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Alt 06.01.2007, 17:01
Benutzerbild von evma
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Standard Ein Studienbuch zur Förderdiagnostik,

Albin Niedermann, Mirjam Meisel-Stoll, Caroline Sahli, Urs Zeltner
Heilpädagogische Unterrichtsgestaltung
Ein Studienbuch zur Förderdiagnostik, Basisfunktionsschulung und Klassenführung

Das Autorenteam unter Leitung von Prof. Dr. Albin Niedermann ist am Heilpädagogischen Institut der Universität Freiburg i. Ue. in Lehre und Forschung tätig. Die 2. Auflage dieses Studienbuchs besticht durch eine klare Strukturierung und zahlreiche neue Denkmodelle und Praxisbeispiele. Auch die Literaturhinweise – knapp 70 in der 1. Auflage – sind mit über 110 in der 2. Auflage ergänzt und aktualisiert (rund ein Drittel davon erschien nach 2001, dem Jahr der 1. Auflage).

Einleitung
Die heilpädagogische Unterrichtsgestaltung mit theoretischer Fundierung wird in der Einleitung grundlegend thematisiert anhand der wissenschaftlich abgesicherten Gütekriterien für »guten Unterricht«: Effizienz, Bedeutsamkeit und Lernklima. Zur Charakterisierung einer qualitativ anspruchsvollen heilpädagogisch ausgerichteten Unterrichtsgestaltung werden die erwähnten drei Gütekriterien über die zutreffenden Konkretisierungen hinaus auf einer Metaebene neu fokussiert mittels der drei Kapitelüberschriften: 2. Förderdiagnostik (Effizienz), 3. Basisfunktionen (Bedeutsamkeit), 4. Klassenführung (Lernklima).
Diese Weiterführung eines allgemeindidaktischen Paradigmas unter explizit heilpädagogischer Ausrichtung erscheint für die Kapitel 2 bis 4 als einleuchtend.

Förderdiagnostik
Zuerst werden (allgemeine) Pädagogische Diagnostik und (heilpädagogische) Förderdiagnostik begrifflich geklärt und abgegrenzt. Nach der Darstellung von entwicklungs-, sozial- und lernpsychologischen Aspekten sowie solchen der klinischen Psychologie wird die Förderdiagnostik nach heutigem Kenntnisstand vornehmlich der Heilpädagogik zugeschrieben. Im Weiteren kommen drei traditionelle Ansätze (medizinisch, psychodiagnostisch, verhaltensorientiert) und neuere (geisteswissenschaftlich oder interaktionistisch, lernprozessorientiert, strukturbezogen oder qualitativ) zur Darstellung und werden prägnant beschrieben. Neuere Modelle pädagogisch-psychologischer Diagnostik und der Förderdiagnostik werden erläutert (Analyse der Lerngeschichte, Einschätzung der Lernvoraussetzungen, Förderdiagnostische Hilfsmittel, Beobachtung, Gespräch und Befragung, Analyse von Arbeitsprodukten) und durch ein »Prozessmodell zum förderdiagnostischen Vorgehen« angereichert.

Basisfunktionsschulung
Nach einer Begriffsanalyse im Zusammenhang mit ganzheitlichem Lernen und im Hinblick auf den handlungsorientierten Unterricht kommt zusammenfassend zum Ausdruck, dass Basisfunktionen elementare Fähigkeiten des Kindes in den Bereichen Motorik, Wahrnehmung, Sprache, Kognition, Emotionalität und Soziabilität sind. Zusammenfassend wird postuliert, dass Basisfunktionen als grundlegende Prozesse vermehrt in den Unterricht einzubeziehen sind. In den heilpädagogischen Zugängen wird anhand von Beispielen betont, dass die Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten Vorrang vor der Vermittlung von schulischen Inhalten haben soll. Im Weiteren bringt das Konzept der »Sensorischen Integration« zusätzliche Aspekte in die Basisfunktionsschulung ein.

Klassenführung
Auf der Grundannahme basierend, dass sozial auffälliges Verhalten zum Schulalltag gehört und in heilpädagogischen Gruppierungen noch häufiger anzutreffen ist als in Regelklassen, werden zuerst Erklärungsversuche für auffälliges Verhalten dargestellt. In den heutigen Lebenssituationen der Kinder fallen der Schule mehr Erziehungsaufgaben zu. Im Weiteren werden Maßnahmen betreffend Klassenführung bei »zu wenig erwünschtem und zu viel unerwünschtem Verhalten (Disziplinarprobleme)« erörtert. Verschiedene Erklärungsansätze, Perspektiven für das Führungsverhalten im Klassenzimmer und der Umgang mit auffälligem Schülerverhalten bilden das Kernstück des 4. Kapitels.
Das als Studienbuch konzipierte Werk zeichnet sich aus durch systematisierende Zugriffe, Original-Zitate und Darstellungen zur Vertiefung und zum Verweilen mit der Thematik sowie durch prägnante Praxisbeispiele und konkrete Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung. Am Ende der einzelnen Kapitel sind Vertiefungsfragen formuliert, welche die Leserschaft einladen, das vorliegende Gedankengut nochmals zu reflektieren, auch in Verbindung und durch Weiterführung mit eigenen Erfahrungen.
Das besprochene Studienbuch ist ein höchst gelungener Ansatz, Theorie und Praxis der Unterrichtsgestaltung als zwei sich ergänzende Seiten der gleichen Sache zu sehen und zu verstehen. Es sollte in allen Studiengängen für Schulische Heilpädagogik Bestandteil des Studiums sein.
Prof. Dr. phil. Kurt Aregger

Information

Verlag Haupt
Bern 2006
152 Seiten, 19 Euro
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