
12.06.2006, 05:33
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epilepsie-behandlung
Standard der Epilepsie-Behandlung http://www.epilepsie.at/php/res.php?file=print.gifZiel der Epilepsie-Behandlung ist es, das zukünftige Auftreten epileptischer Anfälle dauerhaft zu verhindern oder, falls dies nicht möglich ist, ihren Schweregrad und ihre Häufigkeit zu reduzieren. Je nach Anfallsform, Vorgeschichte des Patienten, Untersuchungsbefunden und angestrebtem Therapieziel
stehen dabei unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: - Im Zentrum der Epilepsiebehandlung steht die medikamentöse Therapie. Sie führt in etwa
zwei Drittel der Fälle zur Anfallsfreiheit. Es gibt zahlreiche Wirkstoffe, deren Wahl sich vor
allem nach der Epilepsieform und den Patientennotwendigkeiten und -bedürfnissen richtet.
Neben klassischen Präparaten, die sich über viele Jahre aufgrund ihrer guten Wirksamkeit
bewährt haben, gibt es seit Anfang der 90er Jahre auch Medikamente, die günstigere pharmakologische
Eigenschaften aufweisen. Sie werden daher bei gleich guter Wirksamkeit oft besser vertragen. - Bei einem Teil der Patienten, denen Medikamente nicht helfen, kann ein epilepsiechirurgischer
Eingriff sehr erfolgreich sein. Voraussetzung ist, dass der Epilepsieherd lokalisiert werden kann und eine Entfernung des Herdes ohne zusätzliche Einschränkungen der Hirnleistung möglich ist. - Die Vagusnerv-Stimulation ist ein Therapieansatz für schwer behandelbare Patienten, die
nicht Kandidaten für einen epilepsiechirurgischen Eingriff sind. Dabei wird ein im Brustbereich implantiertes elektrisches (schrittmacherähnliches) Gerät mit dem Vagusnerv im Halsbereich
verbunden. Regelmäßige elektrische Reizung des Nervus Vagus führt allmählich zu einer Reduktion der Häufigkeit der epileptischen Anfälle bei etwa der Hälfte der Patienten. Bis dieser Erfolg eintritt, vergeht manchmal ein ganzes Jahr. Die Vagusnerv-Stimulation kann auch die depressiven Verstimmungen von Epilepsie- Patienten deutlich verbessern.
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12.06.2006, 05:34
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Epilepsie-Therapie bei Kindern http://www.epilepsie.at/php/res.php?file=print.gifNeu entwickelte Antiepileptika stellen zwar eine Alternative bei Resistenzen oder Nebenwirkungen dar. Besonders im Bereich der Pädiatrie nehmen aber bewährte Substanzen wie Carbamazepin (Neurotop®) und Valproinsäure (Convulex®) als first-line Medikation nach wie vor eine dominante Rolle in der medikamentösen Epilepsie-Therapie ein.
In Fällen gleicher Wirksamkeit spricht vor allem ihr wesentlich günstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis für den Einsatz als Standardtherapie. Weiters bestehen für den Einsatz der neuen Substanzen auch strenge Alterseinschränkungen.
Wie hoch ist die Inzidenz echter Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen in Österreich?
In Österreich muss man davon ausgehen, dass etwa 0,5% aller Kinder eine echte Epilepsie aufweisen.
Im Gegensatz dazu treten Gelegenheitskrämpfe, besonders die so häufigen Fieberkrämpfe, bei etwa 5% aller Kinder auf.
Bei Kindern und Jugendlichen treten verschiedene Epilepsie-Syndrome altersspezifisch auf.
Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Formen, gereiht nach Altersstufen.
Es trifft zu, dass es für das Kindesalter ganz typische altersspezifische Epilepsieformen bzw. Epilepsiesyndrome gibt. Für das Säuglingsalter ist hier vor allem das West-Syndrom zu erwähnen, das sich klinisch durch Blitz-Nick-Salaam (BNS)- Krämpfe äußert und das im EEG ein pathognomonisches Korrelat, nämlich die Hypsarrhythmie, bietet
Bei Kleinkindern sieht man das Lennox-Gastaut-Syndrom, das sehr verschiedene Anfallstypen zeigt, nämlich Absencen, Sturzanfälle, atonische und astatische, aber auch große Anfälle.
Zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr kommt es zum Auftreten der sogenannten benignen Partialepilepsien des Kindesalters, die durch verschiedene, überwiegend fokale, meist nächtlich auftretende Anfälle charakterisiert sind und häufig mit einer Beeinträchtigung der Sprache bzw. des Sprechens einhergehen.
Bei Schulkindern, mehr bei Mädchen als bei Buben, kennen wir noch die Absencen - Epilepsie, im Rahmen der es pro Tag zu bis zu 100 Absencen kommen kann, sodass die Schulleistung dieser Kinder stark beeinträchtigt sein kann.
Während der Pubertät und Adoleszenz gibt es noch verschiedene juvenile Epilepsien, insbesondere das juvenile Impulsiv Petit Mal, das durch kurze myoklonische Zuckungen, meist in den frühen Morgenstunden, charakterisiert ist
Kinderärzte stehen oft vor dem Problem, hei welchem Kind und welchem Fieberkrampf eine prophylaktische Therapie einzusetzen ist, um weitere Anfälle oder den Übergang in eine chronische Epilepsie zu verhindern.
Welche Kriterien sind für Sie im praktischen Vorgehen entscheidend für den Einsatz von Antiepileptika?
Bei den Fieberkrämpfen ist immer zu unterscheiden, ob es sich um sogenannte einfache oder komplizierte handelt. Komplizierte Fieberkrämpfe treten schon bei wenig Fieber auf, gehen mit neu­rologischen Ausfällen einher oder haben ein pathologisches Intervall - EEG.
Von solchen komplizierten Fieberkrämpfen wissen wir, dass sie in 40% in eine Epilepsie übergehen können. Einfache Fieberkrämpfe hingegen weisen derartige Komplikationsfaktoren nicht auf, sie markieren auch nur in 5% den Beginn einer Epilepsie. Für eine antikonvulsive Behandlung kommen somit nur komplizierte Fieberkrämpfe, die in der Gesamtzahl aller Fieberkrämpfe etwa 10% ausmachen, in Überlegung.
Doch ist man auch hier zunehmend zurückhaltender geworden, weil man doch die Nebenwirkungen einer antikonvulsiven Dauertherapie fürchtet und weil trotz dieser Behandlung Fieberkrämpfe nicht sicher genug beherrschbar sind. Fieberkrämpfe sind meinem Dafürhalten nach nur dann einer antikonvulsiven Dauerbehandlung zu unterziehen. wenn sie als komplizierte Fieberkrämpfe gehäuft auftreten, mit kurzen Intervallen, und zusätzlich ein pathologisches Intervall -EEG bestellt..
Trotz aller neuen Antikonvulsiva, die in den letzten Jahren eingeführt worden sind. stellen Carbamazepin und Valproinsäure weiterhin die Mittel der ersten Wahl hei den meisten Epilepsieformen dar. Für uns ist nach wie vor Valproinsäure bei den primär generalisierten Epilepsien das Mittel der ersten Wahl und Carbamazepin bei den partiellen und sekundär generalisierten Anfallen.
Mit beiden Medikamenten hat man über Jahre hinweg ausgezeichnete klinische Erfahrungen, man kennt ihr Nebenwirkungsmuster und ihre hohe Effektivität in den genannten Indikationen. Nur wenn mit diesen beiden Medikamenten nicht der erwartete Erfolg erreicht wird. weichen wir auf andere Antikonvulsiva aus bzw. verwenden wir andere in Kombinationsbehandlung.
Gegenüber den früher verwendeten Benzodiazepinen und Barbituraten inklusive Primidon, welche die Perzeptionskapazität und die kognitiven Fähigkeiten der Kinder doch stark einschränken, und dem nebenwirkungsreichen Phenytoin bevorzugen wir aber die neuen Medikamente.
Diese verwenden wir auch bei den therapeutisch so ungünstigen Epilepsieformen des West-Syndroms und des Lennox-Gastaut-Syndroms.
Für Carbamazepin und Valproinsäure haben wir keine Alterseinschränkung. Sie können in jedem Alter, also auch schon beim Säugling, gegeben werden. Die Dosis steuern wir primär natürlich nach der Klinik, d.h. nach der Beherrschung der Anfälle, wobei wir uns freuen, wenn wir mit einer möglichst niedrigen und daher wohl auch möglichst wenig toxischen Dosis einen optimalen klinischen Erfolg erzielen.
Zur Überprüfung der Compliance und bei unbefriedigendem Ansprechen machen wir zusätzlich Serumspiegelbestimmungen, vor allem auch dann, wenn wir an die toxische Grenze herangehen müssen.
Mit Valproinsäure und Carbamazepin schätzen wir unsere Erfolgsquote auf etwa 60% des Krankengutes ein. D.h., dass wir bei 60% unserer Anfallspatienten Anfallsfreiheit erreichen, zumindest aber jedenfalls eine Responderrate von mehr als 50%>. Durch die neuen Antikonvulsiva, in der Regel als „add on Medikation" eingesetzt, erreichen wir einen zusätzlichen Erfolg von 15 bis 20%), sodass wir sagen können, dass 80%) des Krankengutes an Epilepsien im Kindes- und Jugendalter heute zufriedenstellend therapeutisch beherrscht werden können.
Therapeutische Probleme haben wir aber weiterhin beim West-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom sowie bei einigen Epilepsien mit partiellen Anfällen wie dem Pseudo-Lennox-Syndrom, aber auch jenen, die nach Schädelhirntraumen und im Rahmen eines Sturge-Weber-Syndroms auftreten. In letzteren Fällen ist oft eine chirurgische Epilepsietherapie die einzige effektive Alternative.
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12.06.2006, 05:35
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Antiepileptika in der Pädiatrie
Substanzen
Therapieform
Alterseinschränkung
Carbamazepininitiale MonotherapiekeineValproinsäure bzw. Natriumvalproatinitiale MonotherapiekeineOxcarbazepinMonotherapieerst ab 6 JahrenLamotriginadd-on Therapie initiale Monotherapie
(erhöhte Gefahr schwerer Hautreaktionen)
erst ab 2 Jahren erst ab 12 Jahren
Gabapentinadd-on Therapieerst ab 12 JahrenVigabatrinadd-on Therapie (Gefahr von - möglicherweise irreversiblen - Gesichtsfeldeinschränkungen)
keineFelbamatadd-on Therapieerst ab 4 JahrenTiagabinadd-on Therapieerst ab 12 JahrenTopiramatadd-on Therapieerst ab 2 Jahren
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12.06.2006, 05:40
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Psychotherapie
Beschreibung des Angebots
 Viele Menschen mit Epilepsie ziehen sich aus Angst vor den Anfällen, aber auch aus Angst vor den Vorurteilen, die mit dieser Krankheit verbunden sind, zurück. Aus diesem Rückzugs- und Vermeidungsverhalten, welches in einem Teufelskreis immer weiter verstärkt werden kann, resultieren nicht selten soziale Isolation, Angsterkrankungen und Depressionen. Selbst wenn medikamentös oder chirurgisch Anfallsfreiheit erreicht werden kann, ist damit nicht gesichert, dass dadurch auch solche eingespielten Verhaltensweisen verändert oder aufgehoben werden. Damit die Mechanismen solcher Teufelskreise in einem ersten Schritt verstanden werden können, brauchen Menschen mit Epilepsie oftmals psychotherapeutische Unterstützung. In einem zweiten Schritt geht es dann um das gemeinsame Erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten. Damit eine vom Patienten gewünschte Entwicklung begonnen oder fortgesetzt werden kann, wird versucht, vorhandene Ressourcen zu unterstützen und auszubauen. Hier ergeben sich Kooperationen zu den Bereichen Sozialarbeit/Sozialpädagogikund Medizinsoziologie.
Ein weiterer Aspekt psychotherapeutischer Behandlung von Epilepsien ist die Anfallsselbstkontrolle.
 Es lässt sich zeigen, dass die Lebensumstände und das Verhalten epilepsiekranker Menschen die Wahrscheinlichkeit, mit einem Anfall zu reagieren, erhöhen oder auch vermindern können. Davon ausgehend wurde ein verhaltensmedizinisches Modell der Anfallsentstehung entwickelt, das die folgenden Faktoren berücksichtigt:
- eine erworbene oder ererbte, organische Bereitschaft, mit epileptischen Anfällen zu reagieren (Ursache einer Epilepsie)
- verschiedene belastend wirkende externe und interne Stimuli, die oftmals erst in ihrer Summe für den jeweiligen Patienten zu kritischen Reizkonstellationen werden (Anfallsauslöser)und
- ungünstige körperliche und emotionale Verfassungen oder Grundgestimmtheiten (Anfallsauslöser).
Wirken diese Faktoren ungünstig zusammen, erhöht sich das Anfallsrisiko. Je nach Bedeutung der einzelnen Faktoren kann dann das Verhalten von Menschen mit Epilepsie - das heißt, die individuelle Reaktion auf ein erhöhtes Anfallsrisiko - zu einem weiteren entscheidenden Faktor für die Anfallsauslösung werden.
Ausgehend von diesem Modell werden in der Psychotherapie des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg zusammen mit den Patienten verschiedene Strategien der Anfallsselbstkontrolle erarbeitet:
- Wenn definierbare kritische Reizkonstellationen oder ungünstige körperliche und emotionale Verfassungen das Anfallsrisiko erkennbar erhöhen und die erkannten anfallsfördernden Faktoren vermeidbar sind, ist die Vermeidung/Veränderung dieser anfallsauslösenden Faktoren eine vielversprechende Therapiemaßnahme.
- Eine zweite Therapiemöglichkeit ist die Ermittlung anfallsverhindernder Verhaltensweisen und die Anleitung der Patienten, wie sie diese Verhaltensweisen in Situationen mit erhöhtem Anfallsrisiko einsetzen können.
- Falls diese Möglichkeiten nicht zum gewünschten Erfolg führen, gibt es bei Patienten mit einem Vorgefühl (Aura) die Möglichkeit, den beginnenden Anfall mit einem auf die individuellen Vorgefühle abgestimmten Gegenmittel abzuwehren.
 Der Effekt der Selbstkontroll-Therapie besteht darin, dass über die Entwicklung von konkreten Gegenmaßnahmen die direkte Handlungsfähigkeit des Patienten im Umgang mit seiner Krankheit zunächst erweitert wird. Dadurch verliert der einzelne Anfall seinen Schrecken, die Epilepsie wird von den Betroffenen nicht mehr als ausgrenzender Makel verstanden, sondern kann als Aufgabe begriffen und Stück für Stück angenommen werden. Dies hat eine offene und produktive Auseinandersetzung mit der Krankheit zur Folge, in deren Verlauf es den Patienten zunehmend gelingt, das eigene Anfallsverhalten zu verstehen.
Daraus resultiert ein wachsendes Gefühl von Kontrolle, Angstabbau und schrittweise eine Überwindung des Gefühls, der Krankheit hilflos ausgeliefert zu sein. Über die sich damit entwickelnde Handlungskompetenz und das zunehmende Wissen über die Krankheit gelingt es wiederum, die Aktivität der Patienten weiter zu strukturieren, ggf. eine weitere Verbesserung der Gegenmaßnahmen zu erreichen und das Kontrollgefühl und Selbstvertrauen der Patienten weiter zu stärken. Damit ist ein sich selbst stabilisierender positiver Zyklus in Gang gesetzt.
 Hinsichtlich der Anfallsreduktion lassen sich die Effekte der Anfallsselbstkontrolle durchaus mit denen der neuen Antiepileptika vergleichen. Sie liegen bei einer durchschnittlichen Verminderung der Anfallsfrequenz um 40-50%. In Einzelfällen kann sogar Anfallsfreiheit erreicht werden. Die Stärke dieser Ergänzung der Epilepsietherapie liegt aber vor allem darin, das Verhalten der Betroffenen als eine Ressource zu nutzen, um sich selbst aktiv zu helfen. Die Erfahrungen, welche die Patienten dabei sammeln, können zu einer Verbesserung des Kontrollgefühls und darüber hinaus zu einer Steigerung der Lebensqualität beitragen.
Je nach individueller Eignung kann die Anfallsselbstkontrolle durch das Bio-Feedback-Trainingunterstützt werden. Das Bio-Feedback-Training wird in enger Kooperation mit der Arbeitsgruppe für Neuropsychologieangeboten.
Insgesamt wird durch die am Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg angebotenen psychotherapeutischen Maßnahmen versucht, ein besseres Verständnis der Erkrankung zu ermöglichen, die Handlungsfähigkeit im Umgang mit den Anfällen zu erweitern und ggf. auch die Bedeutung der Krankheit im Lebenskontext zu entschlüsseln.
Weitere Informationen zur Selbstkontrolle finden Sie auf folgender Homepage: http://www.epilepsie-selbst-kontrollieren.de.
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12.06.2006, 05:58
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Teammitglied - Entscheidungsträger
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Registriert seit: 01.08.2005
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Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg:
Standort Berlin
am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth
Herzberge, Herzbergstraße 79, 10362 Berlin Medizinischer Direktor:
Prof. Dr. Heinz-Joachim Meencke
Das Epilepsie-Zentrum Berlin Brandenburg:
Entwicklung des Standorts Berlin
Als von der Bundesregierung anerkanntes und gefördertes Grad IV-Epilepsie Zentrum gehört das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg zu einer der wenigen Einrichtungen in der Bundesrepublik, in der das gesamte Spektrum der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, die es heute zur Behandlung der Epilepsien gibt - einschließlich der Epilepsiechirurgie - angeboten wird.
 Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen mit einem äußerst komplexen Erscheinungsbild und äußerst vielfältigen Auswirkungen auf die Lebenssituation der daran erkrankten Menschen. Nach wie vor sind Medikamente der Hauptpfeiler bei der Behandlung der Epilepsien – aber leider sprechen nicht alle Menschen auf diese Behandlungsmöglichkeit an. Bei gut behandelbaren Epilepsien beträgt die Möglichkeit, durch eine medikamentöse Therapie Anfallsfreiheit zu erreichen, bis zu 90% - aber es gibt auch Epilepsien, in denen nur in 10-15% der Fälle durch Medikamente Anfallsfreiheit erreicht werden kann.
Aus dieser Situation resultiert zum einen die Suche nach neuen, wirksameren Medikamenten gegen die Epilepsien. Zum anderen wird intensiv nach nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. Verhaltensmedizinische Ansätze, wie z.B. das Bio-Feedback-Training und die Selbstkontrolltherapie, sind in der Entwicklung, und die chirurgische Behandlungist ein inzwischen erfolgreich etabliertes Verfahren für bestimmte Epilepsietypen.
Da gerade Menschen mit schwer behandelbaren Epilepsien besonders unter den psychosozialen und beruflichen Auswirkungen ihrer Erkrankung leiden – die nicht selten durch unbegründete Vorurteile bedingt sind – bedarf eine umfassende Epilepsiebehandlung nicht nur einer medizinisch-epileptologischen, sondern auch psychosozialer Fachkompetenz und ist von daher auf die Unterstützung von spezialisierten Sozialarbeiternund Therapeuten angewiesen.
 Epilepsie Zentren wie das Epilepsie Zentrum Berlin-Brandenburg sind Einrichtungen mit dem Auftrag, die adäquate Versorgung insbesondere von Menschen mit schwer behandelbaren Epilepsien sicherzustellen, d.h. von Menschen mit einer Epilepsie, bei denen bisher Anfallsfreiheit nicht erreicht werden konnte, die neuropsychologische Beeinträchtigungen aufweisen und deren Leben und/oder beruflicher bzw. schulischer Weg durch die Epilepsie in besonderer Weise belastet ist.
Mit insgesamt 100 epileptologischen Betten ist das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg eines der größeren Zentren in der Bundesrepublik. Von diesen 50 Betten befinden sich in Berlin 50 Betten, die auf drei Stationen verteilt sind. Die Station für Kinder und Jugendlichebesteht aus 15 Betten; aufgenommen werden Patienten im Alter zwischen 3 und 18 Jahren zur Syndromdiagnostik, zur differentialdiagnostischen Abklärung unklarer Anfälle; Kinder und Jugendliche mit jeglicher Art von Entwicklungsstörungen sowie körperlich und mental behinderte Kinder und Jugendliche und Kinder und Jugendliche zur Vorbereitung eines epilepsiechirurgischen Eingriffs. Die Station für mehrfachbehinderte Erwachsenebesteht ebenfalls aus 15 Betten; aufgenommen werden junge Erwachsene und Erwachsene mit einer Mehrfachbehinderung incl. einer Epilepsie zur Syndromdiagnostik und/oder differentialdiagnostischen Abklärung unklarer Anfälle. In einem integrierten Behandlungsansatz werden hier die Patienten zum Teil auch über mehrmonatige Zeiträume gefördert, und es wird an der Verbesserung ihrer Gesamtsituation gearbeitet. Dies schließt auch die Abklärung und Behandlung begleitender internistischer, orthopädischer, psychiatrischer und anderer Beschwerden ein. Aufgrund der Mehrfachbehinderung nimmt die Diagnostik und auch die medikamentöse Umstellung einen langen Zeitraum in Anspruch. Auf beiden Stationen findet neben der epileptologischen Diagnostik und Therapie eine gezielte Förderung insbesondere der entwicklungsverzögerten und behinderten Kinder z.B. durch Krankengymnastik, Logopädie, Heilpädagogik statt. Zudem befindet sich auf dem Krankenhausgelände die Schule Am grünen Grund, die den Regelschulbereich, den Lernbehindertenbereich und den Geistigbehindertenbereich umfasst.
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12.06.2006, 06:00
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Registriert seit: 01.08.2005
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Die Erwachsenenstationist mit 20 Betten ausgestattet; dieser Station eingegliedert ist der Bereich für präoperative Epilepsiediagnostik und operative Epilepsietherapie.
 Die umfangreichen diagnostischen Möglichkeiten des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg reichen von der differenzierten klinischen Beobachtung (mit Video-Unterstützung) über die elektrophysiologische Basisdiagnostik (Ruhe-EEG, Provokationsmaßnahmen) bis zum mehrtägigen Video-EEG und der Polysomnographie. Alle relevanten bildgebenden Verfahren (MRT, SPECT, PET) und Laborleistungen (z.B. Bestimmung der Serumkonzentration) stehen zur Verfügung. Sie ermöglichen u.a. die differenzierte Dokumentation und Zuordnung von Anfällen, die Etablierung einer Syndromdiagnose, Abgrenzung von nicht-epileptischen Anfällen oder auch die Einordnung von Medikamentennebenwirkungen. In der Abteilung für präoperative Epilepsiediagnostik und operative Epilepsietherapie stehen drei digitale Ableitplätze mit zwei 64-Kanal und einem 128-Kanal-Verstärker zur Verfügung. Die lückenlose Video-Aufzeichnung erfolgt tagsüber mit Farbkameras und nachts mit Infrarotkameras. Für die kontinuierliche Überwachung der Patienten und der notwendigen Anfallstestung steht ein Team speziell ausgebildeter medizinisch technischer Assistentinnen (MTA-F) rund um die Uhr zur Verfügung. Neben der Diagnostik mit Standard-Oberflächenelektroden stehen dem Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg sämtliche invasive diagnostische Möglichkeiten (semi-invasive Dübel und Foramen-Ovale-Elektroden, subdurale Netz- und Streifenelektroden sowie Tiefenelektroden) zur Verfügung. Die endgültige Entscheidung über eine Operationsindikation wird unter Berücksichtigung weiterer Befunde (insbesondere der bildgebenden Verfahren) in einer interdisziplinären Fallkonferenz getroffen.
Die präoperative Epilepsiediagnostik und operative Epilepsietherapie wird zusammen mit der neurochirurgischen Abteilung der Charité, Campus Virchow Klinikum (Prof. Dr. Dr. M. Brock, Dr. T. Lehmann) durchgeführt. Die Kooperation sieht vor, dass die präoperative Diagnostik und postoperative Nachbetreuung am Standort Berlin-Lichtenbergstattfindet, die operativen Eingriffe dagegen im Charité Campus Virchow Klinikum durchgeführt werden. Derzeit werden am Epilepsie-Zentrum jährlich 68Patienten erstmalig zur präoperativen Epilepsiediagnostik aufgenommen. Die Zahl der epilepsiechirurgischen Eingriffe beträgt ca. 30 pro Jahr, wobei alle epilepsiechirurgischen Verfahren möglich sind und bei Bedarf angewandt werden (Temporalpolresektion mit Amygdala-Hippokampektomie (tailored), neokortikale Resektion, Läsionektomie, Hemisphärektomie, multiple subpiale Transsektion). Der Anteil postoperativ anfallsfreier Patienten beträgt je nach Lokalisation bei Epilepsien mit Anfallsursprung im Temporallappen bis zu 90%.
U  m die Patienten optimal auf die präoperative Epilepsiediagnostik vorzubereiten, finden in Zusammenarbeit mit der Berliner Selbsthilfe von Anfallkranken e.V. in regelmäßigen Abständen Informations- und Gesprächsabende statt. Auf diesen Abenden werden die Patienten zusätzlich zur individuellen Aufklärung nochmals gründlich über das Procedere der präoperativen Diagnostik informiert und erhalten darüber hinaus die Möglichkeit, sich mit bereits epilepsiechirurgisch behandelten Patienten zu unterhalten. Zur langfristigen Stabilisierung des Behandlungserfolges werden postoperativ regelmäßig Nachuntersuchungen durchgeführt, die durch das Angebot einer postoperativen Gesprächsgruppe ergänzt werden.
Für die Klärung der in Zusammenhang mit der Epilepsiebehandlung auftretenden neuropsychologischen Fragestellungen verfügt der Standort Berlin des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg über eine Abteilung für Neuropsychologie, die über die für die Testung der vielfältigen Leistungsbereiche (Intelligenz, Aufmerksamkeit, Konzentration, Sprache und Sprachlateralisation, Gedächtnis, Lernen, Visuokonstruktion etc.) notwendigen Verfahren verfügt und die zudem die für die prächirurgische Epilepsiediagnostik notwendigen Testverfahren wie WADA-Test und dichotischer Hörtest durchführt. Aufgrund dieser Möglichkeiten ist das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg als eine von insgesamt 11 Einrichtungen in der Bundesrepublik als Ausbildungszentrum von der Gesellschaft für klinische Neuropsychologie GNP zugelassen.
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12.06.2006, 06:01
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Registriert seit: 01.08.2005
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Das therapeutische Angebot umfasst nicht nur eine differenzierte Pharmakotherapie und die Möglichkeit der Epilepsiechirurgie, sondern schließt auch die Behandlung mit einem Vagus-Nerv-Stimulatorund den Einsatz von verhaltenstherapeutischen Verfahren wie Bio-Feedback und Anfallsselbstkontrolle ein. Der ursprünglich auf J. Dahl zurückgehende Ansatz der Selbstkontrolltherapie ist unter Beteiligung des Psychotherapeuten Gerd Heinen für die Bundesrepublik adaptiert und weiterentwickelt worden. In einer zweijährigen Studie – die durch Berliner Fördermittel ermöglicht wurde - konnte gezeigt werden, das dieser Therapieansatz bei vielen Patienten deutlich zur Reduktion der Anfallshäufigkeit führt und in einigen Fällen auch Anfallsfreiheit erreicht werden kann.
Eingebettet sind die therapeutischen Verfahren in ein integratives Behandlungskonzept, das ausgerichtet ist auf die Stärkung der Kompetenz der Menschen mit einer Epilepsie und ihrer Angehörigen im Umgang mit ihrer Erkrankung. In diesem Kontext spielt die Sozialarbeit, die am Epilepsie-  Zentrum Berlin-Brandenburg von zwei auf Epilepsien spezialisierte Sozialarbeiterinnen durchgeführt wird, eine wesentliche Rolle. Unterstützt wird die Sozialarbeit von der Medizinsoziologie, die in Kooperation mit dem Psychotherapeuten u.a. für die Organisation und Durchführung eines stationären Angebots von Patienteninformations- und Gesprächsgruppen zuständig ist. Diese auf der Erwachsenenstation angebotenen Gruppen dienen zum einen der Informationsvermittlung (gearbeitet wird hier mit dem Modularen Schulungsprogramm Epilepsie MOSES) und zum anderen der Auseinandersetzung mit der Erkrankung und dem Erlernen von Strategien zur Krankheitsbewältigung (psychoedukativer Teil). Eine weitere Aufgabe der Medizinsoziologie ist die Vernetzung des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg mit anderen, für die Versorgung und Integration von Menschen mit Epilepsie wichtigen Einrichtungen. So besteht beispielsweise die Abteilung zur medizinischen Rehabilitation von Menschen mit Epilepsie an der Neurologischen Rehabilitationsklinik Beelitz-Heilstätten, die gemeinsam vom Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg und der Rehabilitationsklinik getragen wird. Weiterhin besteht eine Kooperationsvereinbarung mit dem Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin, in dem ein spezielles Angebot für die berufliche Bildung von Jugendlichen und jungenen Erwachsenen mit Epilepsie realisiert wird. Mit einer derartigen Implementation von Versorgungsketten leistet das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg nicht nur einen Beitrag zu einer umfassenden Versorgung anfallskranker Menschen, sondern trägt damit sicherlich auch erheblich zur Vermeidung unnötiger Kosten bei, die durch „Irrwege“ im Versorgungsnetz entstehen. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch die enge Zusammenarbeit mit der Berliner Selbsthilfe von und für Anfallkranke , dem Landesverband Epilepsie Berlin/Brandenburg e.V. und dem Bundesverband der Epilepsie-Selbsthilfe, der Deutschen Epilepsievereinigung e.V. , die durch ihre fundierte Aufklärungs- und Vermittlungstätigkeit ebenfalls deutlich zur Kostenreduzierung im Gesundheitswesen beitragen dürfte.
Mit der beschriebenen Ausstattung geht das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg deutlich über die vom Epilepsie-Kuratorium gestellten Anforderungen an ein Grad IV Zentrum hinaus. Wie alle Grad IV Zentren nimmt auch das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg überregionale Versorgungsaufgaben wahr und ist daher für die Versorgung von Menschen insbesondere mit schwer behandelbaren Epilepsien im Raum Berlin/Brandenburg zuständig. Um die adäquate Versorgung dieser Menschen sicherzustellen und die niedergelassenen Fachärzte entsprechend unterstützen zu können, besteht am Epilepsie-Zentrum die Möglichkeit der ambulanten Mitbehandlung auf Zuweisung der niedergelassenen Kinder- und Nervenärzte, die auf Grundlage von Ermächtigungen zur Beteiligung an der Kassenärztlichen Versorgung möglich ist.
Die Strategie des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg , zunächst vorhandene Ressourcen zu bündeln und neue Angebote erst dann zu implementieren, wenn diese definitiv nicht durch andere Anbieter erbracht werden können, zieht sich wie ein roter Faden durch die noch relativ junge Geschichte dieses Zentrums. Mit der Gründung des damaligen Epilepsie Zentrums Berlin am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH)zu Beginn des Jahres 1996 wurde damit die bereits bestehende epileptologische Fachabteilung des KEH durch das Institut für Diagnostik der Epilepsien ergänzt. Durch einen Kooperationsvertrag ist die neurochirurgische Abteilung des Charité Campus Virchow Klinikums für die Epilepsiechirurgie in das Zentrum integriert. Erst die mit dieser Konstruktion verbundene Integration einer epileptologischen Fachabteilung eines Krankenhauses der Allgemeinversorgung und eines Instituts in freier Trägerschaft unter der gemeinsamen Leitung von Prof. Dr. med. Heinz-Joachim Meencke sowie die Anbindung an eine Universitätsklinik ermöglichte eine epileptologische Spezialisierung auf dem für Epilepsie-Zentren zu forderndem Niveau. Dadurch wurde die gezielte Bündelung von Ressourcen für den Aufbau eines Epilepsie Zentrums möglich, das Diagnostik und Therapie der Epilepsien und das Beiträge auf dem Gebiet der epileptologischen, epileptologisch-psychotherapeutischen sowie epileptologisch-sozialmedizinischen Grundlagenforschung leisten kann.
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12.06.2006, 06:02
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Abb. 1: Kooperatives Netzwerk des Epilepsiezentrums Berlin-Brandenburg
Nur durch diese Zusammenarbeit war es möglich, die Epilepsiechirurgie als Behandlungsmöglichkeit für Menschen mit schwer behandelbaren Epilepsien im Raum Berlin/Brandenburg zu etablieren und sie damit auch den hiesigen Patienten und vor allem den Patienten in den neuen Bundesländern zugänglich zu machen. Damit wurde eine Entwicklung aufgenommen, die in Berlin eine lange Tradition hat. Schon 1910 nahm einer der Pioniere der Epilepsiechirurgie, Prof. Dr. med. Fedor Krause, therapeutische Eingriffe vor. Nicht zuletzt auf den Nationalsozialismus und dessen Folgen für die Behandlung der Epilepsiepatienten wurde diese Tradition unterbrochen. Erst in den 80‘er Jahren gab es erste Versuche, die Epilepsiechirurgie wieder zu etablieren. Hilfreich waren dabei die bestehenden Kontakte zu amerikanischen und kanadischen Epilepsie Zentren, die die erklärte Absicht hatten, Deutschland beim Aufbau der  Epilepsiechirurgie tatkräftig zu unterstützen. So war es möglich, das der Medizinische Direktor des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg (Prof. Dr. med. Heinz-Joachim Meencke) aufbauend auf längere Auslandsaufenthalte an der amerikanischen Cleveland-Clinic in Ohio (Dr. H. Lüders) und dem kanadischen Neurological Institute der McGill University in Montreal (Prof. Dr. Angerman, Prof. Dr. Quesney) mit dem Aufbau eines der ersten epilepsiechirurgischen Zentren Deutschlands - dem EpilepsieZentrum Bethel/Bielefeld – Erfahrungen sammeln konnte. Durch seine Berufung auf eine C3-Professur für Neurologie am Berliner Virchow-Klinikum (damals noch in Trägerschaft der Freien Universität Berlin) 1991 war es dann möglich, auch in der Region Berlin/Brandenburg der Epilepsiechirurgie wieder zur Geltung zu verhelfen. Dennoch wäre die Etablierung der Epilepsiechirurgie in Deutschland, die nach nur 10jähriger Aufbauarbeit mittlerweile einen den Vereinigten Staaten und Kanada entsprechenden Standard erreicht hat, nicht ohne den erklärten politischen Willen der Bundesregierung und die erhebliche finanzielle Förderung durch das Bundesgesundheitsministerium möglich gewesen, die die Bedeutung der Epilepsiechirurgie für die Behandlung von Menschen mit schwer behandelbaren Epilepsien frühzeitig erkannt hat.
Wodurch zeichnet sich nun das umfassende Versorgungsangebot des Epilepsie Zentrums Berlin Brandenburg gegenüber anderen epileptologischen Fachabteilungen aus? Im Gegensatz zur neurologischen bzw. epileptologischen Fachabteilung eines Allgemeinkrankenhauses können an einem Epilepsie Zentrum die verschiedensten Bereiche der Diagnostik und Therapie problemlos ineinander integriert und aufeinander bezogen werden. Dadurch ist es möglich, auf die unterschiedenen Probleme der Patienten flexibel zu reagieren, diesen in all ihren Aspekten gerecht zu werden und damit eine lückenlose Behandlung zu gewährleisten. Zentren wie das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg leisten damit nicht nur einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit insbesondere schwer behandelbaren Epilepsien, sondern können durch eine frühzeitige effiziente Diagnostik und Therapie erhebliche Kosten einsparen, wenn sie denn rechtzeitig in Anspruch genommen werden.
KontaktWegweiserAbteilungenDiagnostik/
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12.06.2006, 06:47
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Die Epilepsien
Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. 5% aller Menschen haben einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall, ca. 0,7% sind an einer Epilepsie erkrankt, d.h. haben wiederholt und unprovoziert epileptische Anfälle. Das Spektrum der Epilepsien ist groß, es werden mehr als 30 verschiedene Formen unterschieden. So breit gestreut wie die Formen der Epilepsie sind auch die Ursachen dieser Erkrankung: Epilepsien mit unklarer Ursache und genetisch bedingte Epilepsien stehen neben spät im Leben durch Hirnverletzungen oder Entzündung erworbenen.
Es gibt Menschen, die mehrfachbehindert sind – mit Lähmungen und Denkstörungen – für die ihre Epilepsie oft gar nicht das Hauptproblem darstellt, und es gibt gesund wirkende Menschen mit Epilepsie, die hoch begabt sind, eine berufliche Tätigkeit in gesellschaftlich hoch angesehenen Berufen ausüben und deren Epilepsie oft gar nicht bekannt ist.
Diagnostik in der Epileptologie
Art und Intensität der Diagnostik hängen vom Stand der Erkrankung ab und von den Erfahrungen, die man aus dem Verlauf einer manifesten Epilepsie gemacht hat.
Es ist wichtig zwischen epileptischen Anfällen und Epilepsien als Krankheitssyndrom zu unterscheiden. Epileptische Anfälle sind paroxysmale Störungen des Bewusstseins, der Motorik, des Sensoriums, des Vegetativums und der Sprache. Sie sind klinische Symptome einer Epilepsie. Von Epilepsien spricht man, wenn zwei voneinander unabhängige epileptische Anfälle ohne Provokation aufgetreten sind. Provokationen können sein: Schlafentzug, Alkoholentzug, Fotostimulation. Auch biographische Aspekte können eine Rolle spielen, sind aber noch nicht gut untersucht. Bei einem einzelnen (ersten) Anfall muss die Ursache abgeklärt werden, um möglicherweise auch eine ursächliche Behandlung (bei Tumor, Entzündung oder Blutung) vornehmen zu können. Auch ist die Bedeutung von Auslösefaktoren zu ermitteln, und es muss versucht werden einzuordnen, ob es sich um einen einzelnen Gelegenheitsanfall oder den ersten Anfall im Verlauf einer Epilepsieentwicklung handelt. Die Erkennung von Auslösefaktoren und ihre Vermeidung kann die Entwicklung einer Epilepsie lindern.
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12.06.2006, 06:48
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Anamnese und Anfallsbeobachtung
Eine Epilepsie wird durch den Nachweis von epileptischen Anfällen diagnostiziert – durch nichts anderes. Weder ein pathologisches EEG, noch morphologische Befunde in den bildgebenden Verfahren erlauben die Diagnose einer Epilepsie. Damit kommt der Anfallsbeobachtung die entscheidende Bedeutung zu.
- Beginn
- Ende
- Dauer
- Bewusstsein
- Motorisches Muster
- Vegetative Phänomene
Tab. 1: Faktoren zur Beschreibung eines epileptischen Anfalls
Tabelle 1 stellt einige wichtige klinische Charakteristika zur Abgrenzung verschiedener Anfallstypen zusammen. Die Anamnese muss versuchen, Anfallscharakteristika aus der Eigenbeobachtung des Patienten zu ermitteln. Hier handelt es sich insbesondere um die Analyse der Aura, des bewusst erinnerten Anfallsanteils des Patienten. Diese Analyse der Aura kann später im Kontext anderer Untersuchungsbefunde einen wichtigen Beitrag zur Abgrenzung generalisierter und fokaler Epilepsien und zur Lokalisation des Anfallsursprungs geben.
Auf die Erhebung der Fremdanamnese darf nicht verzichtet werden. Sie gibt uns wichtige Beobachtungen zu den klinischen Phänomen des Anfallskernes, für die der Patient in den meisten Fällen eine Amnesie hat. Häufig sind die Angehörigen spontan nicht in der Lage, detailliertere Beschreibungen des Anfallsablaufes zu geben. Man kann die Angehörigen aber im Anamnesegespräch anhand der in der Tabelle 1 aufgeführten Punkte durchaus schulen, bei den nächsten Anfällen auf einzelne wichtige klinische Unterscheidungsmerkmale zu achten. Unsere eigenen Erfahrungen zeigen, dass man dann sehr verlässliche klinische Angaben bekommen kann, mit denen man eine sichere Einordnung des Anfallstyps vornehmen kann.
Kommt man mit Eigenbeobachtung und Fremdanamnese nicht weiter, ist häufig die Indikation für eine Video-EEG-Untersuchung gegeben (s.u.).
- Ätiologie
- Erkrankungsalter
- Anfallstyp
- tageszeitliche Bindung
- Frequenz der Anfälle
- EEG
- Prognose
- Behandelbarkeit
Tab. 2: Faktoren, die ein Epilepsie-Syndrom bestimmen
Die Syndromdiagnose wird anhand der in Tabelle 2 zusammengestellten Merkmale ermittelt. Diese Punkte werden in der Regel in einem ausführlichen Anamnesegespräch geklärt. Die Syndromdiagnose wird nicht aus Ordnungsliebe gestellt, sondern weil die einzelnen Syndrome doch deutliche Unterschiede in klinischen Verlaufscharakteristika, der Prognose und der spezifischen Therapie haben.
Die Gründe für eine differenzierte Syndromdiagnose sind in Tabelle 3 zusammengestellt. Ein wichtiger Aspekt ist die differenzierte Pharmakotherapie. Nichtansprechen auf die medikamentöse Behandlung ist in einem großen Teil der Fälle Konsequenz einer falschen Syndromeinschätzung und daraus folgend der nicht adäquaten Medikamentenwahl (Pseudo-Pharmakoresistenz).
- kausale Behandlung
- spezifische medikamentöse Behandlung
- prognostische Beratung
- Beratung zur Lebensführung
- Arbeitsberatung
- genetische Beratung (Kinderwunsch)
- Psychotherapie und Anfallsselbstkontrolle
- chirurgische Behandlung
- wissenschaftliche Entwicklung
Tab. 3: Warum eine genaue Syndromdiagnose und Klassifikation der Anfälle?
Eine sozialmedizinische Einschätzung (objektive und subjektive Faktoren der Lebensqualität) und eine neuropsychologische/psychiatrische Einordnung sind fester Bestandteil der Epilepsiediagnostik. Sozialmedizinische und neuropsychologisch/psychiatrische Faktoren sind häufig entscheidende Faktoren für die Behandelbarkeit und Langzeitprognose der Epilepsien.
Die körperliche neurologische Untersuchung mit dem Nachweis von neurologischen Defiziten kann Hinweise auf die Ätiologie der Erkrankung geben und auch einen Beitrag zur Einordnung der symptomgebenden Anfallsregion liefern.
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