
Bewegungsmangel vermindert nach den Worten des Medizin-Psychologen Siegfried Lehrl die Intelligenz. »Die so genannte flüssige Intelligenz verändert sich schnell«, sagt der Erlanger Wissenschaftler am Rande einer Tagung zum Thema Bewegung in Ulm.
Flüssige Intelligenz ist laut Lehrl die Fähigkeit, schnell und präzise neue Probleme zu lösen, ohne auf Erfahrungen zurück zu greifen. Die so genannte kristalline Intelligenz entspricht bereits gesammeltem Wissen und Erfahrungen. »Diese verliert man nicht nach ein paar Tagen.«
Andere Ergebnisse brachten hingegen Untersuchungen bei Patienten, die zwischen fünf Tagen und mehreren Wochen im Krankenhaus zur Beobachtung waren, für die flüssige Intelligenz: Innerhalb von fünf Tagen sank der Intelligenzquotient (IQ) um fünf Punkte. Nach einem dreiwöchigen Klinikaufenthalt verringerte sich der IQ sogar um 20 Punkte. »Wer mit einem IQ von 90 kam, hatte dann nur noch einen von 70. Das ist an der Grenze zum Schwachsinn«, sagte Lehrl. Erst etwa vier bis sechs Wochen, nachdem der Patient wieder in seinen Alltag zurückgekehrt ist, erreichte der IQ in etwa sein altes Niveau.
»Durch Bewegung wird die geistige Leistungsfähigkeit erhöht«, sagte der Experte. Daher seien schon kleinste Bewegungen nicht nur bei einem Klinikaufenthalt, sondern auch im Alltag wichtig. So könne es beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit beim Telefonieren durch Stehen oder herumgehen erhöht werden. Auch kleine Bewegungen der Hand können schon ausreichen, damit die flüssige Intelligenz nicht nachlässt. »Man muss nicht den großen Sport machen« sagte Lehrl.
Allerdings hat Sport in Maßen laut Lehrl den Vorteil, dass dadurch das Herz-Kreislauf-System gestärkt wird. Und ein solch starkes System helfe, sich länger zu konzentrieren. Lehrl ergänzte: »Wenn man geistig tätig ist, ist das auch ein bisschen wie Sport.« So erhöhe sich etwa der Blutdruck und der Atem ginge schneller. Wer dann fit ist, ist nach Angaben Lehrls auch für die geistige Arbeit besser gewappnet.
Quelle:WR