Niedersachsen Kindergärten wollen dem Übergewicht im jungen Alter vorbeugen
Prävention gegen Übergewicht im Kindergarten
Schwere Kindheit: Bewegungsmangel und Süßigkeiten vor dem Fernseher haben ihre Konsequenzen. Immer mehr Kinder in Deutschland sind zu dick. In Niedersachsen wollen Ärzte, Erzieher und Wissenschaftler nun mit einem Projekt in 33 Kindergärten dem Übergewicht im jungen Alter frühzeitig vorbeugen.
Nicht alle Kids sind so fit: Zehn bis 18 Prozent aller Kinder in Deutschland leiden an Übergewicht. Foto: BilderBox
29.09.06 - "Die Ursprünge für das Übergewicht fangen im Kindergartenalter an, etwa im vierten bis sechsten Lebensjahr", sagt Professor Thomas Danne vom Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der BKK Niedersachsen-Bremen hat die Kinderklinik deshalb das Projekt "Fit von klein auf" ins Leben gerufen. Die Erzieherinnen der 33 Kindergärten erhalten dazu von der Krankenkasse einen Koffer voller Material für sportliche Aktivitäten und Aufklärung über gesundes Essen. Die Wissenschaftler untersuchen die Kinder während des zweijährigen Programms, um zu sehen, ob es sich in Gewicht und Gesundheit der Kleinen niederschlägt.
Schwere Folgeschäden durch Übergewicht
Übergewicht bei Kindern ist schon lange keine Seltenheit mehr: Nach Angaben des Bundesernährungsministeriums sind zehn bis 18 Prozent aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig, etwa vier bis acht Prozent leiden an Fettleibigkeit. Dabei sind zunehmend auch Kleinkinder vom Übergewicht betroffen. Gerade im Kindergarten ist deshalb laut Professor Danne eine gute Vorsorge wichtig. "77 Prozent der Kinder, die schon im Vorschulalter übergewichtig sind, bleiben das auch im Erwachsenenalter."
Die Folgen des Übergewichts sind gravierend: Während die Kinder zunächst vor allem unter Hänseleien leiden, drohen schon bald frühzeitige Altersdiabetes, Hormonprobleme bis hin zur Unfruchtbarkeit sowie Gelenkschäden und psychische Beeinträchtigungen. "Wir haben das Problem, dass die Übergewichtigen immer schwerer werden und das Risiko für Folgeerkrankungen steigt", sagt Danne, der von Haus aus Diabetologe ist.
"Einige Kinder kannten Mohrrüben nur aus der Dose
Für schwergewichtige Kinder, bei denen es für die Prävention schon zu spät ist, gibt es in Hannover das Projekt "Beiß Dich Durch" von Constanze Kriebel-Goldmann. Dort treffen sich ein Mal pro Woche fettleibige Kinder im Alter zwischen neun und fünfzehn Jahren zum Kochen, Sport sowie zu psychologischen Übungen. "Wir wollen den Kindern Ernährungswissen vermitteln, sie zur Bewegung animieren und ihr Selbstbewusstsein stärken", sagt die Medizinerin.
Viele der teilnehmenden Kinder bekommen zu Hause hauptsächlich Tiefkühlkost und Fertiggerichte zu essen. "Einige unserer Kinder hatten zum Beispiel vorher noch nie frische Mohrrüben gegessen. Sie kannten die nur aus der Dose." Die bisherigen Erfahrungen mit der Therapie seien gut: Bis zu 80 Prozent der Kinder nähmen ab oder könnten zumindest ihr Gewicht halten - was schon ein Erfolg sei. "Am besten aber wäre es, wenn die Prävention so gut wird, dass die Kinder an einem Projekt wie dem unseren gar nicht mehr teilnehmen müssten."
dpa