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Sabrina Ullrich hilft Autisten, im normalen Schulalltag zu bestehen
Enger. "Sie würden unsere Welt gern verstehen", ist sich Sabrina Ullrich sicher. Sie selbst pendelt zwischen zwei Welten, wie sie sagt: unserer und der von vielen Kindern. Als "Filter und Dolmetscherin" begleitet sie autistische Kinder im Schulalltag und hilft ihnen so ein Stück weit, sich auch in der "anderen" Welt zurechtzufinden.
Für Autisten sei die Welt konfus, beschreibt Ullrich. "Im Allgemeinen denken sie zu logisch", sagt die studierte Heil- und Sonderpädagogin und nennt auch gleich ein Beispiel: "Wenn man einem autistischen Kind einen Stuhl gibt und sagt: ,Setz dich bitte in den Stuhlkreis', wird es genau den Mittelpunkt des Kreises suchen, um den Stuhl dorthin zu stellen" - und mitunter an der Aufgabe nahezu verzweifeln, weil es den genauen Mittelpunkt des Kreises nicht auszumachen vermag.
Ullrichs Aufgabe ist es, die nötigsten Informationen für das Kind herauszufiltern. Als selbstständige Schulbegleiterin hilft sie Autisten, sich im Schulalltag zurechtzufinden. Denn eigene Schulen gibt es für Autisten nicht, sie besuchen Regelschulen. Ob sie jemand im Unterricht begleitet, entscheidet das Jugendamt, das die Aufträge dann an Menschen wie Sabrina Ullrich weiterleitet.
Im Unterricht wiederholt sie dann Arbeitsaufträge für ihre Klienten, erklärt den Autisten richtiges soziales Verhalten in der Gruppe, beruhigt sie, wenn die Belastung durch Menschenmassen zu groß wird und schützt sie gelegentlich auch vor sich selbst. "Krisenintervention" nennt Ullrich das.
Um dies leisten zu können, muss allerdings eins gegeben sein: "Die Chemie zwischen mir und dem Kind muss stimmen." Nur so kann sie sein Verhalten später richtig deuten. Wenn der Autist sie nicht anerkennt, kann Ullrich nicht helfen. Deshalb sei es auch wichtig, ein Kind möglichst lange zu begleiten und nicht ständig die Betreuer zu wechseln. Die gebürtige Spengerin weiß: "Für Autisten ist es der Horror, wenn ihre Struktur durcheinandergebracht wird."
Deshalb sucht sie einen roten Faden für die Kinder - gemeinsam mit den jeweiligen Lehrern. Mit denen verständigt sich die Integrationskraft auf Förderziele. Auch Eltern und Jugendamt werden regelmäßig über die Arbeit der 30-Jährigen informiert. "Wir wollen gerade die Eltern nicht allein lassen", betont sie. Deshalb sind sie und ihr Kollege auch Ansprechpartner für betroffene Eltern.
Nun soll eine Selbsthilfegruppe aufgebaut werden. Das erste Treffen ist bereits am 7. November um 19.30 Uhr an der Brandstraße in der Nachhilfeschule "time2learn", dessen Räume Ullrich mitnutzt.
Doch nicht nur Betroffene sind zu diesem Treffen eingeladen, sondern auch Interessierte, die sich über die noch immer weitgehend unbekannte tiefgreifende Entwicklungsstörung informieren wollen. "Der Informationsbedarf ist hoch", bestätigt auch Regina Böhnke, Leiterin des Autisten-Wohnheims Spatzenberg in Löhne. Selbst in Ärztekreisen herrsche oft noch Unwissenheit. Eine Schulbegleitung für Autisten findet Böhnke sinnvoll. So könnten sie integriert und soziale Kontakte angebahnt werden.
Für Sabrina Ullrich endet die Begleitung in der Schule im Idealfall nach zwei bis drei Jahren, wenn sich die Autisten allein zurecht finden. Und auch wenn die "Welt der Autisten eine Welt für sich" ist, könnten sie doch lernen, auch in unserer Welt zu leben. "Es gibt viele Ärzte und Rechtsanwälte, die Autisten sind", betont Ullrich. "Und auch bei Albert Einstein und Bill Gates wird vermutet, dass sie Autisten waren oder sind."
Quelle:
http://www.nw-news.de/nw/lokale_news/en ... nt=2622655