Gedankenspiel: Gehirn lernt auch aus fiktiven Erfahrungen
Gedankenspiel: Gehirn lernt auch aus fiktiven Erfahrungen
Washington (ddp). Das Gehirn lernt auch aus fiktiven «Was wäre wenn»-Gedankenspielen und beeinflusst so, wie sich Menschen verhalten und entscheiden. Das haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, indem sie mehrere Freiwillige mit einem Glücksspiel beschäftigten und dabei die Gehirnaktivität aufzeichneten. Die Ergebnisse der Studie ermöglichten es, die Ursachen von Suchtverhalten besser zu verstehen, schreiben die Forscher um Read Montague vom Baylor-College für Medizin in Houston in der Fachzeitschrift «PNAS» (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0608842104). Montague und seine Kollegen beobachteten 54 Freiwillige im Alter zwischen 19 und 54 Jahren, während diese sich mit einer Wirtschaftssimulation befassten. Die Probanden mussten in jeder Spielrunde die Höhe ihrer Kapitalanlage bestimmen und erhielten anschließend einige Informationen über das Verhalten des Marktes: Brach der Markt zusammen, verloren sie ihr eingesetztes Geld, wuchs der Markt, erzielten sie einen Gewinn. Die Wissenschaftler verwendeten dabei echte Marktsituationen wie etwa den Crash von 1929 oder die Spekulations-Blase der späten 90er Jahre. Jede Testperson spielte mit 10 Marktsituationen und musste jeweils 20 Entscheidungen treffen. Nach jeder Spielrunde zeigte das Programm dem Probanden die Differenz zwischen dem bestmöglichen Ergebnis und dem tatsächlich erreichten Gewinn oder Verlust an. So kann der Proband einen Gewinn trotzdem als Verlust empfinden, wenn mit einer höheren Investition noch ein größerer Profit möglich gewesen wäre. Um den Einfluss dieses «fiktiven Fehlers» auf die weiteren Entscheidungen der Testperson bestimmen zu können, zeichneten die Wissenschaftler während des gesamten Spielverlaufs mit einem speziellen Verfahren der Magnetresonanztomographie die Blutströme in verschiedenen Gehirnbereichen und die Aktivitäten der benachbarten Nervenzellen auf. Der «Was wäre wenn»-Effekt äußerte sich dabei als ein spezielles Signal im Bereich des Schweifkerns, einer Gehirnregion, die für die Kontrolle willkürlicher Bewegungen zuständig ist. Das Signal sei zwar nicht mit einem konkreten Gefühl oder Sinneseindruck zu vergleichen, sagen die Forscher. Jedoch berechne das Gehirn diese «fiktive Erfahrung» in seine weiteren Planungen mit ein und steuere damit zukünftige Entscheidungen.
Quelle: Netdoktor
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