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Berufe vorgestellt ... Hier können Berufe vorgestellt werden. Wie sieht der Berufsalltag aus? Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen? Welche Chancen gibt es auf dem Arbeitsmarkt?

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  #1  
Alt 10.02.2006, 20:46
Conny Conny ist offline
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Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard Wichtige Voraussetzungen für die Arbeit mit Kindern

Wer einen Beruf ergreifen möchte, der mit Kindern (hier gemeint: Sozialassistent/in, Erzieher/in, Heilerziehungspfleger/in) zu tun hat, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass er einige Voraussetzungen, Fähigkeiten und Interessen mitbringen muss. Die allgemeinen Voraussetzungen sind teilweise etwas verschieden oder kompliziert. Meistens kann man sich mit einem Realschulabschluss an einer entsprechenden Schule bewerben. Es gibt z.B. auch Quereinsteiger, die mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ein Jahr sparen können. Es empfiehlt sich, im Internet, beim Berufsinformationszentrum oder beim Arbeitsamt in der Nähe genaue Informationen einzuholen.

Mir geht es hier um Voraussetzungen, Fähigkeiten und Interessen, die für die Arbeit an sich wichtig sind. Einige möchte ich hier nennen:

Allgemeinbildung:
Für manchen sicher ein leidiges Thema. Man sollte sich aber über zwei Dinge klar sein:
1. Die Anforderungen sind in dieser Berufsgruppe bereits ziemlich hoch, auch wenn manche immer noch meinen, dass man ja 'bloß mit den Kindern spielt und bastelt'. Wenn man die derzeitige öffentliche Diskussion verfolgt, kann man davon ausgehen, dass dieser Anspruch noch steigen wird. So gibt es z.B. Überlegungen, die Erzieher zukünftig in Fachhochschulen auszubilden.
2. Die Kinder lernen in den ersten 6 Lebensjahren am besten und am meisten. Die Aufgabe dieser Berufsgruppe ist es, sie so gut wie möglich zu fördern. Was man selber nicht weiß, kann man anderen auch nicht beibringen – und die Kinder wollen viel wissen!

Eigeninitiative und aktives Interesse:
Für mich sehr wichtige Voraussetzungen! Immer wieder erlebe ich es, dass Praktikanten in der Ausbildung kaum Fragen stellen, von sich aus eher wenig tun und ihr Interesse nur schwer zu erkennen ist. Das heißt nicht, dass sie sich nicht interessieren – sie zeigen es nur nicht oder wenig durch das, was sie sagen oder tun. Ich kann nur jedem Praktikanten raten seine Chancen zu nutzen. Von sich aus in der Praxis ausprobieren, was man in der Theorie/Schule gerade gelernt hat, Material sammeln, Fragen stellen (z.B. den Anleiter fragen, was man in der Schule nicht verstanden hat). Und nicht nur die Praxisanleiter, Lehrer und Eltern müssen Interesse und Eigeninitiative erkennen können – auch die Kinder sollten etwas davon merken können. Außerdem: alles, was an Allgemeinbildung oder Fachwissen noch fehlen sollte kann man durch Eigeninitiative nachholen.

Einfühlungsvermögen (Empathie):
Sich in die Situation von anderen Menschen zu denken und fühlen und sich dann entsprechend zu verhalten – das ist eine Fähigkeit, die man bis zu einem gewissen Grad mitbringen muss. Sicher kann man das zum Teil auch noch lernen aber in der Ausbildung nicht mehr von Grund auf. Wenn man in diesen Berufen gut sein will braucht man viel Einfühlungsvermögen - für die Kinder, die Eltern, die Kollegen und nicht zuletzt für sich selbst.

Kreativität:
Es ist immer gut, wenn Menschen gut malen oder basteln können, mit Kreativität ist hier aber noch viel mehr gemeint. Beschäftigungen abwechslungsreich gestalten, Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten immer wieder neu und interessant vermitteln, neue, überraschende und effektive Lösungen für schwierige Situationen finden – das sind nur einige Dinge, für die man viel Kreativität braucht.

Belastbarkeit:
Es ist laut, es gibt Streit (manchmal auch unter Kollegen), es werden von allen Seiten Ansprüche an einen gestellt. Bis zu einem gewissen Grad muss man seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurückstellen können. Man wird mit Situationen konfrontiert, die körperlich, geistig und vor allem auch emotional sehr belastend sein können.

Zuverlässigkeit:
Kinder, Eltern und Kollegen müssen sich auf das verlassen können, was abgesprochen oder zugesagt wurde. Besonders die Kinder merken sehr schnell, wenn das nicht der Fall ist. Man kann sie nicht immer wieder auf später vertrösten. Auch jemand, der unpünktlich ist oder häufig fehlt, belastet seine Kollegen.

Sprache/Ausdruck/Kommunikation:
Immer mehr Kinder fallen durch Sprachverzögerungen oder Sprachstörungen auf. In diesem Beruf ist man in jeder Minute Vorbild! Jede Form von Umgangssprache oder 'flapsiger Ausdrucksweise' fällt nicht nur von Eltern, Lehrern und Kollegen unangenehm auf. Die Kinder nehmen es auf und reden dann selbst so. Sich gut ausdrücken zu können ist wichtig für die Förderung der Kinder, für schriftliche Ausarbeitungen für die Schule, für Entwicklungsberichte, Dokumentation und Schriftwechsel jeder Art (was immer mehr zunimmt), Elterngespräche und vieles mehr. Außerdem muss man als Anleiter (was irgendwann die meisten sein werden) Zusammenhänge gut und verständlich erklären können.

(Selbst-)Reflektion:
Eine Situation, ein Verhalten oder einen Ablauf zu reflektieren bedeutet, sich das Ganze noch mal ins Gedächtnis zu rufen und zu fragen: Was genau ist wann passiert und warum ist es so und nicht anders abgelaufen? Welche Ziele und Absichten steckten dahinter und gibt es alternative Wege? Für die Selbstreflexion gilt ähnliches: Welche Ziele und Absichten habe ich verfolgt? Was waren meine Beweggründe dafür? Habe ich erreicht, was ich wollte? Was war gut? Was hätte besser laufen können? Warum war es so? Wie kann ich es das nächste Mal anders machen? (Selbst-)Reflektion ist wichtig um andere effektiv und gezielt fördern zu können und Fehler in Zukunft zu vermeiden. Man lernt sich und andere so besser kennen und kann auf seinem Weg weiterkommen.

Liebe, Geduld und Verständnis:
Man sollte meinen, das wäre selbstverständlich…
In dieser Berufsgruppe wird einem allerdings manchmal mehr Liebe und Verständnis abverlangt, als in anderen Berufen. Verhaltensauffällige Kinder z.B. brauchen viel Geduld, Liebe und Verständnis. Es kann auch vorkommen, dass man mit Eltern zu tun bekommt, die ihre Kinder nicht nur einfach 'schlecht' behandeln, sondern sie auch misshandeln oder missbrauchen. Es nützt keinem etwas, solche Eltern einfach zurechtzuweisen, schlaue Ratschläge zu erteilen oder sie zu verurteilen. Solche Eltern haben auch ihre Geschichte und brauchen Hilfe! Es ist nicht nur schwierig Kinder aus ihren Familien zu nehmen, manchmal ist es auch nicht unbedingt der beste Weg…

Das hört sich alles ganz schön schwierig an?
Keine Frage – manchmal ist es das auch!
Und dabei war das nur ein kleiner Ausschnitt

Und dennoch:
Für mich ist das der schönste Beruf der Welt! Der kleinste Fortschritt eines Kindes gibt mir genug Freude und Kraft, um Schwieriges durchzustehen. Jeder Tag ist so abwechslungsreich, wie die Kinder, Kollegen und ich ihn gestalten. Drinnen oder draußen, Stille oder Krach, Sitzen oder Bewegung, das Gleiche oder was Neues – es liegt immer an uns. Wenn es langweilig wird, haben wir irgendwas falsch gemacht…

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