Münchhausen-Syndrom: die Kunst des Schwindelns
Der bekannte deutsche Baron von Münchhausen verstand es glänzend, sich mit seinen erfundenen Geschichten Anerkennung und Sympathie zu verschaffen. Auch die modernen "Lügenbarone", Patienten die unter dem Münchhausen-Syndrom leiden, versuchen Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie täuschen äußerst glaubhaft Krankheiten vor und erschleichen sich so Mitgefühl, Behandlungen, Krankenhausaufenthalte.
Wie äußert sich das Münchhausen-Syndrom?
Das Münchhausen-Syndrom ist eine schwere psychische Krankheit, die meist im Zusammenhang mit einer gestörten, neurotischen Persönlichkeitsentwicklung auftritt. Über die Ursachen ist bisher sehr wenig bekannt.
Die Patienten simulieren Symptome und Krankheiten, über die sie erstaunlich gut Bescheid wissen. Sie manipulieren Temperaturmessungen und Laborergebnisse und benutzen die vielfältigsten Tricks, um Ärzte von ihrer Krankheit zu überzeugen. Sie reichern ihren Urin mit Zucker oder Blut an, um einen Diabetes oder eine Nierenerkrankung vorzutäuschen. Sie gehen soweit, sich ihre Haut zu verätzen, um eine Hauterkrankung vorzuspiegeln oder schlucken Medikamente und Gift, um Beeinträchtigung von Darm oder Herz auszulösen.
So fantasiereich wie Münchhausen seine Geschichten ausschmückte, können diese Patienten mit ihren Krankheiten überzeugen.
Was sind die Folgen?
Zu den Verletzungen, die sich die Patienten selbst zufügen, kommen die Nebenwirkungen und Gefahren der von den Ärzten eingeleiteten Diagnose- und Therapieverfahren. Um die dargestellten "Notfälle" abzuklären, werden Bauch- und Lungenspiegelungen durchgeführt, Blasen- oder Herzkatheter gelegt oder der Patient wird auf den Operationstisch gelegt und der Bauch mit dem Verdacht auf eine Blinddarmentzündung geöffnet.
Eine weitere Gefahr besteht darin, dass wirklich auftretende Krankheiten bei einem Patienten mit einem bekannten Münchhausen-Syndrom nicht ernst genommen werden. So wie der junge Schafshüter, der zweimal sein Dorf mit der Warnung vor dem Wolf in Angst und Schrecken versetzte, nur um beim dritten Mal dem Wolf allein gegenüberzustehen, weil keiner mehr seine Schreie ernst nahm.
So wie Münchhausen-Patienten nichts unversucht lassen, Krankenhausaufenthalte zu erzwingen, so sind sie auf der Hut, sich nicht entlarven zu lassen. So stellen sie sich bevorzugt nachts in der Notaufnahme vor, wenn keine Akten besorgt werden können, aus denen ihre Vorgeschichte hervorgeht. Sie verschwinden meist schnell und heimlich bevor jemand die Verdachtsdiagnose stellen könnte. Sie wechseln die Ärzte und Krankenhäuser, um nicht wieder erkannt zu werden.
Gibt es eine Therapie?
Die einzige Möglichkeit besteht in einer psychologischen Betreuung. Es ist allerdings sehr schwer, solche Patienten zu behandeln, da ihr subjektiver Leidensdruck meist sehr gering ist und sie sich deshalb einer Therapie entziehen.
Was ist das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom?
Bei dieser glücklicherweise extrem seltenen, abgewandelten Form (auch Münchhausen-by-proxy-Syndrom genannt) täuschen Mütter Krankheiten bei ihrem Kind vor und setzen es damit ständigen Krankenhausaufenthalten, schmerzhaften Untersuchungen und langwierigen Therapien aus. Sie eignen sich detailliertes Fachwissen über Krankheiten an und verstehen es, die entsprechenden Symptome bei ihrem Kind vorzutäuschen oder mit zum Teil grausamen Methoden auszulösen.
Sie erzeugen Krämpfe, Fieber, Erbrechen, Hautausschlag, Herzrhythmusstörungen oder Atemstillstand. Torturen, die mehr als 10 Prozent der Kinder nicht überleben. Die Väter der Kinder sind häufig abwesend oder tolerieren das kranke Verhalten der Mütter, vor allem indem sie vorgeben, es nicht zu merken.
Typisch ist, dass solche Mütter ein sehr engagiertes, soziales Verhalten zeigen, sich liebevoll um das Kind oder andere Patienten kümmern und ein enges Verhältnis zu Pflegepersonal und Ärzten suchen. Sie stimmen bereitwillig auch schmerzhaften oder komplikationsreichen Untersuchungen zu. Auffällig ist, dass sie sich weigern, ihr Kind allein zu lassen und keiner Behandlung des Kindes während ihrer Abwesenheit zustimmen. Sie wechseln häufig die Ärzte und geben an, dass die anderen nicht ausreichend und gründlich genug gesucht oder behandelt hätten.
Die Therapie ist schwierig; in einem Teil der Fälle hilft die zeitweise Trennung von Mutter und Kind.
Quelle: gesundheit.de
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