
27.10.2007, 03:00
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Depressionen
Depressionen
Allgemeines
Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die sich in zahlreichen Beschwerden äußern kann. Eine anhaltende gedrückte Stimmung, eine Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust sowie vielfältige körperliche Symptome, die von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen, sind mögliche Anzeichen einer Depression. Die Mehrheit der Betroffenen hegt früher oder später Selbstmordgedanken, 10 bis 15% aller Patienten mit wiederkehrenden depressiven Phasen sterben durch Suizid. In Deutschland leiden schätzungsweise 5% der Bevölkerung, d.h. etwa 4 Millionen Menschen, aktuell an einer Depression. Pro Jahr erkranken etwa 1 bis 2 Personen von 100 neu. Depressive Episoden kommen in jedem Lebensalter vor, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Nach aktuellen Studien erkranken viele Patienten aber bereits im Alter von 16 bis 20 Jahren erstmals. Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens eine Depression zu entwickeln, beträgt zwischen 7 und 18%. Frauen sind etwa doppelt so häufig wie Männer betroffen.
Viele der Betroffenen suchen allerdings keinen Arzt auf, sei es aus Unwissenheit, Verdrängung oder aus Schamgefühl. Häufig werden aber auch Depressionen aufgrund ihres vielfältigen Erscheinungsbildes vom Hausarzt nicht erkannt. Es gehört neben medizinischem Fachwissen viel psychiatrische Erfahrung dazu, um eine Depression schnell und sicher zu diagnostizieren.
Wird einmal die richtige Diagnose gestellt, ist die Lage alles andere als aussichtslos. In den letzten Jahrzehnten hat sich hinsichtlich der Therapie einiges getan und mehr als 80% der Erkrankten kann dauerhaft und erfolgreich geholfen werden. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Allgemeinbevölkerung für dieses Thema sensibilisiert und aufgeklärt wird: Denn eine Depression kann jeden treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Status.
Von unipolarer Depression spricht man, wenn depressive Phasen, jedoch keine manischen Phasen auftreten. Treten außer den Symptomen der Niedergeschlagenheit, Antriebsarmut und Interesselosigkeit auch Phasen grundloser, übermäßig gehobener und distanzloser Stimmung (Manie) auf, liegt eine so genannte bipolare Störung vor. Bei ca. 20% der Patienten mit Depressionen verläuft die Erkrankung bipolar. Die reine Manie ohne depressive Phase ist mit etwa 5% sehr selten. Beide Erkrankungen gehören zum Formenkreis der affektiven Störungen. Eigentlich wäre die Bezeichnung Stimmungsstörungen anstelle von affektiven Störungen präziser, da es sich um eine Störung der Grundgestimmtheit und weniger um eine Störung der Affektivität (Gefühlsaufwallung in emotionalen Ausnahmesituationen) im eigentlichen Sinne handelt.
Geändert von Nancy (22.04.2008 um 16:34 Uhr).
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27.10.2007, 03:01
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Ursachen
Eine Depression entsteht in der Regel aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Welche Rolle erbliche und umweltbedingte Faktoren spielen, ist individuell unterschiedlich und im Einzelfall nicht leicht zu beantworten. Eine genetische Veranlagung, neurobiologische Störungen sowie bestimmte Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren (psychosoziale Faktoren) bilden die Basis der meisten Depressions-Erklärungsmodelle.
Die Betroffenen besitzen eine – durch verschiedene Faktoren bedingte - geringere Toleranz gegenüber seelischen, körperlichen und biografischen Belastungsfaktoren als gesunde Menschen. Diese besondere Verletzlichkeit (Vulnerabilität) spielt bei dem Ausbruch und der Aufrechterhaltung einer Depression eine große Rolle. Als Auslöser (reaktive Faktoren) einer depressiven Episode wirken meist persönlich belastende Ereignisse oder Überforderungssituationen, auf die mögliche Risikopersonen sensibler als andere Menschen reagieren.
Genetische Veranlagung
Eine erbliche Vorbelastung trägt nach dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu der Entstehung einer Depression wesentlich bei. Denn Depressionen treten familiär gehäuft auf. Sind Verwandte ersten Grades betroffen, liegt die Gefahr, selbst eine Depression zu entwickeln, bei etwa 15%. Bei eineiigen Zwillingen steigert sich das Risiko, dass beide an einer Depression erkranken auf mindestens 50%. Dies belegt, dass ein genetischer Faktor vorhanden sein muss. Genetische Faktoren können darüber hinaus die Empfindlichkeit (Vulnerabilität) gegenüber psychosozialen Belastungen erhöhen.
Stoffwechsel- und Funktionsstörungen im Gehirn
Viele Untersuchungen deuten darauf hin, dass Depressionen u.a. durch eine Stoffwechselstörung im Gehirn hervorgerufen werden. Dabei scheinen bestimmte Überträgersubstanzen (so genannte Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Acetylcholin, Gamma-Aminobuttersäure) aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Depressive Patienten weisen im Vergleich zu Gesunden oft eine erniedrigte Konzentration dieser Botenstoffe auf, wobei das Ausmaß der betroffenen Neurotransmitter-Systeme individuell unterschiedlich sein kann. Diese Annahme wird durch den generellen Wirkmechanismus einer bestimmten Medikamentengruppe, den so genannten „Antidepressiva“ gestützt. Diese Wirkstoffe sorgen für eine Erhöhung bestimmter Botenstoffe im neuronalen System und helfen, die Symptome einer Depression zu mindern bzw. sie zu unterdrücken. Antidepressiva sind jedoch nicht bei allen Patienten wirksam, vermutlich gibt es individuelle Unterschiede in der Ausprägung der Neurotransmitter-Störungen.
Darüber hinaus wurde mithilfe bildgebender Verfahren bei Betroffenen während einer depressiven Episode eine veränderte Aktivität des so genannten limbischen Systems im Gehirn festgestellt. Das limbische System, auch als stressregulierendes System bezeichnet, ist für das Empfinden und Verarbeiten von Gefühlen mitverantwortlich. Die veränderte Aktivität bei der Verarbeitung von Gefühlen erklärt u.a., die erhöhte psychische Verletzlichkeit depressiver Patienten und warum oft Schicksalsschläge einer Erkrankung vorausgehen.
Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren (psychosoziale Faktoren)
Ein weiterer Faktor, der zur Entstehung einer Depression beitragen kann, beruht auf einer fehlgeleiteten Entwicklung in der Kindheit. Ein ängstlich-fürsorglicher Erziehungsstil und eine daraus resultierende „erlernte Hilflosigkeit“ sowie mangelnde Stressbewältigungsmöglichkeiten der Betroffenen können ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression sein. Dabei können diese Faktoren allerdings nicht nur Ursache, sondern auch Resultat der Erkrankung eines Familienmitgliedes sein. So kann ein überbehütender Umgang dadurch erklärt werden, dass Eltern frühzeitig die psychische Verletzlichkeit und Erkrankungsbereitschaft des Kindes wahrnehmen und entsprechend schützend reagieren.
Auch der frühe Verlust eines Elternteils, eine Störung der Mutter-Kind-Beziehung sowie das Fehlen eines Selbstwertgefühls seit frühester Kindheit können zu einer besonderen Verletzlichkeit gegenüber Enttäuschungen führen. Unzureichend verarbeitete Verlusterlebnisse bzw. Traumata (z.B. sexueller Missbrauch, Erlebnis von Katastrophen) können bei erneuten Krisensituationen (z.B. Trennung vom Partner) den Ausbruch einer Depression fördern.
Personen vom so genannten „Typus melancholicus“ sind ebenfalls besonders gefährdet, eine Depression zu entwickeln. Dazu zählen Menschen, deren Persönlichkeit sich durch Selbstunsicherheit, Überkorrektheit, Ordentlichkeit, Leistungsbetonung und Aufopferungsbereitschaft auszeichnet.
Reaktive Faktoren
Bei vielen Depressionen tritt die Erkrankung nach kritischen, belastenden oder negativen Ereignissen auf, z.B. dem Verlust eines Partners bzw. Angehörigen oder Probleme mit nahen Bezugspersonen, Scheidung/Trennung etc. oder einfach nur Veränderungen der gewohnten Lebensweise wie z.B. durch Pensionierung. Es ist nachgewiesen, dass stressreiche Lebensereignisse zu neurobiologischen Reaktionen wie z.B. vermehrter Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führen, welches auch bei Depression in erhöhter Konzentration im Blut gefunden wird.
Häufig spielen auch körperliche Erkrankungen (z.B. chronische Schmerzen, Krebs-, Herz-Kreislauf- und Demenz-Erkrankungen) und bestimmte Medikamente bei der Auslösung einer Depression eine Rolle.
Weitere mögliche Risikofaktoren
Nach Untersuchung verschiedener depressiver Patienten scheinen folgende Faktoren neben den aufgeführten Mechanismen die Entstehung einer Depression zu begünstigen: - weibliches Geschlecht;
- Single-Dasein;
- Großstädter;
- wenig gesellschaftliche Kontakte;
- niedriger Ausbildungsgrad;
- Arbeitslosigkeit;
- Cannabis-Konsum und Alkohol-Missbrauch.
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27.10.2007, 03:02
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Erste Anzeichen
Einer Depression gehen oft unspezifische Frühsymptome voraus, d.h. Anzeichen, die auch auf verschiedene andere Erkrankungen hinweisen könnten. Diese möglichen Frühsymptome können ohne Anlass oder als Reaktion auf belastende Ereignisse auftreten und sich langsam über Wochen oder Monate, seltener über Nacht oder mehrere Tage, zu einer depressiven Phase ausweiten. Mögliche erste Anzeichen sind: - Schmerzen (z.B. unspezifische Kopf- oder Bauchschmerzen);
- ständige Müdigkeit, Energiemangel;
- nachlassendes sexuelles Interesse;
- Reizbarkeit, Angst;
- zunehmende Lustlosigkeit, Apathie;
- missmutige Stimmungslage;
- Schlafstörungen;
- Appetitlosigkeit.
Krankheitsbild
Die meisten depressiven Patienten können ihre Beschwerden anfangs nicht einordnen und sind sich nicht bewusst, dass es sich um eine seelische Störung handelt. Oftmals gehen sie zu Beginn einer depressiven Phase mit uncharakteristischen Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, schlechter Laune etc. zum Arzt. Einige Betroffenen schildern ihre Gemütslage meist als Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Apathie. Andere Patienten fühlen sich in depressiven Episoden deprimiert, innerlich leer oder auch gefühllos, unfähig in gewohnter, normaler Weise auf freudige oder bedrückende Ereignisse zu reagieren. Betroffene verlieren ihren Antrieb sowie ihr Interesse und ihre Freude am Leben, sind ständig müde. Ihr Alltag ist geprägt von Energie- und Lustlosigkeit. Typisch ist, dass sich die Betroffenen zu allem zwingen müssen – anfangs nur zu aufwändigeren und ungeliebten, später aber auch zu leichteren und angenehmen Tätigkeiten. Sie verfolgen keine Ziele mehr und vernachlässigen ihre Familie, den Beruf und sogar alltägliche Verrichtungen wie Nahrungsaufnahme und Hygiene. Als Hauptsymptome einer Depression gelten nach dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10: - Depressive Stimmung (keine Trauer!);
- Interessenverlust, Freudlosigkeit;
- Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit.
Häufige Zusatzsymptome sind nach ICD-10: - Störungen der Konzentration, der Aufmerksamkeit und des Denkvermögens;
- vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen;
- Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit;
- negative und pessimistische Zukunftsvorstellungen;
- Selbstmordgedanken oder -handlungen;
- Schlafstörungen;
- verminderter Appetit.
Depressive Patienten klagen mindestens über zwei Symptome aus jeder Gruppe. Die Heftigkeit der Symptome schwankt meistens während des Tages. Weiter können frühmorgendliches Erwachen sowie ein morgendliches Stimmungstief und eine deutlich verminderte sexuelle Lust (Libidoverlust) auftreten. Vielfach wird eine Gewichtsabnahme aufgrund der Appetitlosigkeit beobachtet.
Bei 70 bis 80% der Patienten tritt die Depression in Verbindung mit Angstgefühlen, zum Teil bis hin zu einer behandlungsdürftigen Angststörung auf. Bei etwa 15% der depressiven Patienten kommt es zu psychotischen Anzeichen wie Wahnideen (psychotische, „wahnhafte“ Depression).
Die Hemmung des Antriebs kann sich auch im äußerlichen Erscheinungsbild mit einer Verlangsamung der Reaktionen, Bewegungen und Sprache bemerkbar machen, Mimik und Gestik sind starr. Im Extremfall können Betroffene nur unter großer Mühe reden oder sich bewegen. Auch das Denken und die Auffassungsgabe sind gehemmt: Kreativität, Konzentrations- und Merkfähigfähigkeit schwinden. Im Extremfall so weit, dass fälschlicher Weise eine Demenz vermutet wird.
Als körperliche (somatische) Beschwerden können im Rahmen einer Depression z.B. Schmerzen, Druckgefühle auf der Brust oder Atembeschwerden auftreten – in manchen Fällen können diese sogar im Vordergrund stehen.
Generell können auch Phasen der Hormonumstellung, insbesondere bei Frauen z.B. nach einer Geburt oder in der Menopause von depressiven Störungen begleitet werden.
Geändert von Nancy (22.04.2008 um 16:35 Uhr).
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27.10.2007, 03:03
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Einteilung der Depression
Nach dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10 (International Classification of Diseases) sprechen Ärzte von einer leichten depressiven Episode, wenn mindestens zwei Hauptsymptome wie z.B. depressive Stimmung und Antriebsmangel und zwei Zusatzsymptome wie z.B. Schuldgefühle und Schlafstörungen auftreten. Bei einer mittelgradig depressiven Phase liegen zwei Hauptsymptome und mindestens drei, höchstens aber vier weitere Symptome vor. Schwere depressive Episoden werden diagnostiziert, wenn alle drei Hauptsymptome und mindestens vier zusätzliche Symptome vorhanden sind. Außerdem müssen die Beschwerden mindestens über zwei Wochen anhalten. Im amerikanischen Klassifikationssystem DSM-IV spricht man von „major depression“ (entspricht einer schweren depressiven Episode) und „minor depression“ bei einer weniger schweren Episode.
Spezielle Formen (Subtypen)
Depressive Episoden können noch zusätzlich spezifiziert werden, diese Einteilung erfordert zum Teil durch das Vorliegen zusätzlicher Symptome besondere therapeutische Maßnahmen. Im Folgenden sind einige dieser so genannten Subtypen aufgeführt:
Chronische depressive Störungen
Liegen die Erkrankungszeichen immer oder die meiste Zeit unterhalb der Schwelle einer „richtigen“ Depression, kommt die Diagnose einer chronischen, gewöhnlich über 2 Jahre anhaltenden, leichten depressiven Verstimmung ( Dysthymie) in Frage. Diese Form der chronischen Depression entspricht weitgehend dem, was man früher als „neurotische Depression“ bezeichnet hat. Auch depressive Episoden, die über 2 Jahre andauern, und Verläufe ohne symptomfreie Intervalle zwischen den depressiven Episoden werden als chronisch bezeichnet. Häufig liegen bei chronischen Depressionen begleitende Erkrankungen wie Zwangsstörungen, Ess-Störungen, Substanzmissbrauch oder Persönlichkeitsstörungen vor, die vielfach zusätzliche Behandlungsmaßnahmen erfordern.
Psychotische Depression
Von einer psychotischen Depression sprechen Mediziner, wenn neben der depressiven Episode zusätzlich psychotische Anzeichen wie Wahnideen auftreten. Diese können sich z.B. in einem Verarmungswahn, Verschuldungswahn, Versündigungs- oder Verkleinerungswahn äußern. Die Symptomatik ist oft schwerer und die Dauer der depressiven Episoden länger als bei einer Depression ohne zusätzliche wahnhafte Anzeichen. Zudem ist bei Patienten mit psychotischer Depression das Rückfall- und Wiedererkrankungsrisiko erhöht.
Des Weiteren gibt es Depressionen mit begleitender Angstsymptomatik oder kombiniert mit einer therapiebedürftigen Angststörung. Etwa 20 bis 30% der depressiven Patienten weisen eine Panikstörung auf, auch eine soziale Phobie oder generalisierte Angststörung ist vielfach anzutreffen.
Melancholische Depression
Melancholische Depression bedeutet eine schwere Ausprägung der Depression bzw. des Kernsymptoms der Stimmungsstörung. Die Betroffenen beklagen, dass sie nichts mehr fühlen können, keinerlei Lust mehr empfinden können. Bei vielen Depressiven ist dagegen die Stimmung noch anregbar (nicht-melancholische Depression).
Depression mit körperlichen Symptomen
Bei der so genannten somatisierten Depression stehen verschiedene, uncharakteristische körperliche Beschwerden und Missempfindungen wie Kopfdruck, Schwindel, Herzrasen, Verdauungsstörungen und andere unspezifische Organbeschwerden im Vordergrund.
Saisonal abhängige Depression
Unter einer so genannten saisonalen affektiven Störung (SAD) versteht man eine depressive Episode, deren Beginn und Ende gehäuft zu bestimmten Jahreszeiten erfolgen. In der restlichen Zeit sind die Patienten gesund bzw. können im Rahmen einer bipolaren Störung eine (hypo)manische Phase entwickeln. Eine Form der saisonalen Depression – die Winterdepression – tritt in der lichtarmen Jahreszeit, d.h. vom Herbst bzw. Winter bis zum Frühjahr, auf. Die Patienten, überwiegend Frauen, leiden unter Lustlosigkeit, Schläfrigkeit, Lethargie und haben verstärkt Heißhunger, vor allem auf Süßigkeiten. Im Sommer sind die Betroffenen dagegen symptomfrei. Die Anzeichen bessern sich meist durch eine Lichttherapie - von Tageslicht bis hin zur Therapie mit einer speziellen 10.000 Lux-Lampe.
Psychische Störungen nach der Entbindung
Die nach einer Entbindung möglichen auftretenden psychischen Störungen kann man grob in drei Kategorien einteilen: - Die hierzulande umgangssprachlich als "Heultage" bezeichnete Zeit stimmungsmäßiger Labilität und depressiver Verstimmung in den ersten 3 bis 5 Tagen nach der Geburt wird im englischen Sprachraum "baby blues" genannt. Nach den Studien verschiedener Autoren sind solche Veränderungen nach etwa 40 bis 70% aller Entbindungen zu beobachten.
- Seltener sind dagegen die so genannten Wochenbettdepressionen (postnatale Depressionen) mit einer Häufigkeit von etwa 1 bei 10 Geburten. Sie treten meist in den ersten Wochen nach der Geburt auf und können in der Regel ambulant behandelt werden. Sie können mehrere Monate anhalten und im Einzelfall auch schwer ausgeprägt mit Selbstmordgedanken sein, so dass eine stationäre Behandlung nicht zu umgehen ist.
- Übergänge zu den insgesamt sehr seltenen schweren Wochenbettpsychosen kommen bei wenigen Patientinnen mit Wochenbettdepression vor (nach etwa 1 bis 2 von 1.000 Geburten).
Sonderformen
Bei einer anhaltenden Stimmungsinstabilität mit zahlreichen Episoden leichter Depression und leicht gehobener Stimmung, die nicht die Schwerekriterien depressiver oder manischer Episoden erfüllen, spricht man von eine Zyklothymie.
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27.10.2007, 03:04
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Auswirkungen
Depressive Patienten, die sich nicht in Therapie begeben, befinden sich schnell in einem Teufelskreis. Die Symptome einer depressiven Störung belasten die ganze Familie, Partnerschaft und auch Freundschaften. Häufig kommt es zusätzlich zu Problemen am Arbeitsplatz.
Diese krankheitsbedingten sozialen Beeinträchtigungen sind erheblich und scheinen bei vielen Patienten auch nach Abklingen der depressiven Symptome anzuhalten. Als Folge neigen depressive Patienten zu Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder Drogen.
Hohes Selbstmord-Risiko
Die schlimmste Auswirkung einer Depression ist der Selbstmord. 10 bis 15% aller Patienten mit wiederkehrenden depressiven Phasen sterben durch Suizid. Besonders gefährdet sind Personen, die in belastenden psychosozialen Verhältnissen leben, etwa geschieden sind oder alleine leben, Alkohol oder Drogen missbrauchen, außerdem Betroffene im fortgeschrittenen Alter und solche die schon Selbstmordversuche hinter sich haben. Die Patienten bringen sich meist am Anfang oder am Ende einer Episode, wenn die Stimmung schon gedrückt, aber der Antrieb noch oder schon wieder vorhanden ist, um.
Besonderheiten bei älteren Menschen
Bei den über 65-Jährigen ist die Altersdepression die häufigste psychische Erkrankung. Paradox erscheint, dass die Gemütserkrankung nur bei rund 10% der Betroffenen diagnostiziert wird und noch weniger von ihnen eine adäquate Behandlung erhalten. Das Diagnoseproblem besteht unter anderem darin, dass sich das Krankheitsbild oft mit anderen alterstypischen Krankheiten wie z.B. der Demenz überlappt.
Auslöser, im Alter an einer Depression zu erkranken, finden sich oft im Gesundheitszustand des Betroffenen. Ständige Schmerzen, nachlassende Herz- und Gehirnleistung oder Bewegungseinschränkung können die Lebensqualität so stark beeinträchtigen, dass eine Depression ausbrechen kann. Auch soziale Probleme wie Isolation, Tod oder Krankheit des Partners, Umzug in eine Pflegeeinrichtung stellen Risikofaktoren dar.
Die Symptome der Depression im Alter sind denen der jüngeren Generation sehr ähnlich, nur entwickeln sie sich eher schleichend und werden oft von körperlichen Beschwerden verdeckt. Dies erschwert die Diagnosestellung enorm. Bei der Behandlung ist auf das Alter und die Verfassung des Patienten Rücksicht zu nehmen. In der Regel lässt sich die Depression auch hier erfolgreich therapieren. Allerdings ist zu beachten, dass Stoffwechsel und Organe des älteren Menschen die entsprechenden Medikamente im Vergleich zu jüngeren schlechter vertragen, weswegen bei der Auswahl der Medikamente die Verträglichkeit im Vordergrund steht.
Ein weiterer Unterschied zu jüngeren Patienten besteht in dem viel höheren Risiko eines Rückfalls auch bei einer erfolgreich therapierten Depression. Deshalb wird bei Älteren empfohlen, die letzte wirksame Medikation zur Rezidivprophylaxe (Wiedererkrankungs-Vorbeugung) lebenslang beizubehalten.
Untersuchungsmethoden
Zum Ausschluss anderer Ursachen werden die Hirnströme abgeleitet und aufgezeichnet (EEG) Nicht jede gedrückte Stimmung ist eine Depression und damit behandlungsbedürftig. Daher muss jedes depressive Krankheitsbild von vorübergehenden „normalen“ Verstimmungszuständen und von echter Trauer abgegrenzt werden. Da die Übergänge fließend sind, werden bestimmte Kriterien angelegt, um behandlungsbedürftige Störungen zu identifizieren. Die Krankheitsanzeichen für das Vorliegen einer Depression sind nach dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10 relativ genau definiert. Depressive Stimmung, Interessenverlust bzw. Freudlosigkeit sowie Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit gehören zu den Hauptsymptomen.
Basis für die Diagnosestellung ist eine umfangreiche psychische Befunderhebung, die ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch u.a. zu Belastungssituationen in jüngster Zeit beinhaltet. Hilfreich ist auch der zusätzliche Einsatz von standardisierten Fragebögen. Im Idealfall werden auch Angehörige in die Befragung einbezogen, jedoch nur, wenn der Betroffene einverstanden ist (außer in Notfällen). Wichtig für den Psychiater/Nervenarzt ist es auch, neben den aktuellen Beschwerden Vorerkrankungen zu kennen, die in der Vergangenheit aufgetreten sind. Schließlich muss geklärt werden, ob eine familiäre Belastung vorliegt.
Ausschluss organischer Grunderkrankungen
Für eine sichere Diagnose muss der Betroffene auch körperlich – neurologisch und internistisch - untersucht werden, um organische Krankheiten mit ähnlicher Symptomatik ausschließen zu können. Hier zu gehören z.B. Hirntumore, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Hirnhautentzündung, Epilepsie, Migräne, Schilddrüsenerkrankungen oder Störungen der Nebennierenfunktion. Bei älteren Patienten ist ein Ausschluss einer Demenz -Erkrankung wichtig.
Routinemäßig kommen Untersuchungen des Blutes (etwa der Schilddrüsen-, Leber- und Nierenwerte) und apparative Verfahren wie z.B. eine Elektrokardiografie (EKG), eine Ableitung der Hirnströme (EEG) und eventuell auch eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie des Kopfes zum Einsatz. Insbesondere beim erstmaligen Auftreten einer depressiven Erkrankung ist es wichtig, körperliche Ursachen der Depression auszuschließen. Darüber hinaus klärt der Arzt ab, dass nicht bestimmte Medikamente wie etwa manche Herz-Kreislauf-Medikamente, Steroidhormone (z.B. Cortison), Antibiotika und Zytostatika oder Suchtstoffe wie Alkohol die depressiven Störungen verursachen.
Abgrenzung von anderen psychischen Erkrankungen
Entscheidend ist es, Depressionen gegenüber anderen psychischen Krankheitsbildern wie der Schizophrenie oder Angststörung abzugrenzen. Denn Angst- und Depressionszustände treten z.B. häufig zusammen auf.
Auch gilt es abzuklären, dass die Depression nicht im Rahmen einer bipolaren Störung („manisch-depressive Erkrankung“) auftritt, bei der es neben depressiven Phasen auch zu Phasen übersteigerter („manischer“) Stimmung kommt. Etwa ein Fünftel der Patienten mit der Diagnose „unipolare Depression“ durchläuft innerhalb der folgenden Jahre eine Manie und erfüllt dann die Diagnose einer bipolaren Störung, die anders als eine „reine“ Depression behandelt wird.
Die frühe Diagnose ist für einen positiven Verlauf der depressiven Erkrankung sehr wichtig. Je weniger Krankheitsepisoden bis zum Beginn einer entsprechenden Therapie stattgefunden haben, desto besser spricht der Betroffene in der Regel auf die Behandlung an. Außerdem kann durch einen frühen Behandlungsbeginn vermieden werden, dass es zu schweren gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen kommt.
Geändert von Nancy (22.04.2008 um 16:36 Uhr).
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27.10.2007, 03:05
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Therapiekonzept / Behandlungsphasen
Die Symptome von depressiven Episoden lassen sich mit modernen Behandlungsmethoden oft lindern und die Lebensqualität der Betroffenen damit entscheidend verbessern. Trotzdem handelt es sich um eine chronische Erkrankung, deren Ursachen sich bisher nicht heilen lassen. Jede depressive Episode erhöht das Risiko für eine weitere Episode und das Absetzen der Behandlung steigert die Wahrscheinlichkeit für eine solche Entwicklung.
Wesentliche Grundlage der Behandlung ist der Einsatz antidepressiver Medikamente, die Durchführung einer Psychotherapie oder die Kombination beider Maßnahmen. Bei leichten und mittelschweren depressiven Phasen ist Psychotherapie ebenso wirksam wie Medikamente. Psychotherapie benötigt allerdings mehr Zeit als bei einem Antidepressivum, bis die Wirkung eintritt. Bei schweren depressiven Episoden (und bei Dysthymien, d.h. leichteren, jedoch chronischen Depressionen) ist nach heutigen Erkenntnissen eine Kombinationstherapie wirksamer als Psychotherapie alleine.
Ob eine ambulante Behandlung möglich oder ein stationärer Aufenthalt nötig ist, ist u.a. von der Art und der Schwere der Depression sowie vom individuellen Selbstmordrisiko abhängig. Bei einer psychotischen Depression ist eine Klinikeinweisung z.B. meist unumgänglich. Die Behandlung der depressiven Erkrankung ist je nachdem, in welcher Phase der Erkrankung der Betroffene sich befindet, unterschiedlichen Zielen unterworfen:
1. Akuttherapie
Die Akuttherapie sollte beginnen sobald eine akute Krankheitsphase auftritt. Sie wird so lange fortgesetzt bis sich die akuten Symptome der Depression deutlich gebessert haben, sie dauert daher in der Regel vier bis acht Wochen an. Die Aufklärung über die Erkrankung und das geplante Therapiekonzept sowie über die Notwendigkeit der Einnahme von Medikamenten stehen während der Akuttherapie im Mittelpunkt. Neben dieser so genannten Psychoedukation spielt auch der Kontakt zu Ihrem Arzt in dieser Phase eine ganz wichtige Rolle – er steht Ihnen für alle Fragen zur Verfügung und macht Ihnen Mut, die Behandlung fortzusetzen und die evtl. verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen. Dabei sollten Betroffene wissen, dass die Wirkung antidepressiver Medikamente oft erst nach einigen Tagen bis Wochen eintritt. In dieser Phase werden auch begleitende soziotherapeutische Maßnahmen eingeleitet.
2. Erhaltungstherapie
Die Erhaltungstherapie schließt sich an die Akuttherapie an und soll den Zustand des Betroffenen so weit stabilisieren, dass es nicht zu einem direkten Rückfall kommt. Unter einem Rückfall verstehen Psychiater das Wiederauftreten von Krankheitsanzeichen bevor es zur wirklichen Genesung gekommen ist. Kommt es zu erneuten Symptomen nach einer Wiederherstellung des ursprünglichen Gesundheitszustandes, sprechen Ärzte von einer Wiedererkrankung. Ziel der Erhaltungstherapie ist es, diesen stabilen Zustand für mindestens vier bis sechs Monate zu halten. Wichtig ist es dafür, mögliche Warnzeichen für einen Rückfall frühzeitig zu erkennen und Mechanismen zur Abwendung zu kennen. Ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis bildet die Basis einer erfolgreichen Therapie.
3. Wiedererkrankungs-Vorsorge (Rezidivprophylaxe)
Die Vorbeugung einer Wiedererkrankung beginnt, sobald sich die Stimmungslage des Betroffenen wieder normalisiert hat. Sie soll langfristig verhindern, dass es zu einer erneuten akuten Krankheitsepisode kommt. Wie lange diese so genannte Rezidiv-prophylaxe durchgeführt wird, hängt u.a. von der Anzahl und Schwere der depressiven Episoden ab. Generell darf die verordnete Therapie des Arztes nicht selbstständig abgesetzt werden und es sollte ein geregelter Ruhe/Aktivitätsrhythmus im Alltag erreicht und aufrechterhalten werden. Bei einer drohenden Wiedererkrankung sollten in der Psychotherapie erlernte Frühinterventionsmaßnahmen greifen.
Vielen depressiven Patienten hilft ein detaillierter Tagesplan sowie eine Liste mit möglichen angenehmen Aktivitäten und einer Übersicht über täglich anfallende Routineaufgaben. Setzen Sie sich konkrete Ziele und seien Sie stolz auf jeden noch so kleinen Erfolg. Mithilfe eines Stimmungstagebuchs können Sie Ihre Fortschritte am besten mitverfolgen.
Die Einbeziehung vom Partner und von Familienangehörigen spielt in der Therapie depressiver Erkrankungen häufig eine große Rolle. Die Angehörigen sollten über das Erscheinungsbild, die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose der Erkrankung eingehend informiert werden (Psychoedukation). Denn nur mit einem fundierten Wissen können sie den Patienten unterstützen, zur Fortsetzung der Behandlung motivieren und zum Schutz vor Rückfällen beitragen.
Medikamentöse Therapie
Viele Erkrankungen werden durch die auf die Psyche wirkenden Medikamente erst behandelbar, indem sie u.a. eine Basis für eine psychotherapeutische Behandlung und eine Soziotherapie schaffen. Oft wird nur durch die Gabe von so genannten Psychopharmaka eine ambulante Behandlung der Patienten möglich – mit dem Ziel, dass diese sich schneller wieder in Gesellschaft und Beruf einfinden können.
Für die Behandlung einer Depression kommen so genannte Antidepressiva zum Einsatz. Unter der Bezeichnung „Antidepressiva“ wird eine Gruppe von Medikamenten zusammengefasst, die bei depressiven Erkrankungen die Stimmung aufhellen und den Antrieb normalisieren. Zugleich verringern sie auch die typischen körperlichen Symptome (z.B. Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden), die eine Depression zur Folge hat.
Der Wirkung der Antidepressiva beruht darauf, dass sie den Stoffwechsel der körpereigenen Neurotransmitter Serotonin und/oder Noradrenalin (Botenstoffe, die wichtig sind bei der Übertragung von Nervenimpulsen) im Gehirn, der bei Depression gestört zu sein scheint, wieder ausgleichen. Man unterscheidet zwischen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI), dualen selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SSNRI), noradrenergen und spezifisch serotonergen Antidepressiva (NaSSA), Monoaminoxidasehemmern (MAO-Hemmer) sowie tri- und tetrazyklischen Antidepressiva. Weitere Informationen zur Wirkweise der einzelnen Antidepressiva finden Sie unter der Rubrik Therapieformen / Medikamentöse Therapie.
Ihre Wirkung entfalten Antidepressiva meist erst nach einigen Wochen. Wenn die Symptome abklingen, müssen die Medikamente häufig noch weiter eingenommen werden. Sie sollten auf keinen Fall eigenmächtig abgesetzt werden, da dieses die Gefahr eines Rückfalls bzw. einer Wiedererkrankung erhöht. Keine Angst: Antidepressiva machen auch bei längerer Einnahme nicht abhängig!
Bei leichten depressiven Störungen kommen auch pflanzliche Alternativen wie Johanniskraut zum Einsatz.
Liegen Begleitsymptome wie z.B. Schlafstörungen, starke Angst oder Nervosität vor, wird der Arzt entsprechend weitere Medikamente verordnen.
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27.10.2007, 03:06
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Psychotherapeutische Verfahren
Psychotherapeutische Verfahren gehen heutzutage gezielt auf die Erfordernisse des jeweiligen Krankheitsbildes ein, d.h. viele Psychotherapieformen sind nicht allgemeingültig, sondern störungsspezifisch auf die Erkrankung zugeschnitten. Das Ziel der meisten psychotherapeutischen Verfahren mit kommunikativen und/oder übenden Techniken besteht darin, dem Patienten Strategien zur Bewältigung von inneren und/oder zwischenmenschlichen Konflikten aufzuzeigen, ihm Handlungskompetenz zu vermitteln und sein Selbstvertrauen aufzubauen. Wichtig ist es auch, dem Betroffenen zu verdeutlichen, dass es sich um eine Krankheit – ohne Verschulden des Patienten - handelt.
Im Wesentlichen kommen fünf verschiedene Formen der Psychotherapie bei depressiven Patienten zum Einsatz:
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie entstand in den 50er Jahren und basiert auf Erkenntnissen der modernen Lerntheorie. Positive Konsequenzen oder verstärkende Faktoren wie Lob, Zuwendung erhöhen demnach die Häufigkeit bestimmter Aktivitäten; negative Folgen, etwa eine Bestrafung, mindern ein Verhalten. Depressive Störungen werden als Resultat eines Verlustes an positiven Verstärkern, insbesondere für aktives soziales Verhalten, angesehen - ausgelöst etwa durch Partnerkonflikte oder Probleme am Arbeitsplatz.
Die Verhaltenstherapie geht davon aus, das jedes Verhalten erlernt, aufrechterhalten, aber auch wieder verlernt werden kann. Unter „Verhalten“ versteht sie heutzutage nicht nur die von außen beobachtbaren Verhaltensschritte und nachweisbaren körperlichen Reaktionen. Vielmehr gehört dazu auch das nicht unmittelbar beobacht- und nachweisbare Verhalten etwa Gefühle, Gedanken, Motive und Bewertungen. Psychische Störungen werden als fehlerhaft erlerntes Verhalten in Anpassung an äußere und innere Reize gesehen und nicht, wie etwa in der Psychoanalyse, als Symptom eines unbewussten Konflikts. Bei der Verhaltenstherapie geht es darum, falsch Gelerntes umzulernen oder bisher Nicht-Gelerntes zu erlernen. Der Patient wird angehalten und ermuntert, aktive positive Verhaltensweisen aufzubauen.
Zu Beginn der Therapie versucht der Psychotherapeut, mithilfe der Verhaltensanalyse die Verhaltensmuster des Patienten zu begreifen. Es geht ihm darum herauszufinden, welche Bedingungen bestimmte Reaktionen des Patienten verursachen oder aufrechterhalten und wie die Lerngeschichte unerwünschter Verhaltensweisen aussieht: Wie wird reagiert, was sind die Folgen, welche Konsequenzen hat das Verhalten? Anschließend werden die Behandlungsziele detailliert definiert, die Behandlungsprinzipien und ein genauer Behandlungsplan festgelegt. Die aktive, übende Mitarbeit des Patienten ist für die Verhaltenstherapie typisch. Die Verhaltenstherapie kann einzeln oder kombiniert, z.B. mit der kognitiven Therapie oder Entspannungstechniken wie der progressiven Muskelrelaxation, angewendet werden.
Kognitive Therapie
Die Wirksamkeit der kognitiven Psychotherapie für die Behandlung depressiver Störungen ist bisher am besten untersucht und am eindeutigsten nachgewiesen. Ausgangspunkt dieser Behandlung ist die Annahme, dass Depressionen mit negativen, selbstabwertenden Wahrnehmungs- und Denkmustern zusammenhängen. Diese erlernten realitätsfremden, unlogischen oder verzerrten Muster können das Denken, die Gefühlswelt und das Verhalten betreffen.
Bei der Therapie soll der Patient zunächst lernen, sich selbst zu beobachten und dann seine Denk- und Verhaltensmuster umzubewerten, etwa indem er sich bewusst distanziert, etwas positiv umdeutet oder ein Problem als Herausforderung sieht. Der Patient erkennt seine eigenen Denk- und Verhaltensweisen als "hausgemachtes Problem", nicht als unumstößliche Realität. Er entwickelt eine vermehrte Selbstkontrolle in Situationen, die normalerweise von depressionstypischen Gedankengängen besetzt sind.
Erfolgt die kognitive Therapie in Kombination mit einer Verhaltentherapie stellen folgende Aspekte die Schwerpunkte dieser so genannten kognitiven Verhaltenstherapie dar: - Eingehen eines Arbeitsbündnisses zwischen Patient und Therapeut;
- Definition der Schlüsselprobleme;
- Aufbau von angenehmen, positiven Aktivitäten und den Abbau von belastenden, negativen Aktivitäten - Entwickeln von Ideen, wie dies im Alltag umzusetzen ist, z.B. häufige Pausen, Entspannungsübungen, kleine Belohnungen, Ablehnung von überfordernden Arbeitsgängen;
- Verhaltensänderung in alltäglichen Situationen / Wiederaufnahme von Kontakten - in Rollenspielen übt der Patient, mit spezifischen alltäglichen Problemen umzugehen (z.B. Durchsetzen in Konfliktsituationen), die eigenen Interessen wahrzunehmen und seine Kontaktfähigkeit wiederherzustellen bzw. aufzubauen;
- Vorstellung eines alternativen Denk- und Wahrnehmungsmodell, Planung von praktischen Aktivitäten und deren Umsetzung, z.B. konkrete Wochenplanung;
- Umgang mit Rückschlägen sowie vorbeugende Interventionen.
Interpersonelle Therapie (IPT)
Auch die Wirksamkeit der interpersonellen („zwischenmenschlichen“) Therapie (IPT) bei depressiven Patienten, gerade für betroffene ältere Menschen, ist in wissenschaftlichen Untersuchungen gut belegt worden. Ihr Ausgangspunkt ist die Annahme, dass innere und/oder soziale Konflikte in kritischen Lebenssituationen ergründet, verdeutlicht und entsprechend gelöst werden müssen. Im Mittelpunkt der therapeutischen Gespräche stehen die Beziehungen des Patienten zu seinen Mitmenschen.
Basis der IPT bilden wissenschaftliche Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Depressionen mit folgenden vier Bereichen in Verbindung stehen: - Verlust von geliebten Menschen und Trauer,
- zwischenmenschliche Konflikte,
- soziale Rollenveränderungen/Abschluss von Lebensabschnitten,
- Kontaktschwierigkeiten/soziale Isolierung.
Aus diesen vier Bereichen werden meist ein bis zwei Themen ausgewählt, die für den jeweiligen Patienten am wichtigsten sind. Ist Trauer ein zentrales Thema, weil z.B. der Lebenspartner verstorben ist oder ein anderes unglückliches Ereignis eingetreten ist, wird der Ausdruck von Trauer gefördert, Interessen und neue Beziehungen werden aufgebaut. Stehen interpersonelle Konflikte im Mittelpunkt, sollen diese zunächst erkannt, Erwartungen definiert und mit der Bezugsperson diskutiert werden. Bei einem problematischen Rollenwechsel, z.B. von der Berufstätigkeit in die Berentung, ist es von Bedeutung, den Verlust der alten Rolle anzunehmen und zu betrauern, die neue Rolle positiv zu sehen und das Selbstwertgefühl wiederherzustellen. Leidet ein Patient unter Kontaktproblemen, wird er beim Schließen von Freundschaften unterstützt. Der Psychotherapeut ermuntert den Patienten stets zum Ausdruck seiner Gefühle und Gedanken. Neue oder schwierige Situationen werden immer wieder im Rollenspiel geübt.
Tiefenpsychologisch orientierte bzw. psychodynamische Psychotherapie
Die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie nimmt an, dass die Erkrankung auf einem unbewussten inneren Konflikt beruht, der durch negative oder unangenehme Erfahrungen oder Erlebnisse in der individuellen Geschichte/Kindheit entstanden ist. Der Psychotherapeut versucht daher, diesen Konflikt bewusst zu machen. Durch das wiederholte Erinnern und Durchleben dieser Erfahrungen sollen Symptome aufgelöst und die Depression geheilt werden.
Wissenschaftlich abgesichert ist die Wirksamkeit einer tiefenpsychologisch orientierten Kurzzeittherapie bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Zur Wirksamkeit der tiefenpsychologisch orientierten bzw. psychoanalytischen Langzeittherapien (über 80 Stunden) liegen bisher kaum wissenschaftliche Belege vor.
Gesprächspsychotherapie
Die Gesprächspsychotherapie nach Carl R. Rogers geht davon aus, dass jeder Mensch bestimmte Vorstellungen von sich hat und wie er sein möchte, also ein Selbstbild besitzt. Psychische Störungen und ein negatives Selbstbild entstehen, wenn Menschen Akzeptanz und emotionale Zuwendung nur unter bestimmten Bedingungen, etwa brav zu sein, erfahren. Der Mensch an sich strebe nach der Auffassung Rogers außerdem nach Selbstverwirklichung und Wachstum. Psychische Störungen bedeuten deshalb auch eine Unterdrückung dieser Wachstumsbedürfnisse. Inhaltlich konzentriert sich die Gesprächsführung darauf, dass der Patient lernt, seine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen, sie auf diese Weise ins Bewusstsein zu bringen und seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen
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Gruppentherapien haben sich vor allem bei Trauerreaktionen oder bei depressiven Störungen in Folge chronischer körperlicher Erkrankungen bewährt. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen und das Bewusstsein „ich bin nicht allein“ motiviert Patienten zum Durchhalten der Therapie.
Spezielle Therapieformen
Wachtherapie
Nach einer durchwachten Nacht, d.h. nach einer vollständig durchwachten Nacht oder nach Wachbleiben in der 2. Nachthälfte, etwa ab 1.00 Uhr, zeigen viele der depressiven Patienten – allerdings meist nur vorübergehend - eine deutliche Besserung der Symptome. Besonders Patienten mit melancholischer Depression, mit starken Tagesschwankungen und bei Depressionen im Rahmen einer bipolaren Störung sprechen auf eine Schlafentzugstherapie an. Eine an den Schlafentzug anschließende Vorverlagerung der Schlafphasen, die dann stufenweise wieder zurückverlagert wird, oder teilweise Schlafentzüge in der 2. Nachthälfte können vor einem möglichen Rückfall schützen. Die Behandlung wird i.d.R. nur stationär durchgeführt.
Elektrokrampftherapie (EKT)
Die Elektrokrampftherapie wird bei schweren Störungen angewendet, wenn eine medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung keine Besserung bringen bzw. nicht möglich sind. Bei der EKT wird im Gehirn unter Vollnarkose mit Hilfe von Strom ein Krampfanfall ausgelöst, doch kommt es nicht zu einem Krampf der Muskulatur. Als Folge schüttet das Gehirn vermehrt die Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin aus. Diese Botenstoffe spielen bei der Stimmungsstabilisierung eine wichtige Rolle. Besonders effektiv ist die Methode bei Patienten mit psychotischer Depression.
Lichttherapie
Lichttherapie kann bei saisonalen Depressionen wie der Winterdepression die Symptome innerhalb weniger Wochen deutlich lindern. Der Arzt verordnet bei Bedarf eine Lichttherapie mittels 10.000 Lux-Lampe für eine Stunde pro Tag. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten hierfür bisher nicht. Eine solche Lichttherapie-Lampe kostet für den Eigenbedarf ca. 1.000 Euro. Auch bei nicht-saisonaler Depression verstärkt Lichttherapie mit 10.000 Lux für eine Stunde täglich die Wirkung von Antidepressiva. Lichttherapie wirkt allerdings nur, wenn sie konsequent und intensiv eingesetzt und richtig angewendet wird (Abstand zu Lampe etc.).
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27.10.2007, 03:08
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Verlauf / Prognose
In zwei Drittel der Fälle depressiver Erkrankungen sind die Phasen abgegrenzt durch Episoden völliger Gesundheit von unterschiedlicher Dauer. Bei einem Drittel der Betroffenen tritt lediglich eine teilweise Besserung ein, maximal 15% bleiben schon nach der ersten Episode chronisch depressiv. Die meisten depressiven Episoden bilden sich – bei entsprechender Behandlung - innerhalb weniger Monate zurück, 15 bis 20% der Fälle weisen jedoch eine Dauer von mindestens 12 Monaten auf.
Die Heilungschancen nach einer einzelnen depressiven Episode sind gut. Das Rückfallrisiko nach einer ersten Episode (bezogen auf die Lebenszeit) beträgt – ohne Vorsorge - etwa 50%, bei schweren Depressionen 75%. Ungünstig auf die Prognose wirken sich z.B. Substanzmissbrauch (Alkohol, andere Drogen), Ess-Störungen, begleitende Angst- und Zwangsstörungen sowie chronische Verläufe aus. Wichtigster Faktor für das Rückfall- bzw. Wiedererkrankungsrisiko ist die Anzahl früherer Episoden. Unter einem Rückfall versteht man das Wiederauftreten von Krankheitsanzeichen bevor es zur wirklichen Genesung gekommen ist. Kommt es zu erneuten Symptomen nach einer Wiederherstellung des ursprünglichen Gesundheitszustandes, sprechen Ärzte von einer Wiedererkrankung.
Informationen für Angehörige
Depressive Störungen und auch die teilweise damit verbundenen körperlichen Schmerzen sind eine ernst zu nehmende Erkrankung. Akzeptieren Sie, dass der Betroffene wirklich krank ist. Aber resignieren Sie nicht, Depressionen sind heute gut therapierbar. Depressive Patienten sollten unbedingt in ärztliche Behandlung. Meist stößt diese Tatsache bei den Betroffenen auf heftigen Widerstand. Sie glauben nicht an eine Krankheit, halten einen Arztbesuch für sinnlos. Angehörige sollten durch Unterstützung und Mitgefühl den Betroffenen zu einer ärztlichen Behandlung bewegen. Informieren Sie sich umfassend über das Krankheitsbild und lassen Sie sich von einem Psychiater/Nervenarzt beraten. Vor allem, wenn Sie sich selbst mit der Situation überfordert fühlen, überlastet und erschöpft sind, kann der Austausch mit anderen Angehörigen depressiv Erkrankter in Angehörigengruppen sehr hilfreich sein. Scheuen Sie sich auch nicht, Hilfe von Freunden und Bekannten anzunehmen. Es hat keinen Sinn, einem depressiven Menschen zu raten, abzuschalten und für ein paar Tage zu verreisen, denn eine fremde Umgebung verstört den Patienten meist zusätzlich. Raten Sie dem Depressiven auch nicht, "sich zusammenzunehmen" - ein depressiver Mensch kann diese Forderung nicht erfüllen, denn eine Depression hat nichts mit mangelnder Willensstärke zu tun. Dieser Ratschlag verstärkt möglicherweise sogar seine Schuldgefühle. Gleiches gilt für ständige Versuche der Aufmunterung. Dagegen sollten Sie Ihren Angehörigen immer dann unterstützen, wenn er Eigeninitiative zeigt. Folgendes sollten Sie beherzigen:
Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung!
Ziehen Sie den Arzt zu Rate! - Machen Sie dem Betroffenen keine Vorwürfe!
- Überfordern Sie sich und den Patienten nicht!
- Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen wie z.B. „Dir geht es doch gut, du hast doch gar keinen Grund!“
- Nehmen Sie Ihre eigenen Gefühle an!
- Bleiben Sie geduldig!
- Nehmen Sie Selbstmorddrohungen ernst!
Quelle: http://www.npin.de/npin/npinkrankhei...d=15&nodeid=21
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01.11.2007, 14:50
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Depressionen: Yoga wirkt positiv auf das Gehirn
Depressionen: Yoga wirkt positiv auf das Gehirn
Baierbrunn (ots) - Wer an Depressionen oder Angststörungen leidet, könnte einen Therapieversuch mit Yoga unternehmen, berichtet die "Apotheken Umschau". Chris Streeter, Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Boston (USA) unternahm dazu einen Test mit acht Yoga-erfahrenen Freiwilligen. Vor und nach einer 60-minütigen Sitzung maß er mit Hilfe der Kernspintomographie die Konzentration von Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn. Dabei handelt es sich um einen Botenstoff, der bei Depressionen und Angststörungen erniedrigt ist. Nach den Yoga-Übungen waren die Werte im Durchschnitt um 27 Prozent gestiegen.
Quelle: Netdoktor
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21.08.2009, 21:52
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Depression: Auch Musik macht nicht mehr froh
Depression: Auch Musik macht nicht mehr froh
München (netdoktor.de) - Klinisch depressive Menschen können sich selbst an ihrer Lieblingsmusik nicht mehr erfreuen. Im Gegensatz zu Gesunden, aktivieren schöne Töne bei den Patienten das Genusszentrum des Gehirns nicht mehr. Zu diesem... mehr
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Der Weg von Mensch zu Mensch,
ist oft weiter und schwieriger,
als der Weg von der Erde zum Mond.
angie
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