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Alt 29.12.2006, 21:10
vienetta vienetta ist offline
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Standard Neurofibromatose

Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1), auch "(von) Recklinghausen-Krankheit" genannt, ist eine genetisch bedingte Krankheit, d.h. sie beruht auf der Veränderung einer Erbanlage. Sie ist autosomal dominant vererbbar, was bedeutet, dass Kinder eines Erkrankten mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % ebenfalls erkranken werden. Obwohl die Krankheit angeboren ist, treten die Merkmale jedoch erst im Laufe des Lebens und dann zunehmend in Erscheinung. Die Hauptmerkmale zeigen sich auf der Haut. Dabei handelt es sich um hellbraune Pigmentflecken, die sog. Café-au-lait-Flecken und knötchenartige Gebilde, die Neurofibrome. Neurofibrome sind gutartige Geschwülste, die entlang von Nerven entstehen und sich aus Nerven- und Bindegewebszellen zusammensetzen. Bei einigen Menschen ist die Ausprägung auf die Hauterscheinungen beschränkt, bei anderen kommen weitere Symptome und Komplikationen hinzu, z.B. Tumore des Gehirns oder des Wirbelkanals, Wirbelsäulenverkrümmungen oder spezifische Lernprobleme. Der Verlauf der Krankheit ist nicht vorherzusagen.
Ursächlich sind Mutationen im NF1-Gen auf dem Chromosom 17 (17q11). In der Hälfte der Fälle tritt die Erkrankung zum ersten mal in der Familie auf (Neumutation). Durch frühzeitige Diagnosestellung können Komplikationen gering gehalten werden.

Definition

Die Neurofibromatose Typ 1, kurz "NF1", ist auch als "(von) Recklinghausen-Krankheit" bekannt. Friedrich Daniel von Recklinghausen (1833-1910), ein deutscher Pathologe, wies nach, dass die Hauttumoren dieser Erkrankung aus Nerven- und Bindegewebszellen bestehen. Diese Erkenntnis schrieb er 1882 in der Festschrift "Über die multiplen Fibrome der Haut und ihre Beziehung zu den multiplen Neuromen" nieder und widmete diese seinem Lehrer Rudolf Virchow anlässlich des 25jährigen Bestehens des Berliner Pathologischen Institutes.
Eigentlich war es eine Fehldiagnose, wodurch die Neurofibromatose Typ 1 populär wurde. Sie war fälschlicherweise dem Briten Joseph Merrick zugeschrieben worden, der von 1862 bis 1890 lebte und dessen Leidensweg als Elephantenmensch vielfach künstlerisch aufgearbeitet worden ist (Film "The elephant man" von David Lynch).
Ursachen

Die Ursache der Neurofibromatose Typ 1 sind Mutationen des NF1-Gens auf dem langen Arm von Chromosom 17 (17q11). Die NF1 ist eine autosomal dominante Erkrankung. Autosomal heißt, dass das Gen auf einem Autosom und nicht auf einem Geschlechtschromosomen liegt. Deshalb erkranken Männer und Frauen gleichermaßen. Dominant bedeutet, dass die Veränderung einer Kopie des Gens (der väterlichen oder der mütterlichen) zur Erkrankung führt, obwohl die zweite Genkopie normal ist. Wenn ein Elternteil eine NF1 hat, erkranken die Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% ebenfalls an einer NF1. In etwa der Hälfte der Fälle ist die Mutation nicht von einem Elternteil geerbt worden, sondern sie ist neu entstanden (Neumutation
Häufigkeit

Die Neurofibromatose Typ 1 gehört zu den häufigsten genetisch bedingten Erkrankungen. Die Häufigkeit beträgt ca. 1:3 000, das heißt, dass von 3 000 Menschen eine Person eine NF1 hat.
Die Rate der neu entstandenen Mutationen (Neumutationen) ist mit 50% sehr hoch. Aus diesem Grund findet sich bei einer großen Anzahl der Patienten auch keine Erkrankung bei den Eltern oder Großeltern.

Symptome

Die ersten Anzeichen für eine NF1 sind meist die Pigmentflecken. Die oval geformten, milchkaffeefarbenen Flecken (Café-au-lait-Flecken) und die sommersprossenartigen Sprenkelungen in den Achselhöhlen können sich im Laufe des ersten Lebensjahres zeigen, mitunter sind sie schon zur Geburt erkennbar. Die Café-au-lait-Flecken finden sich allerdings vereinzelt auch beim gesunden Menschen. Beträgt ihre Zahl sechs oder mehr, ist das ein Hinweis auf eine NF1 und es sollten weitere Untersuchungen folgen.
Die Neurofibrome entstehen später, häufig mit der Pubertät. Ein charakteristisches Zeichen am Auge, das keine Beschwerden macht, sind die "Lisch-Knötchen". Diese Veränderungen der Iris sind nur vom Augenarzt sicher zu diagnostizieren. Neben diesen typischen und bei allen erwachsenen Patienten vorhandenen NF1-Merkmalen finden sich bei einigen Patienten weitere Merkmale oder Komplikationen. Unter der Haut gelegene Neurofibrome können, je nach Lage, mit Schmerzen oder neurologischen Störungen einhergehen, z.B. bei Beteiligung von Rückenmarksnerven. Einige Patienten haben plexiforme Neurofibrome (plexiform = geflechtartig). Diese Tumoren wachsen in angrenzende Gewebe hinein und können starke Ausmaße erreichen. Sie sind meist schon zur Geburt vorhanden. Tumoren des Sehnerven (Optikusgliome) stellen eine Komplikation dar, mit der ausschließlich im Kindesalter zu rechnen ist. Häufig sind Knochenveränderungen, insbesondere Wirbelsäulenverkrümmungen, seltener finden sich Verbiegungen oder Falschgelenkbildungen an den Unterschenkelknochen. Menschen mit NF1 haben häufiger Lernprobleme (Teilleistungsstörungen) und Konzentrationsschwächen als gesunde Menschen. Das Risiko an einem bösartigen Tumor zu erkranken ist etwas höher als in der übrigen Bevölkerung.


Diagnose

Klinisch ist die Diagnose NF1 sicher zu stellen, wenn mindestens zwei der folgenden 7 Kriterien zutreffen:
  1. Café-au-lait-Flecken: Kinder: mehr als 5 größer als 5 mm, Erwachsene: mehr als 6 größer als 15mm
  2. Neurofibrome : mindestens 2 in der Haut oder tiefer gelegene oder ein plexiformes Neurofibrom
  3. Sommersprossen-Sprenkelungen: in den Achselhöhlen oder den Leistenregionen
  4. Lisch-Knötchen: mindestens 2
  5. Optikusgliom
  6. Spezifische Skelettdysplasien: Keilbeinflügeldysplasie, Verbiegung langer Röhrenknochen, Falschgelenkbildung am Schienbein
  7. Verwandter ersten Grades mit NF1
Wegen der Altersabhängigkeit der Merkmale kann die Diagnose im Kindesalter schwierig sein.
Durch eine DNA-Untersuchung anhand einer Blutprobe ist die Untersuchung des NF1-Gens auf Mutationen hin möglich. Eine solche Diagnostik kann, wenn die spezifische Mutation in der Familie identifiziert wurde, auch vorgeburtlich während einer Schwangerschaft, aus kindlichen Zellen (Chorionzotten oder Fruchtwasser) erfolgen. Die vorgeburtliche Diagnostik ist wegen der nicht vorhersagbaren Ausprägung der NF1 aber sehr problembehaftet.

Therapie

Die Neurofibromatose Typ 1 kann nicht ursächlich behandelt werden. Die Therapie ist daher auf einzelne Symptome gerichtet. Störende Neurofibrome der Haut können z.B. laserchirurgisch auch in großer Zahl entfernt werden.
Durch zahlreiche mögliche Komplikationen der Erkrankung, wie z.B. schwere Wirbelsäulenverkrümmungen, Tumoren des Sehnerven oder andere Hirntumoren, ist es wichtig, die Diagnose so frühzeitig wie möglich zu stellen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchzuführen, damit eine Behandlung rechtzeitig eingeleitet werden kann.
Ein besonders wichtiger Aspekt bei der Betreuung von Kindern sind Teilleistungsstörungen, die im Zusammenhang mit der NF1 häufig sind. Von Teilleistungsstörungen spricht man, wenn ein Kind mit einer an sich normalen Intelligenz Lernprobleme hat. Für die Entwicklung dieser Kinder ist es außerordentlich wichtig, dass eine spezielle Förderung schon vor der Einschulung erfolgt.
Die Neurofibromatose 1 erfordert eine Betreuung durch verschiedene Fachdisziplinen, wie durch Pädiater (Kinderärzte) Dermatologen, Genetiker, Internisten, Neuropädiater, Neurochirurgen, Orthopäden und ist am besten in einem Neurofibromatose-Zentrum gewährleistet.

Prognose

Die Neurofibromatose Typ 1 kann sehr unterschiedlich verlaufen, selbst innerhalb einer Familie. Ernste Komplikationen treten keineswegs bei jedem Patienten auf. So haben einige NF1-Betroffene lediglich einige Pigmentflecken und ein paar Neurofibrome, die mitunter gar nicht als Krankheitszeichen wahrgenommen werden. Andere weisen dagegen bereits zur Geburt deutliche Krankheitszeichen auf, wie z.B. Tumoren des Sehnerven oder plexiforme Neurofibrome. Wieder andere entwickeln erst im Laufe der Zeit medizinische Probleme, die einer Behandlung bedürfen. In der Mehrzahl der Erkrankten (60 %) handelt es sich um milde Verläufe. Es besteht allerdings lebenslang die Gefahr der Entwicklung bösartiger Tumoren; diese Komplikation liegt etwa in 5 % über der Wahrscheinlichkeit in der allgemeinen Bevölkerung.
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