Therapie mit Blutstammzellen: Hitzige Diskussion um Nutzen
Therapie mit Blutstammzellen: Hitzige Diskussion um Nutzen
München (netdoktor.de) - In der hitzigen Diskussion um den Nutzen der Stammzelltransplantation bei Blutkrebs lenkt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ein und kündigt Verbesserungen am Vorbericht an. Bei der Anhörung am Dienstag in der Kölner Zentrale des Instituts hatten Ärzte und Forscher den Bericht scharf kritisiert. In dem Papier stellt das IQWiG fest, dass die aufwändige Therapie den Patienten keinen Vorteil gegenüber der gewöhnlichen Chemotherapie verschaffe. Dies widerspricht der Meinung der großen hämatologischen Fachgesellschaften. Dr. Ulrike Holtkamp, Patientenbeistand der Deutschen Leukämie- und Lymphomhilfe (DLH), zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der Anhörung: „Leukämiepatienten brauchen auch in Zukunft die Gewissheit, dass eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden kann, wenn Fachmediziner das für nötig halten“, erklärt die Ärztin. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) bemängelte vor allem, dass viele aussagekräftige Studien über die Wirksamkeit der Therapie nicht berücksichtigt wurden. Mehrere Fallstudien, die Experten für aussagekräftig halten, habe das IQWiG zurückgewiesen. Zur Stammzelltransplantation bei Fremdspendern sei lediglich eine einzige Studie herangezogen worden, die aber kein klares Ergebnis lieferte. Die DGHO kündigte an, bisher unpublizierte Daten nachzuliefern. Das IQWiG zeigt sich verwundert über die Reaktionen der Fachgesellschaften. "Wenn es so viele wichtige Studien gibt, warum wurden sie dann noch nicht publiziert oder uns zumindest ausgehändigt?" fragt Institutsleiter Professor Peter Sawicki im Netdoktor-Gespräch. Sollten die neuen Daten maßgeblich sein, werde man den Vorbericht natürlich entsprechend verbessern. Die Kritik der Experten nehme er ernst. "Deswegen publizieren wir ja Vorberichte", meint Sawicki. Den endgültigen Bericht leitet das Institut an den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) weiter, der dann entscheidet, ob die Krankenkassen in Zukunft für die Kosten der Therapie aufkommen. In der Regel richtet sich der Ausschuss dabei nach den Empfehlungen des IQWiG. Leukämien sind Krebserkrankungen der Blutzellen, bei denen es zu einer ungebremsten Vermehrung der weißen Blutkörperchen kommt. Bei der Stammzell-Transplantation wird mittels einer Chemotherapie zunächst das kranke körpereigene Knochenmark zerstört. Danach werden Stammzellen eines Spenders injiziert, die neue, gesunde Blutzellen bilden sollen.
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