Forum von Netzwerk behindertes Kind.de
Benutzerliste
Kalender
Hilfe
Heutige Beiträge
Forum von Netzwerk behindertes Kind.de
Nützliche Links
  #1  
Alt 09.09.2008, 21:17
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard Restless Legs Syndrom (RLS)

Definition des RLS

Essenzielle Kriterien
– Bewegungsdrang der Beine, meist verbunden mit unangenehmen Missempfindungen der Beine (Kribbeln, Ziehen,
Brennen, Krämpfe, Schmerzen), eventuell auch Mitbeteiligung der Arme
– Auftreten oder Verstärkung der Symptome in Ruhe oder Inaktivität
– völlige oder teilweise Besserung durch Bewegung (zumindest solange die Bewegung anhält)
– Verstärkung der Symptomatik gegen Abend oder nachts

Diagnoseunterstützende Kriterien
– positive Familienanamnese
– Ansprechen auf dopaminerge Therapie
– unwillkürliche Bewegungen (periodische Beinbewegungen im Schlaf-PLMS oder im Wachzustand-PLMW)

Assoziierte Kriterien
– typisch klinischer Verlauf: Frühform <50a, Spätform >50a
– Schlafstörungen
– unauffällige neurologische Untersuchung

Klinisches Bild

Das klinische Bild des RLS tritt typischerweise nur in Ruhe, beim Einschlafen, wiederholt im Verlaufe der Nacht oder bei körperlicher oder psychischer Entspannung auf (typische Auslösesituationen neben dem Einschlafen sind Theaterbesuche, lange Autofahrten, Ruhigstellung der Extremitäten durch Gipsverbände etc.). Die Patienten berichten in dieser Situation von unangenehmen Parästhesien, die sich ausgehend vom Sprunggelenk über die Unterschenkel und Knie bis zum Oberschenkel ausbreiten können oder aber in einer Etage sistieren und ein- oder beidseitig auftreten. Selten sind auch Arme und Hände betroffen. Die Missempfindungen werden in der Regel nicht oberflächlich und hautnah, sondern "tief in den Muskeln oder Knochen" verspürt. Nur Bewegung vermag die Beschwerden kurzfristig zu lindern. Der Bewegungsdrang ist so imperativ, dass die Patienten ständig die Beine bewegen oder massieren müssen. Nach einem Zeitraum von wenigen Minuten bis zu einer Stunde verringern sich die Beschwerden so weit, dass der Patient wieder zu Bett gehen kann. Kaum entspannt sich der Betroffene, treten die Beschwerden erneut auf. Dieser Circulus vitiosus führt zu schweren Schlafstörungen und in Folge zu einer massiven Einschränkung der Lebensqualität. Nur bei ganz milden Verläufen ist es den Patienten möglich, trotz der Parästhesien zu schlafen.
Das RLS ist durch einen chronischen, aber fluktuierenden Verlauf gekennzeichnet. Beschwerdefreie Intervalle variabler Dauer können vorkommen. Vor allem der Erkrankungsbeginn ist durch von Nacht zu Nacht unterschiedliche Dauer und Intensität der Symptome charakterisiert. Insgesamt zeigt sich jedoch eine Progredienz der Erkrankung mit zunehmendem Lebensalter.
Epidemiologie

In der ersten detaillierten Beschreibung schätzte Ekbom 1945 die Prävalenz des RLS auf 5 % in der Normalbevölkerung. Nach neueren epidemiologischen Studien geht man davon aus, dass etwa 10-15 % der Bevölkerung davon betroffen sind. Frauen scheinen laut den meisten Studien doppelt so häufig wie Männer betroffen zu sein. Vermutlich sind 10-25 % aller RLS-Patienten therapiebedürftig.
Einteilung und Pathophysiologie

Man unterscheidet die idiopathische Form von den symptomatischen Formen.
Idiopathisches RLS Bei diesem kann zum Teil ein autosomal-dominanter Erbgang (positive Familienanamnese bei 50-68 % der Fälle) verfolgt werden. Es werden eine Frühform und eine Spätform unterschieden. Die genetische Form des RLS scheint mit einer schwereren Ausprägung und schnellerer Progredienz einherzugehen. Dauerhafte Spontanremissionen der idiopathischen Form sind nicht bekannt. Die pathophysiologischen Mechanismen des RLS sind noch nicht vollständig aufgeklärt, jedoch haben neurophysiologische, zirkadiane, pharmakologische und bildgebende Verfahren zum Verständnis der Erkrankung beigetragen. Neben einer Hyperexzitabilität spinaler Bahnen wird eine Dysfunktion subkortikaler dopaminerger Systeme angenommen, für die vor allem eine Störung des Eisenmetabolismus verantwortlich gemacht wird.
Symptomatisches RLS
Die häufigste Ursache des symptomatischen RLS ist die Schwangerschaft (30 %), wobei sich die Symptome nach der Entbindung in der Regel wieder von selbst zurückbilden. Weitere häufige Ursachen sind: Eisenmangel (bei 25 % latent: ohne Anämie, ohne mikrozytäres BB und bei noch normalem Serumeisen mit lediglich erniedrigten Ferritinwerten), Urämie (23-30 %), besonders bei dialysepflichtiger Niereninsuffizienz und rheumatoider Arthritis. Sehr häufig tritt das RLS auch symptomatisch im Rahmen einer Polyneuropathie auf. Ebenso wurden sekundäre Formen in Anschluss an eine spinale Anästhesie, bei spinalen Läsionen, bei Hyper- beziehungsweise Hypothyreose sowie bei Vitamin B12- und Folsäuremangel beschrieben. Nicht selten zeigt sich auch eine Co-Morbidität von RLS mit Morbus Parkinson.
Zahlreiche Medikamente können ein RLS induzieren oder zumindest deutlich verschlechtern. Hierzu zählen vor allem Dopamin-Rezeptor blockierende Pharmaka, insbesondere Neuroleptika und Antiemetika. Seltener rufen auch tri- und tetrazyklische Antidepressiva, SSRIs, Lithium, H2-Blocker und Koffein RLS-Symptome hervor.

Auch Kinder können bereits am RLS erkranken, wobei die ähnliche Symptomatik noch häufiger verkannt wird als im Erwachsenenalter. Sie beklagen häufig abendliche oder nächtliche Schmerzen der Beine, die meist als "Wachstumsschmerzen" fehlinterpretiert werden. Möglicherweise ist eine "Attention deficit hyperactivity disorder" oder das Syndrom des hyperaktiven Kindes klinischer Ausdruck eines RLS im Kindesalter. Typische Anzeichen sind ausgeprägte Unruhe beim Zubettgehen mit heftiger Aktivität in den Beinen sowie häufiges Umdrehen im Bett und mehrfaches nächtliches Erwachen, gefolgt von Aufstehen. Bei Kindern ist bei klinischem RLS-Verdacht in jedem Fall eine Schlaflaboruntersuchung notwendig.
Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch müssen die mitunter schmerzhaften Missempfindungen des RLS von den Schmerz- und Sensibilitätsstörungen bei Polyneuropathien (etwa im Rahmen eines Diabetes mellitus) unterschieden werden. Letztere erfahren in der Regel keine wesentliche Beeinflussung durch Bewegung; sie sind meist auch nicht mit Bewegungsdrang verbunden und zeigen vor allem nicht die klassische Koppelung an Phasen der Ruhe beziehungsweise die Abendstunden und das Zubettgehen wie das RLS.
Weiters sind vor allem Wurzelreizsymptome (Dermatomverlauf!), Wadenkrämpfe (schmerzhafte, manchmal auch tastbare, Muskelinduration), arterielle Durchblutungsstörungen der Beine und chronisch venöse Insuffizienz, Neuroleptika-induzierte Akathisie (Medikamentenanamnese!), painful legs and moving toes sowie benigne Einschlafmyoklonien differenzial-diagnostisch vom RLS abzugrenzen. Selbstverständlich können auch verschiedene Krankheitsbilder parallel auftreten.

Diagnostik

Jeder Patient muss sowohl anamnetisch, labordiagnostisch als auch neurologisch untersucht werden. Bei Verdacht auf eine multifaktorielle Insomnie ist der Weg ins Schlaflabor unumgänglich.
Laboruntersuchungen
Um sekundäre Formen des RLS von der idiopathischen Form eindeutig abgrenzen zu können, zählen folgende Untersuchungen zur Routinediagnostik: Differenzialblutbild, Serumeisen, Ferritin, Transferrin, Nüchternblutzucker, eventuell mit Hba1c, Vitamin B12, Folsäure, Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff) und Schilddrüsenparameter.
Neurologische und neurophysiologische Untersuchungen
Neurologisch sollte vor allem auf eine Polyneuropathie, einen spinalen Herd und andere neurologische Erkrankungen als mögliche Ursache für ein sekundäres RLS geachtet werden.
Weitere neurophysiologische Untersuchungen umfassen Aktigrafie, Elektroneurografie (NLG) und Myografie (EMG). Letztere spielen in der differenzialdiagnostischen Abgrenzung von symptomatischem RLS im Rahmen peripherer Neuropathien eine besondere Rolle. Die Durchführung bildgebender Verfahren ist in der Routinediagnostik in der Regel nicht erforderlich.

Die Polysomnografie ist der Goldstandard in der objektiven RLS-Diagnostik und vermittelt Einblicke in die Störungen der Mikro- und Makrostruktur des Schlafes. In der Mikrostruktur zeigt sich bei mehr als 90% der RLS-Patienten das Auftreten von periodischen Beinbewegungen im Schlaf (periodic leg movements in sleep, PLMS). Die Makrostruktur des Schlafes ist gekennzeichnet durch vermehrte Wachstadien (Ein-, Durch- und Ausschlafstörungen), verminderte Schlafeffizienz, reduzierte effektive Schlafzeit und erhöhte Aufwachanzahl. Die Schlafarchitektur zeigt vermehrte Dämmerschlafstadien S1, reduzierte Stadien S2 und S3 + S4 sowie erhöhten Stadienwechsel.
Das RLS ist selten die alleinige Ursache von Schlafstörungen, da gerade RLS-Patienten erhöhte Depressions- und Angstscores aufweisen. Bei einer multifakoriellen Insomnie ist die Bewegungsstörung oft nur ein Teilaspekt. Die Polysomnografie hilft nicht nur, andere Aspekte zu objektivieren (zum Beispiel schlafbezogene Atmungsstörungen), sondern kann Arzt und Patienten auch die Therapieentscheidung erleichtern.
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 08.04.2009, 09:24
Benutzerbild von angelika
angelika angelika ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 08.02.2006
Ort: rotterdam und wien
Beiträge: 7.502
Standard

Restless Legs: Dicker Bauch lässt Beine zucken

München (netdoktor.de) - Übergewicht und ein großer Bauchumfang erhöhen offenbar das Risiko, am Restless-Legs-Syndrom zu erkranken. Zu diesem Schluss kommen Mediziner der Harvard School of Public... mehr
__________________
Der Weg von Mensch zu Mensch,
ist oft weiter und schwieriger,

als der Weg von der Erde zum Mond.
angie
Mit Zitat antworten
Antwort


Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Erstellt von Forum Antworten Letzter Beitrag
Metabolisches Syndrom bei Kindern: Mit dem Maßband das Risiko abschätzen? vienetta Medizinische Infos 0 09.03.2008 14:03
Ein Gen für das metabolische Syndrom vienetta Medizinische Infos 0 04.03.2007 23:29
Smith-Lemli-Opitz Syndrom vienetta Formen der Behinderungen 0 28.12.2006 19:24
Cornelia de Lange Syndrom CdLS kimcorneliadelange Formen der Behinderungen 0 11.08.2005 21:14


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 00:22 Uhr.
Powered by vBulletin Version 3.5.4 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
Content Relevant URLs by vBSEO 2.4.0
Copyright 2005 - 2011 Netzwerk behindertes Kind.de ***** Sämtliche Inhalte dieses Forums erheben keinen journalistisch-redaktionellen Anspruch.