Das
Tay-Sachs-Syndrom, auch bezeichnet als
infantile amaurotische Idiotie, ist eine
autosomal-rezessiv vererbte
Fettstoffwechselstörung. Sie ist nach
Warren Tay und
Bernard Sachs benannt, welche die Krankheit erstmals in den Jahren
1881 bzw.
1898 dokumentierten.
Durch ein Defekt des
Enzyms Hexosaminidase wird GM²-Gangliosid in der
Retina und in
Nervenzellen angehäuft. Dieses führt zur Aufblähung und schließlich zum Untergang der entsprechenden Nervenzellen. Es kommt daher im Krankheitsverlauf zu fortschreitendem Abbau
kognitiver Fähigkeiten und zum Verlust der Bewegungs- und Sehfähigkeit. Die Krankheit wird meistens zwischen dem dritten und achten Lebensmonat erkannt und führt nach kurzer Zeit zum
Tode.
Inhaltsverzeichnis
[
Verbergen]
//
Epidemiologie [Bearbeiten]
Die Häufigkeit der für die Krankheit verantwortlichen
Mutation (
Chromosom 15,
Lokus 15q23-24, auch
Alphakette genannt) ist bei Menschen
jüdisch-
osteuropäischer Herkunft auffällig erhöht. Dort wird die Häufigkeit der
heterozygoten Anlageträger mit 1:25 eingeschätzt.
Das Auftreten der Krankheit wird durch
genetische Untersuchungen im Vorfeld von Schwangerschaften und bei entsprechendem Befund mit dem Ziel von deren Vermeidung niedrig gehalten.
Ätiologie [Bearbeiten]
Ganglioside werden normalerweise kontinuierlich durch sequentielle Abspaltung der endständigen Zucker abgebaut. Den betroffenen Kindern fehlt das
Enzym β-N-Acetylhexosaminidase, das für die Entfernung von terminalen N-Acetylgalactosaminreste zuständig ist. Daher ist der Gangliosidgehalt im Gehirn des Kindes drastisch erhöht.
Diagnose [Bearbeiten]
Der Nachweis ist aufgrund verminderter Aktivität von Hexosaminidase A bzw. B in
Blutserum,
Leukozyten- oder
Fibroblastenkulturen gegeben. Auch ein Heterozygotennachweis ist möglich (
Pränataldiagnostik).
Symptomatik [Bearbeiten]
- Kirschroter Fleck auf der Makula bei über 95% der Patienten
- Zunehmende Muskelschwäche nach dem dritten Lebensmonat
- Schreckreaktionen auf Schallreize
- Psychomotorischer Abbau, Verlust des Sitz- und Stehvermögens
- Zunehmende Schwerhörigkeit, Blindheit, Paresen sowie Spasmen
- Puppenartiges Gesicht mit blasser durchscheinender Haut, langen Augenwimpern, feinem Haar und auffällig rosafarbener Gesichtsfarbe
Ergänzend hierzu:
Prognose [Bearbeiten]
Die Patienten versterben in der Regel bis zum dritten Lebensjahr aufgrund einer rezidivierenden Pneumonie.
Therapie [Bearbeiten]
Es können lediglich die
Symptome therapiert werden.
In besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen werden zur Erfassung heterozygoter Anlageträger entsprechende Beobachtungsprogramme durchgeführt. Familien in denen die Krankheit bereits aufgetreten ist, nutzen die Möglichkeit einer genetischen Beratung im Vorfeld einer Schwangerschaft bzw. die
pränatale Diagnostik. Um die Krankheit zu vermeiden, ist von einer Schwangerschaft abzuraten. Sofern bereits
empfangen wurde, sollte ein Schwangerschaftsabbruch bedacht werden.