Am Gleitschirm frei durch die Luft bewegen – und die eigene Behinderung vergessen
«Fliegen ist einfach das Größte. In der Luft kann ich mich völlig frei bewegen, kann meine Querschnittslähmung vergessen, bis ich wieder am Boden bin», sagt Petra Kreuz. Vor fünf Jahren hatte sie ihren Unfall. Seither sorgte sie deutschlandweit als Gleitschirm fliegende Rollstuhlfahrerin für Schlagzeilen. Ab Frühjahr will sie den Traum vom Fliegen auch für anderen Menschen mit Behinderung ermöglichen. Mit ihrer Firma «pitti-service» bietet sie dann Tandemflüge an.
Fliegerisches Können muss der Passagier nicht mitbringen. «Der sitzt in einem Wagerl vor dem Bauch des Piloten und muss nichts tun, außer den Flug und die schöne Aussicht genießen», erklärt Petra Kreuz. Das «Wagerl» hat sie selbst konstruiert und bei einer Fachfirma in Salzburg bauen lassen. Sie selbst fliegt seit fünf Jahren mit solch einem Flugrolli – eine leichte, dreirädrige Konstruktion. Angst brauchen die Passagiere auch nicht haben, Start und Landung verlaufen noch unproblematischer als bei nicht behinderten Mitfliegern: «Oft ist es so, dass beim Start der Passagier plötzlich abbremst und stehen bleibt, statt dass er mitrennt, bis der Gleitschirm in der Luft ist», so die 40-Jährige aus Übersee am Chiemsee. Bei ihrem Vorhaben schiebt der Pilot beim Start den Rollstuhl einfach vor sich her – und bei der Landung rollt der Flugrolli aus, der Pilot läuft dahinter. Reichlich erprobt wurde der gesamte Ablauf mit ihr selbst als Rollstuhlfahrerin. Obwohl sie vor ihrem Absturz mit dem Flugdrachen selbst die Tandemlizenz erworben hatte, hat sie für die Flüge mit Behinderten drei erfahrene Piloten engagiert, Herbert, Max und Pauli. Mit ihnen will sie künftig vom Geißberg bei Salzburg aus Tandemflüge anbieten, und auch mit dem Skigebiet Planei in Schladming ist eine Kooperation angedacht; dort wird sie außerhalb der Skisaison Flüge anbieten.
Vor zwei Jahren hat sie zum ersten Mal in Frankreich gesehen, wie Behinderte am Gleitschirm mitgeflogen sind. Und war fasziniert. Die Idee ging ihr nicht mehr aus dem Kopf, scheiterte aber zunächst an den 8000 Euro für das notwendige Material. Erst im vergangenen Herbst fand sich ein Sponsor aus der Wirtschaft. Petras Hartnäckigkeit und Ausdauer sei dank. Sie selbst hat nach ihrem Absturz mit dem Flugdrachen und dem anschließenden 361 Tage langen Krankenhausaufenthalt viel Energie aus ihrem Sport geschöpft. Der feste Wille wieder zu fliegen, gab ihr die Kraft und Motivation durchzuhalten. Petra Kreuz ist eine lebenslustige Frau, die viel lacht und der es ein Anliegen ist, anderen Menschen mit Behinderung Mut zu machen, ihnen zu sagen: «Du kannst trotz Rollstuhl fast alles machen. Nur trauen einem die Leute zu wenig zu». Sie findet, jeder sollte die Chance haben zu fühlen, wie es ist, völlig frei in der Luft zu sein.
Mit nahezu jeder Behinderung könne man zu einem Tandemflug antreten. Von einer blinden Freundin weiß sie zum Beispiel, dass auch Sehbehinderten das Erleben von schneller Geschwindigkeit großen Spaß macht – auch wenn leider der Genuss, die Landschaft unter einem bewundern zu können, wegfällt. Das einzige Problem sieht sie bei Menschen, die in extremen Situationen «Anfälle» bekommen.
Aber auch Menschen ohne Handikap nehmen die Piloten Herbert, Max und Pauli gerne mit. Im normalen Gurtzeug – ohne Flugrolli. Kosten werden die Tandemflüge für jeden 110 Euro; mit oder ohne Behinderung. «Natürlich haben wir mehr Aufwand mit den Behinderten. Aber es wäre ungerecht, wenn sie deswegen mehr zahlen müssten», so Petra Kreuz. Auf freiwilliger Basis können Fußgänger fünf Euro mehr bezahlen und so die Aktion für die Behinderten mitsponsoren. Weitere Informationen gibt es im Internet unter
www.pitti-service.de oder direkt von Petra Kreuz unter Telefon 08642-715.