Einengung des Gesichtsfeldes

Beim klassischen Verlauf der RP beginnt sich das Gesichtsfeld von den Außenzonen her einzuengen, bis nur ein kleiner Sehrest im Zentrum übrigbleibt, der sog. Tunnelblick oder das Röhrengesichtsfeld.
Abb. 2: "Tunnelblick"
Diesen Tunnelblick kann man Nichtbetroffenen durch eine schwarze Brille mit einer kleinen Öffnung in der Mitte leicht deutlich machen. Bei dieser typischen Form der RP ist die Orientierung im Raum erheblich erschwert, während das Sehen im Zentrum noch funktioniert.

Also kann es durchaus vorkommen, daß ein RP-Betroffener mit Tunnelblick zwar schon den Blindenstock für die Orientierung benutzen muß, daß er aber noch ohne Brille die Tagszeitung lesen kann. Wegen dieses offensichtlichen Widerspruchs läuft der Betroffene Gefahr, als Simulant bezeichnet zu werden.
Abb. 3: "blinder" Zeitungsleser
Häufig wird dem Betroffenen seine Einschränkung des Gesichtsfeldes nicht oder erst nach einem Unfall bewußt, denn die abgestorbenen Zonen erscheinen nicht als schwarze oder weiße Flecken (wie in Abb. 2), sondern sie werden vom Gehirn je nach Umgebung ergänzt.
In vielen Fällen schreitet die Netzhautzerstörung auch anders voran. Die Ausfälle können als Ring um das Zentrum (Ringsskotom) oder fleckenförmig auftreten. Möglich ist auch ein zunächst zentraler Befall, hierbei beginnt die Schädigung untypischerweise in der Gesichtsfeldmitte (inverse RP). Bei dieser inversen Form der RP ist, anders als beim Tunnelblick, das Zentrum (die Makula) stärker betroffen, während die Randzonen noch erhalten sind. Dadurch sieht der Betroffene in seiner Blicklinie nichts, er muß daher geschickt an allen Gegenständen vorbeisehen, um sie optimal zu erfassen. Außerhalb des Sehzentrums nimmt bekanntlich die Sehschärfe ab, auch beim Augengesunden. Dies hat zur Folge, daß der von inverser RP Betroffene schon sehr früh eine Lupe braucht,um noch lesen zu können, während die Orientierung im Raum noch längere Zeit problemlos ist. Auch wenn die Frühsymptome dieser inversen RP denen bei
Makuladegenerationen sehr ähnlich sind, muß darauf hingewiesen werden, daß diese beiden Erkrankungen hinsichtlich ihres Verlaufs und ihrer Ursachen unterschiedlich sind.
Dämmerungs-
sehen und Nachtblindheit
Oft bereits vor der Einengung des Gesichtsfeldes hat das Absterben der Stäbchen den Verlust ausreichender Sehwahrnehmung in Dämmerung und Dunkelheit zur Folge. Der Betroffene, der in der Dunkelheit fast blind ist, ist in seiner Mobilität sehr eingeschränkt und auf Hilfe angewiesen. Bei Tage kann der RP-Betroffene anfangs noch gut sehen, hat allerdings Anpassungsschwierigkeiten bei raschem Wechsel von Hell und Dunkel, z.B., wenn er aus starkem Sonnenlicht in einen schattigen Raum tritt.
Farb-/ Kontrastsehen und Blendungs-
empfindlichkeit
Der RP-Krankheitsprozeß schädigt, wie gesagt, außer den Stäbchen auch — meist erst zu einem späteren Zeitpunkt — die Zapfen, die nicht nur die Empfindung Licht, sondern durch das Zusammenwirken benachbarter Zapfen die Empfindung für Kontrast vermitteln. Fallen Zapfen aus, kann diese Funktion nicht mehr imvollen Umfang geleistet werden. Dunkle Bilddetails erscheinen dem RP-Betroffenen von Helligkeit überstrahlt.
Dies ist auch einer der Gründe für die Blendungsempfindlichkeit vieler RP-Betroffener. (Ein zweiter Grund für Blendung ist der häufig bei RP auftretende Graue Star. Das einfallende Licht wird an der getrübten Linse gestreut und verstärkt noch zusätzlich die Blendungsempfindlichkeit — siehe
grauer Star).
Das Zusammenspiel der Zapfen ist eine wesentliche Voraussetzung für das Farbensehen. Beim RP-Krankheitsprozeß führen Zapfenausfälle zu Störungen bei der Farbwahrnehmung, häufig zunächst im Blaubereich.
© '95 Deutsche Retinitis Pigmentosa-Vereinigung e.V. (DRPV) Selbsthilfevereinigung zur Verhütung von Blindheit