An dem Boom solcher Sendungen wie "Die Supernanny"
kann man ermessen, wie groß der Bedarf vieler Eltern für Beratung ist.
Solche Sendungen kann man natürlich in Frage stellen
und als 'Fachfrau' tue ich das auch.
Die eine oder andere 'Methode', die dort gezeigt wird,
ist mehr als fragwürdig...
Dennoch haben diese Serien auch ihr Gutes:
1. Das Problem an sich wird aus der Anonymität geholt
und somit ein Thema in der Öffentlichkeit.
2. Eltern sehen, dass sie nicht allein dastehen mit ihren Schwierigkeiten.
Vielleicht bekommen sie Mut sich ebenfalls Hilfe zu holen.
3. Es gibt einige konkrete Hilfen, die man sich abschauen kann.
Um solche konkreten Hilfen oder 'Umgangsweisen' soll es hier gehen.
Wenn Kinder nicht tun, was man ihnen sagt...
Gerade bei jüngeren Kindern kann man davon ausgehen,
dass das keine 'böse' Absicht ist. Wie im ersten Beitrag schon angesprochen
haben sie immer einen guten Grund. Für das was sie tun genauso
wie für das was sie nicht tun.
Wenn sie nun nicht tun, was man ihnen gesagt hat,
dann sind die häufigsten Gründe dafür:
1. Sie haben es (wirklich!) nicht gehört
(oder auch: sie haben das Gesagte nicht wahrgenommen)
Gerade kleinere Kinder sind noch ziemlich 'reizoffen'.
Mit reizoffen ist gemeint, dass sie alles mögliche auf einmal wahrnehmen
und ihre Aufmerksamkeit auf das lenken, was sie gerade am meisten interessiert.
Das kann ein Flugzeug sein, die Sirene eines Krankenwagens, der Fernseher oder was sonst gerade noch so spannendes passiert. Wenn ausgerechnet jetzt die Mama ruft: "Räume bitte deine Jacke weg", dann bekommen sie das sicher nicht mit.
Kleine Kinder haben noch Schwierigkeiten damit, sich auf etwas zu konzentrieren,
bzw. etwas bestimmtes aus all den Reizen und Eindücken aus ihrer Umgebung herauszufiltern.
Was kann man da tun?
Man kann dafür sorgen, dass man die ungeteilte Aufmerksamkeit des Kindes hat, z.B. indem man Blickkontakt herstellt und aufrechterhält. ("schau mich bitte an, ich möchte dir etwas sagen") Das kann auch schon über eine gewisse Distanz funktionieren.
Für manche Kinder ist das aber noch zu schwierig. Sie werden unruhig oder brechen den Blickkontakt von sich aus wieder ab, weil ihre Aufmerksamkeit schon wieder von etwas anderem in Anspruch genommen wird.
Hier hilft Körperkontakt. Ein Streicheln über den Rücken, über die Arme, die Hände liebevoll festhalten - zusammen mit dem Blickkontakt kann das 'Wunder' wirken. Meistens klappt es mit Nähe besser, als aus der Distanz heraus.
2. Das Gesagte wurde nicht verstanden
Wir machen uns viel zu selten klar,
was wir da eigentlich zu den Kindern sagen, bzw. was wir von ihnen verlangen. Oftmals sind unsere 'Aufträge' oder 'Anweisungen' viel zu komplex. Einige Beispiele:
Setz dich richtig an den Tisch (Was ist denn richtig?)
Sei lieb (Was genau ist jetzt mit 'lieb sein' gemeint?)
Jetzt nicht. Das kannst du gleich/später machen (Wann genau ist gleich/später?)
Räum dein Zimmer auf (Was genau wäre jetzt zu tun?)
Wer möchte, dass sein Kind einen Auftrag erfüllt oder eine Anweisung befolgt,
der sollte sich einfach, klar und konkret ausdrücken. z.B.:
Setz dich gerade an den Tisch.
Du brauchst nicht schreien. Sag mir ruhig, was du möchtest. Ich höre dir zu.
Das kannst du machen, wenn die Eieruhr klingelt, wenn der Zeiger auf der... steht.
Räume die Legosteine in die Kiste.
Mit zu komplexen oder unklaren Anweisungen überfordert man Kinder leicht. Wenn sie verstehen was man genau von ihnen erwartet, dann tun sie es in der Regel auch.
Wenn es sich dabei um 'Großaufträge'

(wie z.B. Zimmer aufräumen) handelt:
einfach in kleinere Schritte aufteilen.
3. Der Zeitpunkt ist unpassend
Klingt komisch? Nun ja, mag sein, aber es ist mir durchaus ernst damit.
Kinder werden genauso ungern in ihren Beschäftigungen unterbrochen wie Erwachsene. Alles, was Kinder von sich aus tun, ist ihnen sehr wichtig. Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass sie gerade ernsthaft dabei sind die Welt zu entdecken und erforschen. Für vieles ist auch noch Zeit, wenn sie mit ihrer Beschäftigung fertig sind. Wer ernst nimmt und wert schätzt was sein Kind tut und es nicht unnötig unterbricht, ist auch ein gutes Vorbild. Auf diese Weise lernen auch die Kleinen die Beschäftigungen anderer ernst zu nehmen und sie dabei nicht (allzuoft) zu stören.
4. Es lohnt sich nicht.
Leider läuft es oftmals folgendermaßen ab:
Alles was gut läuft, wird nicht weiter kommentiert, denn das sollte ja selbstverständlich sein. Was schlecht oder gar nicht läuft, erhält viel Aufmerksamkeit durch Meckern, Schimpfen, Vorwürfe oder ähnliches. Sowas nennt man 'negative Verstärker'.
Kinder brauchen im Grunde kein Geld, keine Süßigkeiten, keine besonderen Aktionen, keine Versprechungen oder sonst etwas als Belohnung. Was sie wirklich brauchen ist die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Erstaunlicherweise sind sie dabei nicht immer wählerisch. Die negative Aufmerksamkeit ist ihnen notfalls genauso lieb, wie positive. Aber eben nur notfalls - also wenn auf andere Art keine Aufmerksamkeit zu bekommen ist. Wer seinem Kind nur oder meistens für die 'schlechten' oder 'unerwünschten' Verhaltensweisen Aufmerksamkeit zukommen lässt, der verstärkt diese 'negativ'. Meint: Er erreicht damit in der Regel, dass genau die Verhaltensweisen vermehrt auftreten werden, die man gerade nicht wünscht.
Was gut läuft ist eben nicht selbstverständlich und verdient viel eher die Aufmerksamkeit. Ein Lob ist für die Kinder oft Belohnung genug. Und wenn ein Lob echt und konkret ist, hat es viele tolle 'Nebeneffekte': Es stärkt das Selbstwertgefühl. Es stärkt das Selbstvertrauen. Es stärkt das Selbstbewusstsein. Es macht die Kinder stolz auf ihre 'Leistung'. Es motiviert und beflügelt zu neuen und noch 'besseren' Leistungen.
Echtes und konkretes Lob heißt nicht nur zu sagen, dass das Kind etwas gut gemacht hat, sondern auch benennen was genau es gut gemacht hat. Sowas nennt man dann 'positive Verstärker' und damit kann man erreichen, dass sich 'erwünschte' Verhaltensweisen auf wunderbare Weise vermehren
Das klingt vielleicht erstmal ziemlich einfach.
Ich befürchte da allerdings eine kleine Schwierigkeit...
Viele Erwachsene haben richtig gut gelernt mit Kritik umzugehen und sich damit auseinanderzusetzen. Kritik kommt oft vor - wir sind sie gewohnt.
Welcher Erwachsene war schon in der Situation sich an Lob zu 'gewöhnen'.
In der Erwachsenenwelt ist Lob doch eher die Ausnahme.
Echtes Lob macht oft erstmal ein komisches Gefühl.
Manchmal kommt es so plötzlich und überraschend, dass wir gar nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Wie schnell wird es abgewehrt: "Och, das war doch nichts besonderes", "Nicht der Rede wert, hab ich doch gern gemacht", "Da nicht für, ist doch selbstverständlich",...
Wahrscheinlich war es was Besonderes...
Ganz sicher war es der Rede wert...
Was ist schon selbstverständlich...
Seine Kinder zu loben, mag ja noch gehen.
Sich gegenseitig zu loben ist erstmal komisch...
Nur Mut!
Auch wenn es vielleicht erst etwas merkwürdig anmutet.
Eins ist sicher: Es ist MERK - WÜRDIG
Unsere Kinder merken es.
Auch darin sind wir ihnen Vorbild!