Orthopädie: Ganglabor entdeckt Fehlhaltungen millimetergenau
Orthopädie: Ganglabor entdeckt Fehlhaltungen millimetergenau
Heidelberg (ddp). Fehlhaltungen oder Probleme beim Gehen zu erkennen, ist auch für Ärzte und Krankengymnasten nicht immer einfach. Bei der Diagnose könnte ihnen künftig die Technik helfen: Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie entwickelt die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg derzeit ein mobiles Ganglabor. Das neue tragbare System soll unter anderem einen Beschleunigungs- und Muskelaktionsmesser umfassen und passt in einen einfachen Koffer, wie das Klinikum mitteilt. Das neue Ganganalyse-Labor wird dem Auge des Therapeuten weit voraus sein - so soll es Abweichungen von der Norm millimetergenau erfassen können. Zudem werden im Ganglabor nicht sichtbare Funktionen wie Muskelkoordination und Gelenk-Drehmomente in der exakten Dokumentation des Gangs erfasst. Um diese genauen Ergebnisse zu erreichen, muss der Nutzer des Systems dem Patienten Infrarotlicht-Reflektoren auf mehrere Körperstellen kleben. Den Gang zeichnen zehn Infrarotkameras auf und übermitteln die Daten an einen Computer, der die Gelenkstellungen während des Gehens räumlich genau berechnet. Kraftmessplatten im Boden des Ganglabors erfassen die Gelenkbelastung, zugleich registrieren Elektroden auf der Haut die Muskelaktivität, die ebenfalls während des Gehens gemessen wird. Durch den Vergleich mit den Daten gesunder Probanden kann der Arzt feststellen, ob und wie stark die Bewegungsabläufe in der Gelenkkette der Beine abweichen. Das Ganglabor solle vor allem beim Untersuchen von Patienten mit spastischen Lähmungen helfen, die beispielsweise durch Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf ausgelöst werden können, heißt es weiter. Diese Fehlstellungen können durch eine Operation behoben werden, die sich mithilfe des Ganglabors effektiver planen lässt.
Quelle: Netdoctor
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