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Alt 26.05.2006, 23:29
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard Doppelblindstudie

Die übliche und verlässlichste Form eines Wirksamkeitsnachweises eines Medikaments ist die Doppelblindstudie.
Eine medizinische Studie ist erstmal das reine kontrollierte Beobachten eines Krankheitsverlaufs bei bestimmten Bedingungen. Eine Bedingung kann, muss nicht, die Gabe eines Medikaments sein.

Nun gibt es sogenannte Placeboeffekte. Man gibt jemandem etwas vollkommen wirkungsloses, behauptet, es wirkt, und man wird in einem gewissen Prozentsatz der Fälle dennoch oder eben deswegen Verbesserungen feststellen können. Das ist natürlich fein und das nimmt man gerne mit, aber die Wirkung eines Medikaments besteht eben darin, dass es über die Placebowirkung hinausgeht, sonst könnte man allen Kranken einfach Stärkekapseln verschreiben und sagen, das ist wirksame Arznei. Das will nun kaum jemand.
Daher macht man Studien üblicherweise mit mindestens zwei Gruppen - einer, die das Medikament und einer anderen, die ein Placebo bekommt. Prinzipiell müsste man jetzt anhand des Unterschieds in den Gruppen feststellen können, ob das Medikament wirksamer als eine wirkungslose Substanz ist.
Der Placeboeffekt hängt aber auch vom Wissen der Patienten und dem der Ärzte um die Behandlung ab. Daher sagt man den Patienten nicht, ob sie Medikament oder Placebo bekommen. Ärzte könnten auch wieder dazu neigen, jenen Patienten schlechtere Diagnosen zu stellen, von denen sie wissen, dass sie eine wirkungsfreie Substanz bekommen haben. Daher sagt man den diagnostizierenden Ärzten *auch* nicht, ob der Patient, den sie untersuchen, Medi oder Placebo kriegte.

Wenn nun weder Patient noch behandelnder Arzt weiss, ob Placebo oder Medikament gegeben wurde, spricht man von einer "doppelblinden" Studie. In dieser sind Einflüsse der Patienten und der Ärzte eliminiert, man misst bei der statistischen Auswertung nur noch die reine, tatsächliche Wirksamkeit des Medikaments.
Bei manchen Therapien, hier die oft diskutierten Diäten beispielsweise, ist klar, dass man die Studie nicht doppelverblinden kann. Zumindest der Patient weiss, was er in der letzten Woche gegessen hat. Hier kann man allenfalls einfachverblindete Studien machen: der Doc bekommt eine Reihe Patienten, von denen er nicht weiss, wer die entsprechende Diät macht und diagnostiziert den Krankheitsverlauf.
Therapien, die nicht auf solchen Studien beruhen, sind mit Vorsicht zu genießen: üblicherweise lassen ihre Erfinder/Verkäufer sie aus guten Gründen nicht entsprechend prüfen.
Abstracts (Kurzzusammenfassungen) von Studien, die in entsprechend gut kontrollierten Fachzeitschriften publiziert werden, können in der MedLine (http://www.nlm.nih.gov/) recherchiert werden.


Quelle: aknetherapie


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  #2  
Alt 01.06.2006, 22:13
Benutzerbild von micha
micha micha ist offline
Teammitglied - Fachautor für Pharmazie
 
Registriert seit: 28.03.2005
Beiträge: 164
Standard

Hallöle!

Hier muss ich mal wieder meinen Senf "draufschmieren".

Nicht alles, was nicht durch eine Doppelblindstudie belegt wird ist Unsinn; bestes Beispiel sind Studien, die sich mit der Wirksamkeit von homöopathischen Arzneimittel im Vergleich mit allopathischen ("normalen") Arzneimitteln befassen. Hier sind die Therapieansätze so verschieden, dass ein Vergleich sehr schwer ist.

Aber es gibt auch Arzneimittel, mit denen solche Studien durchgeführt wurden, die im Ergebnis nur knapp über dem Placeboeffekt liegen. Dass sich diese AM trotzdem gut verkaufen, ist häufig nur der blumenreichen Sprache der "Wissenschaftler" zu verdanken, die die Testergebnisse auswerten.

Ein weiterer Punkt: nicht alle Doppelblindstudien taugen auch etwas. Hier ist ein korrektes und aussagekräftiges Studiendesign notwendig.
Zum Beispiel muss eine Studie randomisiert sein, d.h. die Einteilung der Probanden, ob sie Placebo oder AM bekommen, muss mit einem Zufallsgenerator geschehen.
Auch das Geschlecht der Probanden ist häufig entscheidend.

Vor allem aber scheitern viele hochgelobte Studien an der zu geringen Zahl an Probanden. (Dies ist ein Punkt, mit dem ich Pharmareferenten in der Apo gerne auflaufen lasse)

Und zum guten Schluss: bei der statistischen Auswertung kann man auch prima schummeln. "Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast".

In diesem Sinne, bis die Tage

micha
__________________
Es soll ein jeder nach seiner Fasson selig werden.
(Friedrich der Große)
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