Als
Rumpfataxie bezeichnet man die Unfähigkeit, gerade zu sitzen, so dass die Betroffenen nur noch mithilfe einer Stütze sitzen oder stehen können. Analog bezeichnet man als
Standataxie die Unfähigkeit, zu stehen, so dass die Betroffenen nur noch mit Hilfe steh- und gehfähig sind. Menschen mit einer
Gangataxie haben ein breitbeinig-unsicheres Gangbild. Eine
Ataxie bei Zielbewegungen führt zu Bewegungen falschen Ausmaßes mit daneben zeigen (Dysmetrie), zu überschießend-ausfahrenden Bewegungen (Hypermetrie) oder zu unflüssig-verwackelten Bewegungen (Asynergie) und damit zur Unfähigkeit einer raschen Folge antagonistischer Bewegungen (
Dysdiadochokinese).
Ursachen von Ataxien
Jede Erkrankung, die die an der Bewegungssteuerung beteiligten
Organsysteme des
Nervensystems schädigt, kann eine Ataxie hervorrufen.
Häufigste Ursache von Ataxien sind Erkrankungen des
Kleinhirns. Dieses ist für die Verschaltung der sensiblen Informationen aus dem
Rückenmark, der Informationen des
Gleichgewichtsorgans und der übrigen Sinneseindrücke und deren Umsetzung in motorische Bewegungsabläufe zuständig, also die Planung, Koordination und Feinabstimmung von Bewegungen.
Ataxien können deswegen auch auftreten, wenn die über das
Rückenmark ankommenden sensiblen Informationen aus den peripheren sensiblen
Nerven,
Gelenken und
Muskeln fehlen. Dadurch fehlt die für gezielte motorische Bewegungen erforderliche Feinsteuerung, es kommt zur sogenannten sensiblen Ataxie.
Zerebelläre Ataxie
Kleinhirn-Durchblutungsstörungen oder Kleinhirn-Blutungen, also
Schlaganfälle des Kleinhirns, lösen eine Ataxie aus.
Ataxien treten nicht selten im Verlauf
entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems mit Schädigung des Kleinhirns und/oder Rückenmarks auf, vor allem bei der
multiplen Sklerose. Infektiös bedingte Ataxien wie z. B. eine
Zoster-Zerebellitis oder ein Kleinhirn-
Abszess sind selten.
Hirntumoren oder
Metastasen im Kleinhirn und eine Einklemmung des Kleinhirns im Rahmen eines diffus erhöhten Hirndrucks jeder Ursache führen zur Ataxie, sofern nicht zuvor eine
Bewusstseinstrübung eintritt.
Ataxien können durch chronische
Vergiftungen ausgelöst werden, beim Menschen am häufigsten durch eine akute Kleinhirnfunktionsstörung im Rahmen eines akuten Alkoholrausches (reversibel) oder durch einen chronischen
Alkoholismus (schlechtere Besserungstendenz). Als Symptom einer Überdosierung von Medikamenten kann es zu in der Regel schnell reversiblen Ataxien kommen, vor allem bei Überdosierung oder zu schneller Aufdosierung von
Antiepileptika. Ataxien durch Vergiftungen mit
Schwermetallen (besonders
Quecksilber) oder
Pestiziden sind extrem selten.
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Sensible Ataxie
Auch hier ist die häufigste Ursache eine chronische Alkoholvergiftung. Ähnlich wie das Kleinhirn wird auch das Rückenmark häufig von der multiplen Sklerose betroffen.
Tumoren im Rückenmark oder in der
Wirbelsäule, sind insgesamt selten. Eine sensible Ataxie wird häufiger durch eine in den Rückenmarksraum eingebrochene Wirbelkörper-Metastase hervorgerufen.
Nicht ganz selten ist Ursache einer sensiblen Ataxie eine Schädigung der sensiblen Rückenmarksbahnen durch einen
Vitamin B12-Mangel (die sogenannte
Funikuläre Myelose), die bei entsprechender Behandlung komplett reversibel ist.
Als wichtige infektiöse Ursachen der sensiblen Ataxie sind die
Syphilis des Nervensystems zu erwähnen, ferner auch
HIV und die Infektion mit dem
Zoster-
Virus.
Hereditäre Ataxien
Ataxien treten ferner bei zahlreichen, insgesamt aber seltenen, genetisch bedingten (= hereditären) Erkrankungen auf, den
hereditären Ataxien. Diese werden autosomal-rezessiv oder autosomal-dominant vererbt (ADCA = autosomal-dominante zerebelläre Ataxien). Gemeinsam ist diesen Erkrankungen, dass sie das Kleinhirn und/oder die Hinterstränge des Rückenmarks befallen.
Autosomal-rezessive AtaxienFriedreich-AtaxieAtaxia teleangiectaticaVitamin-E-Mangel-Ataxie
Morbus RefsumAbetalipoproteinämie (Bassen-Kornzweig-Syndrom)Metachromatische LeukodystrophieAdrenoleukodystrophieGM-GangliosidoseFrüh beginnende zerebelläre Ataxie mit erhaltenen Muskeleigenreflexen.
Quelle: Wikipedia