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Alt 02.10.2007, 13:41
Caro Caro ist offline
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Standard Hörstörung

Hörstörung


Allgemeines


Jährlich kommen bundesweit etwa 1.800 Kinder mit einer angeborenen Hörstörung zur Welt. Somit sind Hörstörungen eine der häufigsten Erkrankungen im Neugeborenenalter. Da in den ersten zwei Lebensjahren die Grundlagen für die Sprachentwicklung gelegt werden und in dieser Zeit auch die Hörbahn und Nervenzellen reifen, ist eine frühe Erkennung besonders wichtig. Es gibt gute Möglichkeiten, angeborene Hörschäden erfolgreich zu behandeln, wenn sie innerhalb des ersten halben Lebensjahres entdeckt wird. Leider werden Hörschäden oft erst im zweiten oder gar dritten Lebensjahr bemerkt.

Erschreckenderweise ist auch die Zahl der später erworbenen, d. h. der nicht angeborenen Hörschädigungen sehr hoch. Die Schwerhörigkeit ist daher nicht nur ein Problem bei kleineren Kindern. In Deutschland hat nach Schätzung von Experten bereits fast jeder vierte Jugendliche eine Beeinträchtigung des Gehörs.

Geändert von Nancy (12.03.2008 um 10:35 Uhr).
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  #2  
Alt 02.10.2007, 13:42
Caro Caro ist offline
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Standard

Ursachen


Vererbung, Infektionen während der Schwangerschaft oder Schwierigkeiten während der Geburt können mögliche Ursachen für einen angeborenen Hörschaden sein. Abgesehen von dieser Schwerhörigkeit von Geburt an oder sogar absoluter Taubheit, sind die Ursachen für eine Hörstörung vielseitig. In den meisten Fällen sind im Kindesalter allerdings Mittelohrentzündungen oder Kinderkrankheiten, wie Masern, Mumps, Röteln oder Scharlach für die Hörschäden verantwortlich.

Auch das Benutzen von Wattestäbchen ist gefährlich. Beim Versuch die Gehörgänge der Kinder mit Wattestäbchen zu reinigen, ist schnell das Trommelfell verletzt. Deshalb haben Wattestäbchen im Gehörgang nichts verloren.

Im Jugendalter geht die größte Gefahr vom sogenannten „Freizeitlärm“ aus. Dazu gehören nicht nur Disco- und Konzertbesuche, sondern auch das laute Knallen von Feuerwerkskörpern oder die Musik von einem Walk- bzw. Discman. Die Lautstärke wird in der Einheit Dezibel (dB) gemessen, wobei 85 dB bereits für den Erwerb eines Hörschadens ausreichen. Zum Vergleich: Bei einer Unterhaltung entstehen ca. 60 dB, auf einer befahrenen Straße ca. 80 dB, ein lauter Lastwagen fährt in fünf Meter Entfernung mit 90 dB vorbei, ein Walkman produziert einen durchschnittlichen Schalldruckpegel von 95 dB, kann aber auch einen Wert von 110 dB mit Leichtigkeit überschreiten und bei Live-Konzerten sind Werte über 100 dB die Regel.

Krankheitsbild


Geräusche sind nichts anderes, als Luftschwingungen. Diese Schwingungen liegen je nach Geräuschart in unterschiedlichen Frequenzen. Gelangen diese Schwingungen an das Trommelfell, werden sie über die Gehörknöchelchen Amboss, Hammer und Steigbügel an die Schnecke weitergegeben. In der Schnecke befinden sich hochempfindliche Sinneszellen (die Haarzellen). Diese wandeln die mechanische Energie der ankommenden Luftschwingungen in elektrische Energie um, welche als Nervenimpuls über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet wird.
Das Gehirn verarbeitet permanent die ankommenden Signale von beiden Ohren und interpretiert diese entsprechend. Erst dadurch wird zum Beispiel das Richtungshören möglich, wodurch Sie beispielsweise feststellen können, aus welcher Richtung sich ein Auto nähert.
Ist der Verarbeitungsweg des Schalls von der Ohrmuschel bis zum Gehirn beeinträchtigt, so ist das Hörvermögen eingeschränkt. Es muss allerdings zwischen verschiedenen Arten der Schwerhörigkeit unterschieden werden:
  • Bei der Schallleitungs-Schwerhörigkeit ist die mechanische Schallübertragung vom Außen- zum Innenohr gestört oder unterbrochen.
  • Bei der Schallempfindungs-Schwerhörigkeit können die Sinneszellen im Innenohr die Schallwellen nicht empfangen oder sie nicht ins Gehirn weiterleiten.
  • Die zentrale Schwerhörigkeit ist bedingt durch Erkrankungen des Hörnervs oder des Gehirns.
Gemischte Formen sind ebenfalls möglich. Auch Tumore in allen Bereichen des Ohrs können eine Schwerhörigkeit verursachen.

Auswirkungen


Es ist erwiesen, dass Lärm zum Umweltproblem Nummer eins avanciert ist. Die lärmbedingten Krankheitsbilder sind umfangreich. Permanent laute Geräusche erzeugen Stress beim Menschen und rufen z. B. Nervosität, Magengeschwüre, Herzrhythmusstörungen, Unkonzentriertheit und erhöhten Blutdruck hervor. Dies kann bis hin zu einem anhaltenden Hörschaden führen und im schlimmsten Fall tritt eine totale Taubheit ein.

Schwerhörigkeit kann vor allem bei nichtbehandelten Kindern mit angeborenem Hörschaden dazu führen, dass sie aus Unsicherheit verstummen und in der Entwicklung zurückbleiben. Hörprobleme können auch seelische Folgen haben, wenn z. B. der Betroffene nicht von seinen Altersgenossen sozial integriert wird.

Ein gesundes Kind durchläuft in den ersten sechs Lebensmonaten die erste Lallphase. In dieser Zeit brabbelt es. In den folgenden sechs Monaten macht es die zweite Lallphase durch, in der es dann anfängt, Geräusche nachzuahmen. Bei hörgeschädigten Kindern kommt es aufgrund der verminderten Aufnahmefähigkeit von Außenreizen zu einer zeitlichen Verschiebung der beiden Phasen. In Ausnahmefällen erlebt das Kind diese Phasen gar nicht.
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  #3  
Alt 02.10.2007, 13:43
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Erkennung


Hörtest

Ihr Kind hört vermutlich schlecht, wenn es:
  • in der vierten bis sechsten Lebenswoche bei lauten Geräuschen wie Türknallen nicht erschrickt,
  • mit drei bis vier Monaten die Augen nicht in Richtung einer Schallquelle richtet,
  • mit sechs bis sieben Monaten noch keine zweisilbigen Laute von sich gibt,
  • im zehnten Lebensmonat nicht auf leises Ansprechen aus kurzer Distanz reagiert und Warnrufe überhört
  • stiller als seine Altersgenossen ist und in der sprachlichen Entwicklung zurückbleibt.

Beim Verdacht einer Hörschädigung wird das Gehör vom Arzt genauer untersucht. Die modernste Methode bei Säuglingen zur Überprüfung des Gehörs ist die Messung der otoakustischen Emissionen (OAE). Gemessen werden Schallwellen, die wir in unserem Ohr bilden, so genannte Otoakustische Emissionen (OAE). Fehlen diese Wellen, kann eine Schwerhörigkeit vorliegen. Die Messung funktioniert folgendermaßen: Mittels einer Sonde im äußeren Gehörgang wird eine Schallstimulation, ein „Klick“-Ton, ins Ohr gesandt. Dieser reizt die Sinneshaare entlang der Hörschnecke im Innenohr. Die Schwingungen der Härchen erzeugen ein feines Geräusch (Emission), das wiederum von der Sonde aufgenommen wird. Dieses Antwortsignal ist der Beweis, dass das Gehör funktioniert. Die Messung lässt sich am schlafenden Kind durchführen und ist völlig unkompliziert und schmerzfrei. Außerdem lässt sich diese Methode auch bei älteren Kindern problemlos anwenden. Die Messung der otoakustischen Emissionen ist deshalb die ideale Screening Methode für die Erkennung von Hörstörungen.

Des Weiteren wird die so genannte BERA-Methode angewandt. Hierbei wird gemessen, wie das Gehirn auf Töne reagiert. Ähnlich dem Elektroenzephalogramm (EEG) werden dem Kind Elektroden an den Kopf geklebt. Über Kopfhörer werden dann Töne in unterschiedlichen Lautstärken gegeben, um festzustellen, ob die Töne vom Innenohr registriert werden und zum Gehirn weitergeleitet werden.

Durch die frühe Erfassung von Schwerhörigkeit soll eine möglichst zeitige Hörhilfenversorgung und damit ein weitgehend normaler Spracherwerb ermöglicht werden.

In vielen Geburtskliniken und auch bei vielen niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten wird die Messung der otoakustischen Emissionen heute schon routinemäßig vor der Entlassung aus der Klinik oder aber bei der Vorsorguntersuchung U3 durchgeführt, obwohl eine Kostenübernahme bisher verweigert wird.

Therapie


Je nach dem Ausmaß des Hörschadens erhalten Kinder Hörgeräte oder, wenn kein ausreichendes Hörvermögen mehr besteht, ein sogenanntes Cochlea-Implantat (Cochlea kommt aus dem lateinischen und bedeutet übersetzt Schnecke). Gleichzeitig mit der Hörhilfe sollte das Kind aber auch eine professionelle Sprachförderung erhalten. So stehen die Chancen gut, dass es die normale Schule besuchen und später weitgehend unbehindert am öffentlichen Leben teilnehmen kann.

In der sogenannten „Akutphase“ werden meist durchblutungsfördernde Maßnahmen kombiniert mit einer Kortisongabe als Standardtherapie durchgeführt.

Bei chronischen Hörschäden ist eine operative Behandlung meist nicht mehr möglich, da die Sinneshärchen bereits irreparabel geschädigt sind. Hörgeräte können Abhilfe schaffen, sind aber noch nicht auf die einzelnen Frequenzen spezialisiert. Die allermeisten Hörgeräte verstärken die ankommenden Signale aller Frequenzen. Da aber in den meisten Fällen das Gehör nur im Hochfrequenzbereich geschädigt ist, ist es notwendig, die Hörgeräte auf die Verstärkung des jeweiligen Frequenzbereichs abzustimmen. In der Hörgeräteakustik ist es allerdings noch schwierig, eine solche selektive Verstärkung zu erzielen.

Besteht eine Tinnitus-Symptomatik, so ist dies Folge der Schädigung. Da eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich ist, richtet sich das Behandlungsziel darauf, die Beschwerden zu lindern. Im Idealfall nimmt der Betroffene das störende Pfeiffgeräusch im Alltag gar nicht mehr wahr. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Musiktherapie. Individuell variierbare Klangkompositionen sollen Entspannung durch Musik bieten. Eine Kassette wird für den Bedarfsfall mit nach Hause gegeben. Die Kosten für die ambulante Therapie werden inzwischen von einigen Krankenkassen übernommen.
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  #4  
Alt 02.10.2007, 13:45
Caro Caro ist offline
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Wichtiger Hinweis


Hörschäden können bereits bei einem Schalldruckpegel von 85 dB auftreten. Experten warnen daher vor den handelsüblichen Spielzeugpistolen. Bei umfangreichen Tests wurden hier Schallpegel von bis zu 180 dB gemessen. Dies stellt ein enormes Risiko für die Ohren dar. Da nämlich die von dem Knall ausgehende Schallwelle mit solch hoher Geschwindigkeit an das Trommelfell gelangt, hat das Ohr keine Chance mehr, sich dagegen zu wehren und es kann im schlimmsten Fall zum Reißen des Trommelfells kommen. Doch es sind nicht unbedingt diese einmaligen „Knalltraumata“, die zu Hörschäden führen. Meist kommt es durch ständig wiederkehrende Lärmbelästigung zu einem schleichenden Hörschaden, der aber meist viel zu spät realisiert wird. Vermeiden Sie daher zu Ihrer eigenen und natürlich zur Gesundheit Ihres Kindes weitestgehend laute Schallquellen!

Vorsorge


Grundsätzlich gilt: Beobachten Sie das Hörverhalten Ihres Kindes genau! Sollte Ihr Kind auf bestimmte Aufforderungen reagieren, so muss das nicht zwangsläufig mit einer vorsätzlichen Befehlsverweigerung Ihres Kindes zusammenhängen. Nehmen Sie diese ersten Anzeichen ernst und lassen Sie das Gehör Ihres Kindes beim Kinder- und Jugendarzt oder direkt in einer Spezial-Klinik untersuchen. Denn je früher eine Hörstörung erkannt und korrigiert wird, umso besser stehen die Chancen, dass sich Ihr Kind sprachlich normal entwickelt. Bei Verdacht auf einen Hörschaden wird die Untersuchung von der Krankenkasse übernommen.

Lassen Sie es aber am besten erst gar nicht zu Hörschäden kommen. Achten Sie z. B. darauf, dass Ihr Kind nicht übermäßig laute Musik hört. Sie sollten auch aufpassen, dass keine „lauten“ Spielsachen, wie zum Beispiel Spielzeugpistolen oder Ähnliches im Kinderzimmer vorhanden sind. Machen Sie Ihren älteren Kindern sachlich klar, dass bereits ein vierstündiger Disco-Aufenthalt mit einer 40-Stunden-Woche ungeschützter Lärmarbeit vergleichbar ist. Als effizienter Hörschutz bei Disco- oder Konzertbesuchen haben sich Ohropax erwiesen, die günstig in Apotheken zu erwerben sind.

Vom Deutschen Ärztetag wurden bereits letztes Jahr folgende Pegelbegrenzungen als Lärmschutz gefordert:
  • für lärmgebendes Spielzeug und andere Geräte mit Ohrhörern sollte der Dauerschallpegel bei Kindern unter 14 Jahren nicht höher als 80 dB liegen
  • für tragbare und andere Geräte mit Ohrhörern wurde die Begrenzung auf 95 dB gefordert
  • in Diskotheken soll der Dauerschallpegel auf 90 – 95 dB begrenzt werden
    Quelle: http://www.kinderaerzteimnetz.de/bvk...d=95&nodeid=59


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