Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #86695 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2004-10
- Einband: Broschiert
- 349 Seiten
Aus der Amazon-Redaktion
Kurzbeschreibung
Charlotte Moore, Journalistin, Autorin und Mutter, gibt Einblick in den Alltag ihrer fast normalen Familie ? der täglichen Herausforderung eines Lebens mit zwei autistischen Kindern.
Kundenrezensionen
Trost für alle betroffenen Mütter
Wenn mein Sohn (atypischer Autismus, 4 Jahre alt) wieder einmal Playmobilmännchen im Backofen schmelzen lässt oder mit spitzen Gegenständen große Kreise an die Tapeten kratzt, bin ich mir jetzt einer Sache bewusst: Ich bin nicht allein. Nach Lesen des Buches "Sam, George und ein ganz gewöhnlicher Montag" lerne ich als Betroffene: Man kann als Mutter mit dem ganz alltäglichen Wahnsinn leben, ohne selbst verrückt zu werden. "Vielleicht wäre mein Leben eine Hölle, wenn ich verbittert wäre", schreibt Charlotte Moore. "Sicher gibt es extrem stressige Augenblicke, aber ist das nicht in den meisten Familien der Fall?" Nach vielen Lektüren über traurige Einzelschicksale und trockene Leitfäden über Autismus (nach denen man hinterher noch verwirrter ist) besteht der Inhalt von Moores Buch endlich mal aus eine Kombination von Intellekt und Gefühl . Durch das nüchterne Beschreiben der Dinge, wie sie sind, weiss wohl jeder am Ende des Buches, was "autistisch" bedeutet. Ein Buch, dass sich hervorragend als Geschenk eignet für unwissende, ungläubige Opas, Omas, Kindergärtnerinnen oder alle, die die Diagnose "Autismus" als Modeerscheinung abtuen wollen.
Wunderbar!
Mein Leben mit zwei autistischen Kindern, so lautet der Untertitel ihres Buches. Es basiert auf ihrer Kolumne Mind The Gap, die über zwei Jahre lang in the Guardian erschien. In dieser Kolumne schildert sie ihr Leben als allein erziehende, berufstätige Mutter dreier Söhne. Für einen Außenstehenden klingt dies nicht ungewöhnlich, aber so ist es. Denn ihre beiden ältesten Söhne George und Sam sind Autisten. Autismus ist ein Mysterium, bei dem bis heute nicht erklärt werden kann welche Ursachen ihm zu Grunde liegen. Charlotte Moore spricht von einem autistischen Spektrum zu dem ihre Söhne gehören. Denn obwohl George und Sam beide Autisten sind, äußert sich dieser bei jedem der beiden Jungen anders und nur teilweise haben sie die gleichen Merkmale.
Die 1959 geborene und in Sussex, England lebende Autorin beschreibt das Leben ihrer drei Söhne, vergleicht ihre Entwicklungsstände in bestimmten Altersstufen und ihre sozialen Kompetenzen miteinander und entdeckt erst dann immer wieder bei der Betrachtung ihres jüngsten Kindes Jake, wie eine normale Kindesentwicklung ablaufen kann.
Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin und freie Autorin, die unter anderem für The Times, Vogue, The Daily Telegraph und The Guardian schreibt, managt sie mit Unterstützung von Familie, Freunden, Therapeuten etc. die Tagesabläufe der Kinder und schließlich ihren eigenen. Sie lebt nach dem Motto: Geht es meinen Kindern gut, geht es mit gut.
Zur Zeit der Erstveröffentlichung des Buches im Jahr 2004 sind George, Sam und Jake 13, 11 und 5 Jahre alt und dies ist der eigentliche Ausgangspunkt.
George isst fast nichts, weil er nicht wachsen will, sieht sich am liebsten Videos für Kleinkinder, vorzugsweise Zeichentrickfilme an, lässt sich Kinderbücher vorlesen und benutzt beim Sprechen hauptsächlich Zitate aus Filmen und Büchern.
Sam liebt Bilderbücher, Trampolinspringen und beißt jeden Keks in einer Packung an und zerbröselt ihn dann auf dem Fußboden.
Jake geht gerne in die Schule, spielt mit anderen Kindern, redet gern und interessiert sich für die Sachen, die seinem Alter entsprechen.
Ihre Mutter Charlotte vergleicht am meisten George und Sam miteinander, da sie laut Diagnose an der gleichen Krankheit leiden, aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum Beispiel sind Georges soziale Kompetenzen größer als die seines Bruders, dafür kann Sam im Gegensatz zu George besser ein Puzzle zusammensetzen.
Die Autorin suchte in ihrer eigenen Familienbiographie nach Gründen für den Autismus ihrer Söhne bis sie feststellte, dass es dafür anderen genetisch bedingte Komponenten gab, bzw. geben musste. In ihrem Buch berichtet sie von wissenschaftlich fundierten Ergebnissen über Autismus, erwähnt aber auch die Literatur, die von Betroffenen oder deren Angehörigen verfasst wurde, wie z. B. die Bücher von Luke Jackson. Sie vergleicht deren Erfahrungen mit denen, die Sie mit George und Sam gemacht hat. Charlotte Moore ist der Ansicht, dass Autisten Autisten sind und es immer bleiben werden. Sie glaubt nicht an Wunderheilung oder an die Befreiung der Seele die nur stattfinden müsste, damit ein Autist nicht-autistisch wird. Allerdings befürwortet sie gewisse therapeutische Maßnahmen, um das Zusammenleben einfacher zu gestalten, z. B. eine Verhaltenstherapie für beide Jungen oder die gluten -und kaseinfreie Diät, die aber nur Sam dabei hilft ausgeglichener zu werden. Die Autorin nimmt ihre Söhne so an wie sie sind, als die Individuen George und Sam, die beide individuelle Bedürfnisse haben. Sie versucht nicht die autistischen Verhaltensweisen und Merkmale zu ändern oder zu unterdrücken, sondern mit ihnen zu leben und das Beste daraus zu machen.
Charlotte Moore schreibt dieses Buch als Erfahrungsbericht und verarbeitet darin sowohl die Erlebnisse von und mit ihren Kindern und deren Biographien als auch Teile ihrer eigenen Lebensgeschichte, ihrer Zukunftserwartungen und ihren Umgang mit gegenwärtigen Situationen.
Sie spricht ihre Leser direkt an, bezieht sie mit ein und gibt ihnen einen Einblick in ihren ganz persönlichen Alltag. Die Autorin versucht ihren Lesern ihre Umgangsweise mit Autismus nahe zu bringen. Dabei gibt sie nebenbei praktische Tipps und Ratschläge.
Charlotte Moore richtet dieses Buch an die Menschen, die mit Autisten leben, zu tun haben, arbeiten oder die sich einfach nur für diese Thematik interessieren. Es ist zwar der Kategorie Sachbuch zu zuordnen, vermittelt aber keine objektive Sicht der Dinge. Dies ist allerdings auch nicht die Intention der Autorin, sie möchte informieren und unterhalten.
Die Kapitel des Buches haben zwar eine chronologische Reihenfolge, doch innerhalb dieser springt Charlotte Moore in der Zeit. Sie steckt nur den äußeren Rahmen fest, indem sie an Anfang und Ende des Buches die gegenwärtige Situation schildert. Innerhalb der Kapitel hält sie sich nicht an eine bestimmte Reihenfolge und macht binnen weniger Abschnitte große Zeitsprünge zwischen damals und heute. Teilweise sind die Zeitsprünge sehr irritierend für den Leser. Auffällig ist auch, dass die Autorin mehrmals von denselben Erlebnissen berichtet und unnötig auf Textstellen im Buch verweist.
Sam, George und ein ganz gewöhnlicher Montag ist ein Buch, welches man nicht mehr aus der Hand legen möchte, wenn man einmal angefangen hat darin zu lesen. Man bekommt nicht nur den Einblick in das Leben einer allein erziehenden, berufstätigen Mutter, sondern auch in das ihrer Söhne und deren Zusammenleben, welches nicht immer problemlos ist. Außerdem ist es spannend und amüsant zugleich zu lesen welche Sachen George und Sam anstellen, welche Reaktionen sie zeigen und welche Verhaltensweisen sie an den Tag legen. Dank der unbeschwerten und selbstironischen Art der Autorin und ihres Schreibstils ist dem Leser nicht nur einmal zum Schmunzeln zu Mute.
Ich finde dieses Buch sehr gelungen, da es sowohl informativ als auch mitten aus dem Leben gegriffen ist. Mir gefällt Moores direkte, erfrischende Art, mit der sie ohne Umschweife und Beschönigungen große und kleine Ereignisse des Alltags beschreibt, ohne dabei in Selbstmitleid zu versinken. Teilweise konnte ich Verhaltensweise und Merkmal mir bekannter Autisten wieder erkennen, was mich umso neugieriger macht weiter zu lesen.