Blindenfussball-Teams beim Frankfurter Saisonauftakt
Blindenfussball-Teams beim Frankfurter Saisonauftakt
Von Anette Lürding
Frankfurt am Main (kobinet) Am vergangenen Sonntag wurde in der Bundesliga-Arena in Frankfurt am Main ein völlig anderer Fußball geboten. In der Saisoneröffnungsfeier der Eintracht, bei der die neue Mannschaft für Fans und Interessierte vorgestellt wurde, kickten auch erstmalig blinde Sportlerinnen und Sportler im Stadion.
Am Morgen liefen die Guide-Dogs Mainz stellvertretend für die Frankfurter Eintracht auf, um zusammen mit den geladenen Blindenfußballern vom FC St. Pauli aus Hamburg ein Präsentationsspiel zu bestreiten und den Blindenfußball in der Mainmetropole vorzustellen. Die 7-köpfige Abordnung vom Millerntor schlug sich nicht schlecht gegen die Mainzer, die erst kürzlich beim ersten deutschen Blindenfußballturnier unter freiem Himmel den zweiten Platz errangen.
"Wir möchten diese einmalige Gelegenheit nutzen und den Blindenfußball weiter bekannt machen", meinte Michael Löffler (Feldspieler der Hamburger) vor dem Spiel. "Wir gehören als FC St. Pauli zu den ersten Vereinen in Deutschland, die den Blindenfußball in unsere Strukturen integriert haben. Heute werden wir interessanten Fußball bieten und versuchen, Tore zu schießen. Wir freuen uns, den Besuchern in der Arena diesen Sport näher zu bringen".
Blindenfußball ist ein sehr rasanter und attraktiver Sport, bei dem sowohl blinde als auch sehende Sportler zusammen agieren. Die vier blinden Feldspieler werden durch ihren sehenden Torhüter, einen zusätzlichen Guide und den Trainer am Spielfeldrand durch akustische Hinweise unterstützt.
Auf einem Streetsoccer-Feld auf dem Trainingsplatz der Profikicker versuchten die Hamburger das Spiel zu bestimmen, den 500 Gramm schweren rasselnden Spezialball im Tor der Eintrachtvertreter zu platzieren und somit das Spiel für sich zu entscheiden. Die blinden Kicker und auch Kickerinnen - in Deutschland wird nämlich in gemischten Teams gespielt - scheiterten jedoch trotz guter Torchancen oftmals an den sehenden Torwarten beider Teams.
Den Gastgebern gelang es bereits nach wenigen Minuten, in Führung zu gehen. Der Frankfurter Spieler mit der Nummer 3, Sven Schwarze, eröffnete nach rund 10 Minuten die Trefferserie und schoss das 1:0 für die Frankfurter. Weitere Tore der Gastgeber ließen aber nicht lange auf sich warten. Nach einer Spielzeit von 30 Minuten, spektakulären Stürmeraktionen, einigen Fouls und auch interessanten Freistößen endete dieses Spiel nach dem wohlverdienten Anschlusstreffer der Hamburger (es traf Michael Löffler) mit 7:1.
"Es war eine runde Sache am heutigen Tag, jeder der Teams hätte den Sieg verdient, aber die Frankfurter haben heute klar dominiert", sagte Michael Burmester (Aufsichtsratsvorsitzender der Kiezkicker aus Hamburg) nach dem Spiel. "Ich bin stolz auf unsere Frauen im Team, die seit Monaten bei diesem doch physisch harten Sport mit den Männern schritthalten und am Ball bleiben. Ohne weibliche Verstärkung wäre es bisher in Deutschland nahezu unmöglich, vollständige Teams zu bilden und ich hoffe, dass alle Damen dem Blindenfußball lange erhalten bleiben".
Über das Präsentationsspiel hinaus standen während des gesamten Tages Spieler beider Teams an einem Infostand für die Fragen der Besucher zur Verfügung. Das wurde von den Fans im Stadion auch intensiv genutzt. Reiner Hoster, Teamchef der Eintrachtvertreter und einer der vier Anwärter für die Nationalmannschaft, sowie Spieler beider Teams waren öfter von einer Traube von Menschen umringt. "Was ist Blindenfussball genau, ist der Torwart auch blind, wo wird gespielt, woher wissen die Teams, wann ein Gegenspieler kommt, gibt es einen Ligabetrieb oder Meisterschaften?" - das waren nur einige Fragen, die es an diesem Tag zu beantworten galt.
"Wir sind alle sehr glücklich und freuen uns darüber, dass unsere Aktion hier in Frankfurt so gut angekommen ist. Wir bedanken uns herzlich bei den Verantwortlichen der Eintracht, ohne die dieses Event hier gar nicht zustande gekommen wäre", sagte Hoster. "Es ist stets das Ziel, den Blindenfußball in Deutschland mehr und mehr in die Öffentlichkeit zu rücken und neue Mannschaften zu etablieren. Vielleicht haben wir ja heute einen Grundstein gelegt und die Frankfurter Eintracht wird als erster Club der höchsten deutschen Spielklasse ein Blindenfußball-Team ins Leben rufen".
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