Das
QT-Syndrom ist eine seltene lebensgefährliche
Krankheit, die bei sonst völlig herzgesunden Menschen zum
plötzlichen Herztod führen kann. Es wird auch als
Long-QT-Syndrom (LQTS) bezeichnet und ist entweder
vererbt (
kongenital) oder erworben, dann meist als Folge einer
unerwünschten Arzneimittelwirkung. Die bekanntesten kongenitalen QT-Syndrome sind das
Romano-Ward-Syndrom und das
Jervell- und Lange-Nielsen-Syndrom (JLNS).
Das wegweisende und namensgebende Krankheitszeichen des QT-Syndroms ist eine Verlängerung der
QT-Zeit im
Elektrokardiogramm (EKG) mit einer frequenzkorrigierten QT-Zeit (QTc) von über 440
Millisekunden (ms). Für das
QT-Syndrom typisch ist anfallsweise auftretendes Herzrasen (
Tachykardie), oft in Form der lebensbedrohlichen
Torsade de pointes-Tachykardien. Diese
Herzrhythmusstörungen können zu
Schwindelattacken, plötzlicher Bewusstlosigkeit (
Synkope) und zum Herzstillstand durch
Kammerflimmern führen. Viele Patienten leiden aber unter keinerlei Beschwerden, bleiben also
asymptomatisch.
Sowohl die Tachykardien als auch die Synkopen treten bevorzugt bei körperlicher Belastung oder in Stresssituationen auf. Bei symptomatischen Patienten ist die
Prognose ohne Behandlung schlecht, fast allen Patienten kann aber heutzutage eine adäquate
Therapie angeboten werden.
Inhaltsverzeichnis
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Ursache und Formen [Bearbeiten]
Pathogenese [Bearbeiten]
Ursache des QT-Syndroms sind letztlich nur sehr geringfügige Abweichungen im Ablauf der elektrischen Signalübermittlung in den Zellen des Herzmuskels (
Myokard). Dabei handelt es sich um eine verzögerte
Repolarisation, hauptsächlich eine Verlängerung der als
Phase 2 bezeichneten Plateauphase des
Aktionspotentials. Während dieser früher oft als
vulnerable Phase bezeichneten Zeit von etwa 300-400 Millisekunden können irreguläre Nach
depolarisationen bereits wieder ein Aktionspotenzial auslösen, welches dann länger anhaltende Arrhythmien triggern kann („
getriggerte Aktivität“). Bei den kongenitalen QT-Syndromen wird die Verlängerung der Plateauphase durch abnorme Eigenschaften der Ionenkanäle verursacht, entweder in Form eines verminderten Ionentransports (
„loss of function“ des
Kalium-Ionenkanals beim LQTS1 und LQTS2) oder einer erhöhten Transportleistung (
„gain of function“ des
Natrium-Ionenkanals beim LQTS3)
[1]. Beim erworbenen
QT-Syndrom wird sie in erster Linie auf eine Hemmung des schnellen Anteils des Kalium-Ionenstromes IKr zurückgeführt.
Kongenitale QT-Syndrome [Bearbeiten]
Seit Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden mit dem Romano-Ward- und dem Jervell- und Lange-Nielsen-Syndrom zunächst zwei klinische Erscheinungsformen (
Phänotypen) des angeborenen QT-Syndroms unterschieden. Heute sind
molekularbiologisch eine Vielzahl verschiedener Syndrome identifiziert, wobei aktuell sechs
Genotypen (LQTS1-LQTS6) dem Romano-Ward-Syndrom zugerechnet werden, zwei dem JLNS (JLNS1-JLNS2) und einer dem Andersen-Syndrom (LQTS7). Ihnen gemeinsam ist eine
Mutation von Genen, welche die
Ionenkanäle der Herzmuskelzellen kodieren.
Bei den kongenitalen Formen sollten alle
blutsverwandten Familienmitglieder auf das Vorliegen eines QT-Syndroms untersucht werden.
Quelle: Wikipedia