Heftige Kritik von Experten
Das Baby nach Maß sollte rund 11.000 Euro kosten.
In den Kliniken des US-Fortpflanzungsspezialisten Jeff Steinberg sind in den letzten Tagen die Telefone nicht mehr stillgestanden. Seine Ankündigung von Montag, in wenigen Monaten Babys ganz nach den optischen Wünschen der Eltern "designen" zu können, hat zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen.
Am Mittwoch nahm Steinberg, der in Los Angeles und Manhattan gutgehende Fertilitätsinstitute betreibt, sein "Angebot" zurück. Man werde vorerst nicht Eltern mit rein kosmetischen Wünschen bedienen, sondern nur Familien, die aufgrund gesundheitlicher Probleme seine Hilfe suchen, sagte er gegenüber der "New York Daily Mail".
Auch von seiner Website verschwand die Ankündigung, Babys künftig mit Augen- oder Haarfarbe nach Wunsch "anbieten" zu wollen, rasch wieder.
Hübsche Kinder aus dem Reagenzglas
Dabei war der Pionier der In-vitro-Fertilisation anfänglich durchaus stolz auf seine Fortschritte in der Prä-Implantationsdiagnostik (PID). Über die "NY Daily Mail" verkündete er am Montag, dass es ihm erstmals möglich sei, auch optische Kriterien des Nachwuchses feststellen zu können.
Über einen Fragebogen wie "Soll Ihr Baby künftig blaue Augen haben?" hätten Eltern damit die Möglichkeit gehabt, das Aussehen ihres Nachwuchses mitzubestimmen. Die Selektion hätte im Reagenzglas unter den geschulten Augen von Steinberg und seinen Mitarbeitern stattgefunden.
11.000 Euro für das Wunschkind
Ob Steinberg sein Versprechen tatsächlich hält und auf eine Selektion nach optischen Kriterien auch langfristig verzichtet, bleibt dahingestellt. Denn für seine Klinik wäre es ein Millionengeschäft.
Bereits kurz nach seine Ankündigung von Montag hatten sich sechs Paare für die rund 14.000 Dollar (rund 11.000 Euro) teure Behandlung angemeldet. Darunter war etwa ein Paar, das nach zwei Kindern mit dem gleichen Geschlecht nun beim dritten Baby das Geschlecht mitbestimmten wollte.
Was geschieht mit "unpassenden" Embryonen?
Steinberg schlug nach seiner Ankündigung eine Welle der Empörung entgegen. Experten befürchteten, dass er mit seinem Angebot den eigentliche Zweck der Fertilisationsmöglichkeiten ad absurdum führt.
Die britische Fertilisationsärztin Gillian Lockwood brachte es gegenüber dem britischen Nachrichtensender BBC auf den Punkt: "Wenn wir dort angekommen sind, wo wir an Embryonen Gene für blaue Augen oder blonde Haare identifizieren können, was machen wir dann mit den ganzen Embryonen, die braune Haare oder grüne Augen haben?"
Auch Josephie Quintavalle vom Verein für reproduktive Ethik fürchtete, dass damit ein Prozess ausgelöst wird, durch den viel mehr Embryonen geschaffen werden, als man schließlich einpflanzen kann. Für sie bleibt dann nur die Entscheidung über "Achtlinge oder das eine mit der hübschesten Nase".
Kirche: Ethisch unannehmbarer Eingriff
Auch der Vatikan war alles andere als erfreut über Steinbergs "Durchbruch": "Es handelt sich um einen ethisch unannehmbaren Eingriff, mit dem man den Körper manipulieren und nach eigenem Belieben beherrschen will", kommentierte der emeritierte Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Elio Sgreccia.
Ende der Vielfalt?
Als "ethisch höchst bedenklich" bezeichnete der Referent für Ethik und Palliativmedizin der Ärztekammer für Wien, Michael Peintinger, die Ankündigung. Peintinger sparte auch nicht mit Kritik an den Eltern: "Es wird in die Individualität der Kinder eingegriffen, da sie nur nach den Wünschen der Eltern kreiert worden sind. Ist das wirklich eine Welt, in der wir leben möchten? Ohne Vielfalt und mit Kindern nach Maßstab?"
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Der Weg von Mensch zu Mensch,
ist oft weiter und schwieriger,
als der Weg von der Erde zum Mond.
angie
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