
09.09.2008, 21:22
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Aortenklappenstenose
Aortenklappenstenose
Definition
Systolische Querschnittsminderung des linksventrikulären Ausflusstraktes, isoliert oder in Kombination mit Aorteninsuffizienz und Mitralvitien: Männer > Frauen. Lokalisation meist direkt an der Klappe = valvuläre Stenose; supra- und subvalvuläre Stenosen sind weitaus seltener.
Ursache
Im jugendlichen Alter überwiegend Endocarditis rheumatica, selten angeboren; im höheren Alter häufig durch Klappensklerose
Hämodynamik
Druckbelastung des linken Ventrikels ab einer Öffnungsfläche von < 2 cm² mit Ausbildung eines Druckgradienten an der Aortenklappe, in der Folge konzentrische Hypertrophie des linken Ventrikels und Abnahme der Dehnbarkeit; evtl. Störung der diastolischen Compliance
Allgemeine Symptome
Meist über viele Jahre Beschwerdefreiheit, dann:
– rasche Ermüdbarkeit
– Schwindel
– Synkopen
– Dyspnoe
– u. U. Asthma cardiale, Stenokardie
Kardiale Diagnostik
Klinische Symptome- hebender verbreiterter Spitzenstoß, evtl. systolisches Schwirren rechts vom Sternum, über den Karotiden und im
Jugulum; pulsus parvus et tardus = Spätsymptom
- Herz normal oder nach links verbreitert
- systolisches Crescendo-Decrescendo-Geräusch, p.m. über der Aorta und Fortleitung in die Gefäße. Erster Herzton
normal oder abgeschwächt, zweiter Herzton mitunter paradox gespalten. Nicht selten frühsystolischer Klick und
Vorhofton, gelegentlich kurzes diastolisches Aorteninsuffizienzgeräusch
- Blutdruck: normal oder erniedrigt, kleine Amplitude. Hoher Blutdruck schließt Aortenstenose nicht aus, im Alter
relativ häufig!
EKGLinkstyp, evtl. Linksschädigung, Linkshypertrophie
Echokardiographie einschließlich Dopplerverfahren
verminderte Separation der Aortenklappen, Hypertrophie von Septum und Hinterwand, evtl. Nachweis von Klappenkalk, im Doppler Bestimmung des Druckgradienten oder der Klappenöffnungsfläche
Röntgenbefundaortal konfiguriertes Herz, später dilatiert
Aortenklappeninsuffizienz
Definition
Diastolische Schlussunfähigkeit der Aortenklappen mit Volumenbelastung des linken Ventrikels. Isoliertes Vorkommen jetzt selten, früher häufiger. Häufig Kombination mit Aortenstenose und Mitralvitien: Männer > Frauen
Ursache
chronische Form
- Erweiterung der Aortenwurzel
- bikuspide Aortenklappe
- rheumatisch, häufig kombiniert mit Aortenstenose und Mitralvitium
akute Form
- infektiöse Endokarditis
- Sinus-Valsalva-Ruptur
- Aortendissektion
- Trauma
Hämodynamik
chronische AI
Volumenbelastung des linken Ventrikels (diastolischer Rückstrom) mit exzentrischer Hypertrophie. Schlagvolumen und enddiastolisches Volumen nehmen zu. Bei Dekompensation ausgeprägte linksventrikuläre Dilatation.
akute AI
keine effektiven Kompensationsmechanismen, dadurch akute Erhöhung des linksventrikulären diastolischen Druckes und plötzliche Abnahme des HZV
Allgemeine Symptome
chronische AI
meist lange Beschwerdefreiheit; dann als Zeichen der beginnenden Dekompensation:
- Dyspnoe
- evtl. Asthma cardiale
- Stenokardie
- Herzpalpitationen
- Schwindel
- Schweißneigung
akute AI
akute Dyspnoe, Lungenödem und Blutdruckabfall ––> therapierefraktäre Herzinsuffizienz
Kardiale Diagnostik
klinische Symptome
- hebender, nach außen verlagerter Spitzenstoß; pulsus celer, altus et frequens; positiver Kapillar- und
Volumenpuls
- Herz auch bei kardialer Kompensation häufig nach links verbreitert
- hochfrequentes diastolisches Sofortgeräusch mit p.m. über Herzmitte oder am linken Sternalrand. Kurzes
systolisches Geräusch einer relativen Aortenstenose. Erster und/oder zweiter Herzton normal oder leise, paradoxe
Spaltung möglich. Häufig frühsystolischer Klick, gelegentlich apikales diastolisches, meist präsystolisches
Intervallgeräusch (Austin-Flint)
- Blutdruck: systolisch meist erhöht; große Amplitude
EKGLinksverspätung und -schädigungszeichen, Linksschenkelblock. Häufig Q links präkordial
EchokardiographieDiastolische Vibrationen des vorderen Mitralsegels, Zeichen von Volumenbelastung, Nachweis des Rückstroms im 2D-UKG und Dopplerverfahren (retrograde Wirbelbildung im linken Ventrikel; nur mittelgradige Sensitivität und Spezifität). Bestimmung der linksventrikulären Diameter und der Auswurffraktion.
Hinweis oder Nachweis nichtendokarditischer Ursachen, z. B. Aneurysma der Aorta ascendens, Marfan-Syndrom
Röntgenbefund
Linksverbreiterung des Herzens bei aortaler Konfiguration. Erweiterung der Aorta ascendens. Später Vergrößerung des linken Vorhofs und Lungenstauung. Bei akuter AI unauffällige Herzkonfiguration.
SeitenanfangTherapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr, überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben.
Aortenklappenstenose
Konservative Behandlung
–körperliche Schonung, nicht "trainierbar"!
–herzwirksame Glykoside, sobald Insuffizienzsymptome oder Vorhoftachyarrhythmien auftreten: Digoxin,
Acetyldigoxin, Digitoxin. Dauerdigitalisierung!
–Compliancestörung infolge Linkshypertrophie: "Linksherzinsuffizienz" bei normaler Herzgröße. Betablocker,
Kalziumantagonisten, kein Digitalis!
–Nachlastsenkung (siehe Herzinsuffizienz)
–bei Aortenstenose mit Stenokardie (siehe Angina pectoris)
– Cave: Drucksenkung bei Verwendung von Nitroglyzerinderivaten!<SPAN style="COLOR: black">
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