Gegen Billig-Medizin: Protesttag im September
Bielefeld (ddp). Krankenhaus-Patienten müssen sich einem Bericht des Bielefelder «Westfalen-Blatts» (Samstagausgabe) zufolge in Zukunft auf monatelange Wartelisten einstellen. Aufgrund der finanziellen Belastungen der bundesweit 2166 Kliniken seien Leistungsreduzierungen, Personalabbau, die Schließung von Abteilungen, eine Mehrbelastung für Ärzte sowie ein Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld unvermeidlich, sagte der Sprecher der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG), Andreas Priefler, der Zeitung. Planbare Behandlungen müssten auf die lange Bank geschoben werden. Ein Patient, der ein Hüftgelenk benötige, müsse somit länger warten. Ferner werde bei der Hüftgelenk-Operation dann die preisgünstigste Variante gewählt. »Wir sind in Deutschland auf dem Weg zur Billig-Medizin«, sagte Priefler der Zeitung. Derzeit würden von einem Arzt im kommunalen Krankenhaus jährlich 133 Patienten behandelt. Die Zahl werde sich auf mehr als 180 erhöhen. In privaten Häusern betrage sie bereits 183. Wenn die Politik nicht einlenke, müssten die Kliniken im nächsten Jahr eine finanzielle Mehrbelastung von insgesamt 2,75 Milliarden Euro verkraften. Allein die Tarifrunde der Ärzte schlage in den Uni-Kliniken, den kommunalen Kliniken sowie den kirchlichen und privaten Häusern mit 1,5 Milliarden Euro zu Buche. Ferner führe die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu einer Mehrbelastung von 500 Millionen Euro. Am 5. September werde eine Informationskampagne an allen Kliniken gestartet. Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker würden in »ihr« Krankenhaus eingeladen, um sich aus erster Hand über die finanzielle Notlage zu informieren. Weiterhin müsse für Ende September mit Demonstrationen von Bürgern und Patientenverbänden gerechnet werden. Lenke die Politik nicht ein, verschärfe sich der Trend zu Klinikschließungen.
Quelle: Netdoctor
|