Durch den Kehlkopf, in der Fachsprache Larynx genannt, gelangt die Luft in die Luftröhre (=Trachea). Er besteht aus einem Gerüst von mehreren Knorpeln, die durch die Kehlkopfmuskulatur bewegt werden. Etwa in der Mitte des Kehlkopfes liegen die Stimmbänder, die durch die Stimmritze getrennt sind. Wird diese durch Muskelarbeit eng gestellt, so entsteht durch den Luftstrom bei der Ausatmung die Stimme. Die zweite Funktion des Kehlkopfes ist die Trennung von Luft- und Speiseröhre. Dies geschieht durch den Kehldeckel, auch Epiglottis genannt, der sich beim Schlucken über den Kehlkopfeingang legt und so die Nahrung in die Speiseröhre lenkt.
Definition
Die Epiglottitis ist eine akute, lebensbedrohliche Entzündung des Kehlkopfes, insbesondere des Kehldeckels (=Epiglottis) und ist durch eine massive Schleimhautschwellung gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektionserkrankung, meist mit Haemophilus influenzae, die vor allem im Anschluss an eine Mandelentzündung (Tonsillitis) auftreten kann. Gefürchtete Komplikation ist die Einengung der Atemwege mit drohender Erstickung.
Erreger
In der Regel handelt es sich um eine bakterielle Infektion mit Hämophilus influenzae, einem gramnegativen Stäbchen. Durch unterschiedlichen Kapselaufbau werden sechs Varianten Typ a-f unterschieden. Krankheitsauslösend ist fast immer Typ b.
Neben Haemophilus influenzae kommen in seltenen Fällen auch andere Bakterien als Krankheitsauslöser vor, v.a. Staphylokokkus aureus.
Häufigkeit
Die Epiglottitis ist viel seltener als der meist weniger bedrohliche
Pseudokrupp und betrifft in der Regel Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren. Die Krankheitsfälle sind vereinzelt (sporadisch) und es besteht kein eindeutiger Zusammenhang mit Jahreszeit, Allergien oder Luftverschmutzung.
Symptome
Der Krankheitsbeginn ist meist dramatisch und die betroffenen Kinder wirken innerhalb weniger Stunden schwer krank. Neben hohem Fieber, Halsschmerzen und Schwellung der Halslymphknoten sind Nahrungsverweigerung, klossige Sprache und Speichelfluss typische Symptome. Durch rasch zunehmende Einengung des Kehlkopfes kommt es zu pfeifenden Atemgeräuschen bei der Einatmung (inspiratorischer Stridor) und zu Atemnot bis hin zur Ateminsuffizienz mit drohender Erstickung. Im Gegensatz zum Pseudokrupp husten die Kinder meist nicht.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt aus dem klinischen Bild, Blutbildveränderungen im Sinne einer bakteriellen Infektion (Leukozytose mit Linksverschiebung) können bei weniger schweren Verläufen hinweisgebend sein. Darunter versteht man eine krankhafte Vermehrung der weissen Blutkörperchen mit Vermehrung des Anteils von jugendlichen Zellen als Zeichen einer gesteigerten Zellbildung.
ACHTUNG: Das erkrankte Kind muss OHNE SPATEL untersucht werden, ausser wenn eine Notfallversorgung (Intubation) gewährleistet ist
Therapie
Da es sich um eine lebensbedrohliche Krankheit handelt, ist ein rascher Therapiebeginn im Krankenhaus dringend notwendig. Der Transport sollte möglichst kurz sein und in (Not-)ärztlicher Begleitung erfolgen. Aufregungen sind zu meiden und oft ist auch eine medikamentöse Beruhigung (Sedierung) einzuleiten.
In der Regel ist eine Intubation (Einführen eines "Schlauches" zur Beatmung) nicht zu vermeiden. Diese soll frühzeitig durchgeführt werden, da sie mit zunehmender Schwellung des Kehldeckels schwieriger oder gar unmöglich wird. Mögliche lebensrettende Alternativen sind dann lediglich die Mund-zu-Mund-Beatmung und der Luftröhrenschnitt (=Tracheotomie).
Neben der Sicherung der Atemwege ist eine intravenöse Therapie mit einem Antibiotikum mit breitem Wirkungsbereich erforderlich. Zusätzlich können Kortkoide (Kortisonpräparate ), die entzündungshemmend und abschwellend wirken, verabreicht werden.
Prophylaxe
Durch eine Schutzimpfung (aktive Immunisierung) gegen Hämophilus influenzae Typ b, die generell für Säuglinge empfohlen wird, ist eine gute Vorbeugung möglich. Die geläufige Abkürzung dafür lautet Hib.
Prognose
Bei rechtzeitiger und adäquater Therapie kommt es meist innerhalb weniger Tage zur Besserung und die Erkrankung heilt ohne Folgeschäden ab. Bei unzureichender oder ausbleibender Therapie ist ein tödlicher Ausgang leider häufig.
quelle medsana