Von kobinet-Korrespondent Franz Schmahl
Berlin (kobinet) Das deutsche Top-Team für die Paralympics 2008 in Peking wird heute in Hannover vorgestellt. Auf der Computer-Messe CeBIT veranstaltet die Deutsche Telekom als einer der Sponsoren des Teams eine Talkrunde und einen Demonstrationswettkampf. Am 22. März wird der Bundestag über den 11. Sportbericht der Bundesregierung unterrichtet, in dem auch auf eine verstärkte Förderung des Behindertensports eingegangen wird. Bekommt der Sport von Menschen mit Behinderung jetzt einen kräftigen Aufwind?
Positiv haben die Spitzenleute die Förderung durch große deutsche Unternehmen aufgenommen (
kobinet 20.10.06). Mit Annabel Breuer (Fechten), Kirsten Bruhn (Schwimmen), Michaela Floeth (Leichtahletik), Daniel Arnold (Tischtennis) und Christoph Burkhard (Schwimmen) werden fünf der 33 Sportler ab 10:00 Uhr auf der CeBIT-Bühne der Telekom Rede und Antwort stehen. Geplant ist auch ein Demonstrationswettbewerb mit dem Tischtennisspieler Daniel Arnold.
Der Deutsche Bundestag wird im
aktuellen Sportbericht der Bundesregierung auf die zunehmende Bedeutung der Aktivitäten von Menschen mit Behinderung aufmerksam gemacht. Der dafür zuständige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erklärte im Vorwort des Berichts: "Ein bedeutendes politisches Ziel war die Förderung des Leistungssports von Menschen mit Behinderung. Großartige Leistungen haben dazu geführt, dass die Paralympics inzwischen aus dem Schatten der Olympischen Spiele herausgetreten sind."
Der Sportminister hat in den letzten Jahren immerhin jeweils mehr als vier Millionen locker gemacht. Die Bundesregierung habe die Förderung des Leistungssports von Menschen mit Behinderung gezielt erhöht, um die Trainings- und Wettkampfsbedingungen an die der nicht behinderten Athleten anzunähern.
In einer Podiumsdiskussion zum Thema "Wohin geht der Behindertensport?" hatte im vergangenen Jahr die Präsidentin des Behinderten-Sportverbandes Berlin (BSB), Kirstin Fussan, für Diskussionsstoff gesorgt. Sie forderte, behinderte Sportlerinnen und Sportler auch in die Sportförderkompanien der Bundeswehr aufzunehmen. "Nur so können Behinderte neben einer Berufsausbildung auch eine finanzielle Absicherung erlangen und sich genauso wie die Nichtbehinderten ohne materielle Einbussen auf Großereignisse wie die Paralympics vorbereiten", sagte Fussan (
kobinet 9.10.06).
Der in Turin mit Gold und Bronze erfolgreiche Paralympics-Neuling Gerd Gradwohl hatte sich nach Rückkehr von den Winterspielen bitter über die
Finanznot im Behindertensport beklagt. "Über die Worte von Wolfgang Schäuble, wonach die Politik gute Rahmenbedingungen schaffe, kann ich nur lachen", zitierte den blinden alpinen Rennläufer die Allgäuer Zeitung. "Es ist doch so, dass sich der Staat mit unseren Medaillen schmückt, ohne großartig etwas für uns zu tun."
Quelle: Kobinet