"Sorgenkinder" von Iris Ritzmann, Medizinhistorikerin
Kein Einsatz war den Eltern zu schwer
28. Januar 2009 Jeder meint zu wissen, wie schlecht es Kindern früher erging. Aktuelle Kurzlehrbücher der Soziologie bestätigen, dass in früheren Jahrhunderten die Erwachsenen die Kinder härter und brutaler behandelten und ihnen weniger Zuwendung gaben als heute. Als Zeuge muss in der Regel "Die Geschichte der Kindheit" von Philippe Ariès herhalten, die vor fast fünfzig Jahren zur Chiffre für die mangelnde Kinderliebe unserer Altvordern wurde. Diese irrige Vorstellung ist indes nicht nur widerlegt, was den Umgang mit dem gesunden Nachwuchs angeht. Selbst kranken und behinderten Kindern, die die Ressourcen ihrer Familie mitunter bis an die Grenzen belasteten, blieben innige Zuwendung und aufwendige Fürsorge nicht versagt. Das ist das Resümee neuerer medizinhistorischer Forschungen, die Iris Ritzmann in ihrem Buch "Sorgenkinder" zusammenfasst.
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