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Alt 14.02.2006, 19:42
Conny Conny ist offline
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Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard Entwicklungsverzögerung / Entwicklungsretardierung

Entwicklungsverzögerung (Fachausdruck: Entwicklungsretardierung) ist eine sehr weit verbreitete Beeinträchtigungsform und mir scheint, dass die Zahl der Kinder, die davon betroffen sind, stetig steigt.

Im Prinzip ist die Bezeichnung 'Entwicklungsverzögerung' ein recht allgemeiner Begriff, der lediglich aussagt, dass die Entwicklung eines Kindes im Vergleich zu 'normal entwickelten Kindern des gleichen Alters' verzögert ist. Die Bezeichnung sagt weder aus wie stark die Verzögerung ist, noch welche Bereiche der Entwicklung des Kindes davon betroffen sind. Das Gleiche gilt für die Bezeichnung 'allgemeine Entwicklungsverzögerung'.

Etwas informativer ist die Bezeichnung 'multiple (oder 'umfassende') Entwicklungsverzögerung'. Hieraus geht immerhin hervor, dass die Entwicklung des Kindes in vielen oder sogar allen Bereichen verzögert ist.

Noch genauer wird es, wenn die Bereiche, in denen die Entwicklung des Kindes verzögert ist, ausdrücklich genannt werden. Meiner Erfahrung nach passiert das allerdings eher selten oder nur teilweise.

Welche Entwicklungsbereiche können nun betroffen sein?
Im Folgenden nenne ich die 'Hauptbereiche' und zähle kurz auf, was zu diesen Bereichen (u.a.) gehört:

allgemeine körperliche Entwicklung

- das Wachstum von Skelett, Muskulatur und Organen
- die Entwicklung der körperlichen 'Funktionen'

Sprachentwicklung, Entwicklung der Kommunikation

- Sprachmuskulatur (Mundmotorik) und Atmungsfunktionen
- Aussprache oder auch Artikulation
- aktiver Wortschatz
- Sprachverständnis oder auch passiver Wortschatz
- Satzbau oder auch Syntax
- Ausdruck
- Grammatik
- auditive Wahrnehmungsverarbeitung (was wird gehört? wie wird es gehört? wird das Gehörte verstanden?)
- auditive Merkfähigkeit oder auch 'Sprachgedächtnis'
- nonverbale Kommunikation (Mimik, Gestik, Körpersprache,...)

Sozial-emotionale Entwicklung

- Kontaktverhalten
- Beziehungsfähigkeit
- Wahrnehmung und Ausdruck von Gefühlen
- Impulssteuerung
- Umgang mit Aggressionen
- Konfliktbewältigung, Problemlösungsverhalten
- Regeln und Grenzen
- Aufmerksamkeit
- soziale Interaktionen

Wahrnehmungsentwicklung

- Sehen (visuelle Wahrnehmung)
- Hören (auditive Wahrnehmung)
- Schmecken (gustatorische Wahrnehmung)
- Riechen (olfaktorische Wahrnehmung)
- Tastempfinden (taktile Wahrnehmung)
- Temperatur- und Schmerzempfinden
- Gleichgewichtsregulation (vestibuläre Wahrnehmung)
- Propriozeption (Eigenwahrnehmung, Tiefensensibilität)
- Viszeraler Input (Informationen aus den inneren Organen und Blutgefäßen)
- Sensorische Integration (das Ordnen aller Sinneseindrücke, Zusammenspiel der Sinne)

Motorische oder Bewegungsentwicklung
Dieser Bereich wird unterteilt in:
Grobmotorik

- Muskeltonus (Spannungszustand der Muskeln)
- Kraft (-regulation)
- Ausdauer
- Schnelligkeit, Reaktionsvermögen
- Beweglichkeit / Gelenkigkeit / Elastizität
- Gleichgewichtsregulation (statisches, dynamisches und Objektgleichgewicht)
- Lateralität (Seitigkeit – z.B. Rechtshändigkeit) und Bilateralintegration (Zusammenarbeit der verschiedenen Körperseiten – rechts, links, oben, unten)
- Koordination
- Handlungsplanung

Feinmotorik oder auch Handgeschick

- Hand- und Fingerkraft, Kraftdosierung
- Schulter- und Ellenbogengelenkbeweglichkeit
- Fingergelenkbeweglichkeit
- Hand – Hand – Koordination, Dominanz
- Zielgenauigkeit

Lernentwicklung

- Instruktionsverständnis
- Motivation
- Interesse
- Konzentration, Aufmerksamkeitsspanne, Ausdauer
- Handlungsplanung, Durchführung
- Kognition (Entwicklung geistiger Fähigkeiten, wie Denken, Merkfähigkeit, Wissen,…)
- Reflexionsfähigkeit
- (Eigen-) Initiative, Antrieb, Neugier (auch Explorationsverhalten)
- Reaktionen auf Neues / Veränderungen
- Kreativität

Lebenspraktischer Bereich

Selbständigkeit in Bezug auf
- Nahrungsaufnahme (Essen und Trinken)
- Körperpflege
- Toilettengang (Kontinenz)
- Aus- und Anziehen
- Straßenverkehr
- Orientierung

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie dient eher als grobe Übersicht über die Entwicklungsbereiche, die häufiger von Verzögerungen betroffen sein können.

Die Ursachen von Entwicklungsverzögerungen können z.B. im Bereich

des Körpers (als Symptome von Krankheitsbildern oder Folgen von Unfällen/Verletzungen)
des Gehirns (cerebrale Störungen z.B. durch Sauerstoffmangel)
der Emotionen (z.B. durch Ängste)
der Biographie (z.B. durch traumatische Erlebnisse)
der Erziehung (z.B. durch ein unzureichendes Angebot an Reizen und Erfahrungen)

liegen.
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