Alternativmedizin auf dem Vormarsch
Zwei Drittel der Patienten setzen auch auf alternative Therapien
Alternativmedizin auf dem Vormarsch
Die Komplementär- und Alternativmedizin wird nach Expertenmeinung künftig eine größere Rolle in der Gesundheitswirtschaft spielen. Schätzungen zufolge wenden etwa zwei Drittel aller Deutschen pro Jahr mindestens eine alternative Therapie an.
16.04.07 - "Derzeit arbeiten rund 4,5 Millionen Menschen in Deutschland im Gesundheitswesen. Bis 2020 wird mit mehr als einer Million neuer Jobs in diesem Sektor gerechnet. Viele davon werden der Alternativmedizin zuzurechnen sein", sagte der Organisator der dritten nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock, Horst Klinkmann. In der so genannten Wohlfühlindustrie habe sich der Umsatz in den vergangenen zehn Jahren auf rund 50 Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt, 20 Prozent gingen auf Kosten der Alternativmedizin.
Es sei erfreulich, dass sich das Gesundheitsministerium mit diesem Thema identifiziere und es unterstütze. "Im Zusammenhang mit den immer wichtiger werdenden Präventionsprogrammen der Krankenkassen erwarte ich, dass wissenschaftlich nachgewiesene Leistungen in den Leistungskatalog aufgenommen werden", sagte Klinkmann, der auch Vorsitzender des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern ist. Dazu werde auch der beschleunigte Wettbewerb unter
den Kassen beitragen.
Verfahren vorurteilsfrei bewerten
Die Alternativmedizin sei bereits seit Jahren auf dem Vormarsch, sagte Klinkmann. "Nachdem die Akupunktur zunächst rundweg abgelehnt wurde, ist deren Wirksamkeit heute unumstritten." Die Indikationen nähmen zu, inzwischen werde sie beispielsweise bei Schmerzen, Rauchentwöhnung oder Migräne angewandt. "Das hat alles nichts mit Schamanentum zu tun", sagte Klinkmann.
Es werde eines der Ziele des Kongresses im Mai sein, vorurteilsfrei die Szene zu beobachten und Verfahren zu bewerten, so Klinkmann. Dabei gehe es nicht allein um die traditionelle chinesische, buddhistische oder andere asiatische Medizin. "Wir müssen uns auch auf traditionelle europäische Heilmethoden besinnen." Dazu gehörten beispielsweise die Thalassotherapie, Moorbäder oder auch die Homöopathie. dpa / jb
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