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Alt 29.12.2006, 20:58
vienetta vienetta ist offline
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Registriert seit: 04.08.2006
Beiträge: 3.585
Standard Lissenzephalie

Lissenzephalie ist der Oberbegriff für eine Reihe von Entwicklungsstörungen des Gehirns, die zu schweren Behinderungen der Neugeborenen führen. Allen Arten gemeinsam ist eine Wanderungsstörung (Migrationsstörung) der Nervenzellen des Gehirns in den ersten 1-4 Monaten der Entwicklung des Feten. Die Folge dieser Störung ist eine glatte (= lissos) Ausprägung der Oberfläche der Großhirnrinde (Cortex). Die betroffenen Kinder bleiben fast alle auf der Entwicklungsstufe eines Säuglings stehen. Ihre Lebenserwartung ist trotz intensiver Betreuung deutlich reduziert. Sie bleiben lebenslang schwere Pflegefälle mit starken intellektuellen und körperlichen Defiziten.
Das Auftreten dieser Gehirn-Fehlbildung kann genetisch bedingt sein. Die Erkrankung kann aber auch durch Vergiftungen, Viruserkrankungen oder Chromosomschäden entstanden sein. Neben den hier beschriebenen drei Arten einer Lissenzephalie werden in der Literatur noch weitere, meist sehr seltene beschrieben, so das Borthsyndrom, das Fukuyama-Syndrom oder das Norman-Roberts-Syndrom.

Definition

Unter einer Lissenzephalie versteht man eine Fehlbildung des Gehirns. Dabei ist die Großhirnoberfläche mehr oder weniger glatt, anstatt, wie beim Gesunden gewunden bzw. gefurcht zu sein.
Der Name entstammt dem Griechischen, wobei lissos = glatt heißt und enzephalon das Gehirn bezeichnet. Der Begriff Lissenzephalie ist dabei der Oberbegriff für eine Reihe verschiedener Ausprägungen dieser Erkrankung. So unterscheidet man die isolierte Lissenzephalie-Sequenz, das Miller-Dieker-Syndrom, das sehr seltene Normen-Robert-Syndrom, das Fukuyama-Syndrom oder das Walker-Warburg-Syndrom. Die Ursachen für das Auftreten dieser Erkrankung können Spontanmutationen oder Deletionen (= Verlust) einer bestimmten Gen-Region auf dem Chromosom 17, Virusinfektionen des ungeborenen Kindes, ungenügende Blut = Sauerstoffversorgung des Gehirns des Ungeborenen oder eine genetische Vererbung mit rezessivem Erbgang sein. Der Genfehler liegt ebenfalls auf dem Chromosom 17.
Lissenzephalien sind selten. Man rechnet für alle Syndrome zusammen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 : 20 000 bis 1 : 50 000. Auf 20 000 bzw. 50 000 Geburten kommt damit 1 Neugeborenes mit Lissenzephalie.

Symptome

Die Symptome und Prognosen sind für die verschiedenen Arten der Lissenzephalie zum Teil unterschiedlich. Sie sind im einzelnen unter den verschiedenen Syndromen dargestellt.
Allen gemeinsam aber ist die Tatsache, dass die betroffenen Kinder auf der Entwicklungsstufe eines Säuglings bzw. Kleinkinds stehen bleiben, also nicht sprechen und laufen können und lebenslang gefüttert werden müssen. Oft treten auch Gehör- und Sehstörungen sowie epileptische Anfälle auf. Aufgrund der Fütterungsprobleme sind Lungenentzündungen relativ häufig. Auch ein Wasserkopf (Hydrozephalus) wird bei den Neugeborenen beobachtet.

Entwicklung des Gehirns

Im ersten Schwangerschaftsmonat beginnt sich das Gehirn auszubilden. Die Zellentwicklung findet dabei hauptsächlich im Neuroepithel, der Auskleidung der Hirnbläschen statt. Die Nervenzellen befinden sich in einem mit Flüssigkeit gefüllten Hohlraum, der als Zentralkanal bezeichnet wird. Während des 2. Schwangerschaftsmonats beginnen sich die Zellen des Stützgewebes (Gliazellen) vorwiegend an der Hirnoberfläche zu bilden. Während des dritten und vierten Schwangerschaftsmonats ranken sich die Nervenzellen an diesen Gliazellen an die Hirnoberfläche. Dabei erreichen die zuletzt "gestarteten" Nervenzellen die oberste Schicht der Gehirnoberfläche, also des Großhirns.
Bei einer normalen Entwicklung befinden sich eine große Anzahl der Nervenzellen an oder kurz unterhalb der Oberfläche der Großhirnrinde (= Cortex). Die Großhirnrinde ist der Sitz des menschlichen Bewusstseins und seiner kognitiven (= intellektuellen) Fähigkeiten. Bei Patienten mit einer Lissenzephalie erreichen zahlreiche Nervenzellen den Cortex nicht, sondern sind auf ihrer Wanderung (Migration) an nicht vorgesehenen Stellen steckengeblieben. Aus diesem Grunde können zahlreiche notwendige Verbindungen der Nerven des Cortex nicht erstellt werden.
Daher ist die Lissenzephalie eine Wanderungsstörung (= Migrationsstörung) von an sich für den Cortex bestimmten Nervenzellen.
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  #2  
Alt 29.12.2006, 21:01
vienetta vienetta ist offline
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Registriert seit: 04.08.2006
Beiträge: 3.585
Standard

Ursachen

Es werden eine Reihe von Ursachen für das Auftreten der Lissenzephalie verantwortlich gemacht. Es können dies im Einzelnen sein:
Virusinfektion des Ungeborenen

Eine Reihe von Virusinfektionen während der ersten 3 Schwangerschaftsmonate kann eine Ursache für die Erkrankung sein.

Mangeldurchblutung

Eine unzureichende Blut- und damit Sauerstoffversorgung des Gehirns des Ungeborenen in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten kann ebenfalls eine Ursache sein.

Genmutationen

Als bewiesen wird eine Spontanmutation an bestimmten Stellen des Chromosoms 17 angesehen. Derartige Mutationen sind bei einem der beiden Eltern in den Samen- oder Eizellen entstanden und dann bei der Befruchtung an das Kind weitergegeben worden. Damit die Erkrankung bei dem Kind entsteht, muss der andere Elternteil bereits Träger des defekten Gens sein.

Erblichkeit

Es kann bei einigen Formen weiterhin ein autosomal rezessiver Erbgang als bewiesen angesehen werden. Die Störung liegt auf dem Chromosom 17, wahrscheinlich auf dem sogenannten LIS 1-Gen.

Vorgeburtliche Diagnostik

Beim Ungeborenen kann eine Ultraschalluntersuchung erste Hinweise auf eine derartige Erkrankung geben. Auch eine Fruchtwasseruntersuchung mit anschließender zytogenetischer Untersuchung kann bei einigen Arten die Lissenzephalie zur Diagnose dienen.
Diagnose

Die klinischen Symptome der Kinder oder deren äußeren Erscheinungsbild lenken den Verdacht auf eine Lissenzephalie.
Eine Erhärtung der Diagnose kann mittels der Magnetresonanztomographie (MRT) oder der Computertomographie (CT) erhalten werden. Auch eine zytogenetische Untersuchung mit Hilfe einiger Milliliter Blut des Kindes ist bei e
Therapie

Eine die Ursache beseitigende Therapie der Lissenzephalie gibt es nicht. Man kann nur versuchen, die aus der Hirnentwicklungsstörung resultierenden Symptome lindern zu helfen. Eine intensive und liebevolle lebenslange Betreuung unter ärztlicher Mitwirkung ist dabei unerlässlich.
inigen Syndromen möglich.

Prognose

Man kann feststellen, dass die Prognose für die Lebensqualität und die Lebensdauer der betroffenen Kinder stark von der Art und der Schwere der jeweiligen Lissenzephalie abhängt. Die Prognosen der einzelnen Arten der Lissenzephalie sind unter dem entsprechenden Überschriften ausführlich nachzulesen. Generell kann man aber feststellen, dass die Prognose aller Formen der Lissenzephalie sehr schlecht ist.




Etwas Ethisches

Etwa 98 % aller Frauen, die ein behindertes Kind zu erwarten haben, entschließen sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem Abbruch der Schwangerschaft.
Betroffene Eltern, die ein Kind mit Lissenzephalie zur Welt gebracht haben, berichten, dass sie das Kind trotz seiner schweren Behinderung als Bereicherung ihres Lebens betrachten bzw. betrachtet haben.
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  #3  
Alt 29.12.2006, 21:04
vienetta vienetta ist offline
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Registriert seit: 04.08.2006
Beiträge: 3.585
Standard

Isolierte Lissenzephalie-Sequenz


Unter Lissenzephalie versteht man eine glatte, windungslose Oberfläche des Großhirns, die bei manchen Säugetieren einen Normalzustand darstellt, beim Menschen handelt es sich jedoch um einen krankhaften Prozess, der auch als Agyrie, also Windungslosigkeit, bezeichnet wird.
Der isolierten Lissenzephalie-Sequenz (ILS) liegt, wie allen Formen der Lissenzephalie, eine Entwicklungsstörung der Großhirnrinde zu Grunde. Bei der Ausbildung des Gehirns in den ersten Schwangerschaftswochen kommt es zu Wanderungsstörungen der Nervenzellen in die spätere Hirnrinde. Aufgrund dieser Störung erscheint die Hirnrinde glatt (lissos = glatt) anstelle eine, wie bei Gesunden, gefurchte Form zu besitzen. Die betroffenen Kinder sind schwerstbehindert. In der Regel überleben nur wenige das 2. Lebensjahr. Sie müssen lebenslang intensiv betreut werden, da sie auf der Entwicklungsstufe eines 3-6 Monate alten Kindes stehen bleiben. Als Ursache werden genetische und nichtgenetische Gründe angegeben.

Definition

Die isolierte Lissenzephalie-Sequenz ist eine spezielle Ausprägung der Lissenzephalie. Bei dieser Erkrankung ist das äußere Erscheinungsbild der Neugeborenen fast unauffällig. Die sehr geringen Auffälligkeiten, wie z.B. ein etwas verkleinerter Kiefer oder eine sanfte Einbuchtung der Schläfen werden nur vom Spezialisten als Hinweis erkannt. Die Erkrankung geht später mit starken geistigen Entwicklungsstörungen einher. Die Kinder verbleiben geistig auf der Stufe eines 3-6 Monate alten Kindes.
Ihre Lebenserwartung ist deutlich reduziert, aber neuere Beobachtungen gehen von Lebenserwartungen aus, die deutlich über 2 Jahren liegen. Das älteste beobachtete Kind ist sogar 19 Jahre alt geworden.

Ursachen

Ursache sind genetische und nicht genetische Gründe.
Genetische Ursachen

Erbgang bei der isolierten Lissenzephalie

Als genetische Ursache wird ein autosomaler rezessiver Erbgang gesehen. Autosomal bedeutet, dass nicht die Geschlechtschromosomen betroffen sind, hier das Chromosom 17. Rezessiv heißt, dass ein Individium mit nur einem defekten Gen nicht erkrankt. Damit ein krankes Kind zur Welt kommt, müssen beide Elternteile "Träger" des defekten Gens sein. Wie die Abbildung zeigt, liegt in diesen Fällen das Risiko für ein Kind, die Krankheit zu bekommen bei 25%. Im Mittel erkrankt also von 4 Kindern ein Kind, wenn beide Eltern das defekte Gen tragen.
Weiterhin wird eine Spontanmutation auf dem Chromosom 17 als Ursache angesehen. In diesem Fall fehlt ein kleiner Teil einer bestimmten DNA-Sequenz auf diesem Chromosom. Dabei stammen die fehlenden DNA-Sequenzen aus dem gleichen Teil des Chromosoms 17 wie bei dem Miller-Dieker-Syndrom, scheinen aber sehr viel kleiner zu sein als die dort fehlende Sequenz.

Nicht genetische Ursachen

Nicht genetische Ursachen sind schwierig nachzuweisen. Wirksam werden sie während der Ausbildung des Gehirns zwischen dem 2. Und 4. Schwangerschaftsmonat. Als Ursache können Infektionen des Ungeborenen während dieser Zeit oder eine unzureichende Blut- bzw. Sauerstoffversorgung in Frage kommen. Auch Vergiftungen während dieser Zeit werden als möglich angesehen.

Häufigkeit

Die Erkrankung ist relativ selten und daher oft auch Ärzten nicht bekannt. Sie tritt, je nach Autoren, mit einer Häufigkeit zwischen 1 : 20 000 bis 1 : 50 000 auf. Das bedeutet, dass bei 20 000 bzw. 50 000 Geburten ein Kind mit dieser Erkrankung geboren wird.





Symptome

Die betroffenen Kinder bleiben, wie oben erwähnt, auf dem Entwicklungsstadium eines 3-6 Monate alten Kleinkinds stehen, sie können also weder laufen noch sprechen und müssen lebenslang gefüttert werden. Weitere Symptome lassen sich feststellen, so vor allem:
  1. gestörte Blickkontrolle
  2. Krampfanfälle, epileptische Anfälle
  3. Spastik
  4. Fütterungsprobleme
  5. wegen der Fütterungsprobleme, Neigung zu Lungenentzündungen
  6. Erbrechen
  7. Gewichtsverlust
  8. Vorgeburtliche Diagnose

    Es ist möglich, z.B. mittels einer Fruchtwasseruntersuchung und einer anschließenden zytogenetischen Untersuchung, eine Erkrankung des Ungeborenen festzustellen. Auch Ultraschalluntersuchungen können Hinweise - aber keine Beweise - liefern.
    Diagnose

    Eine erste Diagnose ergibt sich aus den vorliegenden Symptomen. Kernspin- bzw. Computer-Tomographieaufnahmen können die Diagnose absichern. Auch eine Chromosomenanalyse ist möglich.


Prognose

Die Prognose ist schlecht. Die meisten Kinder versterben in den ersten Lebensjahren. Aber dank einer besseren Aufklärung und intensiven Betreuung können die betroffenen Kindern mittlerweile viele Jahre überleben. Das älteste Kind, das beobachtet wurde, ist sogar 19 Jahre alt geworden.
Bei der schweren Form des ILS mussten die Kinder sofort nach der Geburt beatmet werden. Auch später sind sie nicht in der Lage, selbstständig zu atmen. Alle diese Kinder sterben in den ersten zwei Lebensmonaten.
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  #4  
Alt 03.03.2008, 20:38
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Mary Mary ist offline
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