
14.06.2006, 11:38
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schizophrenie auch im kindesalter
Die neuesten Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Frühschizophrenie stehen im Mittelpunkt des Internationalen Symposiums der Rheinischen Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters am Essener Universitätsklinikum, das von Freitag, 19. September, bis Samstag, 20. September, in der ehemaligen Pädagogischen Hochschule an der Henri-Dunant-Straße stattfindet. Das Symposium trägt den Titel "Entstehung, Verlauf und Behandlung der Schizophrenie bei Kindern und Jugendlichen".
Die Schizophrenie des Kindesalters stellt eine seltene aber klinisch schwere Form der Schizophrenie dar. Sie ist mit kognitiven, sprachlichen und psychosozialen Entwicklungsstörungen verbunden, deren Erforschung wichtige Beiträge über die entwicklungsneurologischen Ursachen der Schizophrenie generell ergeben könnte. Schizophrene Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters stellen einen Schwerpunkt der klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit der Essener Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters dar. Aus Anlass des 10jährigen Bestehens der Klinik wurde 1990 bereits ein internationales Schizophrenie-Symposium veranstaltet. Acht Jahre später, im Sommer 1998, wurden mit internationalen Experten der Frühschizophrenie die neuesten Forschungsergebnisse auf einem Symposium über kindliche Schizophrenien diskutiert. Die jetzige Veranstaltung bleibt dieser Tradition treu.
Nachdem 24 Jahre seit Eröffnung der Klinik vergangen sind, hält es Professor Eggers für an der Zeit, das Thema erneut aufzugreifen. National und international hoch anerkannte Spitzenforscher unterstützen diese Tradition und haben sich bereit gefunden, ihre aktuellen Forschungsergebnisse zum Thema schizophrene Erkrankungen vorzustellen: Als Referenten konnten Wissenschaftler aus den USA, Großbritannien, Deutschland und der Schweiz gewonnen werden. Themenschwerpunkte der Veranstaltung sind: Ätiologie, Verlauf, Therapie und Versorgung einschließlich Früherkennung und -intervention. Außerdem werden neue
elektrophysiologische und bildgebende Befunde vorgestellt, die wesentlich genauer als noch vor 10 Jahren die biologischen Prozesse von Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen der Schizophrenie verständlich machen. Ein weiterer Aspekt betrifft die mangelnde Akzeptanz bis hin zur offenen Ablehnung von Betroffenen durch die Bevölkerung und die Erörterung der Frage, wie Patienten am besten davor geschützt werden können.
Redaktion: Daniela Endrulat, Tel.: (0201) 183-4518
Weitere Informationen: Professor Dr. Christian Eggers, Tel.: (0201) 7227-465/466,
E-Mail: christian.eggers@uni-essen.de
Informationen zu den Referenten und ihren Beiträgen:
Festvortrag: Judith L. Rapoport MD (Bethesda USA)
Judith Rapoport leitet die kinderpsychiatrische Abteilung des nationalen Instituts für seelische Gesundheit (NIMH) in Bethesda, USA. Sie und ihr Team sind führend in der Erforschung der neuropsychologischen und neurophysiologischen Grundlagen der kindlichen Schizophrenie.
Rapoport berichtet über hirnorganische Auffälligkeiten bei Kindern, die an einer Schizophrenie erkrankt sind. Zusammen mit ihrer Kollegin Leslie K. Jacobsen hat sie schizophrene Kinder im Abstand von zwei Jahren mit der Magnetresonanztomographie untersucht und mit 24 nach Alter und Geschlecht parallelisierten Kindern einer Kontrollgruppe verglichen. Dabei konnten die Forscherinnen feststellen, dass sich die Ventrikel (Hirnkammern) der schizophrenen Kinder gegenüber der Kontrollgruppe in dem Beobachtungszeitraum signifikant vergrößert hatten und dass diese Vergrößerungen mit der Symptombelastung korrelierten. Im Vergleich mit den im Erwachsenenalter Erkrankten wiesen diese sehr früh erkrankten Kinder mehr Entwicklungsauffälligkeiten auf. Rapoport und Jacobsen vermuten daher, dass die Schizophrenie eine kontinuierliche entwicklungsneurologische Ätiologie hat.
Tim Crow: (Oxford, GB)
Evolution und Schizophrenie
Der Psychologe Tim Crow aus Großbritannien hatte bereits Anfang der 80er Jahre die Schizophrenie vom Typ I (ca. 30%) und vom Typ II (ca. 70%) beschrieben. Die Typ-I-Schizophrenie ist für ihn gekennzeichnet durch eine positive Symptomatik wie Wahnideen und Halluzinationen. Die Störung beginnt meist akut, die Intelligenz ist in der Regel nicht beeinträchtigt, die Symptome sind durch Neuroleptika gut zu beeinflussen und reversibel. Beim Typ I vermutet Crow eine Neurotransmitterstoffwechselstörung als Ursache. Der Typ II wird von ihm auch als chronische Schizophrenie bezeichnet. Vorherrschend sind Negativsymptome wie Antriebsstörungen und Affektreduktion, das Ansprechen auf Neuroleptika ist gering, die Intelligenz ist meist irreversibel beeinträchtigt und zwar, wie Crow annimmt, aufgrund hirnstruktureller Veränderungen mit Zellverlust vor allem im Schläfenlappenbereich. Die noch heute gültige Einteilung der Schizophrenie in Positiv- und Negativsymptomatik geht auf diese frühen Konzepte von Crow zurück.
In den letzten Jahren hat sich Tim Crow vor allem mit der Entstehung der Schizophrenie beschäftigt und hierzu eine Theorie aufgestellt. Ausgehend von der Beobachtung, dass die Schizophrenie in allen Kulturen weltweit gleich verteilt ist, mithin also eine allgemein menschliche Erkrankung darstellt, beschäftigt er sich mit der Frage, warum diese Erkrankung, die verbunden ist mit einer herabgesetzten Reproduktionsrate, nicht ausstirbt, ob es eventuell einen Evolutionsvorteil gibt, der mit dem Risiko der Schizophrenieerkrankung verbunden ist. Als Antwort verweist er auf die Entwicklung der menschlichen Sprache. Sie bietet einen Evolutionsvorteil, erfordert aber eine starke Spezialisierung der Hirnhälften. Diese Spezialisierung aber wiederum ist nach Crow mit einem erhöhten Schizophrenierisiko verbunden. Tatsächlich gibt es eine Fülle von Hinweisen, dass die Schizophrenie mit einer gestörten Lateralisierung einhergeht. Unter Lateralisierung versteht man Seitenunterschiede zwischen rechter und linker Hirnhälfte. So ist z.B. das Sprachzentrum beim Rechtshänder in der linken, beim Linkshänder in der rechten Hirnhälfte angesiedelt. Tim Crow wird die neuesten Forschungsergebnisse zu diesem Thema vorstellen.
Christian Eggers (Essen)
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14.06.2006, 11:39
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Langzeitverlauf kindlicher Schizophrenien
Kindliche Schizophrenien sind selten, die Beschreibung von Langzeitverläufen kindlicher Schizophrenien noch seltener. Die Längsschnittstudie kindlicher Schizophrenien über einen Zeitraum von durchschnittlich 42 Jahren, die Professor Eggers vorstellt, ist weltweit einmalig. Sie beschreibt fast den gesamten Lebenslauf von 44 Patienten mit einer schizophrenen Psychose, die im Kindesalter erkrankt sind. Durch diese Langzeitanalyse wurde erst deutlich, wie unterschiedlich die Krankheit im Einzelfall verlaufen kann. Es gibt Patienten, die sich nach der Ersterkrankung in der Kindheit fast vollständig erholen, andere, die immer wieder erkranken und wieder andere, die fast ununterbrochen bis ins mittlere und höhere Lebensalter unter psychotischen Symptomen leiden. Die Gründe für diese unterschiedlichen Krankheitsverläufe sind bisher letztlich nicht bekannt. Durch die Eggers'sche Verlaufsuntersuchung ist die vor noch nicht allzu langer Zeit umstrittene Frage, ob es wirklich kindliche Schizophrenien mit einem so frühen Erkrankungsbeginn gibt, was jetzt endgültig als gesichert angesehen werden kann, beantwortet. Zum anderen ist die Kontinuität von sehr früh beginnenden Schizophrenien des Kindesalters und den Erwachsenenformen bewiesen worden. Auch ist die Stabilität der Diagnose "kindliche Schizophrenie" im Langzeitverlauf hoch, d.h. Kinder, die im Alter zwischen sieben und vierzehn Jahren schizophren waren, sind dies auch noch im mittleren und höheren Erwachsenenalter. Wegen der Seltenheit der kindlichen Psychose sind Verlaufsforschungen auf diesem Gebiet sehr selten. (Die Häufigkeit ist im Kindesalter 50 mal niedriger als bei Erwachsenen.) Die Heilungsaussichten früh erkrankter Schizophrenien sind relativ ungünstig, obwohl im Langzeitverlauf bis zu 20 % gute Heilungen oder sogar volle Ausheilungen vorkommen.
Professor Eggers wird die wichtigsten Ergebnisse seiner Längsschnittuntersuchung kindlicher Schizophrenien vorstellen.
M.C. Angermeyer (Leipzig)
Strategien zur Reduzierung der Stigmatisierung schizophrener Kranker
Psychische Erkrankungen gelten immer noch als "minderwertige" Krankheiten. Sie führen häufig zu Ausgrenzung und Stigmatisierung - einer zweiten Krankheit. Nach einer Erhebung des Jahres 2000 werden schizophren Erkrankte von vielen Menschen für unberechenbar und gefährlich gehalten, wobei sich in den letzten Jahrzehnten diese ablehnende Haltung in der Bevölkerung nicht abgeschwächt sondern eher verstärkt hat. Besonders betroffen von dieser Stigmatisierung sind Jugendliche mit einer Schizophrenie. Professor Angermeyer stellt ein Projekt vor, mit dem es gelungen ist, die Vorurteile und die Ablehnung gerade junger Menschen gegenüber psychisch Kranken deutlich abzubauen. Gelungen ist ihm das in Zusammenarbeit mit den Erkrankten selbst. Im Rahmen eines Forschungsprojektes hat er Informationsveranstaltungen über psychische Krankheiten an Schulen durchgeführt. An einigen Schulen wurden diese Veranstaltungen nur durch Experten durchgeführt, an anderen Schulen waren psychisch Kranke selbst an den Veranstaltungen beteiligt. Dabei hat sich gezeigt, dass die von Experten durchgeführten Veranstaltungen nur dann einen positiven Effekt hatten, wenn Betroffene einbezogen waren. Die Ablehnung psychisch Kranker wird offenbar vor allem dann reduziert, wenn es die Möglichkeit gibt, jemanden mit einer psychischen Erkrankung persönlich kennen zu lernen.
Robert D. Oades (Essen)
Bewusstsein, Aufmerksamkeit und Schizophrenie
Schizophrene Menschen haben häufig Probleme, wichtige von unwichtigen Dingen in ihrer Umgebung zu unterscheiden. Um diese Unterscheidung treffen zu können, müssen die Umgebungsreize zunächst von der Aufmerksamkeit erfasst und dann als relevant oder irrelevant eingestuft werden. Dieser Prozess scheint bei der Schizophrenie gestört zu sein, es
ist aber bisher weder bekannt, worin diese Störung besteht, noch, welche Hirnbereiche davon betroffen sind. Die Untersuchung dieser Vorgänge ist schwierig, weil die Aufmerksamkeits-prozesse außerordentlich schnell ablaufen. Automatische Reaktionen des Gehirns sind schon nach 50 ms feststellbar, die bewusste, willkürliche Registrierung eines Reizes erfolgt frühestens nach 150 ms. Mit Hilfe eines speziellen Messverfahrens ist es Professor Oades erstens gelungen, diese frühen, noch unbewussten Aufmerksamkeitsreaktionen in Form sogenannter "ereigniskorrelierter Potentiale" abzuleiten und Unterschiede zwischen Gesunden und Schizophreniepatienten nachzuweisen und zweitens die Erregungsquellen dieser Potentiale zu bestimmen. Da die ereigniskorrelierten Potentiale bei den Schizophreniepatienten gestört sind, sind die dazugehörigen Erregungsquellen dieser Potentiale vermutlich der Ausgangspunkt der Störung im Gehirn. Wie Professor Oades zeigen wird, liegen diese Störungszentren bei der Schizophrenie vor allem im frontalen und im temporalen Hirnbereich.
Luc Ciompi (Lausanne, CH)
Erfahrungen mit dem Soteria Projekt in Bern
Professor Luc Ciompi ist ein ausgewiesener reformorientierter Sozialpsychiater an der renommierten psychiatrischen Universitätsklinik in Bern, seit einigen Jahren emeritiert, aber noch sehr aktiv. Er ist bekannt geworden durch eine Langzeitanalyse bei schizophrenen Patienten im höheren Lebensalter, die er bereits 1976 unter dem Titel "Lebensweg und Alter der Schizophrenen" veröffentlicht hat. Er hat sich aber nicht nur mit der Verlaufsbeschreibung der Erkrankung beschäftigt, sondern auch sehr intensiv nach neuen Behandlungsmöglichkeiten gesucht und hier insbesondere nach Alternativen zur medikamentösen Standardtherapie. Mit der therapeutischen Einrichtung "Soteria" in Bern hat Ciompi konsequent eine Therapie mit einem Minimum an Medikamenten angeboten. Statt der Behandlung mit hohen Medikamenten-dosierungen wurden die Patienten auch in den akuten Krankheitsphasen intensiv persönlich betreut. Die Erfahrungen mit diesem Behandlungskonzept werden von Professor Ciompi zusammenfassend dargestellt.
Kurt Hahlweg (Braunschweig)
Familienbetreuung schizophrener Patienten
In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich weltweit die Überzeugung durchgesetzt, dass bei der Behandlung von Psychosen eine enge Zusammenarbeit zwischen Patienten, Familie und behandelnder Einrichtung eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Behandlungsergebnisse spielt. Das gilt vor allem für junge Patienten, die noch sehr in ihren Familien gebunden sind und deren psychosoziale Entwicklung durch das frühe Erkrankungsalter besonders gefährdet ist. Die psychotischen Symptome der Denk- und Kommunikationsstörung, die starken affektiven Schwankungen und der Antriebsverlust der Patienten führen selbst in stabilen Familien zu einem unerträglichen emotionalen Leidensdruck bei allen Beteiligten. Hinzu kommt die Stigmatisierung der psychischen Erkrankung durch die Umgebung mit der Gefahr des sozialen Rückzugs und der Isolation der gesamten Familie. Aus diesen Gründen haben psychoedukative Familienbetreuungsprogramme mit Informationsvermittlung, Kommunikationstraining und Problemlösetraining für die Angehörigen schizophrener Patienten in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das Hauptziel dieser Psychodedukationsarbeit besteht darin, die Patienten und ihre Familien zu befähigen, die krankheitsbedingten besonderen Lebensumstände und die damit verbundenen Krisen zu meistern und möglichst unabhängig von psychiatrischen Institutionen und öffentlichen Einrichtungen selbständig und eigenverantwortlich zu leben. Ein solches Familienbetreuungsprogramm ist von Professor Hahlweg entwickelt worden. Forschungsergebnisse zu diesem Programm wird er auf dem Symposium vorstellen.
A.K. Braun (Magdeburg)
Zur Entwicklungsbiologie: Die Synaptogenese
Katharina Braun hat sich wissenschaftlich mit dem Einfluss frühkindlicher Erfahrungs- und Lernprozesse auf die strukturelle und funktionelle Reifung des Gehirns beschäftigt und in einer großen Zahl von tierexperimentellen Untersuchungen diesen Einfluss nachgewiesen. So konnte die Wissenschaftlerin zeigen, dass psychosoziale Einflüsse während bestimmter sensibler frühkindlicher Entwicklungsphasen zu dauerhaften und tiefgreifenden Veränderungen der Hirnfunktion führen können, die sich später nur ganz bedingt und mit hohem Aufwand korrigieren lassen. Vor allem die erfahrensgesteuerte funktionelle Reifung von entwicklungsgeschichtlich alten Hirnregionen, wie dem limbischen System sind besonders empfindlich gegenüber frühen traumatisierenden Einflüssen und emotionalen Mangelerlebnissen! Und genau diese Hirnregion ist von besonderer Bedeutung für kognitive und emotionale Prozesse, die bei schizophrenen Psychosen beeinträchtigt sind! Die in ihrer Bedeutung kaum zu überschätzenden Befunde von Frau Braun belegen also die Bedeutung psychosozialer Einflüsse, speziell emotionaler, traumatischer Mangelerlebnisse auf die Entstehung schizophrener Psychosen. Daraus folgt, dass eine alleinige Psychopharmakatherapie für die Behandlung schizophrener Patienten nicht ausreicht.
Die Vorträge von Privatdozent Dr. Braus, Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, und Professor Hirsch, Neuropsychiater aus London, befassen sich mit Hirnregionen, die bei schizophrenen Psychosen zumindest funktionell gestört sind.
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news69232
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14.06.2006, 11:44
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Hintergrundwissen zur Schizophrenie
Können schizophren gefährdete Menschen eine Familie begründen, Kinder großziehen?
 Schizophrenie ist auch heute noch eine schwere, und nicht immer einfach behandelbare Erkrankung. Sie tritt meist im späten jugendlichen und im jungen Erwachsenenalter in Erscheinung, was dazu führt, daß Ausbildung nicht zu Ende gebracht und der Beruf nicht ausgelernt wird.
Insofern fassen schizophren Erkrankte nur erschwert im Berufsleben Fuß, gründen deshalb oft keinen eigenen Hausstand, sondern verbleiben meist länger als andere Menschen im Haushalt der Eltern. Dieser immer noch ungünstige Verlauf der Erkrankung ist es, warum schizophren gefährdete Menschen seltener als andere Altersgenossen eine eigene Familie begründen und weniger Kinder haben. Gelingt es, über eine verbesserte Behandlung diese Einschränkung zu überwinden, dann steht im Grunde auch der eigenen Existenz, der eigenen Familie und eigenen Kindern wenig im Wege.
Dieser Satz gilt einmal mehr, wenn man sich mit einer Partnerin, einem Partner zusammengefunden hat, der unterstützend und kompetent bei der Bewältigung der Erkrankung zur Seite steht. Ist ein solches Stadium erreicht, was aber leider heutzutage noch nicht allen Erkrankten gelingt, dann ist auch die Frage einer Familienplanung offen. Man muß allerdings wissen, daß Schizophrenien in gewisser abgeschwächter Weise Erbkrankheiten darstellen. Je nach Verlaufs- und Unterform schwankt das Risiko im ein- bis zweistelligen Prozentbereich, daß auch die Kinder eines schizophrenen Elternteils später einmal selbst erkranken.
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14.06.2006, 11:46
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USA. Schizophrenie-Patienten schätzen Risiken realistischer ein als Gesunde
Ähnlich wie Gesunde gehen auch Schizophrenie-Kranke optimistisch davon aus, dass sie von manchen Risiken seltener betroffen sein werden als ihre Mitmenschen. Allerdings überschätzen sich Schizophrenie-Patienten dabei weniger stark als Gesunde. Ihr Urteil ist also in diesem Punkt realitätsnäher. Darauf macht eine Studie von K. J. Prentice und Kollegen an 25 Schizophrenie-Kranken und 23 gesunden Kontrollpersonen aufmerksam. In ihr schätzten die Teilnehmer auf einer 7-stufigen Skala ein, für wie wahrscheinlich sie es hielten, dass ihnen 40 in einem Fragebogen aufgelistete Ereignisse zustoßen könnten. Die einzelnen Risiken unterschieden sich unter anderem dadurch, dass sie kontrollierbar, unkontrollierbar oder neutral waren. Am meisten differierte die Bewertung kontrollierbarer Ereignisse, die von Gesunden besonders verzerrt eingeschätzt wurde. Nach Meinung der Autoren wirkt sich der von ihnen beschriebene Beurteilungsbias praktisch bedeutsam aus, wenn es um die Zustimmung zu Behandlungen oder Studienteilnahmen geht.
K. J. Prentice u. a.: Optimistic bias in the perception of personal risk: patterns in schizophrenia. Am. J. Psychiatry 2005 (162) 507-512
Dänemark. Fieberkrämpfe begünstigen Schizophrenie
Wer als Kind unter einem oder mehreren Fieberkrämpfen gelitten hat, ist einem um 44 Prozent erhöhten Risiko ausgesetzt, bis zum 24. Lebensjahr schizophren zu erkranken. Zu dieser Feststellung gelangen M. Vestergaard und Mitarbeiter aufgrund einer Auswertung von Krankenhausregistern. Die Autoren überprüften zuerst, bei wie vielen in den Jahren 1977 bis 1986 stationär behandelten Kinder die Diagnose Fieberkrampf gestellt worden war (n = 16.429). Anschließend ermittelten sie, ob die Betreffenden in den Folgejahren wegen Schizophrenie in ein Krankenhaus aufgenommen worden waren (n = 952). Im Vergleich zu Kindern gleichen Alters errechnete sich ein um den Faktor 1,44 erhöhtes Risiko, nach kindlichen Fieberkrämpfen im weiteren Leben schizophrene Symptome zu entfalten. Daran änderte sich auch dann nichts, wenn man alle Epilepsie-Kranken unberücksichtigt lässt. Allerdings hatten solche Personen ein massiv erhöhtes Schizophrenie-Risiko (+ 204 Prozent), deren Krankheitsgeschichte sowohl Fieberkrämpfe als auch eine Epilepsie aufwies. Die Autoren spekulieren darüber, ob Fieberkrämpfe die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und über diesen Mechanismus eine Schizophrenie fördern. Zugleich schließen sie nicht aus, dass noch unbekannte Faktoren den Zusammenhang zwischen Fieberkrämpfen und Schizophrenie vermitteln. So ist beispielsweise denkbar, dass nicht der Fieberkrampf selbst, sondern die zu dessen Behandlung eingesetzten Medikamente (wie etwa Phenobarbital) Schizophrenien begünstigt haben.
M. Vestergaard u. a.: Febrile seizures and risk of schizophrenia. Schizophrenia Research 2005 (73) 343-349
USA. Veränderte Gesichtszüge bei Schizophrenie?
Menschen mit Schizophrenie haben offenbar ein in der Vertikalen lang gezogenes Gesicht. Diese Beobachtung machten P. F. Buckley und Kollegen bei der morphometrischen Untersuchung von 14 Schizophrenie-Patienten und 11 gesunden Kontrollpersonen. Die Autoren verglichen die Lagebeziehungen von 65 eindeutig definierten Punkten auf jedem Gesicht. Von allen Untersuchungsteilnehmern wurden mit Hilfe einer dreidimensionalen Kamera sechs Aufnahmen gemacht. Buckley und Kollegen erwähnen die Vermutung, dass vorgeburtliche Reifestörungen des Gehirns mit Schädel- bzw. Gesichtsveränderungen einhergehen können.
P. F. Buckley u. a.: A three-dimensional morphometric study of craniofacial shape in schizophrenia. Am. J. Psychiatry 2005 (162) 606-608
USA. Schizophrenie-Kranke fühlen sich weniger männlich
Diesen Schluss ziehen M. Sajatovic und Kollegen aus einer Studie, in der sie 90 Schizophrenie-Patienten mit Hilfe des Bem Sex Role Inventory zu ihren Rollenvorstellungen befragt hatten. Interessanterweise benannten auch schizophreniekranke Frauen weniger männliche Eigenschaften, als es der weiblichen Norm entsprochen hätte. Die Autoren weisen darauf hin, dass sich eine Schizophrenie häufig in der Adoleszenz manifestiert, also in einem Alter, in dem die meisten jungen Menschen stark mit ihrer Identitätsfindung befasst sind.
M. Savatovic u. a.: Gender identity and implications for recovery among men and women with schizophrenia. Psychiatric Services 2005 (56) 96-98
Großbritannien. Vererblichkeit von Schizophrenie: Zweifel durch unklare Vaterschaften
Mehrere Forschergruppen gehen davon aus, dass eine Schizophrenie häufiger über die mütterliche als über die väterliche Linie vererbt wird. Nach Ansicht von M. Procopio stützen sich diese Annahmen zu einem erheblichen Teil auf falsche Daten. Denn viele der untersuchen „offiziellen“ Väter sind nicht gleichzeitig biologische Väter. Procopio geht davon aus, dass je nach Bevölkerungsgruppe bis zu 30 Prozent der Kinder außerehelichen Beziehungen entstammen. Dies gilt besonders für Kinder aus ärmeren bzw. sozial schwierigen Verhältnissen, in denen Schizophrenie-Kranke ja häufig aufwachsen. Als Argument für seine Hypothese führt der Autor zweieiige Zwillinge an, von denen beide häufiger an Schizophrenie erkranken als die übrigen Geschwister. Dies liege nicht zuletzt daran, dass dizygote Zwillinge mit großer Wahrscheinlichkeit den gleichen Vater haben. Aufgrund falsch zugeordneter Vaterschaften wird das Erkrankungsrisiko von Geschwistern vermutlich um rund 10 Prozent unterschätzt
M. Procopio: Misattributed paternity. A bias in the family studies in schizophrenia? Medical Hypotheses 2005 (64) 1046-1049
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14.06.2006, 12:01
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Schizophrenie ist eine ganz tückische Krankheit!
Eine frühere Arbeitskollegin hat Schizophrenie seit ihrer Kindheit, leider wird die Erkrankung mit jedem Schub schlimmer.
Sie hat nicht 2, nein sie hat mehrere Naturelle in sich vereint und ist mittlerweile dadurch vollkommen vereinsamt, da es ihrem Umfeld unmöglich wurde, mit ihr zurecht zu kommen.
Lange haben Freunde, Familie und Kollegen versucht, sie zu begleiten, sie kamen allerdings mit den ständig wechselnden Charakteren, die diese Krankheit mit sich bringt, nicht mehr klar.
Das Jugendamt nahm ihren Sohn mit 8Jahren aus der Familie(obwohl der Ehemann sich mit kümmerte, war die Situation für den Jungen nicht mehr tragbar).
Kurz darauf wurde auch ihre 11jährige Tochter in einer Pflegefamilie untergebracht.
Der Sohn (heute 16Jahre jung) hat ebenso Schizophrenie, die Tochter zeigt auch Tendenzen.
Wirklich traurig...
LG
Nancy
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14.06.2006, 12:25
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das ist ja wirklich schrecklich,und leider ist es auch so,das die krankheit meist sehr spät erkannt wird.dabei tritt sie ja auch schon im kindesalter auf.und dann werden die kinder meist als absonderlich abgetan.schrecklich ist es ja auch das es in familien vermehrt auftritt und auch nachfolgende generationen darunter zu leiden haben.
es gibt ja auch verschiedene formen der schizophrenie .die sich unterschiedslich bemerkbar macht.sie kann anfangen von verfolgungswahrn bis hin zur unberechenbarkeit.wo das umfeld dann in direkte gefahr schwebt.
intresant fand ich ja den zusammenhang zwischen fieberkrämpfe und auslöser der schizophrenie.
auf jeden fall fand ich die berichte so intresant auch für unsere eltern hier .
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14.06.2006, 12:35
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Meines Wissens nach ist auch wohl zwischen Borderline, Schizophrenie und Multiple Persönlichkeits Störung (MPS) nur schwer zu unterscheiden ...
Wobei die Diagnose MPS auch von einigen ehemaligen Patienten in Frage gestellt wird, da es in den USA zum einen fast schon eine "Mode-Diagnose" war und zum anderen einige Patienten eine Spontanheilung von MPS erfuhren - allerdings immer erst dann, wenn die Leistungen der Krankenversicherung ausgeschöpft waren ... (in den USA ist ja Krankenversicherung eine private Angelegenheit - daher sind die Leistungen oft auch begrenzt - für psychische Erkrankungen oft auf 1 Mio US-Dollar. Es gibt wohl einige MPS-Patienten, die als geheilt entlassen wurden, nachdem ihr Maximalbudget für die Behandlung psychischer Erkrankungen ausgeschöpft war).
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... schön Dich zu lesen  ...
Hiermit untersage ich ausdrücklich aus datenschutzrechtlichen Gründen, mich als Kontakt in Netzwerken wie Facebook anzugeben! Bitte wahrt meine Persönlichkeitsrechte und die Bestimmungen des deutschen Datenschutzrechts. Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem empfehle ich z. B. den Artikel "Krake Facebook"
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14.06.2006, 12:39
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da hast du recht das da nur sehr schwer eine unterscheidung möglich ist.allerdings sollte ein spezialist diese doch feststellen,finde ich.
der unerschied ist ja das nur die schizophenie erblich ist,die anderen nicht,da sollten die doktoren doch auch das umfeld mit untersuchen
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14.06.2006, 12:49
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Die Problematik liegt hier wie in anderen Bereichen auch darin, einen guten und engagierten Therapeuten / Arzt zu finden.
Ich hatte das auch nur einmal "in den Raum geworfen", damit Betroffene und Angehörige einen Hinweis haben, um nachzuhaken.
Du kennst das ja selbst, steht man am Anfang (also kurz nach der Diagnose) einer Erkrankung ist man erst einmal völliger Laie. Mein Hinweis sollte also nur dazu dienen, etwas näher hinzugucken als Betroffener bzw. Angehöriger oder Betreuer ...
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14.06.2006, 13:50
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aber leider ist es ja meist so,das gerade betroffene oder angehörige davor die augen zu machen.
weil gerade bei schitzophenie viele der meinung sind,lieber totschweigen (auch wenn begründeter verdacht da ist) als sich hilfe zu einzufordern.ich denke mal da gehört noch sehr viel aufklärungsarbeit dazu in diesen bereich etwas zu erreichen.
unterschätzt wird ja auch der erbfaktor,selbst wenn bekannt ist das in der familie diese krankheit herscht ,wird meist kein vermerhtes augenmerk auf die angehörigen gerichtet sondern gerade,diese können sehr gut ihre umwelt und auch die ärzte langzeitig täuschen ,so das eine behandlung sehr spät einsetzt.
schizophenie geht ja nicht unbedingt mit einen geistigen defekt,der wiederum eine redierung zur folge hat umher,sondern eher ist das gegenteil der fall.
wir hatten hier einen arzt der schizophene behandelt hat.1a gutachten geschrieben hatte.und lange den beigeschmach fachidiot hatte.bis sich rausstellte das dieser selbst an dieser krankheit litt.zum beispiel wir haben hier in heiligenhafen natürlich auch bänke wo man geldabheben kann.er bekam es nicht gebacken hier her zu gehen sondern fur fürs geldabheben mit den taxi nach kiel was jedesmal hin und zurück 120dm kostete abgehoben hat er meist 30 40 mark mehr also muste er reglmässig hin.er war ein leidenschaftlicher briefmarkensammler.und wie jeder weeis geht es da ja auch um zacken .er war sehr vorsichtig beim ablösen.allerdings zum trocknen hing er sie auf eine wäscheleine mit klammern festgemacht.seine schübbe sind immer kurzfristiger gekommen zum schluss hat er für sich und andere eine gefahr dargestellt.
gerade im anfangsstadium ist es ja schwer festzustellen,deswegen sollte man auch bei kindern ein vermehrtes augenmerk drauf legen,wenn in der familie solche fälle bekannt sind.
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