neue Erfahrungen macht,...
...so wie andere Menschen auch.
Es sind vor allem drei Dinge, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin:
Meine Familie
Mein Glaube an Gott
Meine Arbeit mit beeinträchtigten Menschen.
Ich könnte nicht sagen, was davon jetzt am meisten dazu beigetragen hat,
aber ich schätze mal, es ist diese Kombination, die mir hilft wesentliches im Leben zu erkennen und zu schätzen.
Nichts im Leben ist einfach selbstverständlich.
Das habe ich vor allem in meinem Beruf gelernt.
Alles, was ein Mensch in der Lage ist zu tun, hat er im Laufe seines Lebens mehr oder weniger mühsam gelernt. Während meiner Arbeit mit behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern habe ich beobachten können, wie mühsam selbst das Atmen oder Schlucken manchmal gelernt werden muss. Das macht mich dankbar und manchmal auch 'demütig'.
Das Wort 'Demut' setzt sich zusammen aus 'dio' = Knecht, Diener und 'muot' = Gesinnung. Es bezeichnet die Gesinnung eines Dienenden oder den 'Mut zum Dienen'.
Ich war nicht immer demütig.
Früher war ich eher hochmütig und wenn ich ehrlich bin, passiert mir das auch heute noch manchmal...
Ein Beispiel:
Wenn mir fürher ein Mensch begegnet ist, der sich merkwürdig ausgedrück hat oder Fehler beim Schreiben machte, dann hat mich das zum Lachen gereizt. Ich war schnell voller Vorurteile und Abwertungen. Als mir das mal selbst passiert ist, fand ich das natürlich nicht so toll. Also hab ich fleißig gelernt, Rhetorik-Kurse gemacht und viel geschrieben, damit ich nicht so schnell wieder in so eine Situation gerate. Und weil das gut geklappt hat dachte ich: Das kann jeder und wer Schreibfehler macht oder komisch redet, der gibt sich nur nicht genug Mühe.
Was für ein Unsinn!
Es hat lange gebraucht, um das einzusehen und zu lernen.
Nach meinem Glauben habe ich - Gott sei Dank! - eine Gabe mit auf meinen Weg bekommen. Und dieser Weg ist kein Zufall. Obwohl ich nur im Regelbereich arbeiten wollte, obwohl ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte jemals mit behinderten Menschen zu arbeiten, obwohl ich glaubte die Voraussetzungen dafür gar nicht zu haben,... bin ich doch irgendwann in einem Heilpädagogischen Kindergarten gelandet.
Dort musste ich erstmal viel lernen.
Vor allen Dingen all meine Vorurteile und meine wertende Haltung über Bord zu werfen.
Die Kinder werden dort von Fahrdiensten geholt und gebracht.
Deshalb sieht man die Eltern eher selten und der Informationsaustausch findet im Alltag über so genannte 'Mitteilungshefte' statt. Himmel, was hab ich da zu lesen bekommen! Wenn überhaupt - manche Eltern haben gar nicht erst was geschrieben...
Soviele Schreibfehler hab ich in meiner ganzen Schullaufbahn nicht zusammenbekommen. Wie konnte das sein???
Heute schäme ich mich manchmal für meine Gedanken und so manche Reaktion.
Es hat eine Weile gebraucht, bis ich dahinter kam woran es lag...
Viele Eltern haben eine ähnliche oder sogar schlimmere Geschichte, als ihre Kinder.
Viele waren selbst in irgend einer Weise beeinträchtigt.
Viele hatten denkbar schlechte Voraussetzungen in ihrem Leben.
Manche konnten - wenn überhaupt - nur kurz eine Schule besuchen und dann nicht unbedingt die beste.
Manche konnten nicht Lesen oder Schreiben lernen, sind 'Analphabeten'.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
Armut, Krankheit, Behinderung, Sucht, sozialer Abstieg, Ängste,...
Heute bewundere ich jeden, der in diese Mitteilungshefte schreibt, obwohl er weiß, dass er Fehler machen könnte.
Ich bewundere überhaupt jeden, der etwas schreibt, was andere lesen können.
Das ist mutig, denn man setzt sich immer der Gefahr aus kritisiert, ausgelacht oder sonstwie ungerecht behandelt zu werden.
Es ist wichtiger DAS die Menschen schreiben!
Und es ist wichtiger WAS die Menschen schreiben!
Heute weiß ich jedes geschriebene Wort zu schätzen und ich bin froh hier in einem Forum zu sein, wo das scheinbar alle so sehen. Hier habe ich noch nicht erlebt, dass jemand auf Schreibfehler angesprochen wurde. Hier kommt es darauf an DAS und WAS geschrieben wird.
Gott sei Dank!
Ich hoffe, das macht auch denen Mut hier etwas zu schreiben,
die von sich glauben, dass sie es nicht so gut könnten.
Hier ist jeder willkommen.
Auch und vor allem Menschen mit all ihren kleinen und größeren Unvollkommenheiten.
So wie ich zum Beispiel