Neue, dynamische Fußraste für Spastiker
So viel wie nötig - so wenig wie möglich
Vertrauen zu können, dass man trotz Kontrollverlust geschützt und gestützt wird, dass auch in unkontrollierbaren Situationen nichts "schief gehen" kann, ist gerade für Menschen mit wechselndem Tonus von enormer Wichtigkeit. Stark ausgeprägte, heftige Spasmen bergen ein Gefahrenpotential, das ebenso groß sein kann wie die freiwerdenden Kräfte.
Besonders bei häufig auftretenden einschießenden Spasmen lokalisieren sich enorme Hebelkräfte an den entgegengesetzten Enden eines Rollstuhls, also an den Rückenrohren und an der Fußraste. Dieser spontanen, schubweisen und extremen Belastung ist kaum eine normale Rückenbespannung gewachsen, obwohl sie durch ihre Flexibilität sehr wohl etwas nachgeben kann.
Der dramatischste Effekt stellt sich aber regelmäßig an den Fußrasten ein. Hier kann mittelfristig davon ausgegangen werden, dass die Belastung zerstörerisch auf das starre Material wirkt und die Fußraste abgerissen oder deformiert wird. Wir alle kennen die erstaunlichen Kräfte, die selbst bei jüngeren Benutzern mit dem angesprochenen Krankheitsbild ausgeübt werden können, da die Spasmen impulsiv und spontan auftreten und fast immer dorsalwärts wirken.
Das Verletzungsrisiko bei einer durch- oder abgebrochenen Fußraste ist ebenfalls enorm. Durch den auch nur teilweisen Verlust der Aufstandfläche auf der Fußraste geht der Halt im Rolli komplett verloren, und die unkontrollierbaren Bewegungen und Extensionen können nicht mehr abgestützt oder in einem sicheren Rahmen geführt werden. Kopfverletzungen, stumpfe bis offene Traumata an den Gliedmaßen bis hin zu Frakturen sind die bedauerliche aber fast regelmäßige Konsequenz.
Hinzu kommt ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden durch zerstörte Fußrasten und deformierte Rückenrohre, der kaum kalkulierbar ist, da der einschießende Spasmus keinesfalls kontrolliert auftritt. Eine Versorgung sollte daher vielmehr auf federnden Widerstand ausgerichtet sein: Tonus kontrolliert zulassen, auftretende Kräfte abfedern statt blockieren, so viel nachzugeben wie nötig aber so wenig wie möglich.
Die Firma SORG Rollstuhltechnik hat hier zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: nämlich eine patientenfreundliche und gleichzeitig kostensparende Lösung für das Problem gefunden. SORG Rollstuhltechnik hat eine Beinstütze mit einer dynamischen Fußraste entwickelt, die in vertikaler Richtung sowie in der dorsalen Extension genau so viel nachgibt wie nötig und gleichzeitig so wenig wie möglich.
Die Initiative für diese Neuheit aus der badischen Ideenschmiede geht auf ein "verzweifeltes" Sanitätshaus zurück, die bei einem aktiven jugendlichen Rollifahrer im regelmäßigen Abstand von ca. 4 Monaten immer den gleichen Stress mit dem zuständigen Kostenträger hatten und in argen Erklärungsnotstand kamen, wenn "schon wieder" eine neue Fußraste oder ein Rückenrohr als Ersatzteil beantragt werden musste.
Gesucht war also eine Fußraste mit der die dorsalen und proximalen Extensionen aufgefangen werden und gleichzeitig den freiwerdenden Kräften eine Wirkungsfläche für die Gegenkräfte geboten wird. Zusätzlich musste die Extension der Beine rechts und links unabhängig voneinander ermöglicht werden. Trotzdem sollte der Rolli in gewohnter Weise faltbar bleiben!
Die dynamische Fußraste von Sorg Rollstuhltechnik ist links und rechts in vertikaler Richtung separat gefedert aufgehängt und gibt dann bei einem einschießenden Spasmus an beiden Enden unabhängig von einander um bis zu 5 cm nach unten nach. Die Kraft der Federn ist groß genug, um zuverlässig den einschießenden Spasmen entgegen zu wirken. Gleichzeitig ist die Fußraste an der Beinstütze in horizontaler Richtung so aufgehängt, dass sie sich bei einer dorsalen oder proximalen Extension zusätzlich in die Richtung der jeweiligen Extension drehen kann.
Wenn dann der Strecktonus wieder nachlässt, stellt sich die komplette Beinstütze mit Fußraste wieder automatisch in die Ausgangsposition zurück und kann bei einem erneut auftretenden Spasmus wieder wirksam werden. Der Probelauf für diese dynamische Beinstütze ist Anfange des Jahres abgeschlossen worden. Eine neue Fußraste für den jugendlichen Rollifahrer wurde seither noch nicht beantragt…
Quelle: Rehacare
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