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Alt 01.09.2006, 08:57
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
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Registriert seit: 28.03.2005
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Standard Arthrose kann man aufhalten

Arthrose kann man aufhalten


Was nützt eine Behandlung überhaupt? Und haben die Schmerzmittel nicht viel zu viele Nebenwirkungen? Sollte man sich nicht eigentlich einfach nur schonen? Fragen,
die der Rheumaspezialist Dr. med. Wolfgang Bolten von der Klaus Miehlke-Klinik in Wiesbaden hier beantwortet.

Arthrose – da kann man nichts machen, sagen viele. Stimmt das?
Nein! Grundsätzlich gilt: Man kann die Arthrose aufhalten. Man kann sogar heutzutage den Knorpel außerhalb des Gelenkes neu züchten und dann als Knorpelersatz implantieren. Da hat die Entwicklung gerade erst begonnen. Aber erst mal ist es ganz wichtig, die Arthrose aufzuhalten. Und da gibt es eine ganze Reihe Möglichkeiten. Welche, das hängt ganz vom einzelnen Patienten ab. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Gewichtsreduktion bei denjenigen, die übergewichtig sind. Und das gilt vor allem für Frauen. Bei Frauen konnte man eindeutiger als bei Männern nachweisen, dass die Gewichtsreduktion eine Verbesserung der Arthrose in den großen Gelenken mit sich bringt.

Woran kann ich eigentlich erkennen, ob meine Schmerzen von einer Arthrose herrühren?
Die Gelenkabnutzung, also die Arthrose, kann verhältnismäßig leicht von einer entzündlichen Gelenkerkrankung, der Arthritis, durch den unterschiedlichen Schmerzcharakter und die Zahl und den Ort der betroffenen Gelenke abgegrenzt werden. In Ruhe schmerzt die Arthrose anfangs nicht. Erst nach dem Aufstehen aus dem Sessel oder morgens aus dem Bett entsteht der Anlaufschmerz. Es dauert ein paar Minuten, bis die
Gelenke wieder "geschmiert" sind und ihren Dienst ohne Schmerz weiter tun. Nach einiger Zeit und bei größerer Belastung kommt dann aber doch der Belastungsschmerz. Dann bringt Ruhe Erleichterung. Ganz anders bei der Arthritis. Die Morgensteifigkeit in den Gelenken, verbunden mit Gelenk- und Weichteilschmerz, hält länger an, auch ohne Bewegung oder Belastung. Normale Bewegung bringt sogar Erleichterung. Und in der Regel sind mehrere, vor allem kleine Gelenke, wie die Fingergrund- oder die Zehengelenke, an beiden Händen und Füßen betroffen. Die Knie- oder Sprunggelenke oder andere große Gelenke können hinzukommen. Eine Entscheidung sollte letztlich der Arzt nach einer genaueren Untersuchung treffen. Damit dann auch gleich die richtige Behandlung eingeleitet wird. Arthritis behandelt man komplett anders als Arthrose.

Ab wann sollte der Patient den Arzt aufsuchen?
Grundsätzlich: Länger andauernde Schmerzen müssen behandelt werden. Wenn man nur kurzzeitig sein Gelenk überbeansprucht hat, die Schmerzen danach bald wieder weg sind und auch nicht wiederkommen, muss man nicht zum Arzt. Das sind ganz normale Reaktionen des Körpers. Aber in dem Moment, in dem Schmerz häufiger auftritt, der Schmerz mehrere Gelenke betrifft und länger anhält, und wenn die Belastung den Schmerz eigentlich nicht erklärt, dann gehört dieser Schmerz abgeklärt. Das muss der Arzt machen.

Schmerzbehandlung: Ist das nicht nur ein Herumdoktern an den Symptomen?
Nein, wenn die Schmerzen weniger werden oder ganz weggehen, ist das der Beginn aller weiteren Behandlungsmöglichkeiten. Die erste ist die physikalische Therapie, vor allem Krankengymnastik, die die Gelenke wieder stabil macht, die Bänder und Muskeln trainiert, und so ein gut geführtes Gelenk mit kräftiger Muskulatur darum herum und straffen Bändern schafft. Das entlastet das Innere des Gelenkes und beugt dem fortschreitenden Knorpelabbau vor. Wenn jemand die Schmerzen heroisch aushält, sich dabei aber schont und nicht bewegt, erreicht er das Gegenteil: Das Gelenk wird immer instabiler, und die Arthrose galoppiert mit jeder kleinen Gelenkbelastung vorwärts.

In Zeiten andauernder Sparmaßnahmen hat man als Patient immer Angst, man erhält nicht das Bestmögliche. Was ist die beste Therapie, die ein Arthrosekranker heute bekommen kann?
Die beste Therapie, die er heute bekommen kann, ist die, die ihn vom Schmerz befreit. Das muss nicht unbedingt teuer sein. Aber die Therapie sollte sicher sein. Dafür muss der Arzt sorgen. Danach muss die Bewegungstherapie einsetzen. Da kann man vieles selbst machen, wenn man es nur ein- oder zweimal vom Fachmann gezeigt bekommt.

Was verschreiben Sie gewöhnlich gegen die Schmerzen?
Da richte ich mich nach einem Drei-Stufen-Schema, das sich nach der Intensität der Schmerzen richtet. Auf der ersten Stufe beginnt man mit Schmerzmitteln, wie Paracetamol oder Metamizol. Die wirken zwar nicht überaus stark, haben aber bei regulärer Dosierung auch wenig Nebenwirkungen. Wenn diese Medikamente nicht ausreichen, gibt man stärkere Mittel wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac. Allerdings können sie erhebliche Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt verursachen. Magenschonender sind so genannte Coxibe wie Celecoxib oder Etoricoxib. Andere Coxibe haben die Hersteller vor etwa zwei Jahren vom Markt genommen, bei ihnen wurden erstmals häufiger Herzinfarkte bei der antirheumatischen Therapie beobachtet. Wie wir heute wissen, gilt dieses Herzrisiko auch für alle älteren Antirheumatika, nicht nur für die Coxibe. Der Arzt muss deshalb sorgfältig wählen, welche Schmerzmittel er welchen Patienten gibt. Mit Säureblockern, die im Fachjargon "Protonenpumpenhemmer" heißen, kann man der Gefahr von Magenblutungen entgegensteuern. Als dritte Stufe der Schmerztherapie kommen dann die betäubungsmittelartigen Substanzen in Frage.

Bei denen dann aber keine Sucht auftritt?
Nein, das ist kaum ein Problem, die Sucht kann man durch die richtigen Dosierungen und die gleichmäßige Dosierung vermeiden. Aber vor allem bei älteren Menschen dürfen die anderen opioidbedingten Nebenwirkungen nicht unterschätzt werden. Man sollte mit dem Arzt besprechen, was einen da erwarten kann.

Gibt es eine Anti-Arthrose-Diät?
Anti-Arthrose-Diäten gibt es sicherlich nicht. Aber es gibt eine gute und eine schlechte Ernährung. Und gut ist die so genannte mediterran orientierte Kost, also die italienische oder griechische Küche mit eher weniger Fleisch.

An welcher Stelle sehen Sie die Operation?
Wenn Schmerzen durch die medikamentösen und anderen Therapien nicht mehr zu beseitigen sind, kann die Operation der letzte Ausweg sein. Dann wird zum Beispiel ein künstliches Ersatzgelenk eingesetzt.

Kann man sagen, welches die beste Operationstechnik und der beste Gelenkersatz ist?
Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, und die beste ist immer die, die der durchführende Operateur am besten kann. Wenn jemand einen Gelenkersatz mit oder ohne Zement bekommt, dann hat das immer seine individuellen Gründe. Aber eine Operation oder Prothese ist nicht von vornherein besser als die andere. Aber für jeden Patienten gibt es die individuell am besten geeignete Methode. Ich persönlich halte es so, dass ich meinen Patienten sage, sie sollen sich Meinungen von zwei Operateuren einholen, die unterschiedlich operieren. Und sie sollen sich vor allem noch einmal eine Meinung von jemandem einholen, der nicht operiert, aber trotzdem was von der Erkrankung versteht.

Kann man Knorpel durch richtige Ernährung oder Nahrungsergänzung wieder aufbauen?
Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis darüber, dass das beim Menschen funktioniert, trotzdem gibt es immer wieder Hoffnungen bei einigen dieser Maßnahmen. Ich überprüfe solche Verfahren immer darauf hin, ob sie beim Patienten einen Schaden anrichten können oder ob eine andere sinnvolle Behandlung verschleppt wird. Vitamin E beispielsweise kann Schmerzen reduzieren. Es kann sogar helfen, die Dosis der anderen Schmerzmittel zu reduzieren. Aber Vitamin E allein reicht nur selten aus.

Was ist zu Glucosaminsulfat und Hyaluronsäure zu sagen?
Das sind alles Substanzen, die auch die Schmerzen verringern. Die wissenschaftlichen Studien darüber würde man heute vermutlich anders gestalten, aber diese Untersuchungen weisen tatsächlich die Schmerzreduzierung nach. Und es gibt Studien, die für solche Präparate eine geringe Verzögerung der Gelenkspaltverengung zeigen. Ob das reicht, ihren Einsatz zu rechtfertigen, ist in Wissenschaftskreisen umstritten. Man sollte solche Alternativen aber nicht wegen fehlender harter Studiendaten verteufeln. Denn für manche Patienten, die das Geld dafür ausgeben wollen und können, stellen sie eine gut funktionierende Möglichkeit dar, die Operation hinauszuzögern.

Was ist mit Wärme- oder Kälteanwendungen?
Kälte bringt bei einem entzündeten, überwärmten Gelenk immer Erleichterung. Danach kann der Patient das Gelenk besser bewegen und seine Übungen wieder machen. Der Kältereiz fördert die Durchblutung und den Stoffwechsel im Gelenk. Es gibt aber gerade bei Arthrose auch Phasen, da braucht das Gelenk Wärme, wenn die Durchblutung besser funktionieren soll. Vor allem bei nicht entzündeten, instabilen, schmerzhaften Gelenken hilft die Wärme. Ob nun gerade Kälte oder Wärme gut ist, merkt der Patient am besten selbst. Unterkühlung der Haut oder Überhitzung des Gelenkes können erheblichen Schaden anrichten. Mit ein bisschen Sorgfalt können solche Probleme aber vermieden werden.

Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Apothekerin Jutta Petersen-Lehmann

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Alt 01.09.2006, 09:03
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
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Ort: Dortmund
Beiträge: 10.994
Standard

Hallo,

Arthrose kann für viele Familienangehörige zu einem Problem werden. Die durch die Pflege verursachte hohe Belastung der Gelenke ist dafür mitverantwortlich.

Eine gute Prävention ist, wenn man sich jede Erleichterung gönnt, die man nur kriegen kann ...

Oft könnte man es sich etwas leichter machen, denkt aber "Na, das geht auch so" ... die Folgen spürt man dann erst Jahre später.

Daher an dieser Stelle der Appell an alle (mich jetzt mal eingeschlossen, weil ich tendiere auch oft dazu, zu sagen: "Es geht ja noch"): Versucht, Euch das mit der Pflege so einfach wie möglich zu machen. Nutzt Hilfsmittel. Beantragt Hilfsmittel, die Euch entlasten ...

LG

Mary
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  #3  
Alt 14.05.2007, 18:24
vienetta vienetta ist offline
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Registriert seit: 04.08.2006
Beiträge: 3.585
Standard Arthroseschmerz: Auch Gefühlszentren spielen mit

Studie zur Schmerzverarbeitung im Gehirn
Arthroseschmerz: Auch Gefühlszentren spielen mit

Ein Forscherteam um Dr. Bhavna Kulkarni von der Universität Manchester hat mittels PET untersucht, welche Gehirnstrukturen bei Arthrose- und experimentell erzeugten Schmerzen aktiviert werden.

Durch Arthrose (Bild) bedingte Schmerzen werden offenbar anders verarbeitet als experimentell ausgelöste Schmerzen. Foto: Archiv
14.05.07 - Im Rahmen der Studie (Arthritis & Rheumatism 56 [2007] 1345-1354) unterzogen sich zwölf Patienten mit Gonarthrose einer PET des Gehirns mit 18F-Fluorodeoxyglucose (FDG-PET). Auf diese Weise wurde die Reaktion des Gehirns auf Arthrose-bedingte Knierschmerzen und auf künstlich (durch Hitze) erzeugte Schmerzen aufgezeichnet.

Unter Arthrose- und Hitze-bedingtem Schmerz zeigten sich die bekannten Schmerzzentren des Gehirns in gleicher Weise aktiviert. Allerdings stellte sich heraus, dass beim Arthroseschmerz darüber hinaus auch Cingulum, Thalamus und Amygdala aktiviert sind. Diese Regionen des Gehirns sind üblicherweise für Emotionen zuständig.

Fazit: Bei der Erprobung neuer Analgetika genügt es nicht, deren Effekte auf künstlich erzeugte Schmerzen zu testen. Arzneien gegen Arthroseschmerzen müssen möglicherweise auch die Emotionszentren des Gehirns erfassen. me / medica.de
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