
18.09.2007, 13:11
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Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Allgemeines
Unter dem Motto “Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam” startete 1962 eine große Impfaktion gegen Kinderlähmung, nachdem 1961 in der Bundesrepublik Deutschland die bisher letzte große Kinderlähmung-Epidemie ausgebrochen war. Damals erkrankten 4.461 Menschen, 305 verstarben. Seit 1993/94 ist der gesamte amerikanische Kontinent dank einer konsequenten Impfpolitik frei von Kinderlähmung (auch Poliomyelitis oder Polio genannt).
Europa ist poliofrei
Dies gilt auch für Europa. 2002 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Europa als poliofrei erklärt. Dies gilt allerdings nur für die "einheimische" Polio. Neue Infektionen können eingeschleppt werden. In einigen Ländern Afrikas und Asiens mit niedrigem Hygienestandard und hoher Bevölkerungsdichte ist Kinderlähmung nach wie vor verbreitet. Daher können ungeimpfte Reisende in diesen Gebieten selbst erkranken und den Erreger einschleppen. Die Krankheitsbezeichnung legt den Rückschluss nahe, dass nur Kinder und Jugendliche erkranken können. Dies ist irreführend, denn auch Erwachsene können an Kinderlähmung erkranken. In Deutschland verfügen 87% aller Jugendlichen über einen ausreichenden Impfschutz, aber nur 67% der über 40-Jährigen.
Geändert von Nancy (12.03.2008 um 10:34 Uhr).
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18.09.2007, 13:12
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Übertragung
Der Mensch ist der einzige natürliche Wirt der Polio-Viren. Die Polio-Viren befinden sich in verschmutztem Wasser, in verunreinigter Nahrung und im Speichel von infizierten Menschen. Die Patienten scheiden im Anfangsstadium der Erkrankung die Erreger mit dem Stuhl aus. Die Ansteckung erfolgt meist durch die Aufnahme von mit Fäkalien verseuchtem Trinkwasser oder Lebensmitteln. Eine weitere Ansteckungsmöglichkeit ist die Tröpfcheninfektion (z.B. beim Husten oder Niesen).
Krankheitsbild
Fieber, Schluckbeschwerden, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen sind die ersten Krankheitszeichen. Sie treten ca. 7-14 Tage nach einer Ansteckung mit Polio-Viren auf. Da sich die Polio-Viren im Darm vermehren, können auch Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsstörungen auftreten. In ca. 90 % der Fälle verläuft eine Polio-Infektion ohne irgendwelche Krankheitszeichen. Bei 1 von 100 bis 1000 infizierten Personen kommt es jedoch zu einer schlaffen Lähmung.
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18.09.2007, 13:13
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Auswirkungen
Eine Lähmung tritt nach einer Polio-Infektion plötzlich, häufig morgens nach der nächtlichen Bettruhe auf. 1-2 Tage nach dem Erscheinen der ersten Krankheitszeichen kommt es zu schlaffen Lähmungserscheinungen einzelner Muskelgruppen, beispielsweise der Arme und Beine. Die Lähmungen können alle vier Gliedmassen betreffen. Fallen die von Hirnnerven versorgten Muskelgruppen aus, spricht man von der bulbären Form der Kinderlähmung. Anzeichen hierfür können Schluckbeschwerden, Sprachstörungen und Atemnot sein. In etwa 30 % der Fälle bilden sich die Krankheitszeichen vollständig zurück. Bei 30 % der Fälle bleiben leichte Schäden, bei weiteren 30 % schwere Schäden zurück. Dies sind insbesondere Fehlstellungen der Gliedmaßen durch den Ausfall ganzer Muskelgruppen. In bis zu 10 % der Krankheitsfälle verursacht die Kinderlähmung eine Atemlähmung, die zum Tod führen kann.
Erkennung
Die Erreger der Kinderlähmung können zu Beginn der Erkrankung im Rachenspülwasser, im weiteren Krankheitsverlauf dann auch im Stuhl nachgewiesen werden.
Therapie
Die Behandlung der Krankheitsursache durch Bekämpfung der Erreger ist bei Kinderlähmung nicht möglich. Lediglich die Krankheitszeichen können behandelt werden, z.B. durch strikte Bettruhe oder maschinelle Beatmung bei Atemlähmung.
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18.09.2007, 13:14
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Impfschutz
Die einzig wirksame Vorsorge ermöglicht eine konsequente Impfung. Die ersten Impfungen erfolgen im dritten, vierten, fünften Lebensmonat und zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat. Sie sorgen für eine Grundimmunisierung. Gleichzeitig ist zu diesen Zeitpunkten auch eine Kombinationsimpfung gegen andere Infektionskrankheiten möglich, wie z.B. Wundstarrkrampf (Tetanus), Diphtherie , Keuchhusten (Pertussis), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B.
Weitere Auffrischimpfungen sind zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr notwendig, um die Schutzwirkung aufrecht zu erhalten. Erwachsene sollten sich bei Reisen in Länder, in denen Kinderlähmung nach wie vor vorkommt, impfen lassen.
Die Impfung wurde vor einigen Jahren von der Schluckimpfung auf die Impfung per Spritze umgestellt, um eine Impfpolio zu vermeiden.
Aktuelles
Seit Anfang 1998 empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Institutes in Berlin (STIKO) grundsätzlich die Verwendung eines Totimpfstoffes gegen Kinderlähmung. Da die im Totimpfstoff enthaltenen Impfkeime sind nicht vermehrungsfähig sind, können sie keine Erkrankung beim Geimpften oder bei Kontaktpersonen auslösen. Die früher übliche Schluckimpfung mit abgeschwächten Polio-Erregern verursachte in sehr seltenen Fällen (1 auf > 4 Millionen Impfungen) beim Geimpften (“Impfpoliomyelitis”) und noch seltener (1 auf > 15 Millionen Impfungen) bei Kontaktpersonen (“Impfkontaktpoliomyelitis”) Lähmungen.
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18.09.2007, 13:15
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Häufige Fragen
Wieso wird in Deutschland eine Impfung gegen Kinderlähmung empfohlen, obwohl Kinderlähmung hier nicht mehr vorkommt?
Bis Mitte dieses Jahrhunderts trat die Kinderlähmung regelmäßig gehäuft auf. Aufgrund der erfolgreich durchgeführten Impfkampagnen tritt die Krankheit in Deutschland zur Zeit nicht mehr auf. Daher vernachlässigen viele Menschen ihren Impfschutz. Neue Epidemien können jedoch jederzeit wieder ausbrechen. In vielen anderen Reiseländern tritt die Kinderlähmung nach wie vor auf. Bei einem unzureichenden Impfschutz kann eine Ansteckung im Urlaubsland erfolgen. Die Erreger können so nach Deutschland eingeschleppt und über Kontaktpersonen verbreitet werden.
Welche Nebenwirkungen können nach einer Impfung gegen Kinderlähmung auftreten?
Nebenwirkungen sind unerwünschte Wirkungen von Medikamenten oder Impfstoffen, die äußerst selten vorkommen. Im Falle einer Impfung gegen Kinderlähmung kann es in sehr seltenen Fällen zu einer Schwellung und Rötung der Einstichstelle, Kopfschmerzen, einer Erhöhung der Temperatur oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen. In sehr seltenen Fällen wurden allergische Reaktionen beobachtet. Ihr Kinderarzt wird Sie über die Häufigkeit der Nebenwirkungen bei einer Impfung ausführlich aufklären.
Besteht die Aussicht, dass die Kinderlähmung ausgerottet werden kann?
Eine weltweite Ausrottung der Kinderlähmung ist durch massive und gezielte Impfungen in der ganzen Welt wie im Falle der Pocken durchaus möglich. 1994 wurde Amerika von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als “poliofrei” erklärt. 145 Staaten der Erde waren 1996 frei von Kinderlähmung.
Es besteht die Hoffnung, dass die Welt bis zum Jahr 2005 von Poliomyelitis befreit ist.
Quelle: http://www.kinderaerzteimnetz.de/bvk...d=56&nodeid=60
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28.10.2007, 02:10
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Kinderlähmung: Noch immer nicht ausgerottet
Am 28. Oktober erinnert der Weltpolio-Tag an die gravierenden Folgen von Kinderlähmung. Zwar konnte die Zahl der Neuerkrankungen zurückgedrängt werden, doch in einzelnen Ländern tritt Kinderlähmung noch endemisch auf. Durch die Einführung der Schluckimpfung in Deutschland 1962 konnte viele Menschen dort davor bewahrt werden. Bei Erkrankten befallen Poliomyelitis-Viren die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks, so dass Betroffene unter Lähmungserscheinungen leiden, die sogar zum Tod führen können…
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Geändert von Nancy (12.03.2008 um 10:34 Uhr).
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