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Alt 10.02.2007, 22:48
vienetta vienetta ist offline
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Beiträge: 3.585
Standard FAS das fetale Alkoholsyndrom

Was sind Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD)

Das Fetale Alkohol-Syndrom (FAS) wurde erstmals 1973 von Jones und Smith beschrieben.
Die Entdeckung basierte auf Fallstudien (Jones et al., 1973), bei denen Forscher ein
ähnliches Muster von Fehlbildungen bei Kindern fanden, die von alkoholkranken Müttern
geboren wurden. Die weltweite Auftretensrate (Inzidenz) von FAS in der
Allgemeinbevölkerung wurde auf 0.97 von 1000 Geburten geschätzt (Abel, 1995). In einer
bevölkerungsbasierten Studie in Seattle schätzten Sampson et al. (1997) die Auftretensrate
von FAS auf 3 von 1000 Geburten, wenn man die alkoholbedingte neurologische
Entwicklungsstörung (ARND) hinzunimmt, sogar auf eine von 100 Geburten. FAS ist die
häufigste bekannte Ursache für geistige Retardierung und tritt häufiger auf als die häufigsten
Geburtsfehler (Down-Syndrom und Spina Bifida) zusammen (National Institute of Alcohol
Abuse and Alcoholism, 1990). Jedoch ist FAS eine der wenigen Ursachen für geistige
Behinderung, die völlig vermeidbar ist. Die Kosten, die der Gesellschaft durch diese
Behinderung entstehen, sind enorm hoch (Abel und Sokol, 1991).
Pränatale Alkoholexposition (=vorgeburtlich dem Alkohol „ausgesetzt sein“) kann zu einer
Spanne von Auswirklungen führen, zu denen FAS, teilweises FAS (entspricht den „Fetalen
Alkoholeffekten“ FAE) und ARND gehören. Diese Differentialdiagnosen werden unter dem
Überbegriff „Fetale Alkoholspektrum-Störungen“ FASD zusammengefasst. Der Begriff FASD
ist nicht für die Verwendung als klinische Diagnose gedacht, sondern ist ein Überbegriff,
um die volle Spanne der Auswirkungen zu beschreiben, die bei Menschen mit pränataler
Alkoholexposition beobachtet werden.
Alkohol ist für den Menschen ein teratogener Schadstoff (Teratologie = Lehre von
Missbildungen), da durch die Alkoholexposition im Mutterleib eine Vielzahl von dauerhaften
Behinderungen und Schädigungen beim betroffenen Kind auftreten können. Dazu zählen
Minderwuchs, körperliche Missbildungen, Schädigungen des zentralen Nervensystems
und sogar Fötustod. Zu den schweren Langzeitschäden gehören Verhaltensstörungen und
intellektuelle Beeinträchtigungen. Die klinischen Symptome werden als
„Alkoholembryopathie“, „fetales Alkoholsyndrom“ oder mit dem umfassenderen Begriff als
„Fetale Alkoholspektrum-Störungen“ (FASD) bezeichnet.
Auf dieses Problem sind wir als Berliner Kinderheim aufmerksam geworden, weil wir von
FASD betroffene Kinder seit 10 Jahren – konsiliarisch begleitet von Prof. Spohr – betreuen
und uns auf die Betreuung, Diagnostik und Integration dieser Kinder spezialisiert haben.
Diagnosekriterien:
– Prä- und postnatale Wachstumsminderung
(verminderte Körperlänge, vermindertes Körpergewicht)
– Dysmorphiezeichen (= alle drei typischen Auffälligkeiten im Gesicht: zu schmale Augen,
schwach ausgebildete „Rotzrinne“, dünne Oberlippe)
– Dysfunktion des zentralen Nervensystems
– Strukturell (kleiner Kopfumfang)
– Neurologisch (Auffälligkeiten im EEG, Anfälle, Fieberkrämpfe)
– Funktionell (Intelligenzminderung, Teilleistungsstörungen,
Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivität, motorische Defizite,
Defizite in exekutiven Funktionen, problematisches Sozialverhalten,
Gedächtnisdefizite, Wahrnehmungsstörungen…)
– Belegte Alkoholexposition
Fetale Alkoholspektrum-Störungen
(Fetal Alcohol Spectrum Disorders – FASD)
Neben dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms finden sich auch Störungsbilder, die durch
Alkohol während der Schwangerschaft hervorgerufen werden, bei denen jedoch nicht in allen
diagnostischen Bereichen Befunde vorliegen:

Fetales Alkoholsyndrom
(Fetal Alcohol Syndrome – FAS)
Beim Vollbild liegen in allen drei Bereichen Befunde vor. Nach neuen Standards aus den
USA wird diese Diagnose mit bzw. ohne belegte Alkoholexposition gestellt.
Fetale Alkoholeffekte
(Partial Fetal Alcohol Syndrom – PFAS)
Fetale Alkoholeffekte werden diagnostiziert, wenn nur in zwei der drei Bereiche
Auffälligkeiten vorliegen. Zusätzlich zu den Dysmorphiezeichen liegt eine Wachstums-
minderung oder eine Dysfunktion des zentralen Nervensystems vor. Auch diese Diagnose
wird unterschieden in Fetale Alkoholeffekte mit bzw. ohne Nachweis einer Alkohol-
exposition.
Alkoholbedingte Geburtsschäden
(Alcohol Related Birth Defects – ARBD)
Diese Diagnose wird gestellt, wenn ein Kind die typischen Gesichstmerkmale der FASD zeigt,
aber keine Wachstumsminderung und auch keine Dysfunktion des zentralen Nervensystems
nachweisbar sind. Die Alkoholexposition des Fötus muss belegt sein.
Alkoholbedingte neurologische Entwicklungsstörung
(Alcohol Related Neurodevelopmental Disorder – ARND)
Auch die Diagnose ARND wird nur bei belegter Alkoholexposition gestellt. Die Betroffenen
zeigen keine körperlichen Anzeichen (Wachstumsminderung, typische Gesichtszeichen),
die Dysfunktion des zentralen Nervensystems ist jedoch vorhanden.
Für umfassende Informationen empfehlen wird Ihnen die Homepage von FAS-Deutschland
www.fasworld.de.
Gela Becker-Klinger, Dipl.-Psych.
Quellen:
(1) Astley, S.J. (2004): Diagnostic Guide for Fetal Alcohol Spectrum Disorders:
The 4-Digit Diagnostic Code. University of Washington, Seattle
(2) BzgA (2002): Alkohol in der Schwangerschaft – ein kritisches Resümee.
Forschung und Praxis in der Gesundheitsförderung, Bd. 17
(3) Hoyme, H.E. et al. (2005): A Practical Clinical Approach to Diagnosis of Fetal
Alcohol Spectrum Disorders: Clarification of the 1996 Institute of Medicine Criteria.
Pediatrics, 115 (1), pp. 39-47
(4) National Center on Birth Defects and Developmental Disabilities (2004):
Fetal Alcohol Syndrome: Guidelines for Referral and Diagnosis.
(5) Rasmussen, C. (2005): Executive Functioning and Working Memory
in Fetal Alcohol Spectrum Disorder.
Alcoholism: Clinical and Experimental Research,
29 (8), pp. 1359-1367
(6) Spohr, H.L. (2005): Teratogene Effekte von Nikotin, Drogen und Alkohol.
Gynäkologe, 38 (1), pp. 25-32
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  #2  
Alt 10.02.2007, 22:49
vienetta vienetta ist offline
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Beiträge: 3.585
Standard

Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft und die Folgen für das Kind
Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr

Deutsche Liga für das Kind Mitteilung Juni 1997





Mehr als 10.000 Kinder in Deutschland leiden an den zum teil irreparablen Folgen von Alkoholmissbrauch ihrer Mütter während der Schwangerschaft. Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) - auch unter dem Begriff Alkoholembryopathie bekannt- äußert sich in Wachstumsstörungen, körperlichen Deformierungen, geistigen und seelischen Schädigungen und Verhaltensstörungen. Die ursache dieser Erkrankungen ist eindeutig zu bestimmen und, im Gegensatz zu anderen angeborenen Schäden, vollständig verhinderbar. Erforderlich sind eine breite Aufklärung der Bevölkerung, frühes Erkennen und eine gezielte Intervention. Notwendig ist auch, endlich die menschlichen und volkswirtschaftlichen Kosten der Droge Alkohol in den Blick zu nehmen.

Alkohol und seine Abbauprodukte sind ein sicheres, Missbildungen erzeugendes Gift. Dies wissen wir spätestens seit der Erstbeschreibung des Fetalen Alkoholsyndroms durch die beiden Amerikaner Jones und Smith im Jahr 1973. Inzwischen wurde dieses Syndrom bei Kindern chronisch alkoholabhängiger Frauen weltweit diagnostiziert und als eine der führenden Ursachen für eine angeborene körperliche und geistige Behinderung erkannt.





Epidemiologie

Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren (DHS) sind etwa 2,5 Millionen Bundesbürger und -bürgerinnen behandlungsbedürftig alkoholabhängig. Geht man davon aus, dass davon etwa 20% Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind, so ergibt sich die rechnerische Größe von ungefähr 0,5 Millionen Frauen, die ein durch Alkohol potentiell geschädigtes Kind zur Welt bringen können.



Das Nationale Institut für Drogenmissbrauch in den USA hat 1990 in einer repräsentativen Umfrage folgende Daten zum Alkoholgenuss in der amerikanischen Bevölkerung herausgegeben: 79% aller Frauen haben schon einmal Alkohol getrunken. 25% der befragten Frauen tranken mindestens einmal pro Woche und 6% davon mindestens fünf Drinks pro Woche. In der gleichen Studie waren mehr als zwei Drittel aller alkoholabhängigen Frauen zusätzlich Raucherinnen; 59% nahmen Marihuana, 8% Kokain und 16% Heroin oder andere illegale Drogen.

Genaue Zahlen über die Zahl der tatsächlich durch chronischen Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft geschädigten Kinder in Deutschland gibt es nicht. Noch weniger Daten existieren über mögliche Schäden am Fetus durch mäßigen oder leichten Alkoholkonsum von nicht alkoholkranken Frauen während der Schwangerschaft. Eine gründliche Analyse aller bis zum Jahr 1987 durchgeführten internationalen Studien zur Häufigkeit des Syndroms ergab eine durchschnittliche Häufigkeit von 1 FAS auf 1000 Lebendgeburten in der westlichen Welt. Damit stellt das Fetale Alkoholsyndrom zusammen mit dem Down Syndrom (1 auf 833 Geburten) die häufigste Ursache für eine angeborene mentale Retardierung dar und ist im Gegensatz zur Trisomie 21 vollständig vermeidbar.

Erfreulicherweise hat sich in den letzten Jahren das Trinkverhalten von Frauen während der Schwangerschaft in den USA verändert. Im Verlauf einer 3jährigen Studie (1995 bis 1998) reduzierte sich der Alkoholkonsum während der Schwangerschaft von 32% auf 20%. Dieser deutliche Rückgang ist unter anderem als ein Erfolg der intensiven Aufklärung in den USA zu werten; ein Erfolg, der aus Mangel an medizinischem und allgemein öffentlichem Interesse in Deutschland noch nicht einmal ansatzweise erkennbar ist.

Das klinische Bild

Die Facetten des klinischen Bildes reichen von der leichten Normabweichung bis hin zur schweren intrauterinen Schädigung mit zu kleinem Kopf (Mikrozephalie), körperlicher Schmächtigkeit (postnataler Dystrophie), deutlicher muskulärer Schwäche (Hypotonie), geistiger Entwicklungsverzögerung (mentaler Retardierung) verbunden mit Herz-, sowie zahlreichen kleineren Auffälligkeiten im Gesicht (kranofaziale Dysmorphie), die das typische FAS-Bild ausmachen.



In der Literatur lässt sich ein überraschend einheitliches Muster spezifischer Symptome belegen. Je nach Schwere der Schädigung erfolgt häufig die Unterteilung des Schweregrades der Schädigung in eine leichte (FAS I), mäßig ausgeprägte (FAS II) oder schwere Form des Syndroms (FAS III). In Deutschland wurde in der Vergangenheit für das Fetale Alkoholsyndrom häufig gleichlautend der Begriff Alkoholembryopathie verwendet. International wird heute nach den Empfehlungen der Research Society on Alcoholism die Diagnose FAS und FAE benutzt. Die Diagnose wird gestellt, wenn der chronische mütterliche Alkoholmissbrauch sicher belegt ist und die Untersuchung am betroffenen Kind folgende Kriterien erfüllt:



FAS:

1. prä- und postnatale Wachstumsretardierung,

2. Dysfunktion des Zentralen Nervensystems (ZNS) (jede neurologische Auffälligkeit, Entwicklungsverzögerung, intellektuelle Schädigung/Störung),

3. charakteristische kraniofaziale Auffälligkeiten: zwei der drei folgenden Merkmale: a) Mikrozephalie b) schmale Lidspalten c) schmale Oberlippe, wenig modelliertes Philtrum, Abflachung des Mittelgesichts (Maxillahypoplasie).

FAE: Der Begriff "Fetale Alkohol Effects" kann benutzt werden, wenn der betroffene Patient nur zwei anstatt drei der aufgelisteten Indikatoren für das FAS aufweist. Mit dieser Definition der FAE sollen auch die wahrscheinlich viel häufigeren abortiven Formen der intrauterinen Alkoholexposition diagnostisch beschrieben und erfaßt werden.

Der klinische Verlauf

Im Gegensatz zu den genannten neurologischen und psychiatrischen Störungen der Kinder mit FAS/FAE bilden sich die klinischen Auffälligkeiten im Gesicht (dysmorphe Stigmata) mit der Zeit zurück. In einer eigenen 10-Jahres-Verlaufs-untersuchung an einer größeren Patientenzahl könnte unsere Berliner Arbeitsgruppe belegen, daß eine ganze Reihe der betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Nachuntersuchung 10 bis 15 Jahre nach der Erstdiagnose bei gleichen Untersuchungskriterien nicht mehr als ein FAS/FAE identifiziert werden könnte. Die schwerer ausgeprägten Formen ließen zwar die Syndrom-Diagnose auch im Schulalter (Adoleszenz) zu, jedoch zeichnete sich auch hier eine deutliche Intensitätsabnahme der Gesichtsveränderungen (kranofaziale Dysmorphie) ab. Im Gegensatz zu dieser körperlichen (morphologischen) Rückbildungstendenz des Syndroms mussten wir feststellen, dass vor allem psychische, psychiatrische und Intelligenzmängel (kognitive Defizite), die bei Schulbeginn diagnostiziert wurden, bis in das Jugendalter ohne eine Tendenz zur erkennbaren intellektuellen Besserung bestehen blieben. bei der Erstuntersuchung von 60 Patienten waren 45% als eine leichte Form (FAS I), 30% als mäßig (FAS II) und 25% als schwere Form des Syndroms (FAS III) klassifiziert worden. Entgegen unseren eigenen Annahmen mussten wir erkennen, daß trotz teilweise langjähriger stabiler familiärer Verhältnisse und intensiver Förderung durch Pflegeeltern kaum ein Kind während der gesamten Schulzeit schulisch "aufgestiegen" war. Im Gegenteil, von anfänglich 28 Kindern mit normalem Vorschul- und Schulbeginn hatten nur 13 der insgesamt 60 Kinder eine normale Grundschule absolviert; 33 Patienten besuchten eine Sonderschule für Lernbehinderte und 14 eine Sonderschule für geistig Behinderte. Die gleiche Tendenz ließ sich durch den 10-Jahres-Vergleich der durchgeführten IQ-Bestimmung der betroffenen Patienten belegen. Häufig war zu beobachten, dass weniger eine zumeist nur leicht bis mäßig ausgeprägte geistige Retardierung als vielmehr bleibende psychiatrische Störungen für die teilweise ungünstige Gesamtentwicklung der Kinder verantwortlich zu sein schienen.

Trotz dieser enttäuschenden Langzeitprognose für die betroffenen Kinder, die auch in amerikanischen Studien belegt werden konnte, besteht neben einer stabilen, liebevollen Beziehung bei Pflege- oder Adoptiveltern mit klaren Strukturen die einzig sinnvolle Therapie zur erfolgversprechenden Förderung in einer qualifizierten heilpädagogischen Behandlung.



Aus vielerlei Gründen wird bisher die Diagnose bei diesen Kinder zu selten gestellt, vor allem bei FAE-Patienten, besonders wenn der chronische Alkoholismus der Mutter auch von Amts wegen nicht eindeutig festgeschrieben ist.

Wird das Krankheitsbild in der Kindheit übersehen, so ist es kaum wahrscheinlich, daß später im Schulkind- oder Adoleszenzalter der Hausarzt in der Lage ist, bei der Vorstellung kleiner, zappeliger und dystrophischer Kinder mit mikrozephalem Kopf, Hyperaktivität und Lernstörungen eine richtige Diagnose zu stellen. Dann stehen endrokrinologische Untersuchungen im Vordergrund sowie die Behandlung von schulischen Verhaltensstörungen, die auf die Umwelt oder familiäre Verhältnisse zurückgeführt werden. Allein eine intensive Nachforschung nach dem Schicksal der Mutter kann hier eine mögliche "richtige Fährte" auf das Vorliegen einer Missbildung erzeugenden (teratogenen) Schädigung des betroffenen Kindes ergeben, welches nur allzu rasch als umweltgeschädigt oder verhaltensgestört abgetan wird.

Mütterlicher Alkoholmissbrauch und Grenzen fetaler Schädigung

Die Schädigung des Kindes ist abhängig von der Dauer, der Menge und der Art und Weise des mütterlichen Trinkens vor und während der Schwangerschaft und möglicherweise auch von den eingenommenen Alkoholika. Daneben spielen zusätzlich genetische Faktoren der alkoholkranken Frau eine Rolle, ohne dass dies bisher jedoch wissenschaftlich überzeugend belegt werden konnte.

Die Veranlagung des Vaters und seine mögliche und sehr oft tatsächliche Alkoholkrankheit spielen keine Rolle bei der Entstehung eines FAS. Die Alkoholschädigung ist keine chromosomale Störung, sondern die Schädigung im Mutterleib entsteht ausschließlich durch die mütterliche Aufnahme und Weitergabe über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf, wo das eindringende Gift schließlich vom Fetus selbst entsorgt werden muss. Da aber der Fetus und besonders das Embryo biochemisch noch weitgehend unreif sind, funktioniert die Entgiftung nur verzögert. Die toxischen Substanzen schädigen direkt die Zellen und deren Teilung und wirken auf die Entwicklung der Organe und besonders auf das komplexe Wachstum und die empfindliche Reifung des Gehirns ein.

Erwartungsgemäß gibt es keine sichere Grenze, bis zu der eine Frau unbeschadet Alkohol in der Schwangerschaft zu sich nehmen kann. Der sicherste Rat lautet also: Keinen Schluck Alkohol in der Schwangerschaft. Die absolute Null-Option, zu Beginn der 80er Jahre in den USA vom amerikanischen Bundesgesundheitsamt vorübergehend ausgesprochen, führte zu einer erheblichen Beunruhigung der Bevölkerung. Besonders geängstigt waren diejenigen Frauen, die - z. B. bei Festlichkeiten - relativ wenig Alkohol in der Schwangerschaft getrunken hatten oder aber solche, die noch nicht von ihrer neuen Schwangerschaft gewusst hatten.

Inzwischen haben zahlreiche Studien belegt, das bei gesunden Frauen geringe Mengen Alkohol während der Schwangerschaft keine klinisch nachweisbaren Schäden beim Neugeborenen verursachen. Eine vor wenigen Jahren abgeschlossene große Studie ermittelte in insgesamt acht europäischen Städten einschließlich Berlins das normale und landesübliche Trinkverhalten in der Schwangerschaft und seine Auswirkungen auf die Entwicklung des Ungeborenen bei über 6000 Frauen. Die Studie kam zu dem Ergebnis, das erst bei einem Alkoholkonsum von mehr als 120 g reinen Alkohols pro Woche (!), eine Menge, die nur von eine geringen Anzahl der untersuchten Frauen getrunken wurde, eine signifikante Gewichts- und Längenminderung der ansonsten gesunden Neugeborenen erkennbar war.

Ob es sich bei dieser Alkoholmenge, die etwa ein bis zwei Glas Wein pro Tag entspricht, um einen Schwellenwert handelt, unter dem Trinken von Alkohol in der Schwangerschaft nicht gefährlich ist, mag allerdings zu bezweifeln sein. Wahrscheinlich ist, daß auch geringe Alkoholmengen sehr wohl psychische und mentale Auffälligkeiten weit unterhalb der Entwicklung eines typischen Alkoholsyndroms beim betroffenen Kind bewirken können.

Ein weiterer wichtige Aspekt des Trinkverhaltens bei chronisch alkoholkranken Frauen muß hier erwähnt werden. Normalerweise entziehen sich diese oft psychisch stark belasteten Frauen während der Schwangerschaft regelmäßiger ärztlicher Kontrolle oder professioneller Fürsorge und trinken in der Regel ungehemmt während der gesamten Zeit ihrer Schwangerschaft. Es gibt jedoch inzwischen gut dokumentierte Untersuchungen, die beweisen, das eine Intervention, d.h. die Einflussnahme auf das Trinkverhalten der schwangeren alkoholkranken Frauen im Sinne der Reduktion oder sogar Beendigung der Alkoholeinnahme durch vetrauensvolle professionelle Hilfe zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft - auch noch im letzten Drittel - eine deutliche geringere Schädigung des betroffenen Kindes zur Folge hat.



Zusammenfassend vier Merksätze zu Alkohol und Schwangerschaft:

Keinen Schluck Alkohol in der Schwangerschaft. Auch gelegentlich etwas Alkohol ist nicht gut - einmaliges Betrinken in der Schwangerschaft ist sogar gefährlich. Eine Intervention, durch die es gelingt, die täglich eingenommene Alkoholmenge zu reduzieren, schützt auch zu einem späten Zeitpunkt der Schwangerschaft das werdende Leben vor schwerem Schaden. Eine alkoholkranke Frau, die "trocken" ist, wird gesunde Kinder zur Welt bringen.


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  #3  
Alt 10.02.2007, 22:50
vienetta vienetta ist offline
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Beiträge: 3.585
Standard

Merkmale
Gesichtsmerkmale des Fetalen Alkoholsyndroms beim kleinen Kind
FAS Gesichts Merkmale, Streissguth und Little 1994
Merkmale (pdf Dateien)
Erklärung der Merkmale:

Gesicht
Augenvergleich
Mundvergleich
Nase und Ohrenvergleich
Veränderungen und Kennzeichen beim Fetalen Alkoholsyndrom (Schweregrad 1-3) (Prof. Hermann Löser)

Minderwuchs und Untergewicht 98%

Gesichtsveränderungen ca, 95%

Geistige und statomotorische Entwicklungsverzögerung 89%

Kleinköpfigkeit ( Mikrozephalie) 84%

Sprachstörungen 80% *

Hyperaktivität 72%

Muskelhypotonie 58%

Verkürzung und Beugung des Kleinfingers 51%

Genitalfehlbildung 46%

Steißbeingrübchen 44%

Haaraufstrich im Nacken ca, 35%

Trichterbrust 30%

Herzfehler (meist Scheidenwanddefekte) 29%

Augenfehlbildung 25% (Schielstellung, Kurzsichtigkeit, Spaltenbildung) *

Hörstörungen ca, 20% *

Ess- und Schluckstörungen ca, 20% *

Andere Verhaltensstörungen ca, 20% ( Autismus, Aggressivität, gestörtes Sozialverhalten) *

Bleibende Verkrümmung des Kleinfingers 16%

Kleine Zähne 16%*

Verwachsung von Elle und Speiche 14%

Unterentwicklung der Fingerendglieder 13%

Leistenbruch 12%

Hämangiome 11%

Nierenfehlbildung ca, 10%

Hüftluxation 9%

Kielbrust ca, 7%

Gaumenspalte 7%



Die aufgeführten Prozentzahlen entsprechen denen von Majewski (1980) und eigenen Untersuchungen. Sie decken sich im wesentlichen mit Ergebnissen im internationalen Schrifttum ( mit * gekennzeichnet)

Links wird das Gehirn eines gesunden Kindes und rechts das Gehirn eines alkoholgeschädigten Kindes gezeigt. Das durch Alkohol geschädigte Kind verstarb im Alter von 6 Wochen.
Handlinienanomalien mit abgeknickter 3-Finger- und verkürzter 5-Finger-Furche
Links zeigt ein "Normale" Corpus Collosum und Rechts, Corpus Collosum eines alkoholgeschädigten Menschen.
Corpus Collosum Kernspin Bilder. Der Corpus Collosum ist ein "Nervenbündel", das die beiden Hirnhälften verbindet. Schwach ausgebildetes oder fehlendes Corpus Collosum kommt oft beim FAS Kindern vor und erklärt viele FAS- verhaltensweisen.
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  #4  
Alt 10.02.2007, 22:53
vienetta vienetta ist offline
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Registriert seit: 04.08.2006
Beiträge: 3.585
Standard

FAS Veränderungen und Kennzeichen
nach Prof. Löser


Häufigkeit des Vorkommens

FAS Veränderungen und Kennzeichen
nach Prof. Löser


Häufigkeit des Vorkommens

Minderwuchs und Untergewicht
98%
Gesichtsveränderungen
ca. 95 %
Geistige und statomotorische Entwicklungsverzögerung
89%
Kleinköpfigkeit (Microcephalie)
84%
Sprachstörungen
80%
Hyperaktivität
72%
Muskelhypotonie
58%
Verkürzung und Beugung des Kleinfingers
51%
Genitalfehlbildungen
46%
Steißbeingrübchen
44%
Haaraufstrich im Nacken
ca. 35 %
Trichterbrust
30%
Herzfehler (meist Scheidewanddefekte)
29%
Augenfehlbildungen
25%
Hörstörungen
ca. 20 %
Ess- und Schluckstörungen
ca. 20%
(Autismus, Aggressivität, gestörtes Sozialverhalten)
ca. 20 %
Bleibende Verkürzung des Kleinfingers
16%
Verwachsung von Elle und Speiche
14%
Unterentwicklung der Fingerendglieder
13%
Kleine Zähne
16%
Leistenbruch
12%
Hämangiome
11%
Nierenfehlbildungen
ca. 10%
Hüftluxation
9%
Kielbrust
ca.7%
Gaumenspalte
7%
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  #5  
Alt 11.02.2007, 07:05
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evma evma ist offline
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mütter die wärend der shcwangerschaft alkohol trinken handeln dermassen gesundheitsschädigend fürs kind das diese auch nach der geburt überprüft gehören ist meine meinung
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