Isolierte Lissenzephalie-Sequenz
Unter Lissenzephalie versteht man eine glatte, windungslose Oberfläche des Großhirns, die bei manchen Säugetieren einen Normalzustand darstellt, beim Menschen handelt es sich jedoch um einen krankhaften Prozess, der auch als Agyrie, also Windungslosigkeit, bezeichnet wird.
Der isolierten Lissenzephalie-Sequenz (ILS) liegt, wie allen Formen der Lissenzephalie, eine Entwicklungsstörung der Großhirnrinde zu Grunde. Bei der Ausbildung des Gehirns in den ersten Schwangerschaftswochen kommt es zu Wanderungsstörungen der Nervenzellen in die spätere Hirnrinde. Aufgrund dieser Störung erscheint die Hirnrinde glatt (lissos = glatt) anstelle eine, wie bei Gesunden, gefurchte Form zu besitzen. Die betroffenen Kinder sind schwerstbehindert. In der Regel überleben nur wenige das 2. Lebensjahr. Sie müssen lebenslang intensiv betreut werden, da sie auf der Entwicklungsstufe eines 3-6 Monate alten Kindes stehen bleiben. Als Ursache werden genetische und nichtgenetische Gründe angegeben.
Definition
Die isolierte Lissenzephalie-Sequenz ist eine spezielle Ausprägung der Lissenzephalie. Bei dieser Erkrankung ist das äußere Erscheinungsbild der Neugeborenen fast unauffällig. Die sehr geringen Auffälligkeiten, wie z.B. ein etwas verkleinerter Kiefer oder eine sanfte Einbuchtung der Schläfen werden nur vom Spezialisten als Hinweis erkannt. Die Erkrankung geht später mit starken geistigen Entwicklungsstörungen einher. Die Kinder verbleiben geistig auf der Stufe eines 3-6 Monate alten Kindes.
Ihre Lebenserwartung ist deutlich reduziert, aber neuere Beobachtungen gehen von Lebenserwartungen aus, die deutlich über 2 Jahren liegen. Das älteste beobachtete Kind ist sogar 19 Jahre alt geworden.
Ursachen
Ursache sind genetische und nicht genetische Gründe.
Genetische Ursachen

Erbgang bei der isolierten Lissenzephalie
Als genetische Ursache wird ein autosomaler rezessiver Erbgang gesehen. Autosomal bedeutet, dass nicht die Geschlechtschromosomen betroffen sind, hier das Chromosom 17. Rezessiv heißt, dass ein Individium mit nur einem defekten Gen nicht erkrankt. Damit ein krankes Kind zur Welt kommt, müssen beide Elternteile "Träger" des defekten Gens sein. Wie die Abbildung zeigt, liegt in diesen Fällen das Risiko für ein Kind, die Krankheit zu bekommen bei 25%. Im Mittel erkrankt also von 4 Kindern ein Kind, wenn beide Eltern das defekte Gen tragen.
Weiterhin wird eine Spontanmutation auf dem Chromosom 17 als Ursache angesehen. In diesem Fall fehlt ein kleiner Teil einer bestimmten DNA-Sequenz auf diesem Chromosom. Dabei stammen die fehlenden DNA-Sequenzen aus dem gleichen Teil des Chromosoms 17 wie bei dem Miller-Dieker-Syndrom, scheinen aber sehr viel kleiner zu sein als die dort fehlende Sequenz.
Nicht genetische Ursachen
Nicht genetische Ursachen sind schwierig nachzuweisen. Wirksam werden sie während der Ausbildung des Gehirns zwischen dem 2. Und 4. Schwangerschaftsmonat. Als Ursache können Infektionen des Ungeborenen während dieser Zeit oder eine unzureichende Blut- bzw. Sauerstoffversorgung in Frage kommen. Auch Vergiftungen während dieser Zeit werden als möglich angesehen.
Häufigkeit
Die Erkrankung ist relativ selten und daher oft auch Ärzten nicht bekannt. Sie tritt, je nach Autoren, mit einer Häufigkeit zwischen 1 : 20 000 bis 1 : 50 000 auf. Das bedeutet, dass bei 20 000 bzw. 50 000 Geburten ein Kind mit dieser Erkrankung geboren wird.
Symptome
Die betroffenen Kinder bleiben, wie oben erwähnt, auf dem Entwicklungsstadium eines 3-6 Monate alten Kleinkinds stehen, sie können also weder laufen noch sprechen und müssen lebenslang gefüttert werden. Weitere Symptome lassen sich feststellen, so vor allem:
- gestörte Blickkontrolle
- Krampfanfälle, epileptische Anfälle
- Spastik
- Fütterungsprobleme
- wegen der Fütterungsprobleme, Neigung zu Lungenentzündungen
- Erbrechen
- Gewichtsverlust
- Vorgeburtliche Diagnose
Es ist möglich, z.B. mittels einer Fruchtwasseruntersuchung und einer anschließenden zytogenetischen Untersuchung, eine Erkrankung des Ungeborenen festzustellen. Auch Ultraschalluntersuchungen können Hinweise - aber keine Beweise - liefern.
Diagnose
Eine erste Diagnose ergibt sich aus den vorliegenden Symptomen. Kernspin- bzw. Computer-Tomographieaufnahmen können die Diagnose absichern. Auch eine Chromosomenanalyse ist möglich.
Prognose
Die Prognose ist schlecht. Die meisten Kinder versterben in den ersten Lebensjahren. Aber dank einer besseren Aufklärung und intensiven Betreuung können die betroffenen Kindern mittlerweile viele Jahre überleben. Das älteste Kind, das beobachtet wurde, ist sogar 19 Jahre alt geworden.
Bei der schweren Form des ILS mussten die Kinder sofort nach der Geburt beatmet werden. Auch später sind sie nicht in der Lage, selbstständig zu atmen. Alle diese Kinder sterben in den ersten zwei Lebensmonaten.