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Erziehungsfragen Hier können Fragen zur Erziehung erörtert werden.

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  #1  
Alt 06.06.2005, 17:31
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.992
Standard Selbständigkeit stärken und fördern

Hallo,

eines der wichtigsten Ziele in der Erziehung ist es (aus meiner Sicht),

die Selbständigkeit zu stärken und zu fördern.

Dies gilt natürlich auch für nicht behinderte Kinder. Aber gerade bei behinderten Kindern ist dies noch wichtiger.

Vor allem, weil man geneigt ist, einem behinderten Kind nicht das zuzutrauen, was es selbständig vielleicht schon kann.

Und selbst wenn es etwas nicht kann, aber gerne können möchte, muß man versuchen Wege zu finden, die das Kind nicht beschränken.

Ich habe gerade ein aktuelles Erlebnis: unsere Tochter (5) ist schon "groß" und möchte mithelfen. Heute versuchte sie zum zweiten Mal, ohne Unterstützung ihre Medizin zu nehmen ... alleine einzunehmen.

Sie bekommt für ihre Epilepsie Orfirilsaft in einer Spritze abgemessen zu trinken. Es sind etwas über 3 ml - also eine relativ kleine Menge. Aber sie kann sich diesen Saft nicht selbständig in den Mund spritzen, weil sie motorisch einfach nicht in der Lage dazu ist.

Sie nahm das richtige Ende in den Mund und biß darauf ... was dazu führte, daß ein Teil des Medikaments auf ihrer Hose und dem Teppich landete. Wegen der geringen Menge kann man nur schwer abschätzen, wieviel Saft sie wohl genommen hat und wieviel davon verloren ging. Sie nahm sich die bereitgelegte Spritze ohne mein Wissen vom Tisch, als ich mal kurz ins Bad musste.

Beim ersten Mal, als dies passierte (ist schon was her) hatten wir geschimpft ... "Medizin ist nicht zum Spielen da ..." Sie weinte bitterlich (weil unverstanden). Unsere Tochter kann nicht sprechen (nur Mama, Papa, Oma). Daher konnte sie auch nicht sagen, daß sie nicht spielen, sondern mithelfen wollte. Mir fiel erst viel später ein, dass sie wohl helfen wollte und selbständig sein wollte, eben ein großes Mädchen.

Heute reagierte ich anders: ich lobte sie, weil sie helfen wollte und gab ihr in etwa die Menge, die sie wohl brauchte. Ich konnte ihren Stolz spüren und ihre Freude, daß sie für ihre Mithilfe gelobt wurde ...
Ich werde die Spritzen höher legen - bis sie motorisch in der Lage ist, die Medizin auch zu nehmen und ich werde mit ihr mit Wasser üben, damit sie die nötigen Fähigkeiten trainieren kann.

LG

Mary

P. S.: Ich hoffe, mein Erlebnis hilft anderen ... ich würde mich über weitere Erlebnisse von Ihnen / Euch sehr freuen. Denn dann geht uns vielleicht manchmal "eher ein Licht auf" und wir merken schneller, was unsere Kinder wirklich wollten ... (das Schimpfen beim ersten Mal war falsch - aber ich hatte es ihr nicht zugetraut ... daß sie selbst die Medizin nehmen wollte. )
__________________
... schön Dich zu lesen ...


Hiermit untersage ich ausdrücklich aus datenschutzrechtlichen Gründen, mich als Kontakt in Netzwerken wie Facebook anzugeben! Bitte wahrt meine Persönlichkeitsrechte und die Bestimmungen des deutschen Datenschutzrechts. Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem empfehle ich z. B. den
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  #2  
Alt 10.02.2006, 21:53
Conny Conny ist offline
Forenhexe
 
Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard

Sowas kenne ich auch

Bezüglich der Feinmotorik habe ich einen ziemlich hilfreichen Buchtipp:

"Geschickte Hände
Feinmotorische Übungen für Kinder in spielerischer Form"
Sabine Pauli / Andrea Kisch
verlag modernes lernen - Dortmund
ISBN 3 - 8080 - 0442 - 8

Dieses Buch erklärt nicht nur auf einfache Weise alle Bereiche,
dir zur Feinmotorik dazu gehören -
es beinhaltet auch viele Angebote für jeden Bereich.
Einfach beschrieben und mit Fotos.

Ich hole mir viele Anregungen für meine Arbeit aus diesem Buch
aber diese Angebote können Eltern auch selber durchführen
und die Feinmotorik ihrer Kinder vielseitig fördern.
Vielleicht wäre das was für euch...?

Gibt es hier eigentlich eine Rubrik für Buchtipps?

alles Liebe,
Conny

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  #3  
Alt 10.02.2006, 22:03
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard

nachdem dieses buch als hilfsmittel gewertet wird kann man solche bücher gut bei hilfsmittel behinderungen unsotiere eintagen.auf jeden fall würde ich es so vorschlagen.und sobald eine ruprik für fachbücher eingerichtet ist kann man es dann in die neue ruprik schieben.
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  #4  
Alt 10.02.2006, 22:07
Conny Conny ist offline
Forenhexe
 
Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard

Gute Idee!
Danke Eva,
dann kopier ich das mal gleich dort rein.
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  #5  
Alt 11.02.2006, 19:55
jürgen jürgen ist offline
Grünschnabel
 
Registriert seit: 19.11.2005
Beiträge: 15
Standard

die Förderung eines Kindes, egal ob behindert oder nicht,sollte immer so viel wie nötig und sowenig wie möglich sein, um die Selbständigkeit zu fördern
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  #6  
Alt 12.02.2006, 13:54
Conny Conny ist offline
Forenhexe
 
Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard

stimmt jürgen -

ganz nach dem motto von maria montessori:

"Hilf mir es selbst zu tun"
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  #7  
Alt 18.03.2006, 22:10
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.992
Standard ein schönes Zitat dazu ...

Hallo,

das nachfolgende Zitat fand ich diese Woche auf der Titelseite unseres "Käseblättchens". Der Verfasser scheint dort regelmäßig Anzeigen zu schalten ... er ist eigentlich Marketingfachmann ...

Zitat:
Fürsorgeterror ist die
Unterwerfung eines
anderen, unter dem
Vorwand, ihm helfen
zu wollen:

"Bitte lass' das sein.
Du kannst das nicht.
Du schaffst das nicht.
Lass' mich das machen!"

(Günter F. Gross)

Ich fand es recht gut passend zu diesem Thema ...

LG

Mary
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  #8  
Alt 18.03.2006, 22:28
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard


Liebe Mary,

da ist viel Wahres drin.
Manchmal ist es aber schwierig abzuschätzen, inwieweit sich ein
geistig behindertes Kind in Gefahr bringen kann.

Ich bin auch sehr für die Förderung der Selbstständigkeit.

Kim ist aber auch ein Filou, die sich schon oft in Gefahr, sogar in
Lebnsgefahr gebracht hat, weil ich einen Augenblick unaufmerksam
war.

Z.B.: Medikamentenverteiler aufgemacht, ganze Tagesdosis genommen
(hatte vergessen, diesen in den Medikamentenschrank zu legen).
Kann ihr 1000 mal sagen, wie gefährlich das ist, kommt nicht an.

Sie hat keine Angst vor heißen Herdplatten(zigx verbrannt, nicht
daraus gelernt).

Klettern, weglaufen usw. sie hat nie gelernt Gefahr einzuschätzen
trotz schlechter Erfahrung.
Da habe ich schon alles mögliche versucht.

Das ist bei ihr Übereifer, sie möchte auch nur helfen und ich lasse
sie viel machen, allerdings mit großen Abstrichen.

Manch andere Dinge sage ich nur einmal und sie versteht sie
und handelt auch sofort danach.

Ich glaube auch, daß meine Angst mich manchmal zu fürsorglich
macht...arbeite ständig daran, nicht Glucke zu sein.


Gerade bei geistig Behinderten denke ich, muß man indiduell herausfinden,
was kann ich zulassen und was nicht.

LG
Nancy
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  #9  
Alt 18.03.2006, 22:40
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.992
Standard

Liebe Nancy,

das ist sicher immer so, dass man gerade bei Kindern mit geistiger Behinderung immer individuell schauen muss ...

... aber ich denke, der Text sollte auch einfach mal zur Reflektion anregen.

Denn auch ich neige dazu, manchmal unserer Tochter zu schnell etwas "abzunehmen" ...

Übrigens: Unsere Maus hat keine Angst vor Höhe ... und würde überall hin vorwärts krabbeln ... ich weiß also, wovon Du sprichst

LG

Mary
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  #10  
Alt 18.03.2006, 22:43
Jorinde Jorinde ist offline
Gast
 
Registriert seit: 13.09.2005
Beiträge: 42
Standard

Hallo Mary,

ich fand diesen Text gut und habe ihn mal in meinem Weblog veröffentlicht.

Jorinde
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