Wenn's einen juckt: Warum Kratzen so gut tut
Wenn's einen juckt: Warum Kratzen so gut tut
Münster (ddp). «Der leichte Schmerzreiz, der durch das Kratzen ausgelöst wird, überdeckt den Juckreiz», erläutert Privatdozentin Sonja Ständer, Leiterin der Juckreiz-Ambulanz an der Hautklinik der Universität Münster (juckreiz-informationen.de). Denn die Schmerzimpulse werden etwas schneller zum Rückmark geleitet und blockieren das Juck-Empfinden. Man kann meist gar nicht anders, als zu kratzen: Der Körper reagiert reflexartig auf das Kitzeln auf der Haut. Die Schwelle, bei der der Kratz-Reflex einsetzt, ist individuell unterschiedlich. «Aber man kann ihn nicht durch reine Willensstärke auf Dauer unterdrücken», erläutert Hautärztin Ständer. Vermutlich sei der Juckreiz vom Körper ursprünglich als eine Warnung beispielsweise vor Insekten auf der Haut angelegt. Man kratzt, und dadurch wird der Fremdkörper entfernt. «Mit dem Wohlgefühl, dass man durch das Kratzen empfindet, belohnt sich der Körper möglicherweise für diese schnelle Reaktion», sagt die Wissenschaftlerin. Bei chronischem Juckreiz kann das allerdings fatal werden: «Es gibt Patienten, die sich in einen Kratzrausch steigern und gar nicht mehr aufhören können.» Dadurch wird die Haut gereizt und verletzt, Entzündungen können entstehen, die wiederum jucken. «Man gerät in einen Juckreiz-Kratz-Teufelskreis», sagt Ständer. Statt zu kratzen, seien bei Juckreiz deshalb kühlende und juckreizlindernde Lotionen sinnvoll. Bei einem Mückenstich könne es auch helfen, die betroffene Stelle nur kurz zu zwicken, statt zu kratzen: «Dadurch hat man ebenfalls einen kurzen Schmerzreiz, der das Jucken überdeckt, der Haut aber weniger schadet.» Bei Patienten mit chronischem Juckreiz könne man auch versuchen, zusätzlich zur Behandlung mit Medikamenten den Kratzreflex umzuleiten, indem man sie beispielsweise statt der Haut ein Kissen bearbeiten lässt. Noch seien beim Thema Juckreiz viele Fragen offen, betont die Wissenschaftlerin. Erst seit Mitte der 90er Jahre wisse man beispielsweise, dass Juckreiz auf eigenen Nervenbahnen weitergeleitet werde. «Davor ging man immer davon aus, dass Juckreiz und Schmerzempfinden auf demselben Weg verarbeitet werden», erläutert Ständer. Um die Mechanismen des Juckreizes besser zu erforschen und Patienten mit chronischem Juckreiz zu helfen, die oft sehr unter ihrer Krankheit litten, habe sich jetzt ein Arbeitskreis gegründet, der das Problem interdisziplinär angehen wolle. «Bei der Behandlung macht es nämlich oft Sinn, wenn Hautärzte mit Internisten, Nervenärzten oder Psychosomatikern zusammenarbeiten», betont Ständer.
Quelle: Netdoctor
|