Meine Story und wie ich damit umgeh
Es gibt ja sehr viele Arten von Behinderungen.
Ich lebe seit fast 16 Jahren mit meiner Behinderung, seit ich 10 bin.
Damals lief ich vor ein Auto. Wurde künstlich beatmet. Dadurch zog sich während des zweimonatigen Komas die Luftröhre zusammen. Folge war ein Luftröhrenschnitt.
Weitere Folge war die Lähmung der linken Körperhälfte durch Schädigung des Nervensystems.
Den linken Ellenbogen konnte ich anfangs kaum über 120 Grad strecken. Im linken Fußgelenk hatte ich eine Spitzfußstellung, die sich im Laufe der Zeit durch starke Spastik verstärkte.
Nach eineinhalb Jahren wurde mein linker Unterschenkel immer Wochenweise eingegipst, um eine Annehmbare Stellung zu erreichen. Nach 3 Monaten erhielt ich einen Innenschuh, mit dem ich aber zu dieser Zeit noch nicht laufen konnte. Der Fuß wurde gewissermaßen ruhig gestellt, da ich wieder ein Jahr im Rollstuhl war. Die Muskeln wurden gewisser Weise ruhig gestellt. Dehnübungen für die Hüftbeuger gemacht. (Früher wusste ich mal den Namen dieses Muskels) Ein Jahr später hatte ich einen Innenschuh, mit dem ich laufen konnte, ohne dass er drückte. Mit der linken Hand wurden verschiedentliche Übungen gemacht. Ich bin jedoch sehr auf die rechte Hand fixiert. Ich kann fast alles mit links, aber er ist entsetzlich langsam und teilweise auch anstrengend, da die Muskelspannung extrem ansteigt, wenn ich sie benutze. Jahrelang habe ich Musaril gegen die erhöhte Muskelspannung genommen. Seit 3 Jahren nehme ich diese nicht mehr, oder nur noch bei extremen Verspannungen. Auch die Wirkung ist jetzt natürlich verstärkt, weil der Körper die Tabletten nicht mehr gewöhnt ist.
Muss aber damit haushalten, denn ich weiß nicht, ob ich ohne weiteres wieder welche verschrieben bekomme. Ich denke aber.
Allerdings ist die Wirkung einer Tablette nicht zu unterschätzen. Nicht umsonst soll man nach Einnahme kein Auto fahren, wie mir mein neuer Arzt damals erklärte.
Betroffen von meiner Behinderung ist auch mein Kurzzeitgedächtnis sowie meine Konzentrationsfähigkeit. Auch diese haben sich im Laufe der Jahre extrem gebessert.
Nach 14 Monaten in der Reaklinik 1000 km von zuhause entfernt kehrte ich nach hause zurück. Ging in die 5 Hauptschulklasse und wechselte dann in die Realschulklasse, wo ich meinen Abschluss neben Krankengymnastik machte. Es waren immer wieder Kurzaufenthalte weit entfernt zur Innenschuhversorgung nötig.
In der Schule habe ich als einziger Behinderter die ganze Schule gespalten. Die einen haben mich gehasst, die anderen geliebt. Der Hass rührte daher, dass sich die Lehrer immer vor mich gestellt hatten. Eine gewisse „Normalität“ kehrte ein, nachdem ich mich in der 8 Klasse mit dem stärksten der Schule geprügelt hatte. (Ich habe mich in meinem Leben nach dem Unfall 4 Mal geprügelt) Zwei Mal in der Schule. Ich hatte es immer vermieden. Aber das zweite Mal war der Wendepunkt in meinem Schulleben. Die Gründe habe ich erst viel später wirklich verstanden. „Es ist nicht so, dass er sich versteckt, oder die Reaktion scheut, zögert, Angst hat. Es ist nur so, dass ständig alle Augen auf ihn gerichtet sind, und alle Augen aufpassen, dass ihm nichts passiert.“ Das war kontraproduktiv. Ich traf neulich einen Jungen aus der Paralellklasse von der alten Schule, die zusammengelegt wurden, den ich 7 Jahre nicht gesehen hatte. Er wollte mich gar nicht wieder loslassen.
Alles was ich wollte war Achtung. Die erreicht man nicht, wenn man jemanden versteckt. Auch meine Lehrerin gestand mir neulich, dass das wohl ihr größter Fehler gewesen wäre.
Nach der Schlägerei, die ich haushoch verlor, verlieren musste, fasste mich niemand mehr an. Niemand. Ich habe in meiner Schulzeit viel über Freundschaft und den Verrat dieser gelernt. Einerseits bin ich sehr sehr offen. An bestimmte Dinge kommt jedoch niemand heran.
Ich kenne sehr viele Menschen und werde von vielen geliebt, geschätzt, von einigen aber auch gehasst.
Ich falle überall auf. Das ist meine Natur. Regeln? Einschränkungen? Manche sind unsinnig und ich bin nicht auf den Mund gefallen.
Ich bin der einzige, der auf dem Hamburger Hauptbahnhof mit dem Kickboard fahren darf, obwohl es offizell verboten ist. Nachdem ein Bahnbeamter zu mir meinte, wenn ich mit dem Ding fahren könne, könne ich genauso gut laufen. Bei 80 % Behinderung eine Frechheit, und das habe ich auch gesagt. Seither sagt kaum noch jemand etwas, und wenn dann erkläre ich es ihm ganz ruhig.
Viele Regellungen die einen Behinderten Menschen beschweren, können umgangen werden, wenn man sie in einer sachlichen Weise rüberbringt. Sich vor dem Nutzen bestimmter Rechte zu scheuen, bringt überhaupt nichts.
Die Bahndirektion des Hamburger Hauptbahnhofs hat mir übrigens in einem Schreiben mitgeteilt, dass es aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt werden könne, dass ich mit dem Kickboard fahre. Es geht aber, wie man sieht.
Behinderte Menschen waren in der früheren Zeit oft Narren. Ich will das in keiner Weise abwertend darstellen. Auch ich nutze oft eine gewisse Narrenfreiheit, um gewisse Dinge tun zu können. Einfach weil es anders nicht geht. Und dabei habe ich keine Gewissensbisse.
Man muss sein tun nur darstellen können. Kommunikation ist alles.
LG Flipi
Der Luftröhrenschnitt wurde nach 2 Jahren wieder geschlossen. Allerdings ist die Luftröhre auf Grund von Narben nicht so gewachsen und sehr eng geblieben. Es ist bei Anstrengung sehr deutlich zu hören, was mich selbst selten stört.
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Ich bin der Ansprechpartner für Fragen zum Sozialrecht. Ich kann Hinweise geben, aber für eine Rechtsberatung sucht bitte einen Anwalt Eures Vertrauens auf.
Hemingway hat einmal gesagt:"Es gibt kein Problem, dass man nicht mit einem doppelten Scotch lösen kann", und dann hat er sich erschossen. (DmVgGzP)
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