Sehen: Interessantes fokussieren wir auch ohne Augenbewegung
Göttingen (ddp). Die Augen fangen ständig Unmengen an Informationen ein. Und was unsere Aufmerksamkeit erregt, wollen wir auch genau betrachten, indem wir unseren Fokus darauf richten. Wissenschaftler in Göttingen haben jetzt herausgefunden, dass das visuelle System bereits im Vorfeld die Sehschärfe auf die ihm wichtig erscheinenden Bereiche konzentriert, ohne dass sich die Blickrichtung ändert. Die Forscher vom Deutschen Primatenzentrum und Wissenschaftler am Bernstein Center for Computational Neuroscience untersuchten an Affen die Aktivität bestimmter Nervenzellen, die an den ersten Schritten der Verarbeitung visueller Informationen beteiligt sind. Dabei stellten sie fest, dass jene Zellen stärker auf visuelle Reize reagieren, dem das Tier seine Aufmerksamkeit schenkt, auch ohne dass es diese fokussiert. «Eine Verbesserung der Sehfähigkeit im Interessenbereich - auch ohne sofortige Augenbewegung - ist für die visuelle Informationsverarbeitung in einer natürlichen Umgebung von großer Bedeutung», erklärt Professor Stefan Treue, Leiter der Abteilung Kognitive Neurowissenschaften am Göttingener Primatenzentrum. Wenn mehrere Objekte gleichzeitig das Interesse erregen, müssen diese nicht nacheinander durch Änderung der Blickrichtung abgetastet werden. Das visuelle System konzentriert bereits im Vorfeld die Sehschärfe auf die ihm wichtig erscheinenden Bereiche. Im laufenden Verkehr können wir so Verkehrsschilder am Straßenrand erkennen, ohne dabei den Blick von der Straße wenden zu müssen. Lange Zeit glaubte man, dass eine bewusste Entscheidung darüber, auf welches Objekt sich die Aufmerksamkeit richtet, nur in den obersten Verarbeitungsebenen des Gehirns getroffen wird. Treue und sein Team konnten nun erstmals mit einer Fülle von Messdaten zeigen, dass die Aufmerksamkeit bereits auf den unteren Bildverarbeitungsebenen die «Sinne schärft».
Quelle: Netdoctor
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