Beschreibung
Eine Mastoiditis ist eine bakterielle Infektion im Warzenfortsatz des Schläfenbeins, dem hinter dem Ohr hervorstehenden Knochen. Meist ist sie das Endglied einer Reihe bestimmter Infektionskrankheiten. Der Ablauf ist in der Regel folgender: Zuerst erkrankt das Kind an Entzündungen des Nasen-Rachen-Raums wie zum Beispiel Schnupfen und Halsentzündung. Infiziert es sich anschließend mit Bakterien, folgt eine akute eitrige
Mittelohrentzündung (Otitis media acuta). Wird diese nicht behandelt oder ist sie nicht ausgeheilt, besteht die Gefahr, dass das Kind an einer Mastoiditis erkrankt.
Wegbereiter für eine bakterielle Infektion und damit für eine Mastoiditis sind oft Viren, die zu einem Schnupfen und einer Halsentzündung führen, beispielsweise RS-, Rhino-, Adeno-, Coxsackie-, ECHO-, Parainfluenza- und Influenzaviren. Die Mastoiditis selbst wird durch Bakterien wie Pneumokokken, Streptokokken und Haemophilus influenzae b, bei Babys häufig durch Staphylokokken verursacht.
Die Mastoiditis entwickelt sich auf der Basis einer Mittelohrentzündung. Es kommt zu einer entzündlichen Mitreaktion der benachbarten, lufthaltigen Knochen. Gelangen nun die Erreger der Mittelohrentzündung in diese Knochenbereiche, kommt es zu einer schweren Knochenentzündung.
Die Symptome treten meist zwei und mehr Wochen nach einer akuten Mittelohrentzündung auf:
- Länger anhaltendes Fieber
- Unruhe, Schlafstörungen, heftiges Schreien
- Schwellung und Druckempfindlichkeit über dem Warzenfortsatz. Ist die Schwellung stark, drückt sie das Ohr seitwärts nach unten, die Ohrmuschel steht deutlich ab.
- Schmerzen im und um das Ohr. Typisch ist ein ständiger, pochender Schmerz.
- Reichlich dickflüssiger Ausfluss
- Fortschreitende Schwerhörigkeit
- Im akuten Stadium: hohes Fieber, schweres Krankheitsgefühl, Nahrungsverweigerung und Apathie
Kleinkinder wälzen bei Ohrenschmerzen den Kopf hin und her oder fassen sich an das schmerzende Ohr. Manchmal leiden sie zusätzlich an
Durchfall. Allerdings verläuft gerade eine Mastoiditis-Erkrankung bei Babys oft weniger stürmisch als bei älteren Kindern.
Ist eine Mittelohrentzündung nicht nach zwei Wochen abgeheilt, wird der Arzt eine Mastoiditis vermuten. Er erkennt sie anhand der typischen äußeren Symptome sowie nach einer Untersuchung des Trommelfells und Gehörgangs mit Hilfe eines
Ohrenspiegels.
Die weitere Therapie und Diagnostik muss in einem Krankenhaus vorgenommen werden, da die Therapie möglichst rasch begonnen werden soll und, je nach Ausmaß der Infektion, eine operative Behandlung durchgeführt werden muss.
Blutuntersuchungen, ein spezielles
Röntgenbild oder auch eine
Computer-Tomographie festigen die Diagnose.
Zu Beginn der Behandlung werden Antibiotika intravenös verabreicht, das heißt über eine Infusion. Ist die Infektion ausgeprägt oder tritt keine Besserung ein, muss die Schwellung operativ eröffnet werden, damit die Flüssigkeit austreten kann. Bei rechtzeitiger und sachgerechter Therapie tritt innerhalb von ein bis drei Tagen Beschwerdefreiheit ein.
Beugen Sie einer Mastoiditis vor, so weit dies möglich ist:
- Stärken Sie die Abwehrkräfte Ihres Kindes (vollwertige Ernährung, witterungsgemäße Kleidung, Bewegung an frischer Luft)
- Geben Sie ihm bei einem Schnupfen reichlich Flüssigkeit zu trinken, befeuchten Sie die Luft, verwenden Sie eventuell kochsalzhaltige Nasentropfen, um den Schleim flüssig zu halten.
- Halten Sie sich an die Anweisungen des Arztes, damit eine Erkältung, eine Nasen-Rachen-Entzündung oder ein anderer Infekt gut abheilen kann.
- Achten Sie auf die oben beschriebenen Symptome, vor allem zwei und mehr Wochen nach einer Mittelohrentzündung
Sowohl eine Mittelohrentzündung als auch eine darauf folgende Mastoiditis ist schmerzhaft und gefährlich. Wirkt Ihr Kind fiebrig, messen Sie ihm regelmäßig Temperatur. Klagt es über Schmerzen, können Sie diese auch gegebenenfalls mit einem
kindgerechten Schmerzmittel, als Zäpfchen oder Saft, lindern, bis der Arzt eine Therapie anordnet. Suchen Sie unverzüglich einen Arzt auf!
Komplikationen sind selten, aber sehr ernst:
- Blutvergiftung (Sepsis)
- Taubheit
- Eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis purulenta)
- Abgekapselte Eiteransammlung im Gehirn (Hirnabszess)
- Im Extremfall der Tod
Wird die Mastoiditis rechtzeitig behandelt, lassen die Beschwerden innerhalb von ein bis drei Tagen nach. Unerkannt kann sie zu einer Wachstumsstörung führen.
Quellen
Handbuch der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie