Magen-Darm-Infektion bei Baby & Kind


Dr. med. Petra May Fachärztin für Kinderheilkunde
Beschreibung
Eine Magen-Darm-Infektion ist eine akut entzündliche Erkrankung, die meist durch Viren oder Bakterien verursacht wird. Sie zählt zu den häufigsten kindlichen Erkrankungen. Da das Kind eine Magen-Darm-Infektion in der Regel problemlos übersteht, ist eine spezielle Therapie meist nicht notwendig.
Allerdings drohen bei häufigem
Durchfall und
Erbrechen Salz- (Elektrolyt-) und Wasserverlust, die so genannte Dehydratation. Dadurch trocknet der Körper Ihres Kindes aus, was lebensbedrohend werden kann.
Außerdem können gehäuft auftretende Magen-Darm-Infektionen zu Unterernährung führen oder eine bereits bestehende Unterernährung verstärken. In Ländern der dritten Welt sind Magen-Darm-Infektionen eine wesentliche Ursache für die Kindersterblichkeit.
Viren können eine Magen-Darm-Infektion verursachen. In 60 Prozent der Fälle ist das Rotavirus verantwortlich. Bei Babys werden Darminfektionen meist durch dieses Virus hervorgerufen. Dann folgen Adenovirus und verschiedene Enteroviren.
Zu den bakteriellen Erregern, die rund ein Fünftel der Magen-Darm-Infektionen verschulden, gehören Salmonellen, Escherichia coli, Shigellen oder Campylobacter. Selten wird eine Magen-Darm-Infektion durch Parasiten wie Amöben oder Lamblien verursacht.
Manche Erreger können die Darmschleimhaut zerstören und blutig-schleimige Durchfälle verursachen. Meist werden die Darmschleimhautzellen geschädigt. Wasser dringt in das Innere des Darmes eindringen und kann heftige Durchfälle hervorrufen.
Eine akute Magen-Darm-Infektion beginnt mit
Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, teilweise Fieber und breiigen bis wässrigen Durchfällen. Die oft faulig riechenden Stühle enthalten unverdaute Nahrungsreste (auf Grund der beschleunigten Passage durch den Darm) und manchmal Blut oder Schleim.
Je jünger das Kind ist, umso rascher kommt es zur Austrocknung (Dehydratation) und umso gravierender wirken sich Wasser- und Elektrolytverluste nachteilig auf den gesamten Körper aus.
Typische Anzeichen einer länger dauernden, schweren Durchfallserkrankung beim
Baby sind:
- Müdigkeit, Apathie,
- Fieber (nicht zwingend),
- eingesunkene Fontanelle,
- schwacher Saugreflex,
- seltener Lidschlag,
- geringe Urinproduktion;
Typische Symptome beim
Klein- und Schulkind:
- Müdigkeit, Apathie,
- Fieber (manchmal),
- geringe Urinproduktion,
- trockene Schleimhäute,
- Gewichtsabnahme,
- im Extremfall bleibt eine Hautfalte am Bauch stehen, wenn man sie zwischen den Fingern hoch zieht (reduzierter Spannungszustand der Haut).
Suchen Sie mit Ihrem Kind auf jeden Fall einen Arzt auf, wenn es über sechs Stunden dünnen, wässrigen Stuhl hat. Erbricht es gleichzeitig oder hat Fieber, gehen Sie sofort zu einem Kinderarzt - vor allem dann, wenn Ihr Kind jünger als ein Jahr alt ist.
Wenn Ihr Kind keinen Durchfall hat, aber länger als sechs Stunden erbricht, sollten Sie es ebenfalls zu einem Arzt bringen. Leidet es gleichzeitig unter Fieber, Ohren- oder anderen Schmerzen, sollten Sie den Arzt unverzüglich aufsuchen.
Auch bei chronischem Durchfall und Gedeihstörungen sollten Sie mit Ihrem Kind zu einem Arzt gehen.
Symptome behandeln
Die meisten Magen-Darm-Infektionen heilen von selbst aus. Eine Therapie lindert vorwiegend die Symptome, beseitigt aber nicht die Ursache. Es gibt spezielle Medikamente gegen das Erbrechen oder Fieber, der Arzt kann auch eine spezielle Diät verschreiben.
Am Anfang steht aber eine gründliche Untersuchung, um die Ursache des Erbrechens und Durchfalls zu finden. Bei einer Magen-Darm-Infektion müssen Sie dem Wasser- und Elektrolytverlust entgegenwirken. Eingesetzt wird eine Rehydratationslösung, welche die Flüssigkeitsverluste ausgleichen soll.
Babys und Kinder dürfen keine Mittel einnehmen, die den Stuhl festigen. Die krankheitsauslösenden Bakterien oder Viren dürfen nicht im Darm festgehalten werden. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
Erscheint der Körper Ihres Kindes schon stark ausgetrocknet, wird der Arzt Ihrem Kind Blut abnehmen und den Urin testen lassen, um den Wasserverlust anhand verschiedener Werte abschätzen zu können. Gegebenenfalls muss Ihr Kind in einem Krankenhaus behandelt werden. Über eine Infusion erhält es eine Elektrolytlösung, bis sich die Werte wieder normalisiert haben.
Antibiotika
Eine Antibiotika-Behandlung ist bei Magen-Darm-Infektionen in der Regel nicht notwendig. Es gibt aber Ausnahmefälle, in denen Antibiotika verschrieben werden: z.B. Babys mit Magen-Darm-Infekten und bei Typhus, Cholera oder Amöbiasis.
Bei Komplikationen wie Gelenkentzündungen, Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung wird das Kind im Krankenhaus behandelt und erhält dort über den Tropf Antibiotika.
Magen-Darm-Infektion problemlos. Komplikationen bei Magen-Darm-Infektionen sind selten, können aber auftreten.
- Durch den massiven Flüssigkeits- und Elektrolytverlust kann es zu Apathie, Krampfanfällen und im Extremfall zum Koma kommen.
- Bakterielle Erreger (z.B. Salmonellen) können eine Blutvergiftung, Gelenkentzündungen oder eine Hirnhautentzündung hervorrufen.
- Amöben können auch die Leber und andere Körperregionen befallen.
- Manche Erreger einer Magen-Darm-Infektion (z. B. Salmonellen) können auch eine begleitende Leberentzündung mit Gelbsucht verursachen.
- Besonders bei jüngeren Patienten kann es durch Verletzungen der Darmschleimhaut zu Folgeerkrankungen wie sekundärer Zuckerintoleranz oder Kuhmilchproteinintoleranz kommen.