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Berufe vorgestellt ... Hier können Berufe vorgestellt werden. Wie sieht der Berufsalltag aus? Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen? Welche Chancen gibt es auf dem Arbeitsmarkt?

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  #1  
Alt 12.02.2006, 21:05
Conny Conny ist offline
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Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard Ausbildung zur Heilpädagogin

Für manche ist es vielleicht interessant zu erfahren, was alles zu einer Ausbildung zur Heilpädagogin gehört. Da es mehrere 'Ausbildungsformen' gibt, beschreibe ich in diesem Thread erstmal meine Ausbildung zur "Staatlich anerkannten Heilpädagogin - Schwerpunkt Motopädie".

Das ist eine berufsbegleitende Ausbildung am Diakonie-Kolleg Hannover, bei der einige Voraussetzungen erfoderlich sind:

In die Fachschule - Heilpädagogik kann aufgenommen werden, wer

- staatlich anerkannte/r Erzieherin/Erzieher ist oder eine gleichwertige berufliche Qualifikation erworben hat und
- auf der Grundlage dieser Qualifikation über ausreichende berufliche Erfahrung (in der Regel 2 Jahre) verfügt und
- während der Ausbildung mit mindestens 19 Std. je Woche in einer heil- oder sozialpädagogischen Einrichtung berufstätig bleibt.

Vorbehaltlich einer entsprechenden Einzelregelung werden als gleichwertig anerkannt:
Heilerziehungspfleger/innen, Sozialpädagogen/innen, Gymnastiklehrer/innen

Die Ausbildung dauert 2,5 Jahre und kostet nur für die Schule ca. 1700 €
Dazu kommen noch die Fahrtkosten und die Kosten für Fachbücher und sonstiges Schul- und Ausbildungsmaterial. (Wissen ist echt teuer ;D )

Der reguläre Unterricht wird an einem Wochentag durchgeführt (9 Unterrichtsstunden + ggf. Beratung für motopädisches Handeln). Außerdem finden während der gesamten Ausbildung zwei 14-tägige Unterrichtsblöcke sowie zweimalig Wochenendunterricht pro Schulhalbjahr statt. So ist es jedenfalls heute gedacht. Da die Schüler aus meiner Klasse aber aus dem gesamten Bundesgebiet kamen und die (beruflichen) Möglichkeiten individuell sehr unterschiedlich waren, war die Regelung bei uns etwas anders: Montags ca. 9 Std. Unterricht, 4x im Jahr Wochenendunterricht mit ca. 20 Std auf 2-3 Tage verteilt und 2 Blockwochen im Jahr, wobei der Prüfungsblock ca. 3 Wochen lang war.

Dazu kommt noch eine Stunde Praxis - im ersten Jahr in der eigenen Einrichtung (da hat man eine 'eigene' Psychomotorikgruppe), im zweiten und dritten Jahr in einer fremden Einrichtung (Einzelfallbetreuung).

Die Ausbildung an einer Fachschule ist wesentlich praxisorientierter,
als an einer Fachhochschule oder einer Universität.

Fachhochschulen und Universitäten arbeiten dafür viel wissenschaftlicher.

Absolventen von Fachschulen und Fachhochschulen haben oftmals bessere Aussichten auf eine Stelle. Das hat zwei Gründe:

1. die umfangreicheren praktischen Erfahrungen
2. sie sind 'billiger' für die Arbeitgeber

Dafür haben die 'Diplom-Heilpädagogen' wiederum bessere Aufstiegschancen.

Das war der erste Teil,
der allgemein über die Ausbildung informieren soll.

Im nächsten Teil wird es um die Unterrichtsfächer und ihre Inhalte gehen.
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  #2  
Alt 12.02.2006, 21:31
Conny Conny ist offline
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Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard Unterrichtsinhalte Lernfeld 1

Auf unserem Stundenplan standen ganz 'normale' Fächer wie Psychologie, Medizin, Heilpädagogik, Psychomotorik,...

Unterrichtet wurde allerdings in sogenannten Lernfeldern.
Diese erscheinen dann auch auf den Zeugnissen und sind irgendwie nicht besonders aussagekräftig. Deshalb haben wir uns 'erkämpft', dass wir einen Anhang an unser Zeugniss bekommen, in dem die Inhalte der Lernfelder aufgelistet wurden. Mit diesem Anhang kann man sich dann viel besser bewerben (Kann ich nur jedem empfehlen!). Was ich im Folgenden schreibe, entnehme ich diesem Anhang:

Lernfeld 1: "Berufsidentität entwickeln" (120 Stunden)

- Einführung in die Heilpädagogik und Motopädie (personelle, soziale und historische Grundlagen)

- Entwicklungsperspektiven innerhalb der Motopädie (wissenschaftliche Hintergründe)

- Ziele und Aufgaben der Heilpädagogik und Motopädie

- motopädische und heilpädagogische Arbeitsfelder und ihre Nachbardisziplinen

- weiterführende Methoden, die die heilpädagogische und motopädische Arbeit unterstützen (Montessori, Frostig, Steiner, Reggio, Malen und Bewegen,...)

- Institutionsanalysen

- Körperarbeit (den eigenen Körper in seiner komplexen Funktionsweise erkennen und verstehen lernen, Bewegungshandeln und Antriebsmodalitäten)

- motopädisches-heilpädagogisches Selbstverständnis entwickeln

- Verstehende und sinnstiftende Ansätze motopädischen Handelns

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  #3  
Alt 12.02.2006, 21:43
Conny Conny ist offline
Forenhexe
 
Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard Unterrichtsinhalte Lernfeld 2

Lernfeld 2 : "Motopädisches Handeln planen, durchführen und reflektieren" (440 Stunden)

- Theorien zum Verständnis des beeinträchtigten Menschen

- Anthropologische Grundlagen und Menschenbild

- Heilpädagogische Diagnose (Beobachtung, Interview, Anamnese, Exploration, Testverfahren, Grundlagen der Testtheorie)

- Verschiedene Formen von Beeinträchtigung erkennen und verstehen, reflektieren und Handlungsmöglichkeiten entwickeln

- Frühförderung

- Bewegung als zwischenmenschliche Beziehungsgestaltung

- Grundlagen der Anatomie und Physiologie,
Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen

- Krankheitsbilder

- Kognitive Entwicklung (Piaget)

- Wahrnehmungsentwicklung

- Kommunikationstheorien

- Tiefenpsychologische Entwicklungstheorie nach Erikson

- Bindungstheorie

- Systemische Familienarbeit

- Genogrammarbeit

- Psychopathologie (Neurosenlehre)

- Psychosomatik

Zusatzveranstaltungen:

- Umgang mit Aggressionen (Prof. Dr. J. Kutscher, Uni Hannover)

- Videohometraining
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  #4  
Alt 12.02.2006, 22:08
Conny Conny ist offline
Forenhexe
 
Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard Unterrichtsinhalte Lernfeld 3

Lernfeld 3: "Motopädische Methoden anwenden und Lebenswelt gestalten" (380 Stunden)

Rhythmik (80 Std)

- Grundlagen und Methoden
- Leiblichkeit, Rhythmus und Bewegung
- Raum und Zeit
- Material und Gestaltung
- Stimme und Gesang


Psychomotorik (220 Std)

Handlungsorientierte Ansätze der Motopädie (Kiphard, Eggert, Zimmer)

- Bewegungsentwicklung und motorische Entwicklung
- Bewegungsbaustellen und Bewegungslandschaften
- Körpererfahrung, Materialerfahrung, Sozialerfahrung
- Basiskompetenzen
- Alltagsmaterialien

Erkenntnisstrukturierende Ansätze (Ayres, Fisher-Murray-Bundy, Maisel, Brand, Breitenbach)

- Wahrnehmung und Wahrnehmungsentwicklung
- Sensorische Regelkreise
- Entwicklung Raum-Zeit-Konzept
- Bewegung und Lernen
- Sensorische Integrationstherapie (Sensorische Integrationstheorie, Spiralprozess der Selbstaktualisierung, neurale Plastizität, Entwicklungsabfolge, hierarchische Struktur des Nervensystems, adaptives Verhalten, innerer Antrieb)
- Erprobung und Umsetzungsmöglichkeiten in die heilpädagogische-motopädische Praxis

Identitätsbildende Ansätze (Seewald, Aucouturier)

- der psychodynamische Aspekt von Bewegung (Theorie, Entwicklung von Möglichkeitsräumen, Entwicklung der Kreativität, der tonisch-empathische Dialog)
- Praxismodelle (Verstehender Ansatz von Seewald und Psychomotorik nach Aucouturier)
- Erprobung und Umsetzungsmöglichkeiten in die heilpädagogische-motopädische Praxis

Motodiagnostik (80 Std)

- Bewegungsbeobachtung, Motoskopische Verfahren
- Entwicklungsgitter (Kiphard)
- Diagnostik mit Pfiffigunde (Beobachtungsverfahren zur Wahrnehmung)
- Motodiagnostische Testverfahren (KTK, MOT 4-6, DMB)
- Diagnostik zur pathologischen Bewegungsentwicklung (SI-Diagnostik und Hyperaktivität)
- Förderdiagnostik

Zusatzveranstaltung:

Vertiefung der Unterrichtsinhalte durch Referenten
bei uns:

- Prof. Dr. J. Seewald, Uni Marburg
Vortrag: "Der verstehende Ansatz in der Theorielandschaft der Psychomotorik"
- M. Willharm, Motopädin:
Laban/Bartenieff: Bewegungsstudien und deren Bedeutung für die Diagnostik
- B. Gravermann : Einführung in die Kunsttherapie (Workshop)
- I. Mühlbacher, Psychologin und Spieltherapeutin: Einführung in die Spieltherapie (Blockwochenende)
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  #5  
Alt 12.02.2006, 22:29
Conny Conny ist offline
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Registriert seit: 07.02.2006
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Beiträge: 2.501
Standard Unterrichtsinhalte Lernfeld 4

Lernfeld 4: "Beraten, Begleiten, Unterstützen" (200 Stunden)

- eigenes Arbeitsfeld analysieren und präsentieren

- motopädisches Handeln planan und reflektieren

- Kommunikations- und Beziehungsprozesse reflektieren

- Supervision von Förderstunden anhand von Dokumantationen, Videoaufzeichnungen und Einrichtungsbesuchen

- Dokumentation eines motopädischen Gruppenprozesses (Institutionsbeschreibung, Beschreibung der einzelnen Gruppenmitglieder, Beobachtungen dokumantieren und auswerten, Ziele formulieren und methodisch-didaktische Umsetzungen planen, den Gesamtprozess reflektieren)
(kann man ungefähr mit den 'großen Planungen und Ausarbeitungen' in der Erzieherausbildung vergleichen - nur dass hier die Analyse und Auswertung dazukommt und das alles ein ganzes Jahr umfasst)

- heilpädagogische Einzelfallarbeit unter Berücksichtigung des Schwerpunktes Motopädie (Erstellung eines Gutachtens aufgrund anamnestischer Erhebungen und eigener diagnostischer Arbeit)

- Reflektion des Förderprozesses und Prozessanalyse, Reflexion des persönlichen Entwicklungsprozesses

- Supervision vor Ort (Praxisstelle der Einzelfallarbeit)
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  #6  
Alt 12.02.2006, 22:36
Conny Conny ist offline
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Beiträge: 2.501
Standard Unterrichtsinhalte Lernfeld 5

Lernfeld 5: "Motopädische Konzepte entwickeln" (220 Stunden)

- Gesprächspsychotherapie nach Rogers und die Bedeutung für die motopädische Arbeit

- Gesprächspsychotherapie nach Rogers und die Bedeutung für die heilpädagogische Arbeit

- Prinzipien der nondirektiven Spieltherapie und ihre Umsetzung in die motopädische Arbeit

- Psychodrama

- Konzeptanalyse motopädischer Methoden

- Entwicklung motopädischer Konzepte für die heilpädagogische Arbeit unter Berücksichtigung spezieller Formen der Beeinträchtigungen (Projektarbeit)
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  #7  
Alt 12.02.2006, 22:46
Conny Conny ist offline
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Beiträge: 2.501
Standard Unterrichtsinhalte Lernfeld 6

Lernfeld 6: "Motopädische Arbeit organisieren und koordinieren" (120 Stunden)

- Einführung in das wissenschaftliche Schreiben

- Kreatives Schreiben

- Gesellschaftliche Zusammenhänge erkennen, analysieren und Visionen gesellschaftlichen Miteinanders entwickeln
(als Fach nennt sich das dann einfach Soziologie)

- Rechtsgrundlagen heilpäd./motopädischer Arbeit und ihre Wirkung in der Praxis

- Rechtliche Grundlagen, Handlungskonzepte, Beurteilungskriterien, Personalbeurteilung

- Personalmanagement, Teamstrukturen

- Unterschiedliche Systeme der Qualitätssicherung

- Qualitätsmanagement

- Ethische Grundlagen heilpädagogischer/motopädischer Arbeit

- Praxiseröffnung (rechtliche Grundlagen und Voraussetzungen um eine eigene Praxis zu eröffnen)

- Berufsverbandinformationen
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  #8  
Alt 12.02.2006, 22:57
Conny Conny ist offline
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Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard

So,
das waren die Unterrichtsinhalte so im Groben.

Dazu kommen dann noch viele 'Kleinigkeiten', wie z.B. ein praktische Beteiligung an einem Fachtag mit vielen Vorträgen von lauter 'Gurus' (bekannten Größen) aus der Heilpädagogik und Motopädie, Projekte an anderen Einrichtungen, wie z.B. der 'Landesbildungszentrale für Blinde', für die regelmäßige psychomotorische Unterrichtseinheiten geplant und durchgeführt wurden, u.v.m.

Berufsbegleitend ist das eine echte Herausforderung!

Anstrengend, stressig, teuer, nervig,
spannend, interessant, bereichernd,...

ein Abenteuer ebend

Ich bin froh, dass ich es gemacht (und durchgehalten 8-) ) habe!

Falls es noch Fragen gibt - nur zu...

Viele Liebe Grüße,
Conny
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  #9  
Alt 13.02.2006, 13:06
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard

sind das die kosten für jeden monat ,oder für die gesammt zeit.ich zahle für meinen sohn m,seine ausbildung monatlich reine schulkosten 580€plus miete 530€plus mat.von ca monatlich 200€ deswegen würde es mich intresieren weil wenn es für die gesam. zeit ist finde ich es nicht hoch sondern für jeden der intresse hat gut erschwinglich
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  #10  
Alt 13.02.2006, 15:15
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.991
Standard

Ich glaube, es sind die Gesamtkosten gemeint. Aber man muss schon bedenken, dass Erzieher nicht ganz so viel verdienen und dabei vermutlich auch keine Zuschüsse wie BaföG oder so gewährt werden.

Dazu kamen ja noch die Fahrtkosten und die Fachbücher ...

Da diejenigen, die diese Weiterbildung betrifft, ja wohl nicht mehr von den Eltern unterstützt werden, ist es schon auch finanziell eine Herausforderung.

Aber: wenn die Ausbildung gut ist, dann ist sie es sicherlich auch wert.

Ich kenne da eine Privatschule aus einem anderen Berufsbereich ... und die verlangen ein Schulgeld von 400 Euro im Monat und die Ausbildung ist "grottenschlecht" ... sie reicht nicht, um die Prüfung zu bestehen ... eigentlich ein Skandal ... (dort geben die "Lehrer" sogar fachlich falsche Aussagen in den Skripten an ihre Schüler weiter ... :-| )

LG Mary
__________________
... schön Dich zu lesen ...


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