Frühes Abnabeln bringt keine Vorteile
Neugeborene, deren Nabelschnur erst zwei Minuten nach der Geburt abgetrennt wird, haben mindestens einen so guten Start wie bei einer Abnabelung nach 20 Sekunden.
Wird die Nabelschnur erst zwei Minuten nach der Geburt durchtrennt, wirkt sich das positiv auf den Sauerstoffpartialdruck in der Umbilikalarterie aus. Foto: stock.xchng
11.05.07 - Das hat ein Forscherteam um Catalina de Paco Matallana von der Universität Granada in einer Studie an 151 Babys herausgefunden, die alle nach einer regulären, neun-monatigen Schwangerschaft auf die Welt kamen. Bei 79 von ihnen wurde die
Nabelschnur innerhalb von 20 Sekunden nach der
Geburt durchtrennt, bei 72 der Kinder verstrichen zwei Minuten.
Der
Sauerstoffpartialdruck in der Umbilikalarterie lag bei den später abgetrennten Kindern höher und sie mussten seltener beatmet werden. Das Abstoßen der Plazenta und Blutungen der Mutter nach der Geburt wurden durch ein späteres Abnabeln nicht beeinflusst.
Hämatokrit und Hämoglobin-Werte der Neugeborenen unterschieden sich in den beiden Gruppen nicht, signifikante Unterschiede konnten nur in der Konzentration von Triacylglycerol (TAG) festgestellt werden, wobei die TAG-Konzentration bei den früher abgetrennten Babys sowohl in Umbilikalarterie und -vene höher lagen als bei denjenigen, deren Nabelschnur erst nach zwei Minuten durchtrennt wurde.
Fötus produziert schon Melatonin
"Es gibt keine Evidenz dafür, dass ein sofortiges Abnabeln anzuraten ist. Es gibt Argumente für beide Methoden.", erläutert de Paco Matallana. Dass auch frühere Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kämen, zeige nicht nur die Komplexität der Geburtsvorgänge, sondern könne auch darauf zurückzuführen sein, dass die Untersuchungen nicht konsequent genug designst waren.
Ein weiterer interessanten Aspekt hat die Studie noch ergeben: die Melatonin-Konzentration in der Umbilikalarterie lag nach der Geburt höher als in der Umbilikalvene - unabhängig davon, wann die Abelschnur durchtrennt wurde. "Offensichtlich erhält der Fötus nicht nur maternales Melatonin über die Plazenta, sondern ist bereits in der Lage, es selber zu produzieren", vermutet de Paco Matallana. "Die
Epiphyse des Fötus reagiert damit auf die Stresssituation der Geburt." fs / Quelle: SN