Ausbildung zur 'Integrationserzieherin'
Als ich anfing im Heilpädagogischen Zentrum zu arbeiten, war ich eine 'einfache' Erzieherin, die fast nur Erfahrungen im 'Regelbereich' hatte.
Ich bin dann ziemlich schnell an meine Grenzen gestoßen und wusste in so manch schwieriger Situation nicht mehr wirklich weiter. Das war für die Kinder, für mich und auch für meine Kollegen ziemlich blöd und insgesamt sehr unbefriedigend.
Ich hab mich dann nach Weiterbildungsmaßnahmen umgeschaut und habe bei einer Volkshochschule (VHS) eine berufsbegleitende Langzeitfortbildung für Erzieher/innen zur "integrativen Erziehung und Bildung im Kindergarten" gefunden. Darüber möchte ich hier näheres schreiben:
"Eine integrative Gruppe muss jeweils von einer sozialpädagogischen Fachkraft mit Berufserfahrung im Regelkindergarten und einer heilpädagogischen Fachkraft mit Berufserfahrung in der Arbeit mit behinderten Kindern betreut werden.
An Stelle der heilpädagogischen Fachkraft kann auch eine Fachkraft tätig sein, die
1. ihre heilpädagogische Qualifikation durch eine berufsbegleitende Langzeitfortbildung erworben hat oder
2. mindestens drei Jahre lang Behinderte hauptberuflich betreut hat und an der in Nr. 1 bezeichneten Fortbildung teilnimmt"
(Verordnung über Mindestanforderungen an besondere Tageseinrichtungen für Kinder von 1993)
Das Niedersächsische Kultusministerium hat die Lehrgänge der Volkshochschule und die Prüfung im Sinne des § 1 Abs. 5 der Durchführungsverordnung anerkannt.
D.h. die Langzeitfortbildung mit der Abschlussprüfung ist der heilpädagogischen Zusatzausbildung gleichgestellt.
Die Langzeitfortbildung dauert ca. 15 Monate und umfasst ca. 300 Stunden.
Der Unterricht findet einmal wöchentlich 4 Stunden nach Feierabend
und an einem Samstag (9.00 – 16.00 Uhr) pro Monat (außer in den Schulferien) statt.
Außerdem kommt noch eine Blockwoche dazu, die als Bildungsurlaub anerkannt wird.
Zusätzlich muss man 16 Std. in anderen Einrichtungen hospitieren, möglichst je 8 Std. in zwei Einrichtungen, von denen man dann eine Bescheinigung braucht.
Die genaue Unterrichtszeit bzw. der Tag wurde bei uns mit allen Teilnehmern abgesprochen und festgelegt.
Die Kosten betrugen 1997/98 1500 DM zuzüglich einer Prüfungsgebühr von 150 DM.
Fachbücher sind nicht unbedingt erforderlich. Von der VHS gibt es eine umfangreiche Arbeitshilfe, die im Preis inbegriffen ist.
Der Unterricht wird in Form von "Bausteinen" angeboten, die von verschiedenen Referenten nach einem Rahmenplan ausgearbeitet und durchgeführt.
Bei uns sah das folgendermaßen aus:
1. Baustein: Entwicklung integrativer Erziehung
2. Baustein: Integration im Kontext gesellschaftlicher Entwicklung
3. Baustein: Die Entwicklung des Kindes bis zum Schulalter
4. Baustein: Genese der Störungen kindlicher Entwicklung, Ätiologie, Diagnose und Therapie
5. Baustein: Einführung in pädagogisch-didaktische Ansätze im Elementarbereich
6. Baustein: Beobachtung – Von einem zufälligen zu einem systematischen (strukturierten) Beobachten im Kindergarten
7. Baustein: Theorie und Praxis projektorientierter Planung – Teil 1
8. Baustein: Wahrnehmung – Bewegung – Kommunikation
9. Baustein: Pädagogisches Arbeiten mit schwerstbehinderten Kindern und die Möglichkeiten ihrer Integration
10. Baustein: Alltag im Sonderkindergarten
11. Baustein: Theorie und Praxis projektorientierter Planung – Teil 2 – Auswertung der praktischen Übungen
12. Baustein: Therapie und Diagnostik bei behinderten Kindern (aus krankengymnastischer und ergotherapeutischer Sicht)
13. Baustein: Der Kindergarten als Erfahrungsraum
14. Baustein: Zusammenarbeit mit Eltern und Institutionen
15. Baustein: Kolloquium und Auswertung der schriftlichen Hausarbeit
Die hier aufgeführten Bausteine entsprechen dem Rahmenplan und erscheinen so im Abschlusszeugnis. Bei uns gab es dann noch folgende 'Zusatzbausteine':
Z-Baustein : Ganzheitliche Kommunikation – Praxis
Z-Baustein : Fachberatung
Z-Baustein : Integration in der Schule
Z-Baustein : nach Wunsch der Teilnehmer
Z-Baustein : Themenberatung (für die Prüfungsarbeit)
Während der Fortbildung gibt es (außer der Abschlussarbeit) keine Hausaufgaben.
Dafür ist man 2 – 3 x im Jahr dran Unterrichtsprotokolle zu schreiben. Die Reihenfolge der Bausteine kann variieren und hängt von den Möglichkeiten der Referenten ab.
Die schriftliche Abschlussarbeit ist eine Hausarbeit, die mindestens 20 Seiten umfassen sollte.
Das Thema wird (nach Beratung) selbst ausgewählt. Diese schriftliche Prüfung zählt 40%.
Die mündliche Prüfung findet an einem Samstag statt. Sie wird von ca. 3 'Hauptreferenten' und 1 – 2 zuständigen Fachleuten vom Kultusministerium Hannover abgenommen. Jeder Teilnehmer wird dabei ca. 20 Minuten in Bezug auf seine 'Hausarbeit' befragt. Die mündliche Prüfung zählt 60%.
Die Prüfung kann ggf. um 1 Jahr verschoben werden. Wer durchfällt darf 1x wiederholen.
Die Berufsbezeichnung "Integrationserzieher/in" gibt es so natürlich nicht. Ich nenne es nur der Einfachheit halber so. Die offizielle Berufsbezeichnung lautet "Fachkraft für integrative Erziehung und Bildung im Kindergarten"
Ich habe diese Ausbildung 1997/98 an einer Volkshochschule in Wilhelmshaven gemacht und weise darauf hin, dass die hier aufgeführten Informationen aus dieser Zeit und Region stammen. Ich weiß nicht, ob sich inzwischen etwas daran geändert hat...?!
|